Liebe Wanderfreunde,

knapp drei Wochen ist es nun her, dass die letzten Glutnester im Bereich der Partschenhörner im Großen Zschand durch die Kameraden der Feuerwehren unseres Landkreises gelöscht wurden. NatĂŒrlich interessiert uns, welche SchĂ€den an Wanderwegen und Vegetation entstanden sind, um so ein umfassendes Bild zu gewinnen, welche Wege auf lĂ€ngere Sicht gesperrt bleiben. Unsere beiden VogtlĂ€nder, Anja und Udo, wĂŒnschten sich, einmal das Waldbrandgebiet zu besuchen, was wĂŒrde sich da besser anbieten, als sich einmal zum Winterstein zu begeben, denn im Bereich der BĂ€renfangwĂ€nde gab es ja auch das ein oder andere Feuer.

Doch bevor es richtig los geht, zunĂ€chst noch ein Hinweis fĂŒr unsere Freunde aus nah und fern: Wie einige wenige von euch sicher schon erfahren haben, kĂ€mpft das Restaurant „NeumannmĂŒhle“, welches wir auch zu den SĂ€chsischen Naturistentagen besuchten, ums Überleben. Zu Beginn der Saison wurden die Betreiber der NeumannmĂŒhle, wie auch andere Wirte und Hoteliers der Region durch die COVID-Auflagen eingeschrĂ€nkt, so dass hier bereits ein betrĂ€chtlicher Teil der Einnahmen verloren ging. Zwei Jahre unter den Auflagen verschiedener Gesundheitsminister fĂŒhren dazu, dass die finanziellen Reserven erschöpft sind und man ĂŒberlegt sich, den Betrieb einzustellen. Zu allem Übel kam nun noch der Waldbrand hinzu, der in der Hauptsaison fĂŒr zahlreiche Stornierungen sorgte. Wer will in einem Wald wandern gehen, der bis auf die eine Kiefer an der Bastei komplett in Flammen steht ?

GefĂŒhlt hatten wir den Eindruck, dass manche Touristen durch die Berichterstattung so dachten. Dass man in der SĂ€chsisch-Böhmischen Schweiz nicht nur wandern kann, zeigte der Tourismusverband und bat Touristen zu bleiben, sowie Buchungen nicht zu stornieren. Geholfen hat es leider nicht viel – so gab es Stornierungen bis Ostern 2023 â€Š

Daher möchten wir euch bitten, falls ihr in der Region zu Gast seid, schaut bei Familie Galle vorbei – das Essen und die Gastfreundschaft sind auf jeden Fall erstklassig. Wer ein Zimmer sucht, um von hier aus ĂŒber den Malerweg zu wandern, wird genauso fĂŒndig, wie Kletterer, die im Großen Zschand oder den Affensteinen die Gipfel erklimmen möchten.

BerghĂŒtte & Wirtshaus „NeumannmĂŒhle“
Kirnitzschtalstraße 4
01855 Sebnitz OT Ottendorf
Webseite

Hinweis: FĂŒr einen Besuch im Wirtshaus bitten die Galle’s bis auf Weiteres um vorherige telefonische Reservierung.

Doch kommen wir zur Wanderung ! Start war – wie nicht anders zu erwarten – der Parkplatz an der NeumannmĂŒhle. WĂ€hrend unsere beiden VogtlĂ€nder schon warteten, entschied ich mich im Vorfeld kurz mit den Betreibern der NeumannmĂŒhle zu sprechen – Ursprung der obigen Bitte. Kleiner Hinweis: Wir erhalten und erwarten hier keine Gegenleistung seitens den Betreibern der NeumannmĂŒhle. Dabei erfuhr ich auch, dass die Zeughausstraße nach wie vor gesperrt sei, obwohl die Absperrung nur noch halbseitig vorhanden ist und es wohl erste Gedanken gibt, diese fĂŒr den Wanderverkehr dauerhaft zu schließen. Dies wĂ€re gerade mit Hinblick auf die NeumannmĂŒhle – nicht nur BerghĂŒtte und Wirtshaus, sondern auch technisches Denkmal – ein großer Verlust, bietet doch der Parkplatz fĂŒr rund 70 Autos Parkmöglichkeiten. Auf den Hinweis hin, dass auch die SpitzsteinschlĂŒchte nach wie vor gesperrt sind – diese Informationen aktualisieren wir regelmĂ€ĂŸig in unserem Beitrag „Unser Wald – Ein bedrohter Lebensraum“ – begaben wir uns in jene SchlĂŒchte. Lediglich der obere Teil ist hier etwas „gefĂ€hrlich“. Wer in den Wald geht, der weiß, dass hier jederzeit und ĂŒberall Gefahren lauern können: Von der kleinsten Zecke, ĂŒber den Fuchsbandwurm, umstĂŒrzende BĂ€ume, und Steinschlaggefahr hat sich die Natur allerlei „LiebenswĂŒrdigkeiten“ einfallen lassen, um die Stadtbevölkerung von ihr fernzuhalten đŸ˜‚ â€Š

FĂŒr all jene Wanderer, die vom Land kommen, stellt dies natĂŒrlich kein Hindernis dar: So werden umgestĂŒrzte BĂ€ume zum Spielplatz, die Brombeeren außer Reichweite des Fuchsbandwurms direkt vom Strauch gegessen und die nahen Steine der Umgebung entlang des Weges erklommen. Barfuß macht eine (Nackt-)Wanderung dann allerdings noch mehr Spaß, dachte sich Torsten aus dem Spreewald und so blieben die Schuhe gleich zu Beginn der Wanderung im Rucksack bzw. im Auto. Auf dem Lorenzweg, unterhalb des Kleinen und Großen Lorenzsteins, angekommen, entschied sich auch Udo die Schuhe in den Rucksack zu packen – der Weg war allem Anschein nach barfußtauglich, die Erinnerung an den weiteren Zustand aber schon etwas verblasst. So entledigte auch ich mich meiner Schuhe. Von nun an ging es – barfuß bis zum Kinn – ĂŒber die Knorre, doch leider war der Weg so steinig, dass Udo und ich uns wenige hundert Meter spĂ€ter entschieden, die Schuhe doch lieber wieder anzuziehen. Torsten hingegen hielt durch und erzĂ€hlte uns von seinen Erlebnissen in Frankreich, wo er die letzten drei Monate verbrachte.

Am Ende der Knorre – die Kreuzung zur Zeughausstraße lag schon vor uns, entdeckten wir dann auch die ersten Brombeeren der Wanderung. Leider teilweise schon vertrocknet, fanden sich eine Etage darunter noch die letzten saftigen Beeren, die so rein gar nichts mit dem chemischen Element Brom gemein haben.

Das Wort Brombeere hat sich ausdem althochdeutschen Wort brāmberi‚ DorngebĂŒschbeere oder Beere des Dornstrauchs, entwickelt.

Es ging hinab – Anja und Udo wollten der Zeughausstraße geradeaus weiter folgen, doch Anstiege werden in Sachsen, wie in ThĂŒringen von ganz unten angegangen. So kamen noch einmal wenige Höhenmeter hinzu, als es durch die BuchschlĂŒchte hinauf zum Winterstein ging. Vorbei an der „BĂ€renfanggrube“, nicht die einzige im Gebiet des großen Zschands ( wobei Dr. Rölke in seinem WanderfĂŒhrer „Felsenlandschaft zwischen Bad Schandau und Hinterhermsdorf“ doch eher von den Resten einer mittelalterlichen Wach- und Kontrollstelle des Hinteren Raubschlosses ausgeht ), erblickten wir etwas oberhalb von uns zwei Wanderer, die sich auf dem Königsweg einen Weg suchten. Über die RaubsteinschlĂŒchte – das ein oder andere Mal mussten wir uns dann doch einen neuen Weg, ob der umgefallenen Fichten suchen – nĂ€herten wir uns dem Zustieg zum Winterstein, im Volksmund auch „Hinteres Raubschloss“ genannt. Ob hier wirklich Raubritter und Wegelagerer ihr Unwesen trieben, lĂ€sst sich nicht belegen â€Š

Ein Blick in die GeschichtsbĂŒcher â€Š

  • Wahrscheinlich im 13. Jhd. errichtet und 1379 erstmals urkundlich erwĂ€hnt
  • Eine markgrĂ€flich-meißnerische Besatzung lag auf dem Winterstein zwischen 1406 und 1408
  • 1451 gelangte der Winterstein, nach Jahren unklarer BesitzverhĂ€ltnisse an Sachsen
  • Bevölkerung bezeichnete den Winterstein an die angeblich dort lebenden Raubritter als „Hinteres Raubschloss“

Zuletzt waren wir ĂŒbrigens zu den SĂ€chsischen Naturistentagen im Jahre 2020 zu Gast – insofern wurde es mal wieder Zeit hier vorbeizuschauen. Es freut mich, Wanderer immer wieder an ihre Grenzen zu bringen und gerade Anja ist hier ein schönes Beispiel, denn wenn es eins gibt, was sie nicht mag, dann sind es freistehende Leitern. Tjaaa wie ungĂŒnstig, dass ausgerechnet am Winterstein eben so eine Leiter zu finden ist: Sicher, gut verankert, sind es dennoch sieben Meter, die es hier zu ĂŒberwinden gilt.

Da fluch ich lieber a bissl und schimpf en Weng, dann is auch wieder besser.

- Anja -

Und so ließ es sich Anja auch nicht nehmen, im Verlauf des Weges zur Aussicht zu schimpfen, was das Zeug hielt – wir wussten natĂŒrlich, dass dies eher spaßig gemeint war, dennoch war sie froh oben zu sein und die Messlatte fĂŒr die nĂ€chste Herrausforderung wieder ein StĂŒck höher gesetzt zu haben.

Es kĂŒndigte sich ein leichter Schauer an und so genossen wir etwas unterhalb des Gipfels unsere Pause, bevor es die letzten Meter hinauf zur Aussicht ging. Lang weilten wir nicht an jenem Ort, an dem einst die Felsenburg Winterstein stand, an den Ruinen des Wohnturms findet sich heute eine Informationstafel mit einem Rekonstruktionsversuch der Burganlage zu ihrer BlĂŒtezeit. Leider nur eine Fotomontage, doch Torsten wies daraufhin, dass es so vielleicht auch besser sei, denn sonst wĂ€re der Winterstein heute Ă€hnlich touristisch erschlossen wie die Bastei oder die Festung Königstein. Mitten im Herzen des Nationalparks wollen wir das lieber doch nicht. Udo wĂŒnschte sich einen Blick auf das Waldbrandgebiet – gar nicht so einfach, denn von oben sahen wir erstmal â€Š nichts. Im Bereich der BĂ€renfangwĂ€nde brannte es ebenfalls und so kam der Gedanke, ĂŒber den BĂ€renfangwĂ€ndesteig hinauf zur Goldsteinaussicht zu laufen.

Doch findest du den Eingang, dann ist das schon der halbe Weg zum Ziel. Wir begaben uns hinab durch die RaubsteinschlĂŒchte und stellten fest, dass der untere Eingang völlig mit abgestorbenen Fichten zugefallen war – hier ging es zumindest nicht weiter. Was nun ? Wir entschieden uns, die Goldsteinaussicht vom Zeughaus zu erklimmen, im Nachhinein gar nicht mal so verkehrt, denn so trafen wir im Verlauf des Roßsteigs auf zwei Ă€ltere Herren, die uns den Tipp gaben, in Richtung der RichterschlĂŒchte zu laufen und sie erzĂ€hlten uns kurz von ihren Erlebnissen auf dem Weg. Anjas Freude ob des zu bewĂ€ltigenden Anstiegs war phĂ€nomenal – 176 Höhenmeter ĂŒber knapp 1,2 Kilometer warteten auf uns, dies entspricht einer Steigung von gut 15%. Stellenweise waren es natĂŒrlich mehr. Wir waren alle froh, als wir dann endlich oben an der Aussicht ankamen – zwei Bauarbeiter ( oder sollte man sagen „Modellbauer“ ) waren gerade dabei, den infolge der Löscharbeiten stark in Mitleidenschaft gezogenen Weg in seinen natĂŒrlichen Zustand zu versetzen – dabei erinnert es ein wenig an die Kunst beim Modellbau â€Š

SelbstverstĂ€ndlich legten wir auf der Goldsteinaussicht eine lĂ€ngere Pause ein. Torsten nahm dies zum Anlass, die letzten Sonnenstrahlen des Tages zu genießen, denn der Himmel zog langsam zu. Udo war allmĂ€hlich etwas „enttĂ€uscht“, denn auch von hier aus erblickten wir keine verkohlten Wipfel oder sahen irgendwelche anderen Spuren des Waldbrandes. Medial wurde so viel darĂŒber berichtet, so dass man – selbst als Sachse – den Eindruck erhielt, dass vom Boden, bis zu den Wipfeln große Teile der Hinteren SĂ€chsischen Schweiz niedergebrannt seien. Doch vor Ort sieht man davon an den Aussichten erstmal nichts. Sicher gibt es auch Aussichten, wie jene an der Wolfsnadel, oder der Idagrotte, an der die SchĂ€den auf digitalen Film festgehalten werden können. Ein Grund seinen Urlaub zu stornieren ist das aber unserer Meinung nach nicht.

Und so dauerte es nicht lang, bis wir auf unserem Weg zu den RichterschlĂŒchten an der Kreuzung zum Gehackten Weg auf einem Baum den Hinweis „P8 Rathen“ lasen – fĂŒr die achte Pumpstation. Harald, unser Wanderfreund aus ThĂŒringen, einst selbst Feuerwehrmann, erklĂ€rte mir zu den ThĂŒringer Naturistentagen, wieviel Wasserdruck verloren geht pro hundert Höhenmeter und ebener Wegstrecke – im Nachhinein hĂ€tte man sich diese Zahlen notieren sollen, aber vielleicht ließt er ja jene Zeilen und informiert uns darĂŒber, so dass wir euch diese nachreichen können đŸ˜‰.

Kurz darauf war es dann doch so weit: Im Verlauf des Roßsteigs erblickten wir im tiefen Wald die ersten verkohlten Überreste der vom BorkenkĂ€fer befallenen und durch zahllose StĂŒrme umgestĂŒrzten Fichten. Mysteriös war auch eine plötzliche Stille, welche alsbald vom Zwitschern der Vögel unterbrochen wurde, dennoch fiel auf, dass es etwas ruhiger war. Wir waren fasziniert vom Anblick des Weges zur Linken und Rechten, denn zwischen all den verbrannten Fichten wuchs bereits neues Leben: Farne, bereits einen halben Meter hoch, erste kleine Birken und Heidekraut fanden hier im nĂ€hrstoffreichen Boden einen idealen Platz fĂŒr einen Neuanfang. Die Nationalparkverwaltung verweist selbst auf das Brandgebiet an der Bastei, welches vor vier Jahren in den Fokus rĂŒckte: Heute findet sich hier ein ĂŒppiger Wald aus Birken, Kiefern, Fichten, Buchen und anderen Pflanzen wieder â€Š

Warum sollte es also hier, im Großen Zschand, nahe der Kernzone zur SĂ€chsischen Schweiz anders sein ? Menschen trifft man in diesem Teil des Nationalparks eher selten, so dass die Natur hier genĂŒgend Ruhe und Zeit findet, ihre Artenvielfalt zu entwickeln. Wie lang das außen verkohlte Holz hier liegen wird, lĂ€sst sich nur schwer beurteilen, meint Udo, selbst Waldbesitzer, denn die verbrannten Stellen des Holzes bieten einen besseren Schutz gegen die Witterung. FrĂŒher wurde diese Erkenntnis genutzt, um HolzpfĂ€hle im Boden gegen Ă€ußere EinflĂŒsse witterungsbestĂ€ndig zu machen. Nicht jeder Baum fiel dem Feuer zum Opfer: Birken hielten der Hitze stand, so entdeckten wir immer wieder vereinzelte LaubbĂ€ume, deren BlĂ€tter und Rinde angesengt waren, doch die Kronen waren stellenweise grĂŒn. Auch die Wipfel der Nadelgehölze waren unberĂŒhrt – den Flammen fiel also weitestgehend nur Totholz zum Opfer ( glĂŒcklicherweise ist dies – nach Aussage der Nationalparkverwaltung – im Jahresmittel immer feucht đŸ€” ). Eine ErklĂ€rung, warum von den Aussichten kaum etwas zu sehen ist.

Vorbei am Katzenstein, bogen wir in die RichterschlĂŒchte ein – hier war schon bedeutend mehr vom Waldbrand zu sehen und so war der gesamte obere Teil der Schlucht verbrannt. Fotografisch spĂ€testens jetzt ein Highlight der heutigen Tour: Das viele GrĂŒn, im Kontrast zur einsetzenden LaubfĂ€rbung und den verbrannten Überresten. Wir werden in den kommenden Wochen und Monaten sicher mehrere AusflĂŒge in die Waldbrandgebiete unternehmen đŸ˜‰ â€Š

Ein Vorteil fĂŒr die Nationalparkverwaltung und den Sachsenforst: Hier muss in nĂ€chster Zeit niemand im großen Stil irgendwelche Wege von umgestĂŒrzten Fichten befreien. Auf der anderen Seite tat es auch weh, die FeuerschĂ€den am Sandstein zu sehen, hier wird die Natur wesentlich lĂ€nger als am Boden brauchen, um die Spuren der Katastrophe zu verwischen. Wieviele Kletterrouten hier in Mitleidenschaft gezogen wurden, lĂ€sst sich aktuell ebenfalls noch nicht sagen, doch auch hier hat der Große Zschand wieder einen Vorteil: Das Hauptklettergebiet liegt in den Affensteinen, dem Bielatal, am Falkenstein und in der Vorderen SĂ€chsischen Schweiz. Also gibt es so auch fĂŒr Kletterer erst einmal keinen Grund, ihren Urlaub zu stornieren.

Wer entlang des Malerwegs laufen möchte, dem wird diese besondere Kulisse sicher gefallen, zeigt sie doch eine lebendige Natur, denn wer weiß, wie lang dieser Anblick zu sehen sein wird ? Die Farne lassen schnell die am Boden liegenden Fichten verschwinden, das Heidekraut bedeckt den restlichen Boden und geschĂŒtzt zwischen den Pionieren des Waldes wachsen Birken, Kiefern, Fichten, Buchen und zahllose weitere Arten unter deren Schutz. Dass dies kein Wunschdenken unsererseits ist, zeigt das folgende Foto, entstanden im oberen Verlauf der RichterschlĂŒchte â€Š

Anfangs dachten wir, dass dies ein sehr langwieriger Prozess sein wird, bis die ersten Pflanzen ihren Weg durch die Asche finden, doch dank der AufklĂ€rung einiger Mitwanderer lernten wir, dass die Asche eines Waldbrandes die meisten NĂ€hrstoffe aufweist – BĂ€cker werden es vielleicht kennen, denn auch die Type des Mehls wird so ermittelt. Selbst das Krinitzgrab, in Erinnerung an Gotthard Krinitz, der am 1. August 1908 an seiner BegrĂ€bnisstĂ€tte beraubt und im UnglĂŒck verschieden ist, war noch intakt – nur die Kunstblumen litten ein wenig in der Hitze der nahen Flammen.

Nach einiger Recherche fanden wir heraus, dass Gotthard Krinitz ein Student war, der 1908 einem Mord zum Opfer fiel: Er wanderte im Sommer 1908, 19-jĂ€hrig, wĂ€hrend seiner Semesterferien durch das Elbsandsteingebirge. Zuletzt ĂŒbernachtete er in der Nacht zum 1. August in Rosendorf, auf der böhmischen Seite. Von dort wollte er zum Prebischtor und weiter auf dem Fremdenweg laufen. Seine genaue Route ist aber nicht bekannt. Als der junge Gotthard am Ende des Urlaubs nicht zu seinen Eltern zurĂŒckkehrte, entschieden sich diese eine Vermisstenanzeige aufzugeben, zunĂ€chst ohne Erfolg. Ein Jahr spĂ€ter fand im Sommer 1909 eine Beerensammlerin seinen Leichnam im dichten Unterholz der oberen RichterschlĂŒchte. Die Geldbörse war leer und seine Uhr verschwunden, die Inspektion zeigte einen gebrochenen Fuß. Vermutet wurde, dass Krinitz von der Felswand hinter dem Fundort hinuntergestĂŒrzt oder gestoßen wurde. Da ein Abtransport der Leiche in dem unwegsamen GelĂ€nde nicht möglich war, wurde er an Ort und Stelle begraben. Seine Eltern ließen ihm dort einen Grabstein mit folgender Inschrift setzen:

Hier ruht in Gott unser
unvergesslich lieber Sohn u. Bruder
der strebsame und hoffnungsvolle SchĂŒler
v. d. Königl. Gewerbe-Akademie z. Chemnitz

Gotthard Krinitz

geb. d. 13. Oktbr. 1888 in Frankenberg i./Sa.
am 1. August 1908 an seiner BegrÀbnisstÀtte
beraubt, im UnglĂŒck verschieden.

Die genaue Todesursache konnte angesichts des bereits skelettierten Leichnams nicht mehr festgestellt werden. Weitere Ermittlungen der Polizei fĂŒhrten ebenfalls zu keinem Ergebnis, auch wenn ein Gastwirt aus Herrnskretschen, dem Ort unterhalb des Prebischtors, ihn noch drei Wochen nach seinem Verschwinden gesehen haben wollte.

Angeblich soll ein Leierkastenmann aus Herrnskretschen auf dem Sterbebett den Mord an Gotthard Krinitz gestanden haben. Dieser Leierkastenmann hatte sich bis in die 30er Jahre des vorigen Jahrhunderts zur Unterhaltung der Wanderer am Fremdenweg postiert und auch eine kleine HĂŒtte errichtet. Ob er tatsĂ€chlich den Mord an Krinitz bekannt hat, ist nicht nachweisbar.

So ruht Gotthard Krinitz nun seit mehr als 110 Jahren an diesem Ort und nur er kennt sein Schicksal. Wir hofften, dass es uns hinab des Weges durch die RichterschlĂŒchte nicht Ă€hnlich ergehen möge, doch die Zeit, in der dir Menschen nach dem Leben trachteten, gehört – zumindest hier, in der Hinteren SĂ€chsischen Schweiz – der Vergangenheit an. Auch BĂ€ren und Wölfe sind im wildesten Teil des Elbsandsteingebirges nicht mehr heimisch. Bleibt also nur noch die Angst vor den Kalorien, jenen kleinen Tierchen, welche ĂŒber die vielen NĂ€chte unsere Wanderkleidung so eng nĂ€hten, dass uns nichts mehr anderes ĂŒbrig blieb, als nackt zu wandern đŸ˜„. Der untere Teil der RichterschlĂŒchte versprach noch einmal ein leichtes Fluchen seitens Anja, denn hier war es nicht nur feucht und rutschig, sondern es gab auch so manch grĂ¶ĂŸere Stufe(n) zu ĂŒberwinden. Und so entstand am Ende des Tages eine durchaus sehr interessante Wanderung, deren Verlauf wir euch nicht vorenthalten möchten â€Š

12,7 km519 m519 m230 m464 m

Der letzte Teil unserer Wanderung verlief entlang der Straße durch den Großen Zschand, vorbei am Zeughaus, ging es ĂŒber die gesperrte Zeughausstraße zurĂŒck in Richtung der NeumannmĂŒhle. Ein Dank fĂŒr das FreirĂ€umen der Zeughausstraße gebĂŒhrt ĂŒbrigens nicht der Stadt Sebnitz, sondern den örtlichen Feuerwehren, die infolge der WaldbrĂ€nde den Wander-, Rettungs-, und Zulieferweg freigerĂ€umt haben.

Abschließend möchten wir noch einmal allen Helfern danken, die wĂ€hrend der WaldbrĂ€nde an und ĂŒber ihre Grenzen hinaus gegangen sind, um unsere einzigartige Heimat in ihrer ganzen Artenvielfalt zu retten. Euch gebĂŒhrt unser Dank !

Ich hoffe, dass euch dieser Wanderbericht gefallen hat,
euer Martin

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Über Martin

NatĂŒrlich. Nackt. Frei. Seit Sommer 2015 haben diese drei Worte einen neuen Lebensweg fĂŒr mich geprĂ€gt. Ich war es leid, immer wieder die richtigen Klamotten in Schuh- oder BekleidungsgeschĂ€ften zu finden, nur um sie nach meiner nĂ€chsten Wanderung in die Waschmaschine werfen zu können. Der Bibel zufolge wurde der Mensch nackt von Gott erschaffen - wir sehen dies sogar heute bei jeder Geburt, dass niemand mit einer MĂŒtze geboren wird. Aber warum sollten wir Kleidung wĂ€hrend einer Wanderung tragen ? Schließlich sind wir ein Teil der Natur und je mehr wir den Kontakt mit dieser erfahren, um so eher sind wir gewillt diese zu schĂŒtzen. FĂŒr mich ist es daher wichtig, dass ich nicht nur meinen eigenen Körper der Natur aussetze, sondern dass meine Umwelt um mich herum geschĂŒtzt wird 


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