Liebe Wanderfreunde,

wie lang habe ich drauf gewartet, diese Zeilen zu schreiben: „Endlich ist der stürmische Winter vorbei“. Die dicken Klamotten können nun endlich wieder im Schrank verschwinden und es wird wieder an der Zeit, die Wanderkarten in den Rucksack zu packen, sowie alte Freunde zu begrüßen. Auf dem Programm stand eine alt bekannte Route – Die Raubritter vom Frienstein – doch als Wanderleiter hilft es eben nicht nur die Strecke zu kennen, sondern auch Chancen zu sehen. Die geplante Route sollte uns über die Obere Affensteinpromenade durch ein Loch im Sandstein führen – am Ende fanden wir uns auch in so manchem Loch wieder, nur waren wir da etwas vom Weg abgekommen ? Die geplante Route sollte zumindest diesen Verlauf nehmen …

9,93 km794 m794 m176 m457 m

Gegen 9:45 Uhr kamen Rainer und ich bereits am Parkplatz im Nassen Grund an und wir sollten die Ersten sein. Kurz darauf trafen Christian aus Dresden und Udo aus dem Vogtland ein – Letzterer meldete sich am Vorabend, dass er uns verstärken wolle. Die Freude war groß – ganz besonders auf Seite des Wanderleiters – nachdem Udo und Frau Anja in den vergangenen zwei Jahren ihren Urlaub in der Sächsischen Schweiz verbrachten. Kurz nach 10 – wir waren schon etwas verunsichert, ob Andrea und Roberto erscheinen würden, sahen wir den grünen Rennstreifen um die Kurve fahren. Nur ohh weh, das Kleingeld machte den beiden Haselbachtalern zu schaffen, wie gut, dass Udo aushelfen konnte und nach kurzer Begrüßung konnten wir dann auch schon starten – zunächst noch bekleidet, denn wer den Nassen Grund kennt, weiß, dass es hier nicht nur nass, sondern auch stets etwas kühl ist.

Doch der erste Anstieg ließ nicht lang auf sich warten: Die Eulentilke führte uns über knapp 650 Meter gut 75 Höhenmeter hinauf. Kurz vor Ankunft an der Kreuzung Zeughausweg / Untere Affensteinpromenade entschied ich mich die Klamotten in den Rucksack zu packen und rief zu Roberto: „Wanderstart“. Es war ein herrliches Gefühl, endlich wieder so wandern zu können, wie wir es gewohnt waren. Die erwähnte Kreuzung wurde natürlich genutzt, um sich von so manchem Ballast zu befreien ( wie den Klamotten ) und es entstand zugleich das erste Gruppenfoto des Tages …

Rainer, Roberto und Udo waren so in ihre Gespräche vertieft, dass sie zunächst gar nicht mitbekamen, dass Andrea, Christian und ich in Richtung Wilde Hölle abbogen. Aber sie würden uns schon sehen, wie wir zwischen den Fichten verschwinden würden. Die Klamotten vor der Wilden Hölle in den Rucksack zu verstauen war … eine blöde Idee, denn wo Schatten ist, da ist es eben auch kühl und so bat ich Andrea, unser Gespräch kurz zu unterbrechen, denn der Körper wollte auf Temperaturen gebracht werden – ein kurzer Sprint und ich fand mich hinter Christian wieder.

Wenig später fanden wir wieder zueinander, denn der erste größere Aufstieg stand an: Es ging über den Sandstein einige Meter hinauf – wie gut, dass überall Griffe, Eisen und auch noch so manch helfende Hand zur Verfügung stand. Die erste Begegnung mit einem Textilwanderer brachten wir auch hinter uns – es sollte nicht die Letzte sein und so grüßten wir freundlich, bevor wir uns weiter an den Aufstieg machten. Oben angekommen ? Na noch nicht ganz, dennoch fragte ich Rainer, ob alles in Ordnung sei, während Andrea die ersten Glasscherben entdeckte – ein rankommen war allerdings nicht möglich, außer man legt sich in den kalten Schlamm …

Weiter geht’s über Stock, Wurzel und Stein, als Andrea plötzlich vor einer größeren Pfütze stehen blieb. Udo schlich sich an ihr vorbei, doch Andrea stand immer noch da – also bat ich Udo, kurz mein Stativ zu halten, um Andrea halbwegs trockenen Fußes über die Pfütze zu geleiten. Warum Andrea ihre Schuhe noch nicht auszog ? Ganz einfach, sie war sich aufgrund des Untergrunds noch etwas unsicher und verkühlen wollten wir uns nun wirklich ( noch ) nicht. Doch dann geschah es: Auf unserem Weg durch die Eulentilke erzählte mir Andrea bereits von ihrem Fahrradunfall beim Besuch ihrer Tochter in Halle und als ich ihr helfen wollte, drückte ich ein wenig zu fest ihre Hand, da war der Schmerz kurzzeitig wieder da – tut mir leid 😣. Kurz vor Ende der Wilden Hölle standen wir vor der Wahl: Welchen der drei Wege nehmen wir ? Sie sollten ohnehin alle wieder zusammenführen, aber jeder wollte seine eigenen Erfahrungen machen und so nahm Udo den angenehmen Weg über uns hinweg, Andrea entschied sich für die sportliche Alternative mit reichlich Kletterei über einen Stein und eine Wurzel, während ich mich durch eine etwas engere Spalte zwischen zwei Steinen zwängte. Der Winter hatte seine Spuren hinterlassen, doch „die Zahlen“ sind auf einem guten Weg.

Kurze Verschnaufpause ?

Wir entschieden uns – am Ende der Wilden Hölle angekommen – der Oberen Affensteinpromenade zu folgen. Christian, Rainer und Roberto waren schon ein wenig vorausgelaufen. Für Andrea wurde es aber dennoch an der Zeit, ihre Schuhe an den Rucksack zu baumeln, mit ein wenig Hilfe alles kein Problem und als wir am Leuchterweibchen ankamen, stellte ich Andrea und Udo vor die Entscheidung, ob es der leichte Weg sein solle oder eine kurze Kletterpassage. Wir entschieden uns für Letzteres und vernahmen auch kurz darauf an: „Holladihüdü“. Es war Roberto, der es sich auf einer umgestürzten Birke bequem machte …

Ob ich mir das auch trauen würde ? Es kommt auf einen Versuch an – im Moment bin ich sowieso etwas „unzurechnungsfähig“. „Nur im Moment ?“, fragte Rainer etwas später 🤪.

Es ging vorbei am Ende der Zwillingsstiege, bevor über die nächsten Steine geklettert werden durfte. An der Aussicht oberhalb des Klettergipfels „Brückenturm“ – mit Blick auf den Einstieg jener Stiege – legten wir eine Pause ein, auch wenn es erst drei Minuten vor 12 war, sollte dies unsere Mittagspause werden. Die Zeit wurde genutzt, um einige Fotos zu machen und auf einen nahegelegenen Stein zu klettern. Wiedermal war es Roberto, der hier neue Wege erkundete – auch am Rissklettern versuchte er sich kurz darauf, doch der Riss war vielleicht etwas zu schmal. Rainer verteilte in der Zwischenzeit den Inhalt seines Rucksacks – ein Praliné für jeden … oder auch zwei. Und selbst Roberto musste diesmal nicht überzeugt werden, da die Pralinés doppelt verpackt waren und ihm dies noch auf vorangegangenen Wanderungen missfiel.

Mitten in unserer Pause kamen zwei Textilwanderer des Weges daher und wir fragten sie, wohin sie denn ihr Weg führen würde. „Auf der Häntzschelstiege waren wir bereits“, ließ den Gedanken reifen, warum nicht auch an jenem 23. März diese zum Start der Wandersaison erklimmen ? Jede Idee verdient es geäußert zu werden und nach kurzem für-und-wieder entschieden wir uns für die Häntzschelstiege – für Rainer noch komplettes Neuland, doch meisterte er sogar den Sprung am Ende mit Bravur. So begaben wir uns Richtung Häntzschelstiege. Im Kamin war es noch etwas kühl und Rainer war sich zunächst nicht sicher, ob er durch den Eingang passen würde, doch ich konnte ihn beruhigen: Auch Erik wurde hier schon hochgescheucht 😉 ( sei mir nicht böse Großer ). Andrea bekam ein wenig Unterstützung, so dass auch sie mit all ihren Blessuren sicheren Fußes den ersten Tritt der Leiter erreichte …

Oben angekommen: Fast kein Wind. Ideale Wanderbedingungen. Dies dachten sich auch so manche Textilwanderer, welche die Aussichten auf dem Kopf der Stiege für sich nutzten, um die Sonne zu genießen oder einfach die Pausenbrote auszupacken. Ein Gruppenfoto sollte ebenso auf digitalem Film landen, wie ein Foto von der Aussicht …

Schneller als gedacht fanden wir uns auch schon auf dem Langen Horn wieder. Das war’s schon wieder mit der Häntzschelstiege – schade. Aber zum Jahresauftakt haben wir es auch noch nicht geschafft, gleich mal eine Stiege zu begehen. Für alle Wanderer war spätestens hier klar: Die Wanderung war geil. Auf Höhe der Aussicht mit Blick zum Wolfsturm – ich wollte grad den „Erklärbär“ für die umliegenden Steine spielen – klingelte plötzlich Andrea’s Telefon. Ihre Tochter aus Halle gab ein kleines Lebenszeichen von sich und so entschieden wir uns einfach noch eine Pause einzulegen, denn wer weiß, wie stabil das Netz wenige Meter weiter sein würde.

Auch wenn der Ort zu schön war, die Sonne wollte allmählich verschwinden und spätestens als der Wanderleiter im Schatten lag und keinen neuen Sonnenplatz fand, entschieden wir uns wieder aufzubrechen.

Die ursprüngliche Route hätte vorgesehen, dass wir uns über den Zurückesteig in Richtung des Kleinen Doms begeben würden, doch eine Wanderung mit Hauptziel Frienstein, ohne diesen zu besuchen geht gar nicht und so kam erneut die Frage auf, wer alles noch zur Idagrotte wolle. Ohne Gegenstimmen entschieden wir uns für diesen kleinen „Umweg“ von zwei Kilometern – Ziel solcher Abstimmungen ist, dass wirklich alle innerhalb unserer Gruppe für eine Idee sind, sonst wird sie nicht umgesetzt. Immerhin kann es auch berechtigte Gründe für eine Gegenstimme geben und schließlich wollen wir niemanden zu irgendetwas zwingen, was er nicht möchte.

Unser Weg entlang des Reitsteiges führte uns auch vorbei an der „Aussicht zu Hund und Marder“, diese ließen wir allerdings rechts liegen und folgten dem Weg bis zum Abzweig Frienstein. Auf unserem Weg hinab trafen wir auch einen alten Bekannten: „So sieht man sich wieder“, es war jener Herr, der uns heute Morgen schon beim Aufstieg durch die Wilde Hölle entgegen kam. Mancherorts war es dann doch schon recht kühl, was einfach auch an der Sonne lag, die sich bisher noch nicht traute, das Eis an einigen versteckten Stellen zum Schmelzen zu bringen. Am Friensteinflössel ging es wieder hinauf und wir fanden so über kurz oder lang unseren Weg zur Idagrotte. Natürlich entschied sich der Wanderleiter wieder für einen alternativen Weg – es sind eben die kleinen Freuden, die ausgelebt werden wollen.

Wie man jemanden so richtig schön das Foto „verschönern“ konnte, stellte ich kurz darauf fest: Ein Pärchen war noch an der Idagrotte zu Gast, Frau wollte ihren Mann gerade in Szene setzen, als ich um die Ecke bog – sie drehte sich um, hielt sich die Hand vor den Mund und konnte sich ein Lachen nicht verkneifen. Menschen zum lächeln zu bringen ist echt schwierig – für uns ein Kinderspiel 😄 …

Die letzte Aussicht des Tages wollte nochmal für ein Foto genutzt werden, es sollten zugleich die letzten Sonnenstrahlen werden, bevor die Idagrotte im Schatten des Friensteins versank. Eine kurze Pause konnten wir uns dennoch erlauben, bevor es den einen Kilometer zurück zum Abzweig Zurückesteig ging. Auf unserem Weg trafen wir auf ein älteres Pärchen aus Österreich, die uns noch „Viel Spaß“ wünschten und offener gegenüber dem Thema Nacktwandern waren, als jene Österreicher, auf die wir bisher trafen. Am Zurückesteig sind auch zahllose Fichten dem Borkenkäfer ( und anschließend der Kettensäge ) zum Opfer gefallen, für Christian, Andrea und mich Anlass auf einem Baumstumpf mal die Freiheitsstatue oder den Gleichgewichtssinn auszutesten …

So langsam näherte sich der Tag seinem Ende entgegen und auch unsere Wanderung versprach nur noch ein letztes Highlight: Den Kleinen Dom. Über die Obere Affensteinpromenade ging es zunächst hinab in die Schlucht, unterhalb des Carolafelsens zur Rechten. Knapp 100 Meter weiter trafen wir auf einen Wegweiser und die zwei uns entgegenkommenden Mädels interessierten sich plötzlich spontan für dessen Beschilderung – es muss wie Folter gewesen sein, als Udo und ich begannen uns für ihren Hund zu interessieren 😂. Sie ließen sich nix anmerken und wir folgten dem Verlauf unserer Route. Unterhalb des Klettergipfels „Trabant“ wollte ich noch einen weiteren Abzweig erkunden, doch Christian wollte nach Hause, so wird dieser Abzweig Teil einer Erkundungswanderung im Gebiet des Kleinen und Großen Doms.

Wir folgten dem Verlauf der Oberen Affensteinpromenade für weitere knapp 590 Meter, bevor wir in Richtung des Kleinen Doms und der kleinen Domstiege abbogen. Eine letzte Aussicht sollte uns nicht verwehrt bleiben: Das Massiv der Schrammsteine, den Falkenstein und genau zwischen beiden das Symbol unseres Nationalparks – den Lilienstein – im Blick …

Durch das Sandloch bzw. gleichnamigen Weg, ging es anschließend „über den Jordan“ ( auch hier ist lediglich der Weg gemeint ) zurück in den Nassen Grund. Am Abzweig Nasser Grund / Jordanweg schlüpften Andrea, Christian, Roberto und Udo plötzlich in ihre Klamotten. Lediglich Rainer und ich blieben eisern, so dass wir den Parkplatz auch noch in Wanderbekleidung erreichten. Auch wenn es am Ende frisch war, sollte ein kurzes Bad in der Kirnitzsch nicht verwehrt bleiben. Schon bei Ankunft am Parkplatz testete ich die Wassertemperatur – wenn es gut kam waren es acht Grad. Es sollten im Laufe des Tages nicht viel mehr werden und so kam das Handtuch genau im richtigen Moment 🥶.

Fazit: In den letzten Tagen stieg die Vorfreude mehr und mehr auf diesen Mittwoch, denn wir wussten, wenn die Wetterlage so bleibt, dann wird dieser Tag zum gelungenen Start in die Wandersaison 2022. Am Ende der Wanderung blieb bei allen Beteiligten die Vorfreude auf die nächste Wanderung, sowie die kurze Erkenntnis: „Es war geil“. Auch aufgrund des Abstechers zur Häntzschelstiege, denn die Obere Affensteinpromenade lag entlang des geplanten Verlaufs fast vollständig im Schatten.

Ich hoffe, dass euch dieser Wanderbericht gefallen hat,
euer Martin

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Über Martin

Natürlich. Nackt. Frei. Seit Sommer 2015 haben diese drei Worte einen neuen Lebensweg für mich geprägt. Ich war es leid, immer wieder die richtigen Klamotten in Schuh- oder Bekleidungsgeschäften zu finden, nur um sie nach meiner nächsten Wanderung in die Waschmaschine werfen zu können. Der Bibel zufolge wurde der Mensch nackt von Gott erschaffen - wir sehen dies sogar heute bei jeder Geburt, dass niemand mit einer Mütze geboren wird. Aber warum sollten wir Kleidung während einer Wanderung tragen ? Schließlich sind wir ein Teil der Natur und je mehr wir den Kontakt mit dieser erfahren, um so eher sind wir gewillt diese zu schützen. Für mich ist es daher wichtig, dass ich nicht nur meinen eigenen Körper der Natur aussetze, sondern dass meine Umwelt um mich herum geschützt wird …

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