Liebe Wanderfreunde,

inzwischen sind so einige Tage vergangen, die Sächsischen Naturistentage, als auch die Thüringer Naturistentage sind Geschichte, es wird also Zeit, sich neu zu orientieren und den Blick in die Zukunft zu wagen. Im vergangenen Jahr nutzten wir bereits die Technik, um unseren Wanderfreunden im Ferienhaus ein kleines Bonusprogramm zu bieten, schließlich sollte ein gewisser Mehrwert zu finden sein, wenn man sich für diese Art der Übernachtung entscheidet. So wurden wir nicht müde, mit folgenden Worten in diesem Jahr abzuschließen:

Es gibt so viele Dinge, die unser Leben reicher machen können und zu etwas Besonderem, zu wissen, dass es sie noch gibt: Diese weißen Flecken im Sandstein, Orte an denen noch nie ein Nacktwanderer vor uns gewesen ist. Das wird uns gewiss weiter antreiben und auch in Zukunft locken. Zu immer neuen Abenteuern.

Eines dieser „neuen Abenteuer“ wollten wir an diesem Sonnabend bestreiten. Schon in der längerfristigen Planung, gab es diese eine Stiege im Polenztal, die unbedingt gefunden werden wollte, schon allein der Name versprach so manches Geheimnis: Speisekammer …

Recht kurzfristig, um genau zu sein 13 Stunden vor Start der Wanderung, gab es dann noch eine Ankündigung im Mail-Verteiler, denn eigentlich wollte der Sonnabend genutzt werden, um den Wanderbericht für die Thüringer Naturistentage zu schreiben. Das gute Wetter und die Aussicht auf kommende Woche, riefen dann aber doch nach einer kleinen Planänderung und so fanden wir uns gegen 10 im Polenztal ein. Rainer aus Geringswalde, der zur SNT mehrfach positiv auffiel, schrieb wenige Stunden vor Start der Wanderung, dass er mit von der Partie sei und gegen Sieben aufbrechen wolle. Bereits gegen Neun war er so in Dohna angekommen und konnte den Wanderleiter aufgabeln.

Andrea und Roberto trafen – wie verabredet – in der elften Stunde am Parkplatz an der Frinztalmühle ein und nach kurzer Begrüßung konnten wir unsere Wanderung starten. Bevor es los ging, halfen wir einer jungen Familie bei der Auswahl ihres Wanderziels: Sollte der Sprössling in die Kraxe oder den Kinderwagen ? Es blieb die Frage zu klären, ob nun lieber der Brand besichtigt oder das Polenztal erkundet werden wolle. Wenig später brachen auch wir zur Wanderung auf …

Der Verheißung so mancher Badestellen und dass wir es etwas gemütlicher angehen wollten, nahm Andrea zum Anlass, sich im Tiefen Grund abzukühlen – von der Sonne bekamen wir unter dem dichten Blätterdach noch nicht ganz so viel mit, wohl aber von den Temperaturen, die im Verlauf des Tages auf bis zu 27 Grad kleterten. Also rein in das kleine Bächlein, Rainer, Roberto und meine Wenigkeit hielten die Kameras parat – Andrea war sichtlich erfreut, ob des kühlen Nass.

Wie üblich, kamen wir während der Wanderung ins Gespräch und so wusste ich bereits, dass Andrea an den vergangenen Naturistentagen nicht teilnehmen konnte, da sie zur Kur in Berggießhübel war, in der Zeit nach der Kur, kaufte sie sich auch einen interessant aussehenden „Rucksack“, den man auch als Tasche tragen konnte. Gesichert durch ein Dreipunktsystem um die Brust herum, schien er äußerst bequem zu sein 😊. Wenig später entdeckten wir dann noch eine etwas größere Badestelle und die Wassernixe kam heraus, während ich mir die Zeit nahm, erneut mit der App „Spectre“ zu spielen …

Wir verließen den Tiefen Grund und es sollte bergauf gehen: Die Brandstufen führten uns über knapp 370 Meter gut 100 Höhenmeter hinauf, bevor wir an der ersten Eisentreppe, den Weg über das Holz nahmen und uns auf dem Begangsteig wiederfanden – diesen gibt es übrigens im Polenztal mehrfach. Hinter dem ersten Stein nahmen wir uns die Zeit, ein wenig zu pausieren, als kurze Trinkpause geplant, verquatschten Andrea und ich uns etwas, so dass wir erst nach einer guten Viertel Stunde weiterliefen. Über den Begangsteig ging es vorbei an so manch imposantem Stein zur Linken – darunter auch der „Aussicht zu den Hafersäcken“, Rainer entgegnete mir hier, dass es schön wäre, auf einem der Steine zu stehen und als ich ihm versprach, dass wir später eben jenen Stein betreten werden, konnte er dies noch nicht so ganz glauben.

Wer Roberto kennt, der weiß, dass er so manche Kletterpartie nicht auslässt. So und nicht anders sollte es auch während dieser Wanderung der Fall sein: Einer der Steine entlang des Begangsteigs wurde teilweise erklommen, selbst ich versuchte mich am Stein, stellte aber dann doch recht schnell fest, dass der Vanessa-Effekt abgeklungen war 😞.

Doch es sollte der Moment kommen, an der meine Freude zurückkommt und wo gelingt einem dies besser, als auf einer Wanderung mit guten Freunden ? So durfte im weiteren Verlauf des Weges natürlich nicht die Erläuterung fehlen, durch welche Aktionen Rainer zur SNT positiv aufgefallen ist und es wurde bereits angeteasert, was er in Abstimmung mit uns für nächstes Jahr plant – dazu aber mehr, wenn es so weit ist.

Kleiner Hinweis: Sichert euch schnellstmöglich einen Platz im Ferienhaus 😉.

Am Eingang zur Speisekammer angekommen, ging es durch den dichter werdenden Wald, ehe wir uns vor einer Wand wiederfanden. Und nun ? Der Weg – vorerst noch als T2 auf der Karte markiert, teilte sich nach Links, als auch nach Rechts, problematisch daran: Der „linke Teil“ des Weges wurde zuerst nicht als solcher erkannt und so standen wir etwas ratlos im Wald, bis Andrea’s Erinnerung wiedereinsetzte, dass sie hier schon einmal mit ihrem „Winterwanderleiter“ Jens gewesen ist. Natürlich mit Roberto im Schlepptau und so fanden wir den linken Abzweig dann doch noch, ohne vorher am Brandturm eine Kletterpartie einzulegen.

Ohne es direkt auf der Karte zu sehen, fanden wir uns vor der Speisekammerstiege wieder – als wir dann mitten vor jenem Motiv standen, was ich die ganze Zeit über im Kopf hatte, wurde klar, dass dies eine kleine Herausforderung zu sein schien. Nass ist es hier immer und einige Tage später, zeigte uns Torsten aus vormals Mannheim einen alternativen Aufstieg, um die Kette ( rechts neben dem Baum  ) außer Acht zu lassen: Man klettert einfach über den Baum hinauf. Wir entschieden uns jedoch für den „richtigen“ Weg und nahmen den Aufstieg entlang des Steins …

Der erste Versuch von Roberto gelang noch nicht so wie geplant und er sprang mir wenige Zentimeter vor die Schuhe in den Matsch – wie gut, dass wir in diesem Moment keine Klamotten trugen. Eindeutiger Vorteil eines Nacktwanderers 😂. Beim zweiten Versuch – Roberto wollte weniger auf die Kette vertrauen, da diese ihn nach Rechts zieht – gelang der Aufstieg dann schon besser und auch Rainer kam in einem Satz nach oben. Andrea tat es Roberto gleich und barfuß schienen die etwas kleineren Füße besseren Halt am nassen Stein zu finden. Ich entschied mich selbigen Weg zu nutzen, wie auch Rainer und nahm eine naheliegende Birke zu Hilfe, von der auch in den Weiten des Netz zu lesen ist.

Oben angekommen, wurden zunächst meine Sandalen wieder aufgesammelt, denn als ich sah, wie Roberto vorankam, flogen diese einfach einige Meter durch die Luft – es waren ohnehin die falschen Wanderschuhe, dies ist ein kleiner Kritikpunkt der „tschechischen Rock-Spring-Sandalen“ ( streng genommen ein Nachbau von Keen ), denn so gut der Grip zwischen Sohle und Boden auch ist, so schlecht ist er zwischen Sohle und Fuß im Schuh.

Die Speisekammer erhielt ihren Namen durch Jäger und Wildschützen, da diese solche kühlen Täler als Lager für ihre Beute verwendeten.

Der weitere Aufstieg wurde dann also barfuß zurückgelegt. Kurz nach unserem Aufstieg durch die Speisekammerstiege, wurde es nochmal etwas eng … naja gut, so eng nun auch wieder nicht, aber es wurde angenehm kühl …

Am Kletterstein Auguste fanden wir dann noch einen Kletterer vor, der gerade am Zusammenpacken war, „eine Wanderung und ein Klettergipfel“ reichten ihm dann doch und so ergründeten Roberto und ich die Kletterpfade in der Sächsischen Schweiz: Von der Idee eines Pfades, bis zum Setzen des ersten Ringes – wenn ihr mehr darüber erfahren wollt, so sind die Sächsischen Kletterregeln vom Sächsischen Bergsteigerbund eine lohnende Lektüre, in Punkt 3.4 „Verhalten bei Erstbegehungen“, heißt es:

Bei neuen Wegen oder Varianten dürfen andere Kletterrouten weder in ihrem historisch vorgegebenen Verlauf noch in ihrem Charakter beeinträchtigt werden. Wege sollen sich am natürlichen Verlauf der Felsstruktur ( kletterbare Linie ) ausrichten. Großzügigkeit ist eine unverzichtbare Eigenschaft, besonders bei Varianten. Der seitliche Wegabstand soll 3 Meter nach beiden Seiten nicht unterschreiten. Bei vorübergehender Annäherung an eine bestehende Route ist auf eigene Ringe zu verzichten.

Neue Wege sollen wenigstens zur Hälfte Neuland erschließen. Markante Sockel oder Gipfelaufbauten werden dabei separat bewertet.

Der Erstbegeher hat für ausreichende Sicherung des neuen Aufstiegs zu sorgen. Sind keine genügenden natürlichen Sicherungsmöglichkeiten vorhanden, ist das Anbringen eines Ringes, besonders an notwendigen Nachholestellen, geboten. Der Ort des Ringes muss vom Einstieg über den Aufstiegsweg erreicht werden. Ein vorheriges Anbringen von Ringen, z. B. durch Abseilen, Hineinqueren oder mit Sicherung von oben, ist nicht zulässig.

In Punkt 3.5 „Anbringen von Ringen“, wird weiter darauf verwiesen:

Beim Anbringen von Ringen dürfen vom Erstbegeher entsprechend den Regeln gelegte Seilschlingen, Klemmkeile und Klemmgeräte im Sinne von Punkt 2.2 ( Sicherungs- und Hilfsmittel ) und Skyhooks als Haltepunkt benutzt werden. Ebenso darf der zum Anbringen des Ringlochs benutzte Bohrer als Haltepunkt dienen.

Der Abstand zwischen zwei Ringen einer Route darf 3 Meter nicht unterschreiten. […] Empfohlen werden jedoch Ringabstände von mindestens 5 Metern.

Der Abstand von 3 Metern ist auch zu Ringen anderer Aufstiege einzuhalten, wenn die Erstbegehung in diese einmündet, von ihnen abzweigt oder diese kreuzt. Wird bei einer Erstbegehung ein vorhandener Aufstieg benutzt oder gekreuzt, dürfen in ihm keine Ringveränderungen vorgenommen werden.

Ich hoffe, dass nun etwas Licht ins Dunkel kam, mehr dazu wird sich sicher noch im Laufe diesen Jahres ergeben, denn ich möchte noch einmal in der Ottendorfer Hütte vorbeischauen und einen Grundkurs im Klettern absolvieren.

Vorbei ist sie, die Zeit der Ruhe und Einsamkeit, denn bereits in unmittelbarer Nähe war die Brandstraße auszumachen und es sollten so manche Textilwanderer unterwegs sein. Doch bevor es über die geschotterte Straße ging, hielten wir noch eine kleine Raupe auf digitalem Film fest …

Von der Brandstraße war es nur ein Katzensprung, bis zur Brand-Baude, an der uns eine Gruppe Textilwanderer entgegenkam und einer von ihnen etwas verwundert wirkte, dass mit Andrea auch eine Frau in unserer Gruppe anwesend war. Für ihn wohl Gelegenheit genug, sich mal eine Frau in aller Ruhe anzuschauen, denn er blieb direkt vor Andrea stehen und blickte wunderlich schnell von oben nach unten – wir empfanden es mehr als Spaß, zog er doch die Aufmerksamkeit von uns auf sich 😆. Vorbei ging es am Ziegengehege direkt zur Thümmelgrotte …

Die Inschrift in der Thümmelgrotte ist nach mehr als 200 Jahren nur noch schwer zu entziffern, wie gut, dass uns die Telekom im Wald ein wenig behilflich war und wir so den Rest des Gedichts vernehmen konnten:

Wohl mir, dass mir noch unverwöhnet
Die Lockung der Natur gefällt,
Solch eine Gegend, Freund, versöhnet
Mich mit dem Überdruß der Welt.
Man wird des Lebens überdrüssig
Bei aller Ebb’ und Flut der Stadt.
Doch hier, geschäftig oder müßig,
wird keiner seines Daseins satt.

– Moritz August von Thümmel ( 1738 – 1817 ) –

Was wäre eine Pause, ohne das zugehörige Mittagsmahl ? Gut, es war schon kurz nach 15 Uhr und so langsam wurde es Zeit für einen Kaffee – wenn es nach Roberto geht. Aber eine gute Schnitte, dazu etwas Obst und Gemüse sind sicherlich auch nicht verkehrt. Wem das immer noch alles zu ungesund ist, dem bleibt ja noch die Waldküche …

… die Roberto im späteren Verlauf der Wanderung auch dankend annahm. Während unserer Badestelle unweit der Waltersdorfer Mühle, entdeckte er „Indisches Springkraut“, was man „nur vertreiben könne, in dem man es aufisst“. Interessante Taktik, ob dies überall mit Allem funktioniert 😄 ? Wie dem auch sei, wir nahmen uns die Zeit für eine ausgedehnte Pause, denn der Rest des Weges sollte uns vor keine großen Herausforderungen mehr stellen. Es blieb die Zeit, die Sonne und den Ausblick auf den Lilienstein, sowie die Bärensteine und den Rauenstein zu genießen …

Gut eine halbe Stunde ging ins Land, da wurde es dann doch Zeit aufzubrechen – die Wanderung sollte noch nicht fortgesetzt werden, vielmehr wurde es Zeit, die nahegelegenen Steine zu erkunden und so fand Andrea einen Weg über die Wurzeln auf die Thümmelgrotte, während ich zuvor noch an einem etwas kleineren Stein auf die „Jagd nach den Schrammen des Tages“ ging und diese auch prompt erhielt. Aber erst so richtig schöne schwierige Pfade – egal wie klein sie auch sind – machen den besonderen Reiz aus, der mich jeden Morgen aus dem Bett holt.

Nach einer weiteren Viertel Stunde brachen wir dann aber doch wieder auf und begaben uns zur letzten Aussicht des Tages: Die Hafersäcke hinter uns liegend, zückte Rainer sein iPhone 11 Pro aus der Tasche und betätigte den Auslöser …

Über den Schulzengrund begaben wir uns hinab zur Waltersdorfer Mühle. Wir legten eine kurze Badepause ein, bevor uns die Bremsen erinnerten, wer hier der eigentliche Besitzer des malerischen Flüsschens Polenz ist. An den Uferböschungen konnte man zum Teil noch die Schäden der Wassermassen erkennen, die sich hier ihren Weg am 17. Juli 2021 bahnten. Der letzte Abstecher des Tages entführte uns dann auch zu benachbarter Mühle und der Chef erinnerte uns an ein Versprechen, was er vor vielen Jahren gab:

Wenn ihr mit 50 Nacktwanderern hier auftaucht, bediene ich euch nackt.

Roberto fragte sogleich, ob wir nächstes Jahr diese Zahl erreichen würden, doch so weit können wir dann doch nicht in die Zukunft schauen, zumal auch immer noch COVID-19 ein Wörtchen mitzureden hat ( leider 😩 ). Wie gern würden wir unsere Freunde aus den USA, Singapur, Großbritannien oder Irland wiedersehen. Drum hoffen wir einfach das Beste, denn im vergangenen Jahr waren wir 50 Wanderer und vielleicht, ja vielleicht schaffen wir es auch im kommenden Jahr. Der Weg zurück zum Parkplatz führte uns über den Polenztalweg, vorbei am gleichnamigen Flüsschen, in dem wir zuvor noch badeten.

Ich hoffe, dass euch dieser Wanderbericht gefallen hat,
euer Martin

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Über Martin

Natürlich. Nackt. Frei. Seit Sommer 2015 haben diese drei Worte einen neuen Lebensweg für mich geprägt. Ich war es leid, immer wieder die richtigen Klamotten in Schuh- oder Bekleidungsgeschäften zu finden, nur um sie nach meiner nächsten Wanderung in die Waschmaschine werfen zu können. Der Bibel zufolge wurde der Mann nackt von Gott erschaffen - wir sehen dies sogar heute bei jeder Geburt, dass niemand mit einer Mütze geboren wird. Aber warum sollten wir Kleidung während einer Wanderung tragen ? Schließlich sind wir ein Teil der Natur und je mehr wir den Kontakt mit dieser erfahren, um so eher sind wir gewillt diese zu schützen. Für mich ist es daher wichtig, dass ich nicht nur meinen eigenen Körper der Natur aussetze, sondern dass meine Umwelt um mich herum geschützt wird …

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