Liebe Wanderfreunde,

wie verkürzt man eine Wanderung ? Dieser Frage gingen wir heute auf den Grund und stellten fest, dass man abseits vom geplanten Weg nicht nur schönere Fotomotive findet, sondern eben auch so manche kulinarische Begehrlichkeiten …

Wie in den vergangenen Tagen üblich, sollte auch diese Wanderung vom Parkplatz starten – nur von welchem ? In der ersten Variante war die Wanderung mit acht bzw. 16 Kilometern geplant, wir entschieden uns so für einen Start bei Albert. Während der gestrigen Wanderung planten wir den Startpunkt erneut um und entschlossen uns von Stadt Wehlen zu beginnen … wären da nicht die horrenden Parkplatzgebühren von 7€, im Vergleich zu den Parkplätzen im nahegelegenen Dorf Wehlen von lediglich 3€. Somit wurde der Start der Wanderung umgeplant und aus zunächst acht Kilometern wurden 16, bis wir uns auf 12 einigten. Wieviele es am Ende aufgrund eines „Irrtums“ werden sollten – nun lasst euch überraschen.

Nach der Wanderung auf den Gamrig und in die Honigsteine, stand eigentlich der Gedanke im Raum, dass Andrea und Roberto eine Nacht in Dohna verbringen, um sich so die weite Anreise zu ersparen. Kurzzeitig einigten wir uns darauf, dass nur Andrea übernachten würde, aber auch dieser Gedanke zerschlug sich am Ende des Tages. Zum Abendbrot sollte es eine Pizza geben, diese wurde nun etwas verschoben und so entschied ich mich noch in aller Frühe zwei Pizzen in den Backofen zu befördern – eine davon gab es zum Frühstück, die andere als Überraschung für die beiden Haselbachtaler.

Gut gestärkt brachen wir kurz nach 10 auf in Richtung unserer ersten Aussicht des Tages: Der Wilkeaussicht vor Stadt Wehlen. Die Aussicht wurde sogleich fotografiert, bevor wir auch recht schnell wieder den Weg über den Wilkebach fanden – keine einfache Sache, wenn man blind dem Track auf dem iPhone folgen will, denn Schuld war ein falsch eingezeichneter Weg. Nach kurzem Hin-und-Her fanden wir dann doch den Eingang und es ging in Richtung des Wilkebachs und ich erfuhr, dass kleine Kinder gesund sind, wenn sie spielen, denn das Anstauen des Wassers versetzte mich dann doch wieder in die goldene Kindheit zurück 😄.

Unser Weg verlief weiter durch den Wald, bis wir zu den ersten Ausläufern von Stadt Wehlen gelangten. Die Klamotten, eben erst vor der Wilkeaussicht in den Rucksack verstaut, verlangten schon wieder nach frischer Luft und so ging es mit der „Nothose“ bekleidet durch das Wehlener Künstlerviertel, vorbei an einer Bienenwiese, einer kleinen Ausstellung, die auch einige Weisheiten zum Besten gab – manche davon mit Potenzial, um sich so richtig schön aufzuregen …

Ob es nun „Sinn macht“, sich darüber aufzuregen, ob etwas „Sinn macht“ steht auf einem anderen Blatt geschrieben und wir werden diese Frage auch sicherlich nicht „an Ostern“, „an Weihnachten“ oder „zwischen den Jahren“ lösen können. Fest steht nur, dass sich nach der Wende von 1989 auch die deutsche Sprache verändert hat. Sprache lebt eben von Veränderungen, von guten, wie schlechten. Cool, oder 😉 ?

Irgendwann fanden wir uns auf dem Markplatz in Wehlen ein, ich bot Andrea, Christian und Roberto ein Eis an, aber sie lehnten ab und so begaben wir uns weiter durch Stadt Wehlen, vorbei an der Mole in Richtung des Schwarzberggrunds.

Endlich konnten wir wieder die Klamotten fallen lassen und von nun an hieß es auch die Natur mit allen Sinnen zu erleben. Die ersten Höhenmeter wurden ebenfalls recht schnell gemeistert und es ging fortan über den gut bekannten Haldenweg, vorbei an alten Steinbrecherhütten zur Rechten und ihren einstigen Arbeitsplätzen linker Hand. Am Ende eines längst vergessenen Ferienlagers ging es zunächst den Hang hinunter, bis wir uns an der Karl-Stein-Hütte des Deutschen Alpenvereins wiederfanden. Der Wanderweg führt entlang des Grundstücks und wir gelangten so zur nächsten Wochenendresidenz, mit Blick auf die „Turnvater Jahn-Hütte“, unweit entfernt des Klettersteins „Kraxelbrüderscheibe“. Direkt am Ende des Grundstücks fand sich nicht nur ein imposanter Rhododendron, sondern auch der Eingang in den Hirschgrund – es ging erneut bergan.

Nach den zahlreichen Erkundungswanderungen in Thüringen, stellte ich auch kleine Veränderungen in meiner Wahrnehmung von Höhenmetern fest und so lies der innere Andreas ab und an von sich hören, der den knackigen Anstieg zum „leichten Anstieg“ degradierte. Andrea war nicht ganz so amüsiert und korrigierte meine Aussage, so dass es eben doch ein ordentlicher Anstieg war. Andreas hingegen wurde noch einige Male während dieser Wanderung zitiert.

Im Hirschgrund angekommen, ging es den Weg rechts hinauf – der nächste Anstieg folgte. Am Ende sollten wir jedoch mit unserer Mittagspause belohnt werden. Christian, heute Morgen offenbar mit reichlich Jagdwurst gefüttert, stürmte den Aufstieg hinauf, so dass es für ihn kein Halten gab, aber Andrea, Roberto und ich ließen es ruhiger angehen. Im Verlauf des Weges nahm ich Andrea’s Rucksack an mich, so dass sie bequemer den Aufstieg bewältigen konnte. Verwöhnt wurden wir zur Mittagspause nicht nur mit leckeren Tomaten, sondern auch mit einem grandiosen Ausblick auf Kurort Rathen und den dahinterliegenden Lilienstein …

Jede Pause kennt einmal ihr Ende und so brachen wir nach einiger Zeit wieder auf, Christian wollte schließlich die Rahmhanke endlich hinter sich bringen. Wieso er nur so einen Stress macht ? Es gibt doch keinen schöneren Wanderweg in der Vorderen Sächsischen Schweiz 😃. Beginn des Weges, den Max Rahm und Ernst Hanke um 1895 wiederentdeckten ist der Wartturm, von dem man nicht nur ein wunderschönes Panorama über das Elbtal bei Rathen erhält, sondern auch die Touristen auf der Bastei erblicken kann. Wenngleich der „Wanderweg“ über die Rahmhanke schön ist, so bleibt er gefährlich, denn ein falscher Schritt kann fatale Folgen haben. Über reichlich Glasscherben gelangten wir so zur Schlüsselstelle, an der ich zuerst hinunter kletterte, um anschließend Christian und Andrea sicher nach unten zu geleiten. Christians Vorteil war eindeutig die Körpergröße, die Andrea mit etwas Kreativität ausglich. Roberto – auch wenn ich ihm half – verweigerte eine direkte Hilfe, dennoch war er dankbar, dass ihm jemand zur Seite stand.

Im weiteren Verlauf bedurfte es einiger kleiner Anpassungen, denn ein Aufstieg, welcher zum schmalen Felsband führt, ist inzwischen so ausgetreten, dass wir uns für den direkten Weg entschieden. Es ging also nochmal einen großen Stein hinauf, bevor wir uns einen Weg entlang des Felsbandes unterhalb des Klettergipfels „Steinschleuder“ suchten. Als der Weg wieder etwas breiter wurde, entstand auch ein Panorama der umliegenden Umgebung – mit Kurort Rathen und unseren Wanderfreunden im Mittelpunkt …

Das letzte Stück über die Rahmhanke stellte uns vor keine nennenswerten Probleme und so gelangten wir zur Tiedgestein-Aussicht – nicht ohne zuvor einen jungen Herren daran zu erinnern, dass Rauchen im Wald verboten sei, wenn er auch seine Schachtel Zigaretten nur in der Hand hielt. An der Schlüsselstelle war dies noch anders – eine Gruppe von Textilwanderern musste auf uns warten, dies nahm ein junger Herr zum Anlass sich mal eben einen Glimmstängel anzuzünden. Auf den Verweis hin, dass Rauchen im Wald verboten sei, musste er mehrfach hingewiesen werden – besann sich dann aber doch eines Besseren.

Wer vorsätzlich oder fahrlässig im Wald oder in einem Abstand von weniger als 100 Meter von einem Wald entgegen § 15 Absatz 35 SächsWaldG im Wald raucht, hat mit einem Verwarnungsgeld von 60 bis 1000 €, sowie einem Bußgeld von bis zu 2.500 € und in besonders schweren Fällen von bis zu 10.000 € zu rechnen.

Ab der Tiedgestein-Aussicht begann das nachfolgende „Drama“ : Die Planung sah vor, über die Bastei in Richtung des Steinernen Tischs zu laufen, doch die Gewohnheit der letzten Male gewann Oberhand und so begaben wir uns in Richtung Kurort Rathen und nahmen den Abstieg zur Felsenbühne, um zum Amselsee zu gelangen. Alles soweit fein, bis auf, dass am Amselfall wieder zahllose Wanderer anzutreffen waren, wovon uns der überwältigende Teil freundlich gesonnen war. Diejenigen, denen unser Wanderstil missfiel, hielten sich zurück, so dass wir ungehindert die Schwedenlöcher erreichten.

Der seit 2019 geschlossenen Amselfallbaude wollten wir natürlich auch einen Besuch abstatten – seit dem „dramatischen Felsabgang“ im Jahr 2017 ist diese hervorragende Gastwirtschaft ein Beispiel für die mangelnde Kooperation der betroffenen Stellen, denn als der Gastwirt im Jahr 2019 seine Baude räumen musste, ging nicht nur ein Stück Kulturgeschichte ( seit 1828 dauerhafte Bewirtung; 1910 wurde das Blockhaus errichtet ) verloren, sondern auch eine feste Größe im Rathener Gebiet. Amselfall, Bastei und die Schwedenlöcher war für viele Touristen ein Selbstläufer. Heute zieren Gerüste eines örtlichen Gerüstbauers das Landschaftsbild und führen Wanderer entlang des Wanderweges die Stufen hinauf – der „Stein des Anstoßes“ kann übrigens auch besichtigt werden.

Über die Stufen ging es hinauf zum „Hinteren Amselfall“, so wurde dieser einfach kurzerhand getauft, nachdem es während der Wanderung immer wieder Verwirrung gab, um den Amselfall und den etwas stromaufwärts liegenden Wasserfall. Andrea, Roberto und ich verhalfen uns so zu einer kurzen Abkühlung, während uns ein Ehepaar dabei beobachtete. Ein Fotograf wollte anschließend noch ein Foto von uns machen, die „Likes“ in einem sozialen Netzwerk wären ihm – nach eigener Aussage – garantiert gewesen, doch er verzichtete darauf und so kamen wir dann doch lieber ins Gespräch. Wir erzählten von der NEWT in Österreich, aber auch unseren Naturistentagen in Sachsen und Thüringen, wie auch den Naturisten an der Isar …

Irgendwann wurde es Zeit aufzubrechen und als wir so des Weges daher liefen und gerade den Nationalpark verließen, flog uns plötzlich eine Drohne entgegen. Zunächst ohne Pilot wirkte es so, als hätte sie im Wald eine Bruchlandung hingelegt, doch eine Gruppe Jugendlicher folgte dieser – inklusive ihres Piloten. Wir grüßten freundlich und zogen gegenseitig aneinander vorbei, ganz sicher sind wir so auch als Highlight auf ihrem Film gelandet 😂. An der Kreuzung zum Eugen-Biehn-Weg angekommen, ging es bergauf und wir erblickten ein Pärchen, die gerade dabei waren einem Buntspecht-Küken zuzuschauen, wie es im Bau nach den Eltern rief. Da die beiden sich recht gut auszukennen schienen, fragte ich, ob einer von ihnen ein Ornithologe sei – ein Vogelkundler und der Herr entgegnete mir, dass er dies zur Hälfte sei, er fotografiere gern Vögel und zeigte uns auf seinem Smartphone ein Video von einer Buntspecht-Mutter, die ihr Kleines fütterte. Zusätzlich erfuhren wir, dass Spechte dankbar seien und dies durch Rufe bemerkbar machen, nachdem sie etwas zu fressen von ihren Eltern bekämen.

Die Welt hätte so schön sein können, wenn Christian nichtmal einen Blick auf sein Smartphone geworfen hätte, um nach der Route zu schauen. Dabei entdeckte er, dass wir etwas abseits des geplanten Tracks waren.

Ohhhjeee, das Drama war riesig – ab diesem Moment und wieviele „Au“ musste ich mir entlang des Weges über den „Weg der Achtsamkeit“ anhören, als wir diesen über den Torwiesenweg erreichten. Aber gut, jeder kann sich mal irren und so richtig bereut haben wir es sicherlich nicht, denn mit unserer Ankunft im Uttewalder Grund waren alle Schmerzen vergessen – zu schön sollte sich einfach die Wanderung im Verlauf des 2,5 Kilometer langen Weges entwickeln. Christian war selbst noch nie in jenem Grund, der im Sommer eine willkommene Abwechslung an heißen Tagen bietet, denn der Uttewalder Grund verläuft von Nord nach Süd, jedoch kommt kaum Sonne in das schmale Tal zwischen den mit Moos bewachsenen Sandsteinen, so dass es hier stets etwas kühler bleibt …

Im Uttewalder Grund trafen wir auf eine riesige Gedenktafel zu Ehren Gustav Heynholds, mit der Inschrift 1862 – erst durch etwas Recherche im Internet konnten wir etwas mehr über sein Leben in Erfahrung bringen:

Gustav Heynhold ( * um 1798, † 25. Mai 1862 ) war ein deutscher Botaniker über dessen Leben und Wirken nur sehr wenig bekannt ist.

Die Gedenkinschrift wurde nicht ohne Grund im Uttewalder Grund angebracht weilte doch Gustav Heynhold selbst in diesen Grund und war sicher von der Vielzahl der Moose, Farne und Pflanzen beeindruckt.

Mit der Inschrift in die Sandsteinplatte wollten drei seiner Freunde Friedrich Wolfgang Hübner, Gustav Poscharsky und Carl Friedrich Seidel an dieser Stelle ihren Freund eine bleibende Erinnerung schaffen.

Unterhalb des Bergfalkenturm konnten dann nicht nur kulinarische Genüsse befriedigt werden, sondern auch ganz besondere Motive auf digitalen Film gebannt werden – auch das Uttewalder Felsentor bot einige schöne Motive. Vom gleichnamigen Grund ging es zunächst über den Wettinweg, bis wir kurze Zeit später den Wehlener Grund erreichten …

Am Übergang zum Schlossberg und nicht weit vom Plateau der ehemaligen Burg Wehlen entfernt, wurden die Klamotten wieder aus dem Rucksack befreit, denn es ging noch einmal durch Stadt Wehlen hindurch.

Der Einfachheit halber und weil der Glockenschlag Dreiviertel des Tages als verstrichen ankündigte, begaben wir uns erneut durch das Künstlerviertel den Hang hinauf. Dieser hatte es zum Abend hin echt in sich und so hingen Andrea und Roberto etwas zurück, während Christian von der Uhr etwas getrieben wurde. Am Ende kamen wir noch am Wilkebach vorbei, wo erneut das Wasser angestaut und das Kind im Manne entweichen durfte, bevor wir über die Vorwerkstraße zum Parkplatz in Dorf Wehlen gelangten.

Wieviel standen denn nun am Ende der Wanderung wirklich auf der Uhr ? Nach 17,3 Kilometern und 632 Höhenmetern war Schluss. Und was haben wir gelernt ? Auch einem erfahrenen Wanderleiter kann mal ein Irrtum unterlaufen und wenn niemand die Route außer dem Wanderleiter besitzt, dann gibt es auch kein Geschrei 😂 ( keine Sorge ihr erhaltet auch weiterhin einen Track zur Wanderankündigung ).

Ich hoffe, dass euch dieser Wanderbericht gefallen hat,
euer Martin

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Über Martin

Natürlich. Nackt. Frei. Seit Sommer 2015 haben diese drei Worte einen neuen Lebensweg für mich geprägt. Ich war es leid, immer wieder die richtigen Klamotten in Schuh- oder Bekleidungsgeschäften zu finden, nur um sie nach meiner nächsten Wanderung in die Waschmaschine werfen zu können. Der Bibel zufolge wurde der Mann nackt von Gott erschaffen - wir sehen dies sogar heute bei jeder Geburt, dass niemand mit einer Mütze geboren wird. Aber warum sollten wir Kleidung während einer Wanderung tragen ? Schließlich sind wir ein Teil der Natur und je mehr wir den Kontakt mit dieser erfahren, um so eher sind wir gewillt diese zu schützen. Für mich ist es daher wichtig, dass ich nicht nur meinen eigenen Körper der Natur aussetze, sondern dass meine Umwelt um mich herum geschützt wird …

1 Kommentar

  1. Zum Wanderbericht vom 4.Juni muss ich doch etwas richtig stellen. Nachdem Andrea und Roberto in Wehlen ihr Eis ablehnten, bekam ich allerdings auch keins, obwohl ich in diesem Fall die Einladung gern angenommen hätte. 😂 Eis hin und Eis her, es war ein herrlicher Tag, trotz hinterlistger Verlängerung. 🤣
    Der letzte Teil entschädigte mich ja dann noch hocherfreut mit Bärlauchfund, den ich im Bericht leider vermisse. 👍 😊

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