🔓 Wanderbericht vom 31. März 2021

Liebe Wanderfreunde,

die heutige Wanderung führte uns erneut zu einem Klassiker in der Sächsischen Schweiz: Den Schrammsteinen und dem Falkenstein. Sicher, die Route erscheint etwas langweilig, gerade für jene Wanderer, die uns schon häufig begleitet haben, drum haben wir diesmal auch einige interessante Änderungen am Verlauf vorgenommen …

Doch beginnen wir von vorn: Nachdem wir auf dem Parkplatz im Zahnsgrund ankamen, stellten wir fest, dass es nicht ohne Grund in Gründen gerade in den Morgenstunden noch kalt ist. So wussten Christian und ich zunächst nicht, ob wir unsere Jacken nicht doch lieber mitnehmen sollten. Da Roberto noch etwas Zeit benötigte, entschied ich mich zuerst das T-Shirt im Auto zu belassen und nur mit Jacke und Hose zu wandern. Die Entscheidung fiel aber dann doch wieder zurück aufs T-Shirt – im Nachhinein eine weise Entscheidung. Unterdessen machten wir etwas „Hektik“, um endlich aufbrechen zu können, in all diesem Stress vergaß Roberto dann die Sonnencreme in den Rucksack zu packen 😮.

Über den Schießgrund näherten wir uns dem Falkenstein, vorbei am Abzweig zur Nassen Tilke, die in den vergangenen Jahren immer weiter zuwuchs und auf neueren Wanderkarten nicht mehr zu finden ist. Da Andrea noch das ein oder andere Foto auf digitalen Film bannen wollte, erarbeiteten sich Christian und Roberto einen kleinen Vorsprung. Als wir dann am Abzweig in Richtung Falkenstein / Elbleitenweg ankamen, wunderten wir uns zunächst, wo die beiden sind – erst eine Wanderin, die gerade ihr Frühstück zu sich nahm, wies uns auf zwei Wanderer hin, die an ihr vorbeizogen. Am Ende des Weges zu einer längst vergessenen Aussicht fanden wir schließlich die zwei Wanderer. Nachdem wir den Falkenstein in Szene setzen, unnötigen Ballast im Wald ließen ( keinen Müll, ihr wisst schon was 😂 ) und die Klamotten ebenfalls im Rucksack verstaut wurden, konnten wir frohen Mutes in Richtung des Elbleitenweges aufbrechen, der uns in Richtung des Schrammtores führte.

Am Schrammtor entschieden wir uns lieber den anspruchsvolleren Weg über das Mittlere Schrammtor vorbei am Drei-Finger-Turm zu wählen. Mitten beim Aufstieg erhielt Roberto einen Anruf, also verschwand er kurz in Richtung des Drei-Finger-Turms – der Aufstieg war kinderleicht, wurde aber bisher noch nie so recht in Erwägung gezogen. Die Aussicht entschädigte auf jeden Fall für die „Strapazen“ des Auf- und Abstiegs …

Irgendwann fanden wir uns nach wenigen Minuten wieder in mitten all der Touristen, deren vorrangigstes Ziel die Schrammsteinaussicht war. So war es auch nicht verwunderlich, dass schon am Wildschützensteig ein leichtes Gedränge herrschte. An eine Pause an unserem gewohnten Pausenplatz am Ende jenen Steigs war diesmal nicht zu denken und so entschieden wir uns den Massen etwas auszuweichen und begaben uns auf die Schrammsteinaussicht-Aussicht … also jene weniger überfüllte Variante der eigentlichen Aussicht. Zu meinem Erstaunen waren wir die einzigen Wanderer, auch wenn wir beim Aufstieg von zahlreichen Textilwanderern beobachtet wurden. Bei reichlich Sonne genossen wir so den Blick in die Böhmische Schweiz, den Rosenberg, die Kaiserkrone und dem hinter ihr liegenden Zirkelstein …

Mitten während unserer Pause, wurde Roberto von Robert angerufen, der anders als gedacht nun doch vor 14 Uhr zu uns stoßen konnte. Knapp eine Stunde sollte er benötigen, bis er am Holzlagerparkplatz in Schmilka ankommen würde, für uns also noch genug Zeit, weiterhin die Sonne zu genießen …

Doch jede Pause kennt bekanntlich ihr Ende und so entschieden wir uns nach gut einer viertel Stunde aufzubrechen. Zu Beginn der Pause stellte ich bereits fest, dass mein Mittagsessen noch Zuhause auf dem Tisch lag – kein Problem, so musste der üppige Salat ausreichen. Am Ende der Pause entschieden wir uns noch die atemberaubende Aussicht mit Blick auf Bad Schandau einzufangen, wenn alle vier Fotografen zur selben Zeit den gleichen Gedanken haben, könnt ihr euch bestimmt vorstellen, in was das endet 😂 …

Glücklicherweise fand ich bereits kurz zuvor den richtigen Moment, ein Panoramafoto mit Blick auf Bad Schandau und die Torsteine aufzunehmen …

Von dieser geheimen Aussicht ging es zurück, vorbei am oberen Ende des Wildschützensteiges, zur Belustigung einiger Textilwanderer, denen wir so ihr Mittag versüßen konnten. Über den Gratweg und den Schrammsteinweg erreichten wir nach einiger Zeit die Breite-Kluft-Aussicht. Während wir unseres Weges so dahin zogen, erblickten wir immer wieder Fichten, denen der Borkenkäfer zu Leibe gerückt ist. Auch wenn manche Wurzeln noch feucht waren, konnte der Schaden bereits einige Zentimeter weiter beobachtet werden … und natürlich rief uns auch Robert an, um uns mitzuteilen, dass er am Parkplatz angekommen sei. Ich empfahl ihm, dass er den gegenüberliegenden Weg hinauf in Richtung des Aspenbloß laufen solle, damit wir uns dann auf halben Weg treffen können. Andrea, Christian und Roberto wurden jedoch erstmal zur Breiten-Kluft-Aussicht geleitet, bevor ich dann allein aufbrach, um Robert abzuholen.

Erstaunlich war, dass ich auf meinem Weg keine negativen Kommentare von Textilwanderern vernahm, rund um die Schrammsteine aber immer wieder vereinzelte Wanderer ihren Unmut zum Ausdruck bringen mussten. Den Aufstieg zur Breiten-Kluft ging es recht fix hinunter – vor gut sechs Wochen war dies in all dem Schnee keine leichte Aufgabe. Am Ende des Aspenbloß entdeckte ich Robert und wir begaben uns zurück zu den bereits wartenden Wanderern auf der Aussicht. Der Aufstieg war dabei für mich etwas anstrengender, als der vorherige Abstieg 😄.

Ein Highlight meiner Wanderung vor sechs Wochen im tiefsten Winter möchte ich euch nicht vorenthalten, entstand doch auf dieser Wanderung ein ähnliches Foto mit dem gleichen Motiv, nur eben bei gut 25 Grad Unterschied …

Während meiner Abwesenheit vernahmen Andrea, Christian und Roberto die Äußerung einer jungen Frau, dass unser Wanderstil „Cool“ sei. Nachdem wir uns noch ein wenig stärken konnten und Robert entsprechend begrüßt wurde, entschieden wir uns wieder aufzubrechen. Ziel sollte das obere Ende des Lehnsteigs sein, bis wir über einen Teil des Malerwegs zum Zurückesteig gelangten. Vorbei an einer „kleinen Winterbergspitze“ und der Aussicht zum Spieß, die auch Roberto – nach eigener Aussage – noch nicht kannte, begaben wir uns weiter in Richtung unseres nächsten Ziels: Dem Carolafelsen. Wie zu erwarten, sollte auch dieser Aussichtspunkt mit reichlich Wanderern gefüllt sein, so dass die fünf Nacktwanderer überhaupt nicht auffielen. In einer großen Masse kann man eben auch mit einem besonderen Wanderstil untergehen.

Auf dem Carolafelsen erinnerten wir uns dann auch wieder an Horsts Darbietung von Heinz Ehrhardts „Der Berg“, die diesmal ich zum Besten gab 😂.

Den restlichen Salat verzehrt, ein Knacker landete ebenfalls in einem unserer Bäuche, so konnte es mit neuer Energie weiter gehen. Über die Wilde Hölle gelangten wir auf die „Obere Affensteinpromenade“, doch nicht ohne Robert von den Erlebnissen meiner ersten Nacktwanderwoche zu erzählen, als die „Wilde Hölle“ am Rand des Weges von einem Meer aus Wespen gesäumt wurde. Wie durch ein Wunder konnten wir uns damals ohne einen Stich durch dieses Naturschauspiel bewegen – unter den Augen von Millionen Wespen ( das ist kein Scherz oder eine Übertreibung ). Auf der „Oberen Affensteinpromenade“ angelangt, begaben wir uns weiter in Richtung des Gebiet des „Großen Dom“.

Eine Überraschung hielt ich für unsere Wandergruppe noch parat: Bereits im Jahr 2019 für eine Begehung eingeplant, erfüllte sich der Wunsch den „Kletterpfad Großer Dom“ zu begehen am heutigen Tag. Zunächst bogen wir auf den falschen Weg ein, fanden jedoch dann einen Pfad zwischen den Sandsteinen entlang, der erst einmal vom überflüssigen Laub befreit werden wollte. Robert entschied sich, mir ein Stück zu folgen, während der Rest der Gruppe am oberen Ende des Kletterpfades wartete. Ich versicherte mich somit auch, ob der Weg gefahrlos begangen werden könne und auch wenn gerade im oberen Teil ein Baum den Weg versperrt, so haben doch findige Wanderer einen Weg durch sein Astwerk gefunden. Einen Kletterpfad in dieser Form kannte ich tatsächlich in der Sächsischen Schweiz so auch noch nicht und auch wenn der Weg zum Teil recht abenteuerlich war, konnten wir doch alle den Weg meistern. Besonderes Highlight: Ab der Hälfte des Weges fand sich ein Seil, mit dem der weitere Abstieg gesichert wurde. Nicht immer war dabei auch das Seil erreichbar und es musste so mancher Stock als Hilfsmittel herhalten …

Am Ende fanden wir uns auf dem Sandlochweg wieder. Als ich bereits eine erste Erkundung des Weges im Beisein von Andreas aus Thüringen und Erik aus Leipzig vornahm, muss ich wohl das Seil übersehen haben, denn der untere Teil des Weges kam mir dann doch reichlich bekannt vor.

Fazit: Im Aufstieg ist der „Kletterpfad Großer Dom“ sicherlich einfacher zu begehen, als im Abstieg. Wir werden dies sicherlich im Laufe des Wanderjahres noch einmal testen.

Der weitere Weg führte uns in Richtung des Vorderwinkels, wie wir feststellen mussten, ist dieser alles andere als für Barfußwanderer geeignet, so dass ich mich entschied, die Schuhe wieder anzuziehen. Andrea und Roberto blieben eisern, wie auch Robert, doch irgendwann entschied sich auch Andrea ihre Schuhe wieder anzuziehen. An der Kreuzung zum Mittelwinkel war plötzlich eine Frau, die von uns wissen wollte, wie lange es denn dauern würde, die Schrammsteine zu umrunden, Grund für diese Frage war, dass ihr Lebenspartner samt der vier Monate alten Hündin Luna einen Umweg laufen mussten, da Luna partout nicht überredet werden konnte über den Wildschützensteig zu laufen 😄. Manchmal haben wir Zweibeiner es doch etwas einfacher. Als wir noch am Rätseln waren, erblickte sie ihren Partner, samt Hündin Luna …

Ein ganz besonderen Dank musste ich an die Begleitung ihres Lebenspartners loswerden: Diese trugen einen Müllbeutel mit sich herum, in dem der ganze Abfall der Gruppe gesammelt wurde, denn neben drei Erwachsenen, waren auch noch einige Kinder mit von der Partie. Während unserer Wanderung fand ich immer wieder Glasscherben, Foliereste und anderen Unrat, der nicht in den Wald gehört. Dies gipfelte dann bei der Umrundung des Falkensteins in zwei weggeworfenen Glasflaschen, die aus dem Wald getragen werden wollten.

Soviel dann auch zu unserem nächsten Ziel: Dem Falkenstein. Während die Umrundung relativ unspektakulär verlief, gab ich erneut mein Geschichtswissen preis und informierte unsere kleine Gruppe über die einstige Burgwarte Falkenstein – heute auch Heimat des Geocaches „Ritter Rumpi vom Falkensteyn„. In der alten Wächterstube fand sich sogar noch eine lebensecht aussehende Wachsfigur des letzten Ritters vom Falkenstein. Erstaunlich, wie lebensecht diese Figuren wirken können 😄 …

Das absolute Highlight war aber ein Kletterer, der die Kotzwand, benannt nach dem Bergsteiger Willy Kotz, im Free Climbing zu bezwingen versuchte. Erstmalig begangen wurde die Route bereits im Jahre 1919. Auch wenn dies auf Christians Unverständnis stieß, so kann ich nur meinen Hut ziehen, denn dieser Kletterweg wird mit einer VIIa bewertet und zählt somit zu einer der herausfordernden Routen am Falkenstein. Der schwierigste Pfad an jenem Stein, an dem die sächsische Klettergeschichte ihren Anfang nahm, reicht inzwischen zu einem Schwierigkeitsgrad von XIIb ( „No cheating Stone please“ von Thomas Willenberg, erstmalig im Jahr 1999 begangen ). Kletterlegenden, wie Rudolf Fehrmann, Max Matthäus, Emanuel Strubich, Willy Häntzschel und Bernd Arnold haben hier ebenfalls Wege erstmalig begangen, so dass immer wieder neue Schwierigkeitsgrade gesetzt wurden. Als beliebtester Kletterweg gilt übrigens der Schusterweg ( Schwierigkeitsgrad III ) von Oscar Schuster und Martin Klimmer erstmalig im Jahr 1892 begangen, gelegen auf der Ostseite des Falkenstein …

Ich kann dazu nur sagen, dass dies eine echte Meisterleistung ist 👏.

Die letzten Meter unserer Wanderung verliefen recht unspektakulär und so fanden wir uns nach kurzer Zeit am Parkplatz. Nach gut neun Stunden Wanderung wurde es dann aber auch Zeit und wir waren alle froh, dass wir nun die Heimreise antreten konnten.

Ich hoffe, dass euch dieser Wanderbericht gefallen hat,
euer Martin

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Über Martin

Natürlich. Nackt. Frei. Seit Sommer 2015 haben diese drei Worte einen neuen Lebensweg für mich geprägt. Ich war es leid, immer wieder die richtigen Klamotten in Schuh- oder Bekleidungsgeschäften zu finden, nur um sie nach meiner nächsten Wanderung in die Waschmaschine werfen zu können. Der Bibel zufolge wurde der Mann nackt von Gott erschaffen - wir sehen dies sogar heute bei jeder Geburt, dass niemand mit einer Mütze geboren wird. Aber warum sollten wir Kleidung während einer Wanderung tragen ? Schließlich sind wir ein Teil der Natur und je mehr wir den Kontakt mit dieser erfahren, um so eher sind wir gewillt diese zu schützen. Für mich ist es daher wichtig, dass ich nicht nur meinen eigenen Körper der Natur aussetze, sondern dass meine Umwelt um mich herum geschützt wird …

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