🔓 Wanderbericht vom 30. MĂ€rz 2021

Liebe Wanderfreunde,

Endlich ist der lange Winter vorbei ( obwohl uns dieser mit reichlich wunderschönen Fotos beschenkt hat ). Endlich können wir die dicken Klamotten wieder im Schrank verstauen und in die Wandersaison starten â€Š

Wie ĂŒblich sollten wir an der SchweizermĂŒhle starten, dieses Jahr gar nicht so einfach, war doch der direkte Weg ins Bielatal versperrt – die in den vergangenen Jahren verengte BrĂŒcke soll in diesem Jahr nun endlich modernisiert werden, so dass auch bald wieder ein beidseitiger Verkehr möglich wird. Mit Umweg ĂŒber Rosenthal ging es zum Wanderstartpunkt und wir stellten schnell fest, dass nicht jede Gemeinde die ParkgebĂŒhren zum Start der Saison anhob. Nach der obligatorischen BegrĂŒĂŸung verschwand ein Teil der Klamotten in unseren Autos, um wenig spĂ€ter mit der Wanderung zu beginnen â€Š noch schnell die Uhr aufgezogen und los kann es gehen.

Andrea und Roberto entschieden sich bereits am Auto, ihre Schuhe auszuziehen, nachdem ich die ersten Meter des schlammigen Weges noch in Sandalen bewĂ€ltigte, entschied ich mich frĂŒh im Lauf der Wanderung diese ebenfalls lieber durch die Gegend zu tragen. Christian unterdessen behielt seine Schuhe an und bereits auf den ersten hundert Metern der Wanderung verschwanden auch die Shirts und weniger spĂ€ter der Rest der Klamotten in unseren RucksĂ€cken.

Wie ĂŒblich entschieden wir uns fĂŒr den Weg ĂŒber die Sophienquelle – es sollte also der „schwierigere“ Aufstieg zum Nachbar gewĂ€hlt werden. Kurz darauf fanden wir uns auch schon an jener Aussicht mit Blick auf unsere Autos und ein Detail, was bisher irgendwie nie so richtig wahrgenommen wurde â€Š

Ist Liebe nicht etwas Wunderbares đŸ˜ ?

Bereits am Nachbar spĂŒrten wir, dass dieser Tag ideal fĂŒr eine erste Nacktwanderung sein sollte – auch wenn der Wind immer wieder auf seine Anwesenheit hinweisen wollte, der Sonne konnte er nicht Paroli bieten. Am Nachbar vertieften wir uns in erste GesprĂ€che, die Aussicht konnten wir dennoch genießen. Von diesem Aussichtspunkt ging es durch die nahe Höhle, durch eine enge Schlucht und ein wenig den Berg hinauf, bis wir uns auf einem Pfad wiederfanden, der seit einigen Jahren zum Forststeig zĂ€hlt. Wie es sich gehört, hat der Förster auch reichlich von seinen Maschinen Gebrauch gemacht – Schuld waren die StĂŒrme der vergangenen Jahre, die immer wieder fĂŒr reichlich Windbruch sorgten.

Große SchĂ€den verlangen nach einem Neuanfang und so steht die neue Generation von NadelbĂ€umen und vereinzelten LaubbĂ€umen schon Spalier und wartet nur auf die heutigen Sonnenstrahlen. Da man als Barfußwanderer eher auf den Boden unter einen fixiert ist, war es auch nicht verwunderlich, dass wir plötzlich mitten im Wald standen. Ja wo war denn der Weg hin ? Andrea wies Roberto und mich drauf hin, dass dieser gut einen Meter hinter uns in Richtung des Hauptweges abbog. Also ging es auf den gut geschotterten Hauptweg, der in Folge der SturmschĂ€den vom Jahr 2017 ausgebaut wurde.

Wie ĂŒblich, war es auch geplant, dem Sachsenstein einen Besuch abzustatten, doch nachdem wir sahen, dass reichlich Andrang an dieser Aussicht herrschte, entschieden wir uns lieber wieder fĂŒr unseren geschotterten Weg, um weiter in Richtung Johanniswacht zu gelangen. FĂŒr einen Wochentag war es im Bielatal recht voll, Andrea verwies etwas spĂ€ter auf die nahenden Ostertage.

Selbst an der Johanniswacht waren einige Kletterer gerade dabei ihr Lager auf zuschlagen und einige Wanderer waren gerade dabei ihr Lunch-Paket zu verdrĂŒcken. Einem neugierigen Wanderer erklĂ€rte ich kurz etwas zu den umliegenden Höhepunkten des Bielatals, wie dem Großvaterstuhl, den HerkulessĂ€ulen oder auch der Kaiser-Wilhelm-Feste – alles auch unsere Ziele des heutigen Tages. Bevor wir uns jedoch komplett verquatschen, entschieden wir uns zum Abstieg in Richtung OttomĂŒhle. Durch die engen Schluchten stießen wir auf die letzten Überbleibsel des Winters – natĂŒrlich entstanden hier einige Fotos, von denen wir euch eins nicht vorenthalten wollen â€Š

ZurĂŒck auf der Straße in Richtung der OttomĂŒhle erblickten wir immer wieder die Reste des Winters auf jenem zugehörigen Parkplatz. Bevor wir uns zum Aufstieg des Großvaterstuhls begaben, wurde es erstmal Zeit fĂŒr eine StĂ€rkung, nebenbei fanden wir heraus, dass man eine Cola nicht nur zum Trinken, sondern auch als Putzmittel verwenden kann – verantwortlich ist die enthaltene PhosphorsĂ€ure.

Wieder was gelernt !

Auf dem Weg zum Großvaterstuhl kamen uns nicht nur Radfahrer entgegen, sondern auch einige Wanderer. ZĂ€hne zusammenbeißen mussten wir dann aber, als es ĂŒber den Schotter zum nĂ€chsten Aussichtspunkt der Wanderung ging – keine einfache Sache fĂŒr Andrea und mich, wĂ€hrend Roberto mit Christian vorweg lief. Am Großvaterstuhl wurden dann die Erdbeeren in die MĂŒnder Mitwanderer verteilt, bei reichlich Sonne genossen wir so unsere ausgedehnte Mittagspause. Als es allerdings an der Zeit war wieder aufzubrechen, verquatschte ich mich erneut mit Andrea đŸ˜‚. 14 Minuten nach AnkĂŒndigung ging es somit erst weiter â€Š um nach nicht einmal einer weiteren Viertel Stunde Pause auf der Bank am Rand des Feldes zu machen. Die Sonne lud aber auch einfach dazu ein, ihre WĂ€rme zu genießen – Ostern verspricht leider kein Wanderwetter â€Š

Der nĂ€chste Aussichtspunkt – und die damit verbundene Pause – ließ jedoch schon auf sich warten: Der Kanzelstein â€Š

Doch bevor wir den Kanzelstein erreichen wĂŒrden, erblickten wir eine Wetterfahne – nach so langer Zeit kann es schonmal passieren, dass man vergisst, wo die Wetterfahnenaussicht liegt. Andrea und ich entschieden uns einem Kletterzugangspfad zu folgen, bis wir uns gegenĂŒber jener Fahne fanden – jedoch bekommen nur Kletterer diese nĂ€her zu Gesicht. FĂŒr uns war in gut 15 Metern Entfernung Schluss und wir kehrten nach kurzer Fotosession wieder zu Christian und Roberto zurĂŒck. Nun sollte es aber wirklich zum Kanzelstein gehen.

Von dieser Aussicht mit Blick ins Bielatal, liefen wir den Weg weiter in Richtung der HerkulessĂ€ulen. Bereits ein StĂŒck vor diesen beiden Klettergipfeln konnten wir eine Gruppe Kletterer beim Aufstieg beobachten. Diese Gruppe wurde durch weitere Kletterer an den umliegenden Gipfeln ergĂ€nzt, das gute Wetter lockte eben nicht nur vier Nacktwanderer raus in die Natur â€Š

Durch die nĂ€chste Höhle und die Felsengasse hindurch fanden wir uns wenige Minuten spĂ€ter schon an der Kaiser-Wilhelm-Feste wieder. Und wieder einmal erfuhren wir, dass manche Menschen die einfachsten Regeln im Wald nicht kennen: Offenes Feuer oder das Rauchen von Zigaretten ist in allen WĂ€ldern Deutschlands verboten. Ein junges Paar versuchte zunĂ€chst zu beschwichtigen und wollte daraufhin kontern, dass Nacktheit in der Zivilisation ja nicht erlaubt sei. Ich stieg darauf gar nicht erst ein, war mir doch die Sicherheit der Feuerwehrleute und den Mitarbeitern der Bergwacht wichtiger, denn ein Feuer im Nationalpark bedroht nicht nur Pflanzen und Tiere, sondern auch die Menschen, die in diesem schwierigen GelĂ€nde Glutnester bis in die tiefsten Schluchten aufspĂŒren und bekĂ€mpfen mĂŒssen.

Der Umgang mit offenem Feuer im Wald ist unabhĂ€ngig von den ausgegebenen Waldbrandgefahrenstufen ganzjĂ€hrig verboten. Damit sind das Rauchen, das Grillen, das ZĂŒnden von Lagerfeuern oder die Inbetriebnahme von Himmelslaternen generell untersagt. Grundlage dafĂŒr ist das Waldgesetz fĂŒr den Freistaat Sachsen ( Â§ 15 SĂ€chsWaldG ). Zuwiderhandlungen stellen Ordnungswidrigkeiten dar und werden mit Bußgeldern durch die unteren Forstbehörden der Landkreise und Kreisfreien StĂ€dte geahndet.

Zuwiderhandlungen können mit einer Strafe von bis zu 1.000€ bestraft werden, inzwischen kommt es auch nicht selten vor, dass der Einsatz von Feuerwehr und Bergwacht vom Schuldigen ebenfalls getragen werden soll.

Die Kaiser-Wilhelm-Feste bleibt dennoch ein Highlight der Wanderung, schon allein der Text auf der Tafel zur Entstehungsgeschichte ließt sich wie folgt:

Diese kĂŒnstliche Bastion wurde von dem Rosenthaler Baumeister J. G. Kaiser entsprechend dem Zeitgeschmack im Jahre 1880 errichtet.

Als Kuriosum gilt die Entstehungsgeschichte – so soll die Idee zum Bau einer bierseeligen Stammtischwette entsprungen sein.

Bevor es endgĂŒltig in Richtung des Abstiegs ging, entschieden wir uns noch an einem der zwei alten TĂŒrme vorbeizuschauen – es ist eben der, der sich auch auf dem Weg befindet đŸ˜„. Und wie durch ein Wunder, fand sich ein neuer Bewohner in jenem Turm, der einst von einem reichen Villenbesitzer als Spielplatz fĂŒr seine Kinder errichtet wurde. Roberto dachte, dass er dann auch einen vernĂŒnftigen Platz bekommen sollte und so wanderte der kleine Kerl vom Fenster in ein Balkenlager, von dem aus er alle Wanderer, die seinen Turm betreten, im Blick hat. Unser Weg indes verlief in Richtung der SchweizermĂŒhle, bevor wir der Straße den Hang hinauf folgten. Es stand ja schließlich noch ein Besuch des Rosengartens an.

AllmĂ€hlich neigte sich auch die Sonne in Richtung Westen und wir bekamen den MĂ€rz zu spĂŒren, doch bis es soweit war, sollten wir noch die richtige Wetterfahnenaussicht erreichen. Wir entschieden uns erneut fĂŒr eine kurze Pause, um die Lunch-Pakete zu leeren. Auf dem Weg zurĂŒck zum Auto entschieden wir uns, den GedĂ€chtnishain nicht zu besuchen, war es doch in diesem Talkessel immer etwas kĂŒhler. So standen wir weniger spĂ€ter auf dem Berthablick – einem Aussichtspunkt mit direktem Blick auf die SchweizermĂŒhle, den Parkplatz und die Biela, dem Fluss, der dem Tal seinen Namen gab. Von hier aus war es ( im wahrsten Sinn des Wortes ) nur noch ein Steinwurf bis zu unseren Autos, so dass der Weg auch schnell gemeistert wurde.

Ich hoffe, dass euch dieser Wanderbericht gefallen hat,
euer Martin

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Über Martin

NatĂŒrlich. Nackt. Frei. Seit Sommer 2015 haben diese drei Worte einen neuen Lebensweg fĂŒr mich geprĂ€gt. Ich war es leid, immer wieder die richtigen Klamotten in Schuh- oder BekleidungsgeschĂ€ften zu finden, nur um sie nach meiner nĂ€chsten Wanderung in die Waschmaschine werfen zu können. Der Bibel zufolge wurde der Mann nackt von Gott erschaffen - wir sehen dies sogar heute bei jeder Geburt, dass niemand mit einer MĂŒtze geboren wird. Aber warum sollten wir Kleidung wĂ€hrend einer Wanderung tragen ? Schließlich sind wir ein Teil der Natur und je mehr wir den Kontakt mit dieser erfahren, um so eher sind wir gewillt diese zu schĂŒtzen. FĂŒr mich ist es daher wichtig, dass ich nicht nur meinen eigenen Körper der Natur aussetze, sondern dass meine Umwelt um mich herum geschĂŒtzt wird 


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