Liebe Wanderfreunde,

in letzter Zeit ist es etwas still geworden. In den vergangenen Wochen blieb uns – zum Teil trotz recht guten Wetters – kaum die Gelegenheit, wandern zu gehen. Hauptgrund waren mehrere kleinere Projekte, die abgeschlossen werden wollten, aber auch anderweitige Verpflichtungen. Am heutigen Mittwoch sollte es uns dann aber wieder raus an die frische Luft und zu den letzten Sonnenstrahlen des Sommers führen: Eine Wanderung im Gebiet des Großen Zschands stand an …

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Startpunkt war der Parkplatz am Kleinstein, unterhalb von „Sturmbauers Eck“, einer Aussicht über das Kirnitzschtal. Der Parkplatz selbst, ist erst seit einigen Wochen wieder für Autos passierbar, denn noch im März und im Verlauf des Frühsommers wurden hier hunderte Baumstämme abgeladen, die durch Windbruch große Teile der Wanderwege im Großen Zschand zu einer Kletterpartie werden ließen.

Die ersten gut 300 Meter unserer Wanderung verliefen entlang der Straße durch das Kirnitzschtal. Als Teil der dritten Etappe des Malerwegs, war der erste Teil der Route bereits bekannt und so ging es entlang des Saupsdorfer Bachs, zwei Wanderern folgend, in die Mühlschlüchte. Waren im März diesen Jahres, noch die Reste des Winters in Form vereister Rinnsale zu erkennen, verschonte uns die Natur mit solch kühlen Temperaturen, so dass wir ohne größere Probleme die ersten 120 Höhenmeter bewältigten. Am Ende der Mühlschlüchte angekommen, begegneten wir immer wieder vereinzelten Wanderern, die den Malerweg erkundeten und auch nicht verwundert waren, als wir die nächstbeste Schutzhütte nutzten, um die typische Wanderbekleidung anzulegen.

Das erste „Ziel“ der Wanderung sollte das Kleine Pohlshorn sein – während meiner Malerweg-Tour und auch während der Planung dieser Route, zog ich zunächst einen Besuch des 417 Meter hohen Steins nicht in Erwägung. Am Parkplatz meinte jedoch ein älteres Ehepaar, dass sich auf dem Kleinen Pohlshorn ebenfalls eine Aussicht befinden würde – eine kurze Abstimmung später, fanden wir uns auch schon am Aufstieg wieder. Leider war die „Aussicht“ mehr als enttäuschend, vor gut 30 Jahren konnte man hier bestimmt mehr sehen, doch inzwischen versperren Bäume den so schönen Ausblick in diesen Teil der Sächsischen Schweiz.

So begaben wir uns zurück in Richtung des Abstiegs. Anja bekam dabei hin-und-wieder Unterstützung von Udo, ihrem Mann. Dass diese Unterstützung gar nicht nötig war, bewies sie uns immer wieder, dass es aber ihre erste Nacktwanderung sein sollte, verheimlichte sie uns bis zum Abendbrot 😄.

Gute 700 Meter entfernt – inzwischen schlug die Uhr bereits einige Minuten vor 11 – lag das Große Pohlshorn. Dass es hier eine bedeutend bessere Aussicht geben sollte, vertröstete die beiden Vogtländer, Christian kam sogar auf die Idee, die Aussicht auf dem Kleinen Pohlshorn bewusst anzusteuern, um so die Vorfreude auf die echte Aussicht am Großen Pohlshorn zu erhöhen. Auf was für Ideen er doch manchmal kommt …

Zugegeben, die Aussicht auf dem Großen Pohlshorn ist bedeutend besser – der Blick in die Hintere Sächsische Schweiz bei guten Wetter nahezu grenzenlos, so dass sich viele alte Bekannte entdecken lassen: Die Affensteine, der Große Teichstein, die Bärenfangwände und natürlich der Neue Wildenstein.

Für eine Mittagspause war es noch zu früh, so dass wir uns entschieden, nach einigen Fotos unseres Weges zu ziehen. Voll im Gespräch mit Udo vertieft, begaben wir uns so den Weg zurück … um dann den Wegweiser hinab mit dem eindeutigen Hinweis „Malerweg“ zu übersehen. Erst nach gut einem halben Kilometer schaute ich auf die Karte und stellte fest, dass wir den Abzweig übersahen. Also wieder zurück und die Stufen über den Dreisteigensteig hinunter. Am Ende, fanden wir uns auf der Kirnitzschtalstraße wieder, Christian wollte schon über die Brücke gehen, die den gleichnamigen Fluss überspannt, doch unser Weg sollte uns über die geschotterte Straße etwa 600 Meter bis zur Thorwaldbrücke führen. Eine erste Abkühlung in der Kirnitzsch wollte hingegen ( noch ) keiner von uns „riskieren“.

Über die Thorwaldbrücke ging es über die Kirnitzsch und aus der eben noch geschotterten wurde eine asphaltierte Straße. Der Saupsdorfer Weg blieb so für knappe 400 Meter unser Begleiter.

Vom asphaltierten Saupsdorfer Weg bogen wir in den Vorderen Thorwaldweg ein. Die ersten hundert Meter des Weges waren wirklich wildromantisch, so durchzogen wir das nasse Gras und gelangten nach gut 700 Metern an den ersten Baum, der umklettert werden wollte – es sollte nicht der Letzte des Tages werden. Der ursprüngliche Plan sah vor, dass wir eine Abkürzung nehmen sollten, diese war auch auf offiziellen Wanderkarten vermerkt, aber in Folge der Schäden, angerichtet durch die Trockenheit der vergangenen Jahre, massiven Borkenkäferbefall und Stürme zu Beginn des Jahres, versperrten uns immer mehr Bäume den Weg, so dass wir uns entschieden, einen anderen Weg zu nehmen.

Anja übernahm so kurzzeitig die Führung unserer kleinen Gruppe und wir bogen an der nächstbesten Kreuzung rechts ab. Doch auch dieser Weg verprach keine Besserung. Nichtsdestotrotz schlugen wir uns einen Weg durch die zahllosen umgestürzten Bäume, für alle Beteiligten keine ganz leichte Aufgabe, aber dennoch kehrte keiner um …

Das letzte Stück zur Kreuzung Hochhübelweg / Großer Reitsteig versprach eine Besserung des Weges und uns blieb zumindest die Möglichkeit eine kurze Pause einzulegen – inzwischen schlug es bereits 13 Uhr und der Hunger machte sich allmählich bemerkbar. Am Großen Pohlshorn war es indes noch zu früh für eine Mittagspause, dies sollte sich nun rächen.

Der Große Hochhübelweg – wir kannten ihn im vergangenen Jahr noch als ordentlichen Aufstieg zum Großen Reitsteig – war inzwischen nicht mehr als Weg erkennbar. Dutzende Bäume lagen auf dem einst so beschaulichen Weg, nur ein kleiner – von abenteuerlustigen Wanderern erschlossener – Pfad ermöglicht überhaupt noch einen Zugang zum Zeughaus. Am Ende dieses Abstiegs kam uns noch eine Familie mit Kindern entgegen, denen wir allerdings von der weiteren Passage dieses Weges abrieten. Nach gut einer halben Stunde erreichten wir so das Zeughaus bzw. eine Pausenstelle wenige Meter zuvor.

Unweit unserer Pausenstelle fand sich auch ein Blick auf das Alte Zeughaus, dem nach Jahren des Verfalls im Jahr 2016 eine zweite Chance gegeben wurde: Im Heimatfilm „Der Ranger – Paradies Heimat“ dient das Alte Zeughaus Jonas und Christoph als Ranger-Posten …

Jede Pause kennt einmal ihr Ende und ich versprach Anja, dass unser nächstes Ziel der vor uns liegende Große Teichstein sein würde. Zunächst schaute sie mich etwas unglaubwürdig an, doch der Aufstieg über den „Flügel E“ genannten Weg, verlief nach gut neun Kilometern einfacher als gedacht, so dass diese gut 70 Höhenmeter im Nu erklommen wurden. Bevor wir aber überhaupt so richtig mit dem neuerlichen Aufstieg starteten, fand sich eine weit aus bessere Pausenstelle … schade nur, dass unsere Pause schon vorbei war.

Ein Vorteil des Wandergebiets „Großer Zschand“ ist, dass es hier einige sehr schöne Routen gibt und man dabei kaum auf andere Wanderer trifft. Ideal, um einfach mal abzuschalten und die Natur in aller Ruhe zu genießen.

Am Abzweig zum Großen Teichstein angelangt, sollte unser Weg erneut gute 90 Höhenmeter hinauf führen, bei einer Länge von knapp 700 Metern sollten wir so etwa 14% Steigung überwinden. Eine Besonderheit am Teichstein ist, dass einige Meter des Weges an einem steilen Hang, gesichert durch eine Kette verlaufen. Anja meisterte diese Passage mit dem üblichen „Augen zu und durch“. Für Udo, Christian und mich war dieser Weg ein Kinderspiel, auch wenn wir uns alle der Gefahr bewusst waren. Ich war erstaunt über Anja, die immer erst einige Bedenken äußerte – siehe hier den Fingerzeig auf den Großen Teichstein als Ziel nach der Pause, aber auch zu Beginn dieses kurzen gesicherten Weges – und dann dennoch ohne Probleme alle Stellen bewältigte. Udo entgegnete hier bereits zuvor, dass Anja manchmal sogar fitter ist als er 😃. Zum Teil erinnert sie mich aber auch an Erik, der es nie in Erwägung zieht aufzugeben, denn das Gefühl es am Ende doch geschafft zu haben, erfüllt einen mit Stolz.

Bereits die erste Aussicht nach etwa 400 Metern versprach eine erstaunliche Sicht auf den benachbarten Kanstein. Doch unser Weg sollte noch etwas weiter bis zur eigentlichen Aussicht verlaufen …

Gute 300 Meter trennten uns noch von jener Aussicht, mit Blick auf den Winterstein, die Bärenfangwände und die im Hintergrund zu erkennenden Affensteine. Auf dem Großen Teichstein entschieden wir uns zur nächsten größeren Pause. Ich entschied mich in der Zeit einige Fotos auf digitalen Film zu bannen, denn das Gegenlicht bereitete einige Probleme, doch ohne ein gutes Foto „im Kasten“ wollte ich einfach nicht von dannen ziehen.

Unser Weg vom Teichstein geleitete uns so, wie wir ihn gekommen waren: Es ging erneut den mit einer Kette gesicherten Weg entlang, bevor wir über den Dreisteigensteig zur Kirnitzsch kamen. Auf der anderen Seite der Brücke wartete die Chance, uns ein wenig Abkühlung in der gut 10 Grad kühlen Kirnitzsch zu verschaffen, zu Beginn unter den Augen einiger Textilwanderer. Nach dreimaliger Abkühlung war es dann aber auch genug. Da die Wanderung in Form zweier überlappender Achten angelegt war, sollten wir die gut geschotterte Kirnitzschtalstraße erneut unter unsere Schuhe bzw. Füße bekommen. Einziger Unterschied: Beim ersten Mal hatten Christian und ich noch Schuhe an, während für ihn ( als ungeübten Barfußgänger ) der Schotter etwas hinderlich war, entschieden wir uns am nächstgelegenen Stein ( gefordert mit den Worten: „Ein Königreich für einen Stein“ ) eine kurze Pause einzulegen, damit er seine Füße trocknen konnte, um wieder in seine Schuhe zu schlüpfen.

Nebenbei erwähnt: Wo bleibt mein Königreich, Christian 😆 ?

Vorbei an der Thorwaldbrücke, ging es immer weiter dem wildromantischer werdenden Kirnitzschtal folgend, bis aus der geschotterten Straße nach gut 300 Metern erneut eine asphaltierte Straße für 660 Meter wurde. Am Eingang des Dorfbachgrundes verließen wir die Kirnitzsch und die vielen weiteren Bademöglichkeiten, um den letzten Aufstieg des Tages anzugehen.

Den Aufstieg bewältigt, fanden wir uns auf dem Niederen Hirschwaldweg wieder und plötzlich rief Udo: „Ein Mönch“. Christian, ich ( und vielleicht auch Anja ) waren zunächst etwas ratlos, bis Udo uns aufklärte, dass hier kein Mitglied eines Männerordens gemeint war, sondern eine Vorrichtung zum Ablassen bzw. Regulieren des Wassers bei Teichen und Becken …

An diesem – auf keiner Karte eingezeichneten – Teich handelte es sich nicht nur um ein Brutgebiet und Rückzugsort für Libellen aller Farben und Größen, sondern auch um einen Ort, um den beginnenden Sonnenuntergang auf Film festzuhalten. Wir entschieden uns zu einer weiteren kurzen Pause, bevor die letzten Meter in Richtung jener Hütte fortgesetzt wurden, an der wir kurz nach Beginn der Wanderung unsere Klamotten in den Rucksack verstauten. Bis es so weit war, mussten wir uns durch den dichter werdenden jungen Wald einen Weg bahnen, denn wie es aussieht, scheint der Niedere Hirschwaldweg auf dem letzten Stück eher selten einen Wanderer zu sehen. Ähnlich sollte es auch den Brandheideschlüchten gehen, in die wir kurze Zeit später abbogen …

Genau dieser Umstand führte dann auch dazu, einen „Hirsch“ vor die Linse zu bekommen – man beachte die Mitte des Fotos und das, was da in der Wiese liegt 😉.

Über die Brandheideschlüchte gelangten wir schlussendlich nach gut 18,5 Kilometern zurück zum Parkplatz. 724 Höhenmeter sollten es am Ende des Tages sein und um eine Erkenntnis waren wir alle reicher: Der Große Zschand ist schön, wildromantisch und ein Paradies für Naturliebhaber, aber bietet aktuell nur klettererfahrenen Wanderern begehbare Wege. War diese Wanderung zunächst als Erkundungswanderung für die im kommenden Jahr stattfindenden Sächsischen Naturistentage gedacht, musste ich feststellen, dass diese Wanderung für eine Gruppe von bis zu 50 Naturisten eher ungeeignet ist.

Am Parkplatz angekommen, luden uns Anja und Udo zum Abendbrot in die Neumannmühle ein. Dafür möchten Christian und ich mich nochmals bedanken und wir freuen uns schon auf die nächste Wanderung mit euch.

Ich hoffe, dass euch dieser Wanderbericht gefallen hat,
euer Martin

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Über Martin

Natürlich. Nackt. Frei. Seit Sommer 2015 haben diese drei Worte einen neuen Lebensweg für mich geprägt. Ich war es leid, immer wieder die richtigen Klamotten in Schuh- oder Bekleidungsgeschäften zu finden, nur um sie nach meiner nächsten Wanderung in die Waschmaschine werfen zu können. Der Bibel zufolge wurde der Mann nackt von Gott erschaffen - wir sehen dies sogar heute bei jeder Geburt, dass niemand mit einer Mütze geboren wird. Aber warum sollten wir Kleidung während einer Wanderung tragen ? Schließlich sind wir ein Teil der Natur und je mehr wir den Kontakt mit dieser erfahren, um so eher sind wir gewillt diese zu schützen. Für mich ist es daher wichtig, dass ich nicht nur meinen eigenen Körper der Natur aussetze, sondern dass meine Umwelt um mich herum geschützt wird …

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