Liebe Wanderfreunde,

während auf der anderen Seite der Welt ausgelassen der Nationalfeiertag 🇺🇸 gefeiert wird, ließen wir es etwas ruhiger angehen und entschieden uns eine Wanderung in den Affensteinen zu unternehmen – Ziel waren erneut zahllose Aussichten, wie bereits zur Wanderung vom 11. Juni, dank besserem Wetter konnten wir uns so nicht nur die Sonne auf den nicht vorhandenen Pelz scheinen lassen, sondern auch bei einigen Textilwanderern für unseren Lebensstil werben. Frei nach dem Motto: Klamotten aus, entdecke das Leben …

Nachdem wir auf unterschiedlichsten Wegen zu unserem Ausgangspunkt am Bahnhof Schmilka gelangten ( Erik rauschte bereits – sitzend im RE50 – mit guten 120 km/h in Heidenau an uns vorbei ), kamen wir mit einer kleinen Verspätung am Ort an der Grenze zu Tschechien an. Bis wir jedoch mit der Fähre Lena übersetzen konnten, sollte etwas Zeit ins Land gehen, denn neben uns entschieden sich dutzende weitere Wanderer das Wetter zu nutzen und der Natur einen Besuch abzustatten – und sind wir doch mal ehrlich: Die Sächsische Schweiz ist doch viel schöner als Rimini, der Balaton oder Malle … auch wenn an manchen Stellen vielleicht das Wasser fehlt, wo vor Millionen von Jahren noch ein Meerboden war 😉 …

Bereits wenige Meter, nachdem wir in Richtung der Schmilk’schen Mühle abgebogen waren, erblickten wir ein Schild, mit Verweis auf den benachbarten Eisgarten – Torsten wollte sogleich ein Bier trinken, doch ich verwies ihn nochmal auf die besondere Art dieses Gartens, auch wenn er vielleicht ein Bier bekommen hätte. Doch wir hatten noch einen beschwerlichen Aufstieg vor uns, auch wenn die asphaltierte Straße bis zur Zwieselhütte lediglich um 160 Höhenmeter anstieg. Wenige Hundert Meter hinter dem Ort entschieden wir uns die übliche Wanderbekleidung anzulegen, zur Freude einiger an uns vorbeiziehender Textilwanderer. Die Wanderung war eigentlich ziemlich langweilig … aus Sicht eines Geocachers, wie Erik, fand er doch schon auf unterschiedlichsten Wanderungen sämtliche Caches, die am Rand des Weges zu finden waren. So war auch der Cache an der Zwieselhütte bereits in einen Smiley verwandelt, weshalb wir direkt auf den Wurzelweg abbiegen konnten, auf dem es noch einmal gute 240 Höhenmeter hinauf ging. Anfangs noch mit genug Power, schwanden Eriks Kräfte beim Aufstieg allmählich, so dass er uns nicht mehr davonrannte. Vom Start in Schmilka bewältigten wir bereits in den ersten 2,7 Kilometern gute 400 Höhenmeter.

Nach knapp einer Stunde erreichten wir so den Reitsteig, an dem wir eine kurze Pause einlegten … Korrektur: Torsten und seine Tochter legten eine Pause ein, denn für Christian, Erik und mich führte der Weg etwa 380 Meter in Richtung des Großen Winterbergs, dem Baummann wollte ein Besuch abgestattet werden, damit Eriks Statistik nicht zu sehr leidet. Während Christian und Erik mit Suchen beschäftigt waren, entschied ich mich lieber den Baummann zu bewundern, sowie die Geschichte hinter dem Cache zu studieren, kurz danach hörte ich auch schon ein: „Hier iss’er doch“. Während Erik unsere Namen ins Logbuch schrieb, posierte Christian für ein Foto …

Zurück bei Torsten und Töchterchen angekommen, verlief der Reitsteig für uns in Richtung des Unteren Fremdenwegs – da es bereits Mittagszeit war, schien die Zeit reif für eine erste richtige Pause zu sein. An der ersten Aussicht hatten wir etwas Pech – mit Matthias vor drei Wochen war dies unser Platz, um während der Mittagspause die ersten Fotos aufzunehmen, doch die gegenüberliegende Aussicht, versprach etwas mehr Stille und bevor die ersten Textilwanderer diese für sich besetzten, breiteten wir auch schon unsere Handtücher aus und genossen die wärmenden Sonnenstrahlen. UV-Index 7 war übrigens angesagt, das Bundesamt für Strahlenschutz empfiehlt bei solch hohen Werten „entsprechende Kleidung, Hut und Sonnenbrille“ zu tragen, sowie „für unbedeckte Haut Sonnenschutzmittel mit ausreichendem Lichtschutzfaktor“ zu verwenden. Während Torsten und seine Tochter wenigstens der letzten Empfehlung nachkamen, und sich zusätzlich noch ein schattiges Plätzchen aufsuchten, entschieden Erik und ich mich, der Sonne zu trotzen – für mich eine leichtere Übung als für ihn, neigt er doch durch den Hauttyp und die fehlende Bräunung schneller zu Sonnenbrand als ich. Christian hingegen fand einen Mittelweg aus „halbwegs“ noch Schatten und Sonne.

Zu Beginn unserer Pause wollte ich noch einen Testlauf starten, ob es auch möglich ist, ein HDR-Panorama bestehend aus Fotos, aufgeteilt über „zwei Spalten“ mit jeweils 13 Einzelbildern anzufertigen. 26 Aufnahmen, dazu noch jeweils unterschiedliche Belichtungsergebnisse, sollten die Grundlage bilden – das Ergebnis wurde später mit Affinity Photo am Mac zusammengesetzt …

Nachdem alle Fotos auf digitalen Film gebannt wurden, konnten endlich die Salate und das Brot ausgepackt werden 😋.

Eine gute halbe Stunde sollte unsere Pause dauern, aber es wurde dann doch Zeit aufzubrechen und so begaben wir uns weiter entlang des Unteren Fremdenwegs, unter den Augen vieler Wanderer. Wie bereits vor gut drei Wochen, entschieden wir uns auch diesmal an der dritten Aussicht des Tages einfach vorbeizulaufen, lediglich Torstens Tochter wagte einen kurzen Abstecher, während es für uns unaufhörlich in Richtung der Winterbergspitzen ging. Über die Stufen zu Füßen dieser beiden Klettersteine gelangten wir vom Unteren Fremdenweg auf den Affensteinweg, der auch als Mittelwändesteig bezeichnet wird. Es sollte nicht lang dauern, bis wir in Sichtweite der Idagrotte gelangten. Entlang des Mittelwändesteigs kam uns so auch ein Pärchen entgegen, der Mann bereits fast Oberkörperfrei, traute sich dann aber doch nicht, in Begleitung seiner Frau, die Klamotten fallen zu lassen. Seiner Ansicht nach haben wir es „Richtig gemacht“, was bietet sich auch besseres an, als an solch einem warmen Tag ? Während das Thermometer allmählich in Konkurrenz zum UV-Wert gehen wollte und sich der Marke von 27 Grad näherte.

Obwohl die Idagrotte als eines der Ziele unserer Wanderung im Track eingetragen wurde, entschieden wir uns diese rechts liegen zu lassen, so dass wir uns in Richtung des Friensteinflössels begaben. Über den Mittelwändesteig und den Unteren Fremdenweg verlief unser Weg in stetem Auf und Ab, doch für den Zugang zum Reitsteig sollte es noch einmal ordentlich nach oben gehen, jedoch kein Vergleich zu den Höhenmetern, die am Anfang der Wanderung erklommen wurden. Dieser „ordentliche Aufstieg“ beschränkte sich auf gute 20 Höhenmeter, geprägt von zwei Leitern. Kurz nach beiden Treppen kam uns eine Gruppe junger Männer entgegen, einer davon mit reichlich „Fell“ im Gesicht, sowie auf dem Kopf. Torsten meinte, dass er aber ordentlich ins Schwitzen gekommen ist. Tjaaa unser Lebensstil kann dieser Unanehmlichkeit ( ? ) leicht Abhilfe verschaffen 😄.

Beispielhaft kann dafür nur Erik sein, wer weiß, wie es ihm gehen würde, wenn er bei den Strapazen noch Klamotten tragen müsste. Zumindest würde es dann nicht solche Fotos geben, mit Blick zur Wenzelwand …

Mit etwas Fantasie lassen sich hier zwei Steinformationen erkennen, die nicht umsonst als „Hund“ und „Marder“ bezeichnet werden. Dank einer Wandergruppe jüngeren Altersdurchschnitts konnte zudem eine weitere Zustiegsmöglichkeit zu jener Aussicht entdeckt werden, diese werden wir in den kommenden Wochen sicherlich einmal begehen.

Einem kurzen Abstecher zum Frühstücksplatz folgten wir dem Reitsteig zur ersten Kreuzung, über den Zurückesteig gelangten wir nach wenigen Minuten zur Heiligen Stiege, deren Stufen uns zur letzten Pausenstelle des Tages führen würden. Im Verlauf der Heiligen Stiege gibt es insgesamt zwei wirklich sehenswerte Aussichtspunkte, der erste befindet sich in der Nähe zur Bussardboofe, während der zweite nur eine Treppe entfernt ist und unterhalb der Flohspitze aufgesucht werden kann. Flöhe sind dabei vielleicht etwas weniger lästig als ein Bussard, der einem versucht das Essen zu stibitzen und so entschieden wir uns eher für die zweite Aussicht …

Wie beschrieben – die Aussicht ist wirklich sehenswert – erhält man doch einen Blick auf die Fluchtwand und den Frühstücksplatz. Besonders beeindruckend waren die Wanderer auf dem Frühstücksplatz, so dass wir erstaunt waren, wie steil es hier runtergeht. Steht man hingegen auf dem Frühstücksplatz, findet man sich relativ schnell damit ab, dass es ab einem gewissen Punkt einfach nicht weiter geht – wie nah man letztendlich am Abgrund steht, sieht man erst von der Aussicht am Rauschensteiner Turm – alternativ der Flohspitze. Beide Steine stehen übrigens direkt nebeneinander, daher der „Doppelname“ für diese Aussicht.

Da ich das Stativ nicht umsonst mit mir rumschleppen wollte, wurde es Zeit, sich mal wieder ins Bild zu setzen. Wenig später entstand ein weiteres Foto mit Blick auf den Frühstücksplatz, bei ganz genauem Blick lassen sich sogar die vereinzelten „wagemutigen“ Wanderer erkennen. Um diese zu finden, folgt dem „Horizont“ einfach von der Mitte des Fotos nach links, auf dem ersten Stein mit der glatten schwarzen Kante befindet sich der Frühstücksplatz …

Über die Heilige Stiege und der Frage, warum diese eigentlich so heißt, gelangten wir in den Heringsgrund. Doch zunächst galt es diese wichtige Frage zu beantworten, warum die Stiege eigentlich „heilig“ ist:

Bereits 1698 wurde im Heringsgrund eine „Steinerne Treppe“ erwähnt. Bis ins 19. Jahrhundert sind an der heutigen Stelle aber keine Wegeführungen kartografisch nachweisbar. Die erste namentliche Nennung einer Heiligen Stiege bei Schmilka erfolgte erst 1812 durch Wilhelm Leberecht Götzinger, der den Namen allerdings der Stiege in der Breiten Kluft beilegte. Die heutige Heilige Stiege existierte zu Götzingers Zeiten wahrscheinlich noch nicht. Die ersten Stufen und Leitern am heutigen Standort entstanden wahrscheinlich erst in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts durch Waldarbeiter oder Jäger.

Die häufig in Reiseliteratur angeführte Behauptung, dass es sich bei der Stiege um einen Weg für die Kirchgänger aus Schmilka zur Lichtenhainer Kirche gehandelt habe, ist nicht belegt und wenig plausibel. Schmilka war der Kirche in Bad Schandau zugeordnet.

Zunächst war die Stiege aus Holz gezimmert, ein Autor beschreibt sie um 1835 als „kümmerliche Treppe“. Ab den 1950er Jahren wurde die Stiege durch Dresdner Bergsteiger in ihrer Freizeit instand gehalten, bis 1969 durch den VEB Sächsischer Brücken- und Stahlhochbau Dresden die heutigen stählernen Leitern und Stufen erbaut wurden.

So richtig schlau sind wir nun auch nicht geworden, oder ? Es scheint aber etwas mit der irrtümlichen Bezeichnung der Kirchgänger auf sich zu haben 🤔. Interessant zu wissen: Die Stiege überwindet mit 903 Stufen einen Höhenunterschied von 190 Metern und ist damit die Steiganlage der Sächsischen Schweiz mit den meisten Stufen.

Doch zurück zum Heringsgrund und den letzten Kilometern unserer Wanderung. Der zum Teil recht sandige Weg führte uns vorbei am Zugang zur Rübezahlstiege – den geplanten Track verließen wir mit unserer Ankunft am Elbleitenweg, so dass wir nach nicht einmal 180 Metern wieder in Sichtweite der Zwieselhütte kamen. Über den gut asphaltierten Weg gelangten wir zurück nach Schmilka, die letzten Höhenmeter konnten so im Abstieg genommen werden, bevor das leckere Eis an der Schmilk’schen Mühle wartete von uns verspeist zu werden.

Torsten und Erik entschieden sich noch, das Bier zu verkosten, welches – im Vergleich – zu letztem Jahr auch etwas günstiger geworden ist, der Umsatzsteuersenkung sei Dank. Der Rückweg führte uns im Zug nach Schöna, da Erik unsere Wandergruppe davon überzeugen konnte, in Richtung Endhaltestelle zu fahren, um hier einen garantierten Sitzplatz zu erhalten, bevor der Zug in Schmilka-Hirschmühle mit vielen Wanderern gefüllt wurde. Die Deutsche Bahn rühmte sich an diesem Tag nun wirklich nicht ihrer ausgezeichneten Pünktlichkeit, so dass unser Zug bereits mit 10 Minuten Verspätung ankam – aber hey, je nach Auslegung ist die Deutsche Bahn zu fast 99% pünktlich 🤪. Wobei ich glaube einer der letzten Menschen wäre, der die Deutsche Bahn kritisiert – die anderen privaten Eisenbahnverkehrsunternehmen bekommen es selbst nicht besser hin und schließlich sind wir alle nur Menschen.

Ich hoffe, dass euch dieser Wanderbericht gefallen hat,
euer Martin

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Über Martin

Natürlich. Nackt. Frei. Seit Sommer 2015 haben diese drei Worte einen neuen Lebensweg für mich geprägt. Ich war es leid, immer wieder die richtigen Klamotten in Schuh- oder Bekleidungsgeschäften zu finden, nur um sie nach meiner nächsten Wanderung in die Waschmaschine werfen zu können. Der Bibel zufolge wurde der Mann nackt von Gott erschaffen - wir sehen dies sogar heute bei jeder Geburt, dass niemand mit einer Mütze geboren wird. Aber warum sollten wir Kleidung während einer Wanderung tragen ? Schließlich sind wir ein Teil der Natur und je mehr wir den Kontakt mit dieser erfahren, um so eher sind wir gewillt diese zu schützen. Für mich ist es daher wichtig, dass ich nicht nur meinen eigenen Körper der Natur aussetze, sondern dass meine Umwelt um mich herum geschützt wird …

2 Kommentare

  1. Heute ist der Bericht besonders schön geworden und nach solch einem Tag auch noch sehr schnell entstanden! Danke, ich war so gern dabei! 👍

    1. Hallo Christian,

      ich danke euch, dass ihr Teil der Wanderung ward. Nach gut einem halben Jahr der Vorbereitung für die diesjährige SNT ist es nicht einfach, wieder zu langsamerer Geschwindigkeit zurückzukehren. Muss eben vieles gleich erledigt sein, damit es nicht ewig über einem schwebt – und du willst ja auch mal Teil eines Wanderberichts sein.

      Liebe Grüße,
      Martin

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