Liebe Wanderfreunde,

die Sächsische Schweiz ist vor allem für eins bekannt: Ihre traumhaften Aussichten. Wer auf dem Weg in der Vorderen Sächsischen Schweiz ist, plant eine Route meist so, dass er an der Bastei vorbeischaut, wer jedoch in der Hinteren Sächsischen Schweiz – und speziell den Affensteinen – seine Wanderung plant, der kann auf allerlei Aussichten zurückgreifen und weis vielleicht gar nicht so richtig, wo er anfangen soll. Unser Ziel dieser Wanderung waren sage und schreibe 13 Aussichten in den Affensteinen 😳 …

Ausgangspunkt unserer Wanderung sollte der Bahnhof Schmilka sein, denn eine Fahrt mit dem Auto von Dohna bis Schmilka dauert bei Weitem länger – selbst mit Kurzaufenthalt in Bad Schandau. Mit der guten alten Lena, einer Fähre, die um 1920 gebaut wurde, setzten wir über, bevor es durch das beschauliche Örtchen an der deutsch-tschechischen Grenze ging. An der Schmilk’schen Mühle wurden wir Zeuge einer Führung durch den Ort – wir hörten hier noch den Satz, dass einige Männer ein Bierfass trugen und keine schöne Frau – ersteres schien auch besser zu sein und so äußerte ich diese kleine Spitzfindigkeit, was einem Mann, der dies vernahm, zum Schmunzeln brachte 😄.

Unser Weg hinauf zur Zwieselhütte führte uns über die asphaltierte Straße gute 160 Höhenmeter hinauf – das Höhenprofil der Wanderung sollte zumindest ziemlich abenteuerlich aussehen. Von der Zwieselhütte ging es über den Wurzelweg noch einmal gute 240 Höhenmeter hinauf, so dass wir binnen einer guten Dreiviertel Stunde und 2,7 Kilometern etwa 400 Höhenmeter bewältigten. Der Reitsteig sollte in seiner Verlängerung zum Großen Winterberg führen, welchen wir allerdings rechts liegen ließen, denn unser Ziel sollte der Untere Fremdenweg sein. Auf dem Reitsteig angekommen, wurden wir sogleich von zwei Wanderern mit den Worten begrüßt: „Ist doch erst in einem Monat so weit“, wir kamen kurz ins Gespräch und verwiesen auf die zahllosen Nacktwanderungen außerhalb der Sächsischen Naturistentage, zu denen jeder herzlich gern eingeladen ist, und zogen unseres Weges.

Am Unteren Fremdenweg angekommen, fand sich bereits nach wenigen Minuten die erste Aussicht, welche wir für eine Foto- und Mittagspause nutzten, es war natürlich nicht verwunderlich, dass Matthias und ich auf jeder Aussicht abwechselnd Platz nahmen und so zahlreiche Portrait-Fotos entstanden. Diese möchten wir euch ersparen und lieber die Aussicht zeigen …

Der zunächst recht stark bewölkte Himmel klarte während unserer Wanderung mehr und mehr auf, so dass weniger HDR-Aufnahmen nötig waren, um aus dem nahezu einheitlichen Grau der Wolken größere Farbnuancen zu gewinnen. Während Matthias sein Mittagessen genoß, entschied ich mich noch ein wenig länger vor der Kamera zu posieren und den Blick ins Tal zu genießen …

Nach gut einer halben Stunde wurde es dann doch Zeit aufzubrechen und so begaben wir uns weiter entlang des Unteren Fremdenwegs, unter den Augen vieler interessierter Wanderer an der nächsten Aussicht vorbei, bis wir unweit der Winterbergspitzen die nächste größere Aussicht erspähen konnten. Damit waren wir schon bei Nummer Drei. Über die Stufen unterhalb der Winterbergspitzen und dem Klettergipfel Doppeltürmchen gelangten wir vom Unteren Fremdenweg auf den Affensteinweg, welcher auch als Mittelwändesteig bezeichnet wird. Es sollte nicht lang dauern, bis wir in Sichtweite der Idagrotte gelangten und sich Aussicht Vier und Fünf auf unserer Karte verewigten – als kleiner Geheimtipp entpuppte sich dabei die fünfte Aussicht, welche wir auch bewusst nicht in der Route eingetragen haben, da zu dieser kein Weg eingezeichnet ist.

Die Idagrotte sollte während dieser Wanderung nicht zu unseren Zielen gehören, so dass wir uns in Richtung des Friensteinflössels begaben. Nachdem unser Weg entlang des Mittelwändesteigs und des Unteren Fremdenwegs von stetem Auf und Ab geprägt war, sollte es über den Zugangsweg zum Reitsteig noch einmal hinauf gehen, so dass auch eine Treppe ins Spiel kam. Dank unserer Wanderbekleidung kamen wir so weit aus weniger ins Schwitzen, als die unzähligen Textilwanderer, denen wir begegneten 😉. Dabei stellten Matthias und ich fest, dass es für uns heute unvorstellbar wäre, bei diesen Temperaturen dick eingepackt in Funktionsbekleidung wandern zu gehen. Erstaunlich, wie schnell der Körper sich an neue Gegebenheiten anzupassen vermag.

Zurück auf dem Reitsteig, sollte unser Weg in Richtung der Aussicht zu „Hund“ und „Marder“ führen, alternativ kann man diese Aussicht aber auch einfach „Blick zur Wenzelwand“ nennen, doch in Anbetracht der Steine, in Verbindung mit ein bisschen Fantasie vermag der erste Name doch etwas besser klingen. Anstatt auf dieser Aussicht zur nächsten Pause überzugehen, entschieden wir uns etwas abseits auf dem Frühstücksplatz die Sonne zu genießen. Natürlich wollten wir Buddha nicht enttäuschen und sendeten so einen kleinen Gruß nach oben und hofften, dass er mit Petrus ein paar Worte wechselt, damit die Wolken sich etwas weiter auflockern würden …

Die Sonne sorgte für einige schöne Momente auf dieser Aussicht, so dass wir beinahe die Zeit vergaßen. Matthias hingegen wollte nicht gedrängt werden und seinen Urlaub genießen, wenn das wohlmöglich letzte „Treffen der besonderen Art“ im Harz Corona-bedingt ausfallen musste. Ich tat es ihm gleich und genoss die sonnigen Minuten, bevor es wieder Zeit für ein weiteres Foto wurde …

Wir schienen beinahe wirklich die Zeit zu vergessen, so dass wir nur durch einen jungen Mann wieder daran erinnert wurden. Zunächst hörten wir, wie innerhalb seiner Gruppe das Wort „Nacktwandern“ fiel, bis er auf uns zukam und einige Fragen stellte – es klang schon fast nach einem gewissen Interesse 😉. Wir standen ihm für einige Minuten zur Verfügung und beantworteten seine Fragen, bis er uns am Ende des Gesprächs noch eine schöne Wanderung und das – in den letzten Wochen – übliche „Bleibt gesund“ wünschte.

Vom Frühstücksplatz ging es über den Reitsteig zum Zurückesteig. Da ein Großteil der Wanderung für Barfußwanderer geeignet ist, entschieden wir uns erneut dafür die Schuhe auszuziehen. Am Zurückesteig angelangt, führten die Stufen hinab, bis wir an der Kreuzung zur Heiligen Stiege ankamen, diese Kreuzung ist jedes Mal ein bisschen verwirrend, so auch diesmal. Doch der weitere Verlauf des Zurückesteigs sollte leicht zu finden sein und so folgten wir dem Weg gesichert durch eine Kette über die Steine hinauf, bis uns unweit vom Spieß eine größere Wandergruppe samt Hund entgegenkam. Bereits an der Kreuzung zur Heiligen Stiege sahen wir mehrere Wanderer mit Hunden aller Größen, die sich ihren Weg durch die Sächsische Schweiz bahnten.

Im Verlaufe unseres Weges entdeckten wir natürlich immer wieder Motive für ein Foto, so dass auch folgendes Foto von Matthias entstand – er entwickelt sich eben langsam zu einem Aktmodel, wenn es nach seinen Worten geht 😊 …

Aber in kleiner Gruppe bietet es sich eben an, das ein oder andere Foto zu machen, wird man doch nicht gedrängt von anderen Wanderern, denen es nur um die Kilometer geht. Am Spieß angekommen, ging es herum um die „Kleine Winterbergspitze“ und vorbei an Aussicht Nummer Acht. Der Zurückesteig endete mit einer Leiter und mehreren Stufen, so dass wir nach rund 300 Metern an das Ende der Rotkehlchenstiege gelangten.

Bevor es an der Zeit war, weitere Fotos auf digitalen Film zu bannen, entschieden wir uns für eine kleine Erkundung und entdeckten eine weitere geheime Aussicht, zu der ebenfalls ( laut Karte ) kein Weg führt, aber deutlich zu erkennen war. Matthias erkundete den bis zu einem gewissen Grad weiter, ehe er sich entschloss umzukehren. Ich wollte es jedoch wieder einmal genau wissen und folgte dem Weg noch etwas weiter, bis auch ich zu dem Entschluss kam, dass es besser sei umzudrehen. Das Ende des Weges war aber noch lange nicht erreicht …

An der Rotkehlchenstiege findet man neben solchen Aussichten auch einen einzigartigen Beweis dafür, dass die Natur keine Zeit kennt, ja man kann ihr sogar bei der Arbeit zusehen: 2015 posierten wir für ein Foto auf der frisch umgestürzten Buche, doch in den vergangenen Jahren brachen immer mehr Äste ab, so dass es inzwischen nur noch Platz für Matthias gab – dieser schien jedoch reichlich Spaß gehabt zu haben …

Der Rotkehlchenstiege folgten wir zu ihrem oberen Ende, bis wir auf den Oberen Terrassenpfad abbogen – dieser als T3 markierte Weg sollte es in sich haben, denn ab hier sollte ein gewisses Maß an Höhentauglichkeit und Trittsicherheit vorhanden sein. Auf den ersten Moment kam auch mir dieser Weg unbekannt vor, doch bei genauerer ( rückwärtiger ) Betrachtung erkannte ich den Weg wieder und so führte er uns direkt an der Kante des Sandsteins entlang, nur gesichert durch vereinzelte Eisen an der rechten Seite.

Es entpuppte sich als wahrer Glücksfall der Wanderung, diesen Weg einmal in die Gegenrichtung zu laufen, um so einen ganz anderen Blick auf die eigentlich schon bekannte Gegend zu erhalten. Kleine Ursache, große Wirkung 😎.

Nach 420 Metern erreichten wir den Großvaterstuhl – Matthias Augen begannen plötzlich zu leuchten, als er diesen Namen vernahm und als wir ihn dann sahen … nun so schnell saß er auch drauf. Der Großvaterstuhl und seine Aussicht luden zur nächsten Pause ein, denn Buddha schien sich hervorragend mit Petrus zu unterhalten und so zogen die Wolken merklich ab …

Der HDR-Modus in ProCamera wurde in den letzten Tagen ein treuer und verläßlicher Begleiter und so entstand eine Serie von 11 Fotos, die später mit Affinity Photo zusammengesetzt wurden. Am Großvaterstuhl entschieden wir uns für die nächste längere Pause. Kurz vor 15 Uhr wurden wir dann aber doch wieder daran erinnert, dass die Züge von Schmilka nicht bis in die tiefste Nacht fahren würden – auch wenn bereits 8,3 Kilometer der 12,9 Kilometer hinter uns lagen.

Vom Großvaterstuhl ( und Aussicht Nummer Zehn ) brachen wir zum letzten – mit T3 markierten – Stück des Oberen Terrassenwegs auf. Bereits mit Blick auf die Wanderkarte war ersichtlich, dass unser Weg an der Starken Stiege vorbeiführen würde, auch wenn Matthias die Frage stellte, ob wir diese runter müssten, antwortete ich mit einem: „Nur wenn wir unseren Weg ordentlich verkürzen wollen“. Da Matthias auf keinen Fall schon zurück nach Hause wollte, entschieden wir uns der geplanten Route zu folgen, zuvor wurde es aber noch einmal Zeit, die Aussicht an der Starken Stiege zu besuchen …

Um es direkt zu sagen: Matthias war von der Route mehr als begeistert – ich konnte mich dem nur anschließen, so dass das Thema der Sächsischen Naturistentage im kommenden Jahr bereits feststeht: „Unbekannte Aussichten in der Sächsischen Schweiz“. Je nach Interesse wird auch diese von uns begangene Route ein Teil des nächsten Jahres werden. Von der Aussicht ging es zurück in Richtung des Oberen Terrassenwegs, welcher nun noch lediglich durch eine Schwierigkeit von Zwei auf der Karte eingetragen ist. Vorbei an den Klettergipfeln Rauschengrundkegel, der Rauschenkuppe und der Rauschenspitze, ging es zur Breiten Kluft. Im Verlauf der Wanderung „Von ‚Schrammen‘ und ‚Falken‘“ statten wir dieser Aussicht häufig einen Besuch ab, doch diesmal führten uns die Stufen hinab zum Elbleitenweg. Gute 920 Meter sollten wir diesem einfachen Waldweg, vorbei am Rauschenstein folgen, bis wir zur dreizehnten und letzten Aussicht abbogen: Der Kleinen Bastei.

Zahllose Wurzeln säumten den Weg hinab zum Abzweig zur Kleinen Bastei, von dem es noch knapp drei Minuten Fußmarsch sind, bis man die eigentliche Aussicht erreicht. Da sich auf diesem Aussichtspunkt eine Familie aufhielt, entschieden wir uns diese nicht weiter zu stören und folgten dem Weg zurück in Richtung der Kahntilke. Eigentlich sollte unser Weg von der Kleinen Bastei über den Elbleitenweg, zum Roßsteigel durch Schmilka verlaufen, doch dank eines unfreiwilligen Umwegs, konnten wir den so romantischen Weg entlang der Kahntilke nehmen. Von etwas über 320 Höhenmetern, verlief unser Weg bis auf 120 Höhenmeter hinab, ehe wir uns im Verlauf des Weges dazu entschieden, die Klamotten aus dem Rucksack zu holen, damit wir unseren Zug nicht verpassen würden. Die Entscheidung war auch gar nicht so schlecht, denn das Ende der Kahntilke war etwas zugewachsen, demzufolge war die Garantie sich eine Zecke einzufangen entsprechend hoch – am Ende der Wanderung, entlang des Elberadweges entdeckte ich auch sogleich eins dieser hartnäckigen Biester. Doch mit einer Zeckenpinzette löst sich so ein Problem auch schnell in Luft auf.

Die gute alte Lena brachte uns nach reichlich sieben Stunden zurück in Richtung Bahnhof – am Ende bleibt eine Wanderung, die das Potenzial besitzt, als ein möglicher Kandidat für das „Highlight des Jahres“ zu gelten.

Ich hoffe, dass euch dieser Wanderbericht gefallen hat,
euer Martin

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Über Martin

Natürlich. Nackt. Frei. Seit Sommer 2015 haben diese drei Worte einen neuen Lebensweg für mich geprägt. Ich war es leid, immer wieder die richtigen Klamotten in Schuh- oder Bekleidungsgeschäften zu finden, nur um sie nach meiner nächsten Wanderung in die Waschmaschine werfen zu können. Der Bibel zufolge wurde der Mann nackt von Gott erschaffen - wir sehen dies sogar heute bei jeder Geburt, dass niemand mit einer Mütze geboren wird. Aber warum sollten wir Kleidung während einer Wanderung tragen ? Schließlich sind wir ein Teil der Natur und je mehr wir den Kontakt mit dieser erfahren, um so eher sind wir gewillt diese zu schützen. Für mich ist es daher wichtig, dass ich nicht nur meinen eigenen Körper der Natur aussetze, sondern dass meine Umwelt um mich herum geschützt wird …

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