Liebe Wanderfreunde,

manchmal steht man irgendwie im Walde, so fehlt für unsere Sächsischen Naturistentage lediglich noch eine Route, die uns in Richtung des Hinteren Raubschloss auf den Winterstein führen sollte. Ein Blick auf’s iPad genügte dabei jedoch nicht und so entschied ich mich eine – zuletzt im Jahr 2017 – begangene Tour erneut zu bewandern. Mit von der Partie sein sollte dabei Erik aus Leipzig, der einige Tage Urlaub machen wollte …

Über eine rein auf dem iPad gezeichnete 9,08 Kilometer lange Route, sollte es über einiges an Höhenmetern in die wechselhafte Hintere Sächsische Schweiz gehen und so fanden wir uns nach dem Start in Leipzig kurz nach sieben Uhr etwa gegen Dreivietel Zehn – alternativ 9:45 Uhr – am Parkplatz Neumannmühle ein. Da Christian aus Dresden kurzfristig absagen musste, blieben nur noch Erik und ich übrig. Über die Zschandstraße erreichten wir relativ schnell den ersten Abzweig, bevor es in die Spitzsteinschlüchte ging – die ersten Höhenmeter des Tages sollten auf uns warten. Dabei führte uns der Pfad durch die Schlucht nicht nur über zahllose Steine, sondern auch vereinzelte Stufen hinauf. Der – wie am Tag zuvor – einsetzende Nieselregen sollte abermals nur als „heißer Tropfen auf den trockenen Stein“ abgetan werden, bevor es am Ende der Spitzsteinschlüchte zum ersten größeren Regenschauer kommen sollte.

Dieser verzog sich schnell wieder, so dass die Mützen über dem Rucksack zunächst unnötig schienen. Nach den letzten Höhenmetern erreichten wir schließlich den Lorenzweg bzw. die ihm folgende Knorre …

Während unserer letzten Wanderungen stellen wir immer wieder die Auswirkungen des trockenen Sommers in den vergangenen beiden Jahren fest, so dass der Borkenkäfer im Frühjahr leichtes Spiel gegen die bereits geschwächten Bäume hat. Die vermehrt auftretenden Stürme leisten ihr Übriges und so finden sich in der Sächsischen Schweiz bereits zahlreiche brach liegende Flächen wieder. Doch die Natur wäre nicht sie selbst, wenn nicht am Ende jeden Baumes schon wieder ein neuer stehen würde und so wird die reichliche Sonne von kleinen Nadelgehölzen, aber auch einigen Laubbäumen als Grundlage für neues Leben genutzt.

Über die Knorre erreichten wir die Zeughausstraße, bevor wir kurzerhand später in Richtung der Buchschlüchte abbogen. Es mag etwas „abenteuerlich“ klingen, doch nachdem unser Weg stetig bergauf ging, folgten wir der Zeughausstraße hinab, um diese und weitere Höhenmeter in den Buchschlüchten wett zu machen. Am Ende der Buchschlüchte angekommen, führte ein Weg durch die Raubsteiner Schlüchte direkt zum Aufgang des Wintersteins. Der Regengott Petrus schien erneut seine Tränen zeigen zu wollen und so stand ein weiterer Schauer an, diesmal blieb uns allerdings nur die Möglichkeit, unter einem Felsvorsprung des Wintersteins Schutz zu suchen. Knappe fünf Minuten später sollte der Spuk auch schon wieder vorbei sein, so dass wir den Aufstieg zum Hinteren Raubschloss wagen konnten. Erik schien dabei zunächst etwas skeptisch, doch die passenden motivierenden Worte parat, ging es schließlich nach oben. An der großen Leiter in der Höhle des Wintersteins merkte ich dann wieder einmal, dass es sich empfiehlt hier nicht nach unten zu schauen.

Am Ende des Aufstiegs angekommen, ertönten schon die ersten Stimmen der Wanderer, die von einem wundervollen Blick auf ein – der trockenen Perioden vergangener Jahre zum Opfer gefallenes – Naturspektakel boten: Einen Regenbogen …

Die letzten Meter wurden so im Eilzug-Tempo zurückgelegt, um noch ein Foto als Erinnerung bewahren zu können. Die vielen Wolken boten somit nicht nur einen interessanten Hintergrund, sondern mit aktiviertem HDR-Modus der Kamera auch Platz für kleine Spielereien …

Aufziehender Wind und die kühler werdenden Temperaturen luden allerdings nicht zum verweilen ein, so dass wir uns nach wenigen Minuten entschieden, den Winterstein, samt den Resten des Hinteren Raubschloss zu verlassen – weitere Informationen zur Geschichte des Raubschlosses erhaltet ihr in der Routenbeschreibung „Von Raubrittern und Wegelagerern ?„. Der Weg nach unten erschien dabei etwas leichter als hinauf, so dass wir nach wenigen Minuten an der Kreuzung zum Aufstieg ankamen. Wir überlegten bereits hier, ob wir nicht unsere „Wanderbekleidung“ anlegen sollten, doch Erik fand, dass die herannahenden Kinderstimmen etwas unpassend schienen … besser war es auch, denn nachdem einige Wanderer an uns vorbeikamen, rief Erik plötzlich: „Den kenn‘ ich“, einem „Jew“ – die Kurzform für „Jewgenie“ von seinem Gegenüber gefolgt. Es war einer von Erik’s alten Studienkollegen, mit dem er sich vor gut 30 Jahren ein Zimmer teilte. Zuletzt sahen sich die beiden vor 25 Jahren auf einem Trip nach Namibia – Erik’s Lieblingsreiseziel, von dem er schon zahlreiche Eindrücke in Form von Fotos und Erinnerungen mit mir teilte.

Von den Raubsteiner Schlüchten ging es für uns in die Tiefen der unentdeckten Sächsischen Schweiz – was romantisch klingt, stellte sich für uns als Herausforderung der besondern Art dar, denn auf dem – lediglich mit Schwierigkeitsgrad „T1“ bewerteten – Weg lagen inzwischen einige umgestürzte Bäume, so dass es mal hieß den Kopf einzuziehen …

… oder eben gleich einen alternativen Weg zu finden, was bei Weitem nicht leicht ist. Obwohl wir diese Route bereits 2017 – in meiner Erinnerung – mit Rüdiger ( heute 86 ), Wolfgang ( heute 71 ) und anderen Wanderfreunden gelaufen sind, waren weite Teile der Wanderroute bereits verblasst. Erst beim Schreiben dieses Berichts erinnerte ich mich wieder, dass Rüdiger in Begleitung von Wolfgang am Bärenfangwändesteig umgekehrt ist. Doch es half Erik wohl, als ich meinte, dass wir mit Rüdiger hier hinauf sind. Nach anfänglicher Hilfe, lehnte Erik diese im weiteren und schwierigeren Verlauf des Bärenfangwändesteigs ab und nachdem wir etwa die Hälfte erreichten, entschieden wir uns die übliche Wanderbekleidung anzulegen.

Die letzte Etappe des Steigs führte uns vorbei am Klettergipfel Zauberstab in Richtung des Bärenfangkegels – einem Ziel, was nur durch den Geocache „Bärenfangwände“ auf unserer Karte vermerkt war. Bei Ankunft stellten wir schnell fest, dass diese Aussicht nicht nur etwas über der auf dem Winterstein lag, sondern dass wir eine wunderschöne Aussicht auf diesen freistehenden Stein genossen – es war also nicht verwunderlich, dass wir von gegenüber auch mal ein freundliches „Die sind ja nackt“ hörten. Wie es sich gehört, wurde natürlich zu den „Nachbarn“ gewunken, bevor Erik für ein Foto Platz nehmen durfte …

Natürlich sollte unsere „kleine Gruppe“, die ab kommenden Montag auch gern wieder etwas größer sein darf, nicht ohne ein Gruppenfoto bleiben und so wurde das iPhone auf einen festeren Untergrund, als den Waldboden gestellt und per Fernauslöser auf der Apple Watch das Foto geschossen …

Unser Weg vom Bärenfangkegel sollte uns über denselben Weg führen, wie wir ihn auch gekommen waren, darunter über eine zweistufige Leiter, bis wir am oberen Ende des Bärenfangwändesteigs ankamen. Ein kurzer Blick auf die Karte verriet, dass es nur einen einzigen Weg gab, dem wir folgen konnten und so erreichten wir nach gut einer Viertel Stunde den Gehackten Weg.

Dieser Weg war mir bereits gut bekannt, ebenso der folgende über den Roßsteig, war er doch Teil meiner Wanderung über den Malerweg. Der Roßsteig führte uns in Richtung der Goldsteinaussicht – mit Blick auf den Goldstein zur Linken, welcher jedoch von zahllosen Bäumen verdeckt wurde. Dafür bot sich ein fast zufällig entstandenes Foto als Highlight des Tages an: Erik, auf der Goldsteinaussicht sitzend, mit Blick auf die Steine des Großen Zschands und – dem Tal folgend – am Horizont das Dorf Vysoká Lípa in der Tschechischen Republik …

Natürlich sollte auch ein Foto von mir auf dieser Aussicht entstehen, doch ehrlich gesagt, finde ich das Foto mit Erik doch ein ganzes Stück besser 😉 …

So wurde ich auf einem Panorama verewigt, bevor wir uns entschieden dem Weg hinab ins Tal zu folgen. Der Roßsteig führte uns steil hinab in Richtung des Zeughauses, während der Malerweg-Wanderung bedurfte es hier noch reichlich Kraft diesen Weg hinauf in Richtung des Großen Winterbergs zu laufen, doch selbst im Abstieg bietet der Weg seine Tücken, so dass man am Zeughaus angekommen auf jeden Fall seine Knie spürt. Dem dichter werdenden Wald ( und der wohl dichter werdenden Wolkendecke über unseren Köpfen ) war es am Ende auch zu verdanken, dass wir uns in der Nähe zum Abzweig des Goldsteiges entschieden, die Klamotten wieder anzuziehen. Als wir nur noch wenige Meter vom Zeughaus entfernt waren, setzte der Regen erneut ein, so dass ein aufgespannter Sonnenschirm uns gerade recht kam, ehe wir und zwei junge Kletterer vom schlagartigen Platzregen überrascht wurden.

Doch wie die restlichen Regenschauer des Tages verflüchtigte sich dieser so schnell, wie er kam und wir konnten die letzten knapp zwei Kilometer unserer Wanderung fortsetzen. Entgegen des ursprünglichen Plans, entschieden wir uns am Zeughaus, dem Pfad des Alten Flößersteiges nicht zu folgen, was sich am Ende auch als vernünftige Entscheidung erwies, denn bei Kilometer 1,2 auf Höhe des Reibetöpfels erkannten wir, dass diesem Teil des Alten Flößersteigs wohl eine Brücke oder ähnliches zu fehlen schien, der auf die andere Seite der Steine führte. So gelangten wir über die Zschandstraße in Richtung des Parkplatzes an der Neumannmühle zurück.

Die Erkenntnis des Tages war jedoch, dass diese Wanderroute zu unseren Naturistentagen wohl nur etwas für jene Wanderer sein wird, die eine kleine Herausforderung suchen würden. Erik’s Einschätzung am Ende des Tages rückte daher nicht von einer Sieben ab … von fünf möglichen Punkten. Dennoch war ich erneut erstaunt über ihn, dass er jede Wanderung anstandslos übersteht, ohne auch nur ans Aufgeben zu denken. Das zeugt eben von wahrer Stärke 😃.

Ich hoffe, dass euch dieser Wanderbericht gefallen hat,
euer Martin

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Über Martin

Natürlich. Nackt. Frei. Seit Sommer 2015 haben diese drei Worte einen neuen Lebensweg für mich geprägt. Ich war es leid, immer wieder die richtigen Klamotten in Schuh- oder Bekleidungsgeschäften zu finden, nur um sie nach meiner nächsten Wanderung in die Waschmaschine werfen zu können. Der Bibel zufolge wurde der Mann nackt von Gott erschaffen - wir sehen dies sogar heute bei jeder Geburt, dass niemand mit einer Mütze geboren wird. Aber warum sollten wir Kleidung während einer Wanderung tragen ? Schließlich sind wir ein Teil der Natur und je mehr wir den Kontakt mit dieser erfahren, um so eher sind wir gewillt diese zu schützen. Für mich ist es daher wichtig, dass ich nicht nur meinen eigenen Körper der Natur aussetze, sondern dass meine Umwelt um mich herum geschützt wird …

3 Kommentare

  1. Wieder einmal ein schöner Wanderbericht mit tollen Fotos.
    Schön auch zu sehen, wie landschaftsbildend Wolken nach einem Regen sind, wenn sich der Himmel wieder aufklart.
    Meine Lieblingsbilder sind, das mit dem Kirschbaum und das Vorletzte mit dem rosa Ferkelchen 😉 als Garnitur.
    Liebe Grüße,
    Wolfgang

    1. Hallo Wolfgang,

      danke dir, die Wanderung war auch wirklich ein Highlight, was die Fotos betrifft. Erik überlegt eventuell schon eine Wanderung unternehmen zu wollen, in der die Foto-Ausrüstung im Vordergrund steht. Es soll also direkt mal eine richtige Foto-Tour mit entsprechender Ausrüstung und den richtigen Einstellungen stattfinden. Wann bleibt noch die Frage, kommt ganz auf Erik an.

      Liebe Grüße,
      Martin

  2. Lieber Martin wieder ein toller Bericht
    Mit schönen Landschaften bildern.
    Ich hoffe diese Jahr zum rätzsee zu kommen
    Lg Gerhard

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