Liebe Wanderfreunde,

die Vorbereitungen zur Wanderwoche laufen auf vollen Touren und da kann es sicherlich nicht schaden, wenn das eigene Leben einen gewissen Rückhalt vor dieser Wanderwoche erfährt. Sei es nun durch Freunde oder persönliches Glück, denn der 30. Juni wird nun für einige Zeit in ganz besonderer Erinnerung bleiben – zumindest für mich. Warum dies so ist ? Nun alles werde ich euch sicher nicht verraten, aber es hat auf jeden Fall etwas mit der Wanderung zu tun 😉 …

Unser heutiges Ziel sollte uns in den entlegensten Winkel der Sächsischen Schweiz führen, für den wir auch eine Weile in Andreas’ Auto unterwegs sein sollten. Rechnen wir die Fahrt nur von meiner Wohnung, sollte es knappe 70 Minuten dauern, bis wir in Hinterhermsdorf auf dem großen Parkplatz beim Sportplatz ankommen sollten. Da es in Andreas’ “Bobbycar” bei fünf Leuten kuschelig wird, war es auch nicht verwunderlich, dass ich mich bei Ankunft erstmal ordentlich strecken musste.

Doch genug von der Fahrt erzählt – auch wenn sie mir aufgrund einer ganz bestimmten Person nicht mehr aus dem Kopf geht. Nach kurzem Plausch mit einem Eingeborenen, starteten wir unsere Wanderung wenige Minuten nach 9:40 Uhr, in Richtung des Weifbergturms, welcher bei unserem letzten Besuch noch in der Renovierungsphase steckte ( damals hatten wir großes Glück und konnten bereits auf den Turm, fanden nur den zugehörigen Cache nicht ).

So begaben wir uns durch die letzten Ausläufer von Hinterhermsdorf, bis wir an einer Wendeschleife die Klamotten in den Rucksack verstauten und unsere Nacktwanderung begannen. Im Gegensatz zum 19. Mai, als unser weiblicher Gast das erste Mal dabei war, entschied ich mich diesmal die Klamotten ebenfalls in den Rucksack zu verstauen, denn die Ausgangssituation war … etwas anders 😏. Nach kurzer Strecke, welche uns über einen gut geschotterten Feldweg führte, erblickten wir in Richtung des Horizonts den Weifbergturm, wie er sich über die Baumwipfel erhob …

Natürlich wurden während der Wanderung auch reichlich Fotos geschossen, da war es auch nicht verwunderlich, dass ich mich ins angrenzende Feld begab, damit Kirsten ein Foto von mir knipsen konnte …

Am Weifbergturm angekommen, entschieden wir uns zunächst für eine kleine Rast, auch um festzustellen, dass hier einige Bäume abgeholzt wurden – ob diese für die neu errichteten Hütten herhalten durften, kann ich allerdings nicht sagen, auch wenn es vielleicht den Eindruck erweckt. Nach kurzer Pause, sollte es anschließend auf den Turm gehen, nicht ohne dabei die Stufen zu zählen, denn die 119. Metallstufe sollte dabei eine ganz besondere Rolle spielen. So dachte ich jedenfalls, den zugehörigen Geocache am Weifbergturm einsammeln zu können, doch nach intensiver Suche fand sich auch diesmal kein Cache, was bedeutet, dass Erik und Andreas aus Thüringen zur Wanderwoche das Glück haben werden, mit mir auf erneute Suche zu gehen.

Nach den obligatorischen Fotos ging es wieder hinab, um nach einem erneuten Schluck Wasser in Richtung unseres nächsten Ziels zu gelangen: Der Oberen Schleuse. Bis zur Oberen Schleuse sollten es allerdings noch einige Kilometer sein, so dass wir uns bis zur Kreuzung Folgenweg / Bammelweg begaben, nicht ohne zuvor ein Foto am Kaltenbergblick vom Abstieg der mutigen Helden zu machen, die der gleißenden Sonne trotzen sollten …

Am Ende des Weges, der uns erneut zwischen zwei Feldern entlangführte, kam uns plötzlich ein Mann entgegen, der zunächst mit Andreas, M. und Torsten sprach und wenige Minuten später auch auf Kirsten und mich traf. Es stellte sich heraus, dass er heute seinen Geburtstag feierte und mit seinem Hund eine kleine Gassirunde lief – in der Hoffnung, dass er zum Ehrentag eine nackte Frau zu Gesicht bekam. Da mussten wir ihn enttäuschen, aber manchmal reichen auch vier nette Herren, von dem ihm mindestens einer zum Geburtstag gratulierte.

Am Schäferrräumicht angekommen, beschritten wir den Weg weiter in Richtung des Folgenweges, bis wir nach etwa gut einem Kilometer an jener – vorhin erwähnten – Kreuzung ankamen, denn an dieser Kreuzung konnten wir uns entscheiden, ob wir den direkten Weg in Richtung der Oberen Schleuse oder lieber einen interessanteren Weg entlang des Weißbaches nahmen. Natürlich entschieden wir uns – in Anbetracht der zahlreichen Bademöglichkeiten und der ( noch ) guten Kondition dafür, dem Weißbach einen kleinen Besuch abzustatten.

Der Bammelweg – Angst und Bammel sollte uns beim Aufstieg zur Kreuzung allerdings nicht werden – geleitete uns über 480 Meter gute 80 Meter hinauf, bevor uns der Weißbachweg wieder 30 Meter hinab führte. In der Sächsischen Schweiz gibt es eben nicht “den direkten Weg”, sondern es gibt ein stetiges Auf-und-Ab, durch eine einzigartige Landschaft. Am Weißbach angekommen, entschied Andreas sich, die Schuhe für einige Meter am Rucksack festzuzurren, bis ihm auffiel, dass der Weg auf Dauer doch nicht so geeignet für Barfuß-Wanderer war, als er auf den ersten Blick versprach. Wenige Meter später näherten wir uns auch den Resten des letzten Sturms, der nicht nur für eine Schlammlawine im Kirnitzschtal sorgte, sondern auch ein paar Bäume umwehte – noch ehe ich mich versah, bestieg M. einen dieser umgefallenen Bäume und so bat ich Kirsten, doch mal ein Foto von mir auf den digitalen Film zu bannen, wie ich auf den weiteren Verlauf des Weges schaue. Mit etwas Hilfe meinerseits, gelang es ihr diesen Teil des “interessanten” Weges zu meistern, wie Andreas ihn noch wenige Minuten zuvor versprach …

Die kleine Kletterstelle hinter uns liegend, entschied sich M. einige Meter weiter ein Bad im Weißbach zu nehmen – der im Übrigen auch die Grenze zwischen Deutschland und der Tschechischen Republik markiert. Was M. kann, sollte natürlich auch für Torsten und mich kein Problem darstellen, nur Andreas war das Wasser wieder einmal zu warm und er entschied sich nach einem kleinen Schritt ins Wasser lieber für die wärmenden Sonnenstrahlen. Nicht, dass ihr jetzt denkt, Andreas sei ein Warmduscher, denn er geht seit mehreren Jahren Eisbaden, ihm ist das Wasser mit etwas um die 12 Grad also wirklich zu warm 😄.

Nach dieser kleinen Badepause, entschieden wir uns, bei nächster Gelegenheit eine Pause einzulegen und fanden alsbald fünf Baumstämme, sowie einen großen in der Mitte, den offenbar schon einige Waldarbeiter und Wanderer als Tisch zu nutzen wussten …

Nach einigen Minuten Pause sollte es weiter in Richtung Obere Schleuse gehen, vorbei am Grenzübergang Weißbachtal / Zeidlerbachtal, an dem die Kirnitzsch zum Grenzfluss wird, bis wir nach gut einem Kilometer wieder zurück auf den Weg kommen sollten, welchen wir zur Wanderwoche beschreiten werden. Vorbei geht es an einem Denkmal, der an die Verbrechen und Grauen der SS-Todesmärsche erinnert, bevor wir an der ehemaligen Böhmischen Mühle ankamen, von wo es nur noch ein gaaanz großer Katzensprung ( alternativ 670 Meter ) bis zur Niedermühle ist.

Es sollte nicht verwunderlich sein, dass wir an der Niedermühle eine erneute Badepause einlegten, an der sich auch Andreas anschloss. Da M. mal wieder nach einer etwas anderen Badestelle suchte, nutzte ich die Chance, um ein paar weitere Tests mit der App “Spectre” zu betreiben – alles in Vorbereitung auf die Naked European Walking Tour in Österreich, welche in knapp zwei Wochen startet …

Praktisch, dass ich auch gleich einen Satz von der letzten Stiegen-Wanderung zitieren kann:

Herausgekommen ist dabei obiges Bild vom Verlauf der Kirnitzsch in einer Langzeitbelichtung von drei Sekunden.

Aber nun genug mit den Zitaten und dem Blick in die Vergangenheit, denn unser Weg sollte uns an der Niedermühle hinauf zur Oberen Schleuse führen ( erstaunlich, wie lange man dahin läuft, wenn man nur einen kleinen Umweg nimmt 😂 ). Nach guten 1,8 Kilometern erreichten wir letztendlich auch unser letztes ( geplantes ) Ziel des Tages, wo wir uns dazu entschieden, mit dem Kahn bis zur Unteren Schleuse zu fahren. Da Andreas – wenn er Hosen trägt – es schon besondere Hosen sind, entschied er sich, uns die Kahnfahrt zur Unteren Schleuse zu spendieren.

Wenn ich schon Hosen anhabe, dann sind es Spendierhosen.

Dafür möchte ich Andreas noch einmal ganz herzlich im Namen aller Mitwanderer danken. Da wir – bis zum Start der Kahnfahrt – noch einige Minuten Zeit hatten, entschied sich M. am Imbiss noch ein kühles Bier zu trinken, während Andreas und Torsten einen Kaffee tranken. Kirsten und ich entschieden sich auf unseren Proviant zurückzugreifen. Da M. offenbar etwas Hunger hatte, gab es anschließend noch eine kleine Suppe und einen Nachtisch direkt vor der Kahnfahrt.

Die Kahnfahrt selbst führte uns – passenderweise – an der Liebesinsel vorbei, welche nicht nur die Form eines Herzes hat, sondern auf dieser liegt auch noch ein BH. Welches Pärchen diesen wohl vergessen hat ? Der Bootsführer wies uns zumindest humorvoll darauf hin, dass Verliebte mit dem letzten Kahn zu dieser Insel fahren und in aller Frühe mit dem ersten Kahn wieder abgeholt werden können. Leider sieht es die aktuelle Waldbrandregelung in der Sächsischen Schweiz nicht vor, dass sich Wanderer und Kletterer zwischen 21 Uhr und 6 Uhr im Nationalpark aufhalten dürfen. So beschränkte sich das Liebespärchen im Boot auf ein paar Küsschen – zollfreie Ware, gab es auch mit Hinweis des Bootsführers, dass sich der linke Teil des Kahns in Tschechien befand, leider nicht käuflich zu erwerben 😁.

An der Unteren Schleuse angekommen, stiegen wir etwa 220 Meter hinauf zum Hermannseck, einem kleinen Aussichtspunkt, mit Blick auf die Kirnitzsch. In der Schlegelhütte, welche auf dem Hermannseck steht, entschieden sich Kirsten und ich für ein “Selfie” der besonderen Art – schließlich muss ja auch das persönliche Glück auf Film festgehalten werden. Auch mit der Hoffnung, dass dies ( endlich ) über einen sehr langen Zeitraum anhält. Dies sollte auch kein Problem darstellen, kennen wir uns doch schon seit unserer frühesten Kindheit 😘 …

Über den Schleusenhornweg, sollte es in Richtung Wettinplatz gehen, auf dem wir uns unaufhörlich der Buchenparkhalle näherten. Der Weg führte uns erneut über sehr gut ausgebaute Waldwege entlang, die ein barfuß-wandern nahezu unmöglich machten – so war es auch nicht verwunderlich, dass Andreas und Torsten bei dieser Wanderung zum Großteil die Schuhe anbehielten. An der Buchenparkhalle angekommen, wurde es dann auch für Torsten Zeit, ein kleines Radler zu trinken – M. war ihm schon etwas voraus und so war der erste halbe Liter binnen weniger Sekunden ausgetrunken, kein Wunder, dass diesem ein zweiter folgen musste. Dazu gesellten sich ein Eisbecher und zwei Eistüten. Zuhause dachte ich noch, dass wir während der Wanderung nirgendwo einkehren, ließ ich mein Portemonnaie im Wohnzimmer liegen – ein Fehler, so lieh mir Andreas 10€, so dass ich mir einen Eisbecher kaufen konnte. Zusätzlich gab ich Kirsten das Versprechen, sie beim nächsten Mal einzuladen – dann allerdings mit eigenem Geld 😉 …

Nach gut einer halben Stunde entschieden wir uns, weiter in Richtung des Autos zu laufen – mussten wir doch noch einmal durch Hinterhermsdorf durch, doch die Buchenparkhalle kann man nicht einfach so ohne ein Foto der einzigartigen Aussicht verlassen. Im Hintergrund – sieht man sogar am Horizont den Weifbergturm, unser erstes Ziel des Tages.

Abschließend kann ich nur sagen, dass diese Wanderung für mich die schönste des Jahres war – immerhin habe ich nach langer Zeit endlich wieder mein Glück gefunden.

Ich hoffe, dass euch dieser Wanderbericht gefallen hat,
euer Martin

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Über Martin

Natürlich. Nackt. Frei. Seit Sommer 2015 haben diese drei Worte einen neuen Lebensweg für mich geprägt. Ich war es leid, immer wieder die richtigen Klamotten in Schuh- oder Bekleidungsgeschäften zu finden, nur um sie nach meiner nächsten Wanderung in die Waschmaschine werfen zu können. Der Bibel zufolge wurde der Mann nackt von Gott erschaffen - wir sehen dies sogar heute bei jeder Geburt, dass niemand mit einer Mütze geboren wird. Aber warum sollten wir Kleidung während einer Wanderung tragen ? Schließlich sind wir ein Teil der Natur und je mehr wir den Kontakt mit dieser erfahren, um so eher sind wir gewillt diese zu schützen. Für mich ist es daher wichtig, dass ich nicht nur meinen eigenen Körper der Natur aussetze, sondern dass meine Umwelt um mich herum geschützt wird …

3 Kommentare

  1. Hallo Martin,
    ich wünsche Euch beiden ebenfalls viel Glück.
    LG Torsten

  2. Hallo Martin, ich freue mich das Du dein Glück gefungden hast.
    Hat Sie es auch? ich hoffe es sehr.
    Grüße von Andreas

    1. Hallo Andreas,

      im Gegensatz zu Tanja war es diesmal ein bisschen anders, denn diesmal beruhen die Gefühle auf beiden Seiten. Danke dir für deine Glückwünsche.

      Liebe Grüße,
      Martin

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