Liebe Wanderfreunde,

es gibt so Wanderungen im Verlaufe des Jahres, an die erinnert man sich echt gern, dann wiederum gibt es Wanderungen, die einfach nur zum Vergessen sind. Idealerweise treten Letztere vor Ersteren auf, so dass die Erinnerungen an die weniger positiven Wanderungen ausgelöscht werden. Zum GlĂŒck folgte nach der Wanderung vom Montag tags darauf eine Wanderung, wo es keine Diskussionen gab â€Š

Geplant war eine Wanderung ĂŒber die Zwillings- und HĂ€ntzschelstiege, also eine “kleine” Stiegentour, ohne die RĂŒbezahlstiege, welche wir aus RĂŒcksicht auf Andreas’ Fuß vorerst nicht einplanten.

Startpunkt sollte – wie immer – der Beuthenfall im Kirnitzschtal sein und so ging es vom relativ leeren Parkplatz ĂŒber den Kroatengrund in Richtung Bloßstock, unserem ersten Ziel des Tages. An der Kreuzung Unterer Affensteinweg / Abzweig Königsweg begegnete uns eine Gruppe Kinder, welche sichtlich amĂŒsiert ĂŒber den Anblick der drei Nacktwanderer waren. Einmal am Bloßstock, dem Kreuzturm und dem NonnengĂ€rtner vorbei, nĂ€herten wir uns dem Zustieg der Unteren HĂ€ntzschelstiege, welchen wir vorerst links liegen ließen, um dem Weg weiter in Richtung der Zwillingsstiege zu folgen. Auf dem Weg zur Zwillingsstiege erblickten uns von Weitem auch ein paar Teenager, denen wir das ein oder andere LĂ€cheln ins Gesicht und einen Kommentar auf die Zunge zauberten – stören sollte uns dies nicht und so erklommen wir besagte Stiege â€Š

Noch ehe wir uns versahen, waren wir auch schon am Ende der Zwillingsstiege angekommen. M. stieg voraus und Andreas folgte als Letzter, so dass fĂŒr mich die Mitte ĂŒbrig blieb. Eigentlich wollte ich ein paar mehr Fotos von der Zwillingsstiege auf den digitalen Film bannen, doch diesmal waren wir zu schnell und die Sorge, dass mein iPhone Schaden nimmt war zu groß, so dass zumindest von der letzten Herausforderung ein Foto entstand.

Am Ende der Zwillingsstiege angekommen, folgten wir der Oberen Affensteinpromenade – vorbei am BrĂŒckenturm mit Blick auf die Zwillingsstiege – zum Ende der Unteren HĂ€ntzschelstiege. Nach wenigen Minuten erreichten wir auch schon die Aussicht an der Wolfsnadel – eine meiner Lieblingsaussichtspunkte in der Hinteren SĂ€chsischen Schweiz â€Š

Wen wundert es da, dass ich von dieser atemberaubenden Aussicht ein Panoramafoto aufnehme ? Da ein Panoramafoto allein manchmal nicht reicht – entschied ich mich kurzerhand noch selbst vor der Kamera Platz zu nehmen â€Š

Wir entschieden uns, dass die Aussicht an der Wolfsnadel ideal fĂŒr unsere Mittagspause schien und so wurden die Kirschen aus Nachbars Garten ( alternativ aus dem LIDL ), sowie der Rest der Verpflegung ausgepackt. Nach kurzer Pause sollte es anschließend weiter zur Wolfsstiege gehen, welche uns zurĂŒck auf den – zu diesem Zeitpunkt gesperrten – Königsweg fĂŒhren sollte. Die Wolfsstiege befindet sich dabei in unmittelbarer NĂ€he zur Wolfsfalle, die bedeutend schwieriger zu begehen ist – dazu aber spĂ€ter mehr, denn Andreas hatte heute noch etwas ganz Besonderes vor.

Nachdem uns die Wolfsstiege sicher zum Königsweg geleitete und wir den Weg zum Bloßstock zurĂŒckfanden, kletterten wir ĂŒber die Absperrung ( da es von der Wolfsstiege nicht ersichtlich war, dass der Königsweg gesperrt wurde ), um sogleich ein junges PĂ€rchen darauf hinzuweisen, dass im Wald das Rauchen bei Waldbrandwarnstufe 4 eher kontraproduktiv sei. WĂ€hrend der Mann sich einsichtig zeigte, argumentierte die Frau mit: “Hier ist ja ĂŒberall Sand”, um ihre Zigarette fröhlich weiter zu rauchen. Auch Andreas’ Argument, dass wenn ein NationalparkwĂ€chter dies sieht, es bis zu einer Strafe von mindestens 1.000€ fĂŒhren kann, verhalf da zu keiner Besserung.

Der Umgang mit offenem Feuer im Wald ist unabhĂ€ngig von den ausgegebenen Waldbrandgefahrenstufen ganzjĂ€hrig verboten. Damit sind das Rauchen, das Grillen, das ZĂŒnden von Lagerfeuern oder die Inbetriebnahme von Himmelslaternen generell untersagt. Grundlage dafĂŒr ist das Waldgesetz fĂŒr den Freistaat Sachsen ( Â§ 15 SĂ€chsWaldG ). Zuwiderhandlungen stellen Ordnungswidrigkeiten dar und werden mit Bußgeldern durch die unteren Forstbehörden der Landkreise und Kreisfreien StĂ€dte geahndet.

ZusĂ€tzlich sollte auch erwĂ€hnt werden, dass “wer einen Wald durch Rauchen in Brandgefahr bringt, muss nicht nur mit einer Geldstrafe, sondern auch mit einer Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren rechnen”. ZusĂ€tzlich verursachen WaldbrĂ€nde hohe Kosten bei Gemeinden, so rechnete die 50.000 Einwohner zĂ€hlende Stadt Lohmen nach dem Waldbrand in der NĂ€he des Hirschgrundes vom letzten Jahr mit zusĂ€tzlichen Kosten von bis zu 100.000€.

Also wenn ihr schon rauchen wollt, dann macht es Zuhause und gefĂ€hrdet nicht Menschen, Tiere und die Natur !

Aktuelle Infos zu den Waldbrandwarnstufen erhaltet ihr ĂŒbrigens auf der Unterseite vom Sachsenforst auf mais.de.

Doch zurĂŒck zur Wanderung. Nachdem wir uns erneut am Bloßstock vorbeigeschlĂ€ngelt haben, nahmen wir den Abzweig in Richtung der Unteren HĂ€ntzschelstiege und folgten den Treppen hinauf zum Einstieg. Da angekommen, erblickten wir zwei Frauen, die offensichtlich unter Höhenangst litten und uns den Vortritt ĂŒberließen, wĂ€hrend ihre MĂ€nner und die Sprösslinge bereits auf dem Weg nach oben waren. Nach einem kleinen Fehler meinerseits ( den ein oder anderen Griff kann man schon mal ĂŒbersehen đŸ˜‰ ), ging es dann doch weiter nach oben. Nach einigen Schritten in luftiger Höhe, sollten wir auch schon wieder festen Boden unter den FĂŒĂŸen haben, auf dem wir erneut eine kurze Wartezeit einlegen durften, denn MĂ€nner und Sprösslinge mussten sich auch an der Leiter sichern, was bei mir die Frage aufwirft, ob die MĂ€nner sich auch an einer normalen Haushaltsleiter mit Klettergurt sichern đŸ˜‚ ?

So warteten wir, bis die Kiddies den Weg nach oben gemeistert hatten und wir in Richtung des oberen Teils aufbrechen konnten. Am oberen Teil der HĂ€ntzschelstiege hieß es erneut warten, bevor es in den Kamin gehen sollte, denn auch hier gab es wieder Wanderer, die sich reichlich gut absicherten. So wurde jede Leiter und jede noch so kleine Sicherung genutzt, wĂ€hrend unten drei Nacktwanderer warteten, die solche lĂ€stigen Hilfsmittel nicht benötigten.

Offenbar sahen die Leute vor uns ein, dass wir etwas schneller als sie waren und entschieden sich letztendlich auf dem letzten StĂŒck uns den Vorrang zu gewĂ€hren, so dass wir nach ein paar wenigen Schritten die HĂ€ntzschelstiege hinter uns ließen. Nun hieß es nur noch einen Pausenplatz zu finden, denn die restlichen Kirschen wollten gegessen werden. Ein StĂŒck von der HĂ€ntzschelstiege entfernt, fanden wir zwischen Gipfelbubenkopf, Wotan und DĂ€mon eine Pausenstelle, welche von mir natĂŒrlich auch auf einem Foto festgehalten wurde â€Š

Nach ein paar Minuten kannte aber auch diese Pause ein Ende und wir schritten ĂŒber das Lange Horn dem Reitsteig entgegen, von wo aus es letztendlich an der Carolafelsen-Aussicht vorbei, zur Wolfsfalle gehen sollte – wie gesagt Andreas hatte noch eine kleine Überraschung fĂŒr uns. Andreas wollte die Wolfsfalle von Beginn aus laufen, den unteren Teil, samt Steiganlage erkundeten wir bereits im vergangenen Jahr mit unserem Besuch aus Berlin, so dass es fĂŒr mich auch eine kleine Premiere war.

Dem Reitsteig folgend, fĂŒhrte uns der Weg zunĂ€chst einige Meter hinab, bevor wir diese Höhenmeter an der Wolfsfalle wieder hinaufklettern durften – Ziel sollte erneut das Lange Horn sein. Als wir das Lange Horn erreichten, begann zunĂ€chst die Suche nach dem Beginn des unteren Teils der Wolfsfalle. Es erweist sich als praktisch, dass ich ein fast schon fotografisches GedĂ€chtnis habe und so gerade schwierige Wege einfach zu finden sind. So fand ich nach kurzer Zeit den Eingang zum unteren Teil der Wolfsfalle und es konnte weiter gehen. Die Wolfsfalle gilt dabei als einer der eher selten begangenen Wege und wird im Laufe der nĂ€chsten Jahre sicherlich immer schwerer zu finden. Andreas kennt den Weg selbst nur durch komoot, wo dieser als Wanderweg ( in der RealitĂ€t ein Kletterzugangspfad ) eingetragen wurde. So legten wir die ersten Meter teilweise auf allen Vieren zurĂŒck, kletterten ĂŒber oder unter umgefallenen BĂ€umen durch und stiegen Steine hinab, wo es ohne Wurzeln keinen Weg gab. Schlussendlich erreichten wir aber die Steigeisen, welche uns weiter hinab fĂŒhren sollten â€Š

Am Ende der Eisen angekommen, stellte ich fest, dass die Stiege noch nicht zu Ende war und so half es – wie bei der Stiege selbst – einmal mehr, lange Beine zu besitzen. Der weitere Weg fĂŒhrte uns erneut ĂŒber richtigen Untergrund, einige Wurzeln und umgestĂŒrzte BĂ€ume auf den Königsweg zurĂŒck. Die Wolfsfalle muss man in der Tat einmal erlebt haben – von der Schwierigkeit schĂ€tze ich sie etwas schwieriger als die Starke Stiege ein, wenn man die Steiganlage ĂŒberhaupt mit einer echten Stiege vergleichen kann.

Auf dem Königsweg angekommen, erklomm M. den nÀchstgelegenen Stein und wir entschieden uns, die letzte Pause des Tages einzulegen.

Von nun an sollte es nur noch den Königsweg entlang bis zur Absperrung gehen, an der wir uns entschieden, diese nicht zu ĂŒberklettern und lieber den Vorderen Heideweg in Richtung des Dietrichsgrunds zu laufen, welcher uns zurĂŒck zum Beuthenfall fĂŒhren sollte. Am Beuthenfall angekommen, entschied ich mich zunĂ€chst noch ein Foto der besonderen Art aufzunehmen, schließlich wollte ich endlich mal das ( halbe ) Potenzial der App “Spectre” im Einsatz sehen â€Š

Herausgekommen ist dabei obiges Bild vom Verlauf der Kirnitzsch in einer Langzeitbelichtung von drei Sekunden.

Abschließend kann ich nur sagen, dass diese Wanderung eine der schönsten des Jahres war. Sowohl landschaftlich, als auch innerhalb der Gruppe war alles bestens. Ich wĂŒnschte mir, dass ich ĂŒber die Wanderung vom Montag Ă€hnliches sagen könnte und hoffe auf Erleuchtung des jeweiligen Mitwanderers đŸ€”.

Ich hoffe, dass euch dieser Wanderbericht gefallen hat,
euer Martin

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Über Martin

NatĂŒrlich. Nackt. Frei. Seit Sommer 2015 haben diese drei Worte einen neuen Lebensweg fĂŒr mich geprĂ€gt. Ich war es leid, immer wieder die richtigen Klamotten in Schuh- oder BekleidungsgeschĂ€ften zu finden, nur um sie nach meiner nĂ€chsten Wanderung in die Waschmaschine werfen zu können. Der Bibel zufolge wurde der Mann nackt von Gott erschaffen - wir sehen dies sogar heute bei jeder Geburt, dass niemand mit einer MĂŒtze geboren wird. Aber warum sollten wir Kleidung wĂ€hrend einer Wanderung tragen ? Schließlich sind wir ein Teil der Natur und je mehr wir den Kontakt mit dieser erfahren, um so eher sind wir gewillt diese zu schĂŒtzen. FĂŒr mich ist es daher wichtig, dass ich nicht nur meinen eigenen Körper der Natur aussetze, sondern dass meine Umwelt um mich herum geschĂŒtzt wird 


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