Liebe Wanderfreunde,

nach genau einem Monat wurde es Zeit, dass wir endlich wieder wandern gehen können, denn die Eisheiligen haben dieses Jahr ihrem Namen alle Ehre gemacht und so kam es nicht nur bitter kalt, sondern auch recht feucht von oben. An Nacktwanderungen war da nicht zu denken – so galt der heutige Sonntag als etwas Besonderes und eine Chance, die wir auch nutzen wollten â€Š

Da wir immer noch in den Vorbereitungen zur diesjĂ€hrigen Wanderwoche stecken, sollte uns diese Wanderung durch das Polenztal fĂŒhren. Mit dabei sollte auch die Tochter der Schulfreundin meiner Mutter sein, welche mich wenige Tage nach unserer letzten Wanderung am Karfreitag per Mail kontaktierte und so ein reger Nachrichtenaustausch entstand. Irgendwann kam dann auch die Frage auf, ob sie uns nicht einfach mal begleiten wolle und knapp einen Monat spĂ€ter war sie auch schon bei ihrer ersten Nacktwanderung dabei – als Gast entschied sie sich doch lieber erstmal die Klamotten anzubehalten.

In der NĂ€he zum Parkplatz FrinztalmĂŒhle stellten wir unsere Autos ab, bevor es durch den Tiefen Grund entlang des Waitzdorfer Baches gehen sollte. WĂ€hrend den ersten paar Metern, entschied ich mich unserem Gast ihren Rucksack abzunehmen. Dem Bach folgend, fanden wir uns plötzlich an einer Gablung wieder, an der sich Andreas nicht so sicher ĂŒber die WegfĂŒhrung war uns so ging es wieder ein kleines StĂŒck zurĂŒck – wĂ€hrenddessen ich den Bericht schreibe, sehe ich gerade, dass diese Abzweigung auf den ursprĂŒnglichen Weg gefĂŒhrt hĂ€tte â€Š

Doch jeder Umweg hat auch sein Gutes und so entschied sich Wolfgang den Grund des Waitzdorfer Baches etwas genauer zu erkunden und sein erstes Bad des heutigen Tages zu nehmen. Ganz klassisch geht es natĂŒrlich mit der Hand am Stock zurĂŒck – wohl eher dem rauem Untergrund geschuldet, denn Wolfgang ist alles andere als gebrechlich.

Dem Tiefen Grund immer weiterfolgend, nĂ€herten wir uns schließlich einer Kreuzung, die in Richtung der Brandstufen zur Brand-Baude auf dem Brand fĂŒhrte. Von nun an sollte es steil bergauf â€Š naja gut bergauf gehen, denn ĂŒber 450 Meter sollten wir knapp 120 Höhenmeter ĂŒberwinden. FĂŒr Andreas schien dieser Aufstieg leicht zu sein, doch fĂŒr unseren Gast war der Weg etwas anstrengend. Dennoch ging es so etwas “gemiedlicher” hinauf – um bei ihrem sĂ€chsischen T-Shirt zu bleiben. Nebenbei konnte sie noch einige Beweisfotos fĂŒr ihre Eltern auf den digitalen Film bannen.

Über 856 Stufen ( danke fĂŒr’s ZĂ€hlen, Manne ), sollten wir irgendwann den Brand erreichen, nicht ohne zuvor der Hafersack-Aussicht einen Besuch abzustatten, welche auch als ganz kurze Pausenstelle genutzt wurde â€Š

WĂ€hrend Andreas der Gruppe die HafersĂ€cke auf der anderen Seite des Tals zeigte, entschied ich mich das erste Panorama des Tages von der Gruppe anzufertigen – seit wir mit Roberto auf dem Kleinen Zschirnstein waren, liebe ich es Menschen gezielt in Panoramafotos aufzunehmen. NatĂŒrlich dĂŒrfen die sich dabei nicht bewegen, so dass dies eine Herausforderung der besonderen Art darstellt.

Von der Hafersack-Aussicht sollte es anschließend zur ThĂŒmmelgrotte gehen, nicht ohne zuvor bei den Ziegen wenige Meter vor’m Restaurant Halt zu machen und diese zu fotografieren. Durch einen Waldweg, sollten wir – wenige Meter von der Brandaussicht entfernt – die Aussicht an der ThĂŒmmelgrotte erreichen, um unsere Mittagspause einzulegen. Da auch Erik aus Leipzig mit von der Partie war, wurde auch die ein oder andere Dose in einen Smiley verwandelt, so dass er seine Liste der Caches vervollstĂ€ndigen konnte, die er nackt gefunden hat. Da Erik aber nicht nur Dosen suchen wollte, sondern auch ein paar neue HintergrĂŒnde fĂŒr seinen Rechner benötigte, fĂŒgte ich ihn ebenfalls noch in ein Panoramafoto mit Blick auf den Lilienstein ein â€Š

Als ich das Foto sah, bat ich Erik, dass er doch gleich mal ein Foto von mir anfertigen könne und so entstanden zwei eindrucksvolle Panoramen – einmal von ihm und einmal von mir â€Š

Jede Pause kennt bekanntlich irgendwann mal ein Ende – spĂ€testens, wenn unser lieber Andreas uns daran erinnert, dass erst 2,1 Kilometer von geplanten 15 bewĂ€ltigt sind ( es sollten am Ende ĂŒbrigens ĂŒber 20 werden ). Also Klamotten an und es ging ĂŒber die Brandaussicht in die Informationsstelle des Nationalparks, in der man sich ĂŒber die Geologie der SĂ€chsischen Schweiz informieren kann. NatĂŒrlich lag hier auch ein GĂ€stebuch, versteckt in einem sĂ€chsischen Gipfelbuch, in dem ich eine kleine Botschaft, mit Verweis auf unsere Webseite hinterließ:

Am 19. Mai 2019 kamen auch sieben Nacktwanderer an diesem kleinen Buch vorbei, um sich zu verewigen.

Vorbei an der Hochwassermarke vom 1. April 1914 ( immerhin Wolfgang’s -35. Geburtstag 😂 ) ging es in Richtung der Brandstraße, an der wir uns von den lĂ€stigen Klamotten befreiten. Von der Brandstraße ging es in den Schulzengrund, welcher uns ĂŒber gut 1,3 Kilometer und 160 Höhenmeter hinab zur Polenz fĂŒhrte. AllmĂ€hlich machte sich auch Manne’s Fuß wieder bemerkbar, so dass unsere junge Besucherin und ich uns etwas Zeit lassen konnten, um ihre Erinnerungsfotos zu vervollstĂ€ndigen. Am Ende des Abstiegs, gegenĂŒber der Waltersdorfer MĂŒhle, nutzte Wolfgang die Chance fĂŒr eine zweite Badepause, um sich in der Polenz nochmal richtig abzukĂŒhlen. Auch Manne’s Fuß tat diese Erfrischung gut, lediglich Andreas war das Wasser mit geschĂ€tzten 12 Grad bereits zu warm – als Eisbader sind ihm einstellige Temperaturen lieber, auch wenn er danach ganz schön zittern kann đŸ˜‰ â€Š

Nachdem ich Wolfgang vor die Linse bekam, wollte auch ich die Frische der Polenz fĂŒr eine kleine AbkĂŒhlung nutzen, also bat ich Wolfgang, ein Foto von mir zu machen â€Š daraus wurden am Ende 12, denn als ich in der Polenz lag und Wolfgang fragte, ob “er fertig sei”, kam ich auch kurz darauf wieder raus, woraufhin er erwiderte, dass ich “abgetrieben sei und er kein Foto machen konnte”. Dies wiederholte sich sage und schreibe zweimal, bis er am Ende meinte, dass “20 Fotos wohl reichen wĂŒrden” đŸ˜„ â€Š

Nach dieser kleinen ( und letzten ) Badepause sollte es weiter in Richtung des Neuweges, entlang der RĂ€umichtwiese, ĂŒber den gleichnamigen Weg zum Halbenweg gehen. Andreas plante hier fĂŒr die Wanderwoche – als Teil der schweren Routen – einen Weg ein, der zum Teil direkt am Stein und steilen AbhĂ€ngen entlang fĂŒhren sollte. Auf der Karte sehe ich hier keinen eingezeichneten Weg, was entweder darauf hindeuten kann, dass im Polenztal noch kein Wildschwein samt GPS-GerĂ€t durch den Wald getrieben wurde oder dass hier tatsĂ€chlich kein Weg existiert.

Der Halbenweg fĂŒhrte uns zur Gautschgrotte, mit ihrem kleinen Wasserfall, welcher sich – wie die Jahre zuvor – eher durch ein leichtes Tropfen gezeigt hat. FĂŒr Erik und mich erneut die Chance, nach einer Dose zu suchen, wĂ€hrend der Rest die zweite Essenspause einlegte. Da Erik erneut auf Fotos bestand, wurde er wieder ins entsprechende Licht gerĂŒckt. Ein Foto unserer kleinen Gruppe – samt Gast – sieht jedoch aus der Höhe interessanter aus â€Š

Von der Gautschgrotte ging es den gleichen Weg zurĂŒck, wie wir ihn gekommen waren, ĂŒber den Halbenweg bis zum BĂ€rengarten, bevor wir den Schindergraben erreichten. Beim Anblick der BrĂŒcke, welche ĂŒber die Polenz in den Schindergraben fĂŒhrt, erinnerte sich unser weiblicher Gast, dass sie vor wenigen Wochen mit ihren Eltern bereits schon einmal hier war – wie anders ein Tal doch aussehen kann, wenn man dieses nur von der anderen Seite sieht.

An der PolenztalschĂ€nke vorbei, sollte sich Manne’s Fuß erneut bemerkbar machen – bereits auf dem Halbenweg Ă€ußerten wir den Vorschlag, dass er sich in Hohnstein oder an der PolenztalschĂ€nke ausruhen könne und wir ihn anschließend abholen wĂŒrden, doch er wollte die Wanderung mit uns zu Ende bringen. Bis zum Parkplatz sollten es noch etwas mehr als 5,5 Kilometer sein, der Weg dazu fĂŒhrte immer an der Polenz entlang, weshalb es hier eigentlich nicht viel zu erzĂ€hlen gibt. Nach gut der HĂ€fte erreichten wir die Waltersdorfer MĂŒhle, die uns ĂŒber eine BrĂŒcke auf die andere Seite der Polenz fĂŒhrte – am Anfang der BrĂŒcke sahen wir ein Schild, dass es bis zum Bahnhof Porschdorf noch etwa eine Stunde dauern sollte, kaum waren wir ĂŒber die BrĂŒcke, sollten es nur noch 40 Minuten sein. Mensch, wie die Zeit auf so einer BrĂŒcke vergeht đŸ˜ â€Š

Etwa drei Kilometer vor’m Parkplatz entschied sich Manne dann doch, die Klamotten anzuziehen und langsam hinter uns herzulaufen, wĂ€hrend Andreas ihm anbot entgegen zu fahren, sobald er am Parkplatz angekommen sei. NatĂŒrlich war Manne alles andere als glĂŒcklich, denn nach acht Monaten ist es verstĂ€ndlich, dass so eine Verletzung einfach nur noch nervt.

Da Andreas bereits am Parkplatz eine mögliche neue Pflanze fĂŒr seinen Garten ausgekundschaftet hat, entschied er sich auf dem Weg einen Teil der Rinde einer Birke mitzunehmen, um diese Pflanze auszubuddeln. Am Parkplatz angekommen, musste er jedoch feststellen, dass der Boden “etwas” zu hart fĂŒr die Birkenrinde war und so bot ihm Erik einen Klappspaten aus seiner “erweiterten CacherausrĂŒstung” an, der vorerst auch nicht viel half. Nach kurzer Hilfe meinerseits, konnte er seine Pflanze jedoch in den HĂ€nden halten – na hoffentlich wĂ€chst sie in seinem Garten auch.

Unserer Mitwanderin hat die Wanderung auf jeden Fall reichlich Spaß bereitet, auch wenn sie etwas anstrengender war als gedacht. Wir wĂŒrden uns auf jeden Fall sehr freuen, wenn sie wieder mit dabei wĂ€re.

Ich hoffe, dass euch dieser Wanderbericht gefallen hat,
euer Martin

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Über Martin

NatĂŒrlich. Nackt. Frei. Seit Sommer 2015 haben diese drei Worte einen neuen Lebensweg fĂŒr mich geprĂ€gt. Ich war es leid, immer wieder die richtigen Klamotten in Schuh- oder BekleidungsgeschĂ€ften zu finden, nur um sie nach meiner nĂ€chsten Wanderung in die Waschmaschine werfen zu können. Der Bibel zufolge wurde der Mann nackt von Gott erschaffen - wir sehen dies sogar heute bei jeder Geburt, dass niemand mit einer MĂŒtze geboren wird. Aber warum sollten wir Kleidung wĂ€hrend einer Wanderung tragen ? Schließlich sind wir ein Teil der Natur und je mehr wir den Kontakt mit dieser erfahren, um so eher sind wir gewillt diese zu schĂŒtzen. FĂŒr mich ist es daher wichtig, dass ich nicht nur meinen eigenen Körper der Natur aussetze, sondern dass meine Umwelt um mich herum geschĂŒtzt wird 


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