Von Martin|19. Juli 2017|Wanderberichte|4 Kommentare

Liebe Wanderfreunde,

nachdem wir bereits im M├Ąrz das Bielatal nach einem schneereichen Winter erkundeten, wurde es reichlich vier Monate sp├Ąter und wenige Wochen vor unserer S├Ąchsische Nacktwanderwoche zeit, dass wir uns diesem Klassiker noch einmal widmen ÔÇŽ

Als wir kurz nach Dreiviertel Zehn am Parkplatz an der Schweizerm├╝hle ankamen, stellten wir fest, dass sich hier in den letzten Monaten einiges getan hat: Aus einem recht bescheidenem ist ein gut ausgebauter Parkplatz mit wesentlich mehr Stellfl├Ąchen geworden. Dabei hat sich die Gemeinde Rosenthal entschieden auch zahlreiche B├╝sche und Steine zu entfernen, welche bisher die Einfahrt auf den Parkplatz f├╝r Busse erschwerten. Da es diesmal schien, dass wir nur zu Dritt waren, entschieden wir uns gleich aufzubrechen – f├╝r etwas Verwirrung sorgte nur ein Motorradfahrer, der mich pl├Âtzlich an der Bushaltestelle nahe dem Parkplatz gr├╝├čte. “Gut, vielleicht war er einfach nur begeistert, drei nackte Wanderer zu sehen”, dachte ich mir und so zogen wir weiter unseres Weges.

Da wir im Bielatal eigentlich fast immer dieselbe Route laufen, querten wir auch diesmal die Br├╝cke ├╝ber die Biela – f├╝r Wolfgang die perfekte Einladung, um ein Bad zu nehmen. Dies w├Ąre sicherlich nichts Neues, doch bei etwas ├╝ber 30 Grad war jede Abk├╝hlung ein Segen.

In diesem Augenblick kam auch ein Mann auf uns zu: Unbekleidet und mit gro├čen Schritten, es stellte sich heraus, dass er jener Motorradfahrer war, der uns vorhin noch gegr├╝├čt hatte. Sein Name war Holger und nach einem kurzen Plausch erfuhren wir, dass er in der Vergangenheit recht h├Ąufig in der Dresdner Heide nacktwandern war und er sich nun auch mal an die “wahre Natur” herantrauen will. Na das ist doch ├╝berhaupt kein Problem und so zogen wir los in Richtung unseres ersten Ziels: Dem Nachbar ÔÇŽ

Nach einem kleinen Bergaufmarsch erreichten wir auch schon den ersten Aussichtspunkt und wurden sogleich mit ein paar weiteren Sonnenstrahlen belohnt – zus├Ątzlich zu einer sch├Ânen Aussicht auf den neuen Parkplatz ( wenn man so einen Fetisch hat ­čśë ) und die Schweizerm├╝hle. Andreas kl├Ąrte Holger ein wenig ├╝ber das Bielatal und die Schweizerm├╝hle auf, w├Ąhrend Wolfgang und ich auf Fototour gingen. So entschied sich Wolfgang neben der Landschaft mich in Szene zu setzen und w├Ąhrend ich mich den “alten Eisen” des Nachbars widmete.

Von der Aussicht am Nachbar, ging es weiter zum Sachsenstein – hier entstand auch gleich ein weiteres Panorama. Leider recht unspektakul├Ąr, da ein paar Wolken gefehlt haben ( ich erinnere mich, diesen Satz so schon einmal bei der M├Ąrz-Wanderung geschrieben zu haben ) ÔÇŽ

Dies soll aber nicht weiter st├Ârend sein, denn die Kaiser-Wilhelm-Feste war ohne Probleme zu erkennen. Neben der Kaiser-Wilhelm-Feste nutzte ich auch die Chance Andreas und Holger zu fotografieren – diese Bilder werde ich dann sp├Ąter in meinem Koken ver├Âffentlichen und hier wie immer einen Link bereitstellen. Am Sachsenstein selbst waren wir diesmal auch nicht allein – so begr├╝├čte uns ein Kletterer, den wir prompt fragen konnten, ob denn jemand oben auf der Aussicht ist, so dass wir unsere Rucks├Ącke vor der vorletzten Leiter deponieren konnten. Denn am Sachsenstein gab es eine kleine Stelle, die etwas eng f├╝r einen Rucksack ist – g├╝nstig f├╝r Holger zu erw├Ąhnen, dass er eine leichte Klaustrophobie hat, was allerdings bei dieser Leiter kein Problem darstellte.

Als n├Ąchster Aussichtspunkt sollte uns schlie├člich die Johanniswacht begr├╝├čen. Da wir diesmal eine Stunde eher als ├╝blich gestartet waren, blieb uns noch mehr als genug Zeit bis zum Mittagessen. So wurden an der Johanniswacht noch ein paar weitere “Selfies” gemacht, wie Holger sie nannte. Ich nenne sie mal lieber Selbstportraits, da ich im Gegensatz zu den “Selfiej├Ągern” die Gefahren vorher auskundschafte und nicht blindlings drauf losst├╝rme. So entstand auch dieses Foto ( ein gewisser Respekt war durchaus vorhanden, man beachte die leicht geneigte Haltung nach hinten ­čśä ) ÔÇŽ

Aber wir wollen ja nicht nur die ganze Zeit Fotos machen, sondern auch die Landschaft und Ruhe des Bielatals genie├čen, denn nur wenige Wanderer und Kletterer begegneten uns w├Ąhrend der Wanderung. So war es auch nicht verwunderlich, dass an der Ottom├╝hle nur zwei Wanderer auf ihr Mittagessen warteten. Kurz nach der Ottom├╝hle, welche nach vielen Jahren endlich renoviert wird, wollten Wolfgang und ich es uns nicht nehmen lassen, uns kurz in der Biela etwas abzuk├╝hlen. Ich muss da ehrlich zugestehen, dass ich immer wieder ├╝ber Wolfgang staune, wie wenig ihm kaltes Wasser anhaben kann – obwohl wir von der Statur beide in etwa gleich sind. Er ├╝berredete mich letztendlich sich doch einmal “richtig nass” zu machen und nicht nur die F├╝├če ins kalte Wasser zu halten.

Da “ich von Haus aus recht faul bin”, wollte ich nicht meine F├╝├če abtrocknen und entschied mich die n├Ąchsten paar hundert Meter zum Gro├čvaterstuhl barfu├č zu laufen. ├ťber den Split, der bis zum Anfang des Waldes lag musste ich dr├╝ber – zum Gl├╝ck war dieser recht grob, so “schmerzte” es deutlich weniger als erwartet. Auf dem Gro├čvaterstuhl genehmigten wir uns dann endlich unsere wohlverdiente Mittagspause. Zuvor erkundeten Holger und ich noch die Aussicht und entdeckten einen aus einem Stamm geschnitzten Stuhl – ideal, um ein paar Fotos zu machen.

Doch irgendwann endet jede Fotosession und der Hunger kommt raus. Also packten wir den Nudelsalat, die K├Ąsebr├Âtchen und ein paar weitere Sachen aus ÔÇŽ

Nachdem wir es uns auf dem Gro├čvaterstuhl gem├╝tlich gemacht haben, wurde es an der Zeit wieder aufzubrechen, dabei kamen wir auch an einem Feld und einer Bank vorbei. Moment Bank ? Ja einer Bank, das dachte sich Roberto im M├Ąrz und nun wollte ich wenige Monate sp├Ąter auf dieser die Sonnenstrahlen genie├čen ÔÇŽ

F├╝r einen kurzen Moment konnte ich es mir noch einmal gem├╝tlich machen, bevor es wieder in den Wald ging und die Sonne etwas rar wurde.

Der n├Ąchste Aussichtspunkt – und die damit verbundene Pause – lie├č jedoch schon auf sich warten: Der Kanzelstein ÔÇŽ

F├╝r Holger an der Zeit, sich seinem Laster hinzugeben und eine Zigarette anzuz├╝nden. Andreas war davon zwar nicht so begeistert, da Holger mitten im Wald ( gut auf einer Aussicht ) war, doch auch hier k├Ânnen Br├Ąnde entstehen. Holger versicherte Andreas allerdings, dass er vorsichtig ist, so dass die Feuerwehr auch weiterhin gem├╝tlich in Rosenthal ihrer normalen Arbeit nachgehen kann ­čśŐ.

Nachdem wir am Kanzelstein noch ein paar Kletterern beim Abstieg zugesehen haben, ging es zur n├Ąchsten Herausforderung: Den Herkuless├Ąulen. Da ich “in 20 Jahren meinen 30. Geburtstag feiere” wollte ich erneut meine Abk├╝rzung laufen, aber Andreas bat mich Holger zuliebe heute einmal darauf zu verzichten. Gesagt getan und so konnten wir heute mal den Weg f├╝r die etwas “Dickeren” laufen, denn bei meiner Abk├╝rzung muss man recht schlank sein ( wobei ich im M├Ąrz durch R├╝diger eines besseren belehrt wurde ). An den Herkuless├Ąulen legten wir nur eine kurze Trinkpause ein, bevor wir uns einen Weg durch die Felsengasse bahnten und in Richtung Herkulesquelle liefen.

An der Herkulesquelle vorbei – wir sollten sp├Ąter noch einmal hier entlang kommen – ging es in Richtung eines kleinen Teichs, der von frischem Quellwasser gespeist wurde. Als wir den Teich erblickten, war er zu Beginn alles andere als einladend: Altes Laub und viele Nadeln schwammen auf dem Grund oder der Oberfl├Ąche. Ich entschied mich hier gegen ein Bad – obwohl die Abk├╝hlung nicht schlecht gewesen w├Ąre. Wolfgang und Holger lie├čen sich davon nicht beirren und beide stiegen direkt an der Quelle ins kalte Wasser. Hier war das Wasser sauber genug und so musste nur ein glitschiger Holzsteg genommen werden, um ins Wasser zu steigen. Ich nutzte die Chance, um eine Geruchs- und Geschmacksprobe des Wassers zu nehmen, was aus der Quelle str├Âmte. Offenbar kann man es trinken – Andreas riet mir dennoch davon ab. Schlecht, da sich das Wasser meiner Trinkflaschen dem Ende neigte ­čĄö ÔÇŽ

Doch an der Herkulesquelle nutzte ich die Chance, um meine Wasserflasche wieder aufzuf├╝llen. Somit hatte ich nun eine Flasche mit Leitungswasser und die andere mit Quellwasser. Es sollte sich sp├Ąter herausstellen, dass dieses Wasser genie├čbar ist. Ich muss auch selbst sagen, dass ich drei Tage nach Genuss des Quellwassers noch lebe und es mir gut geht ­čśé ÔÇŽ

Die Herkulesquelle hinter uns liegend, mussten wir nun ein paar Treppen zum Highlight der Wanderung aufsteigen: Die Kaiser-Wilhelm-Feste !

Zugegeben, die Kaiser-Wilhelm-Feste ist auch wirklich ein Highlight, denn der Text auf der Tafel zur Entstehungsgeschichte lie├čt sich wie folgt:

Diese k├╝nstliche Bastion wurde von dem Rosenthaler Baumeister J. G. Kaiser entsprechend dem Zeitgeschmack im Jahre 1880 errichtet.

Als Kuriosum gilt die Entstehungsgeschichte – so soll die Idee zum Bau einer bierseeligen Stammtischwette entsprungen sein.

Was soll man dazu noch sagen ? Mit Bier kann man Pyramiden bauen, warum also nicht auch eine kleine Bastion im Bielatal ?

Doch zur├╝ck zu unserer Wanderung – das Bier sollte uns schlie├člich noch am Abend des heutigen Tages bei Albert eine Abk├╝hlung verschaffen. Die Kaiser-Wilhelm-Feste hinter uns liegend, n├Ąherten wir uns einer weiteren k├╝nstlichen Ruine – gebaut wurde diese von einem reichen Villenbesitzer f├╝r seine Kinder als Spielplatz ÔÇŽ

Im Bielatal selbst gibt es zwei dieser Ruinen, eine befindet sich in der N├Ąhe der Sophienquelle, die andere sehen wir auf dem obigen Foto. Holger war hier ├╝brigens noch so frei, sich als Turmprinz anzubieten – eine Prinzessin w├Ąre uns aber lieber gewesen ­čśé.

Nach einem kurzem Auf-und-Ab, fanden wir uns pl├Âtzlich am Fu├če eines Feldes wieder. Dies wollte nat├╝rlich unbedingt fotografiert werden, bevor es in Richtung Rosengarten und Ged├Ąchtnishain ging ÔÇŽ

Kurz vor dem Rosengarten entschieden wir uns noch den Wetterfahnenfels zu besichtigen. Hier mussten wir allerdings feststellen, dass der aufgestellte Kompass ein paar Grad von unseren abweicht. Der gute Wille der Bauherren war aber auf jeden Fall vorhanden und die Aussicht entsch├Ądigte f├╝r alles.

Als letztes gro├čes Highlight unserer Wanderung sollte der Ged├Ąchtnishain auf uns warten, welcher zuletzt f├╝r die Gefallenen Mitarbeiter der Maggi-Gesellschaft umgestaltet wurde. Auch hier findet sich wieder eine Tafel, welche die Besucher aufkl├Ąrt ÔÇŽ

Erstmals erw├Ąhnt und mit einem Namen versehen finden wir die zwei Felskessel ├╝ber dem ehemaligen Gasthaus “Felsenkeller” bei der Schweizerm├╝hle in Carl Merkels “Biela-F├╝hrer” vom Jahre 1826. Merkels Phantasiename “Syrenengrund” f├╝r beide Felsdome hielt sich noch bis um 1860.

Ab 1890/91 “D├Âlitzschgarten”, 1912 “D├Âlitzschruhe”.

Nach dem Erwerb der ehemaligen Wasserheilanstalt Schweizerm├╝hle durch die Maggi-Gesellschaft 1912 lie├č diese um 1928/29 den Felsenhain in eine Gedenkst├Ątte f├╝r ihre gefallenen Mitarbeiter im Deutsch-Franz├Âsischen Krieg 1870/71 und im 1. Weltkrieg 1914/18 umgestalten.

Nach dem 2. Weltkrieg entfernte man die bronzenen Namenstafeln.

Die Marmortafel “Zum Ged├Ąchtnishain” und der Sandsteinblock mit dem ebenfalls bronzenen Eichenbl├Ątterkranz blieben erhalten.

Zuletzt sollten wir noch zwei Aussichten erkunden, zum einen die “Kleine Bastei” und zum anderen den Bertablick. Von da aus sollte es dann nur noch in Richtung Stra├če und zur├╝ck zum Parkplatz gehen, mit einem kleinen Umweg zur Biela, in der Wolfgang und ich noch ein kleines Bad nahmen. Hier traute ich mich zun├Ąchst gar nicht ins k├╝hle Wasser und am Ende wollte ich nicht mehr raus – auch wenn es doch recht k├╝hl war.

Zum Abschluss besuchten wir noch kurz Albert, um den Tag gem├╝tlich bei einem Bier und Kuchen ausklingen zu lassen. Auch hier bot es sich noch einmal an, in die Elbe baden zu gehen ÔÇŽ

W├Ąhrend Albert, Andreas und Wolfgang die Abk├╝hlung in der Elbe genossen, entschied ich mich als “Meermann” in Szene zu setzen. Am Ende wollte ich aber gar nicht mehr aus der Elbe raus, denn diese hatte eine wirklich angenehme Temperatur – im Gegensatz zur Biela ­čśä ÔÇŽ

Ich hoffe, dass euch dieser Wanderbericht gefallen hat,
euer Martin

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├ťber Martin

Nat├╝rlich. Nackt. Frei. Seit Sommer 2015 haben diese drei Worte einen neuen Lebensweg f├╝r mich gepr├Ągt. Ich war es leid, immer wieder die richtigen Klamotten in Schuh- oder Bekleidungsgesch├Ąften zu finden, nur um sie nach meiner n├Ąchsten Wanderung in die Waschmaschine werfen zu k├Ânnen. Der Bibel zufolge wurde der Mann nackt von Gott erschaffen - wir sehen dies sogar heute bei jeder Geburt, dass niemand mit einer M├╝tze geboren wird. Aber warum sollten wir Kleidung w├Ąhrend einer Wanderung tragen ? Schlie├člich sind wir ein Teil der Natur und je mehr wir den Kontakt mit dieser erfahren, um so eher sind wir gewillt diese zu sch├╝tzen. F├╝r mich ist es daher wichtig, dass ich nicht nur meinen eigenen K├Ârper der Natur aussetze, sondern dass meine Umwelt um mich herum gesch├╝tzt wird ÔÇŽ

4 Kommentare

  1. Einfach Klasse geschrieben, wie immer. Danke dir Martin.

    1. Hallo Torsten,

      war doch nur eine Kleinigkeit. Daf├╝r bin ich ja auch da und schlie├člich bleibt durch die Wanderberichte unsere Webseite ja auch am Leben – so sieht jeder Besucher, dass bei uns etwas passiert und wir aktiv sind.

      Liebe Gr├╝├če,
      Martin

  2. Wieder ein Klassebericht von Martin.
    Wenn wir Dich nicht h├Ątten…

    1. ÔÇŽ m├╝sstet ihr nur gro├če Kartoffeln essen ­čśä. Daf├╝r bin ich ja da, ├ľffentlichkeitsarbeit ist das Wichtigste im 21. Jahrhundert. Gerade auch um die j├╝ngere Generation zu animieren, dass sie uns doch mal auf einer Wanderung begleiten.

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