Liebe Wanderfreunde,

Sachsen durchlebte eine bewegende Geschichte: Vor allem in der Zeit der napoleonischen Kriege, fanden im Königreich, als auch in der SĂ€chsischen Schweiz viele KĂ€mpfe zwischen den Konfliktparteien statt – Napoleon und seine Soldaten hinterließen ihre Spuren. WĂ€hrend dieser Wanderung, wollen wir in eine Zeit eintauchen, die lĂ€ngst vergessen scheint â€Š

Sammelparkplatz

Der Parkplatz in Waitzdorf bietet Platz fĂŒr 6 Autos. Alternativ besteht auch – nach Absprache – die Möglichkeit, dass wir uns am Parkplatz vor dem Eingang des Waldcampingplatzes in Pirna-Copitz an der Äußeren Pillnitzer Straße 18 in 01796 Pirna treffen.

Treffpunkt Parkplatz in Waitzdorf
Koordinaten N50.955415° E14.138999°
  N50° 57.324900′ E14° 8.339940′
  N50° 57′ 19.4940″ E14° 8′ 20.3964″
Adresse Zum Dorfgrund, 01848 Hohnstein OT Waitzdorf
Kurze Variante ( V-24A )
‌ ‌6:00 ‌9,88 km ‌577 m ‌577 m
Lange Variante ( V-24B )
‌ ‌6:30 ‌12,5 km ‌638 m ‌638 m

Verlauf der Wanderung

Unsere Wanderung startet im beschaulichen Ort Waitzdorf, direkt gegenĂŒber der Bushaltestelle – eine Anfahrt mit dem öffentlichen Nahverkehr können wir allerdings nicht empfehlen, denn der Bus fĂ€hrt nur dreimalig in der FrĂŒhe. Vom Parkplatz begeben wir uns ĂŒber den MĂŒhlweg, der fĂŒr etwa 350 Meter unser Begleiter sein wird. Der Wegweiser des Malerwegs fĂŒhrt uns nun zur Rechten vorbei an einer Wiese und vereinzelten Schildern, die auf die Kernzone des Nationalparks zur Linken hinweisen. Keine 500 Meter wird der Weg uns begleiten, bis wir auf die Waitzdorfer Aussicht treffen – jene Aussicht, die es sogar mehrfach in die Heimatfilmreihe „Der Ranger – Paradies Heimat“ schaffte 


Die Aussicht gewĂ€hrt uns einen Blick auf die Tafelberge der SĂ€chsischen Schweiz und darĂŒberhinaus: Bei schönem Wetter lassen sich sogar die Schrammsteine, Torsteine und der Rosenberg, sowie der Hohe Schneeberg erkennen. Wir wollen nicht all zu lang an jener Aussicht verweilen, die gern von Touristen besucht wird, sondern weiterziehen. Nach etwa 350 Metern erreichen wir die Straße „Zum Dorfgrund“ und der Waldweg weicht einer asphaltierten Straße. Wir treffen auf unseren Parkplatz, doch die Wanderung ist keineswegs schon zu Ende und so folgen wir dem HollĂ€nderweg, der entlang einer Linie von BĂ€umen zu den Feldern um Waitzdorf fĂŒhrt. Auf den Feldern grasen Schafe und Ziegen örtlicher Bauern, sowie einige Galloway-Rinder, welche hier unter Aufsicht der Nationalparkverwaltung gehalten werden. Der HollĂ€nderweg ist ein typischer Feldweg: Also steinig, steinig, steinig und dies wird sich auch fĂŒr die nĂ€chsten knapp 290 Meter nicht bessern.

Doch jedes „Leid“ kennt ein Ende und so eröffnet sich zu unserer Rechten ein Weg den Hang hinauf, es geht fortan ĂŒber die Wiese zur Waitzdorfer Höhe auf 414 Metern. Wir ĂŒberwinden hier einen Höhenunterschied von gut 100 Metern auf 510 Metern. Die Aussicht auf Waitzdorf ist jedoch beachtlich und so können wir die schöne Sicht und die einzeln stehende Sitzgruppe nutzen, um eine kurze Pause zu machen, bevor es an den Abstieg geht.

Der Abstieg soll nicht minder schön sein, wie der Aufstieg und so fĂŒhrt uns der Leichenweg ( die Herkunft des Namens ließ sich leider nicht ergrĂŒnden ) entlang der Wiese hinab zum steinigen HollĂ€nderweg. Auch der Leichenweg fordert seinen Tribut, bevor es wieder in den Wald geht. Auf dem HollĂ€nderweg angekommen, folgen wir den wachsamen Blicken von Galloway-Bullen und Ziegenböcken, bevor wir in den wunderschönen Buchenwald abtauchen, der uns in Richtung des Tiefen Grunds fĂŒhrt. Etwa 1,4 Kilometer verlĂ€uft unser Weg stetig bergab, wir bewegen uns hierbei auch innerhalb der Kernzone, was bedeutet, dass die offiziell markierten Wege nicht verlassen werden dĂŒrfen. Gut 110 Meter tiefer finden wir uns im Tiefen Grund und seinem kleinen BĂ€chlein wieder. Wir passieren die Straße und finden abseits der BrĂŒcke eine sehr kleine Badestelle, welche fĂŒr eine kurze Erfrischung genutzt werden kann.

Da wo es hinunterging, geht es auch wieder hinauf. So oder Ă€hnlich lĂ€sst sich erahnen, was jetzt folgt: Zur Linken, fĂŒhrt der Brandweg den Hang hoch, wir nehmen den etwas steinigen Weg, welcher sich ĂŒber gut 760 Meter und rund 70 Höhenmeter hinauf schlĂ€ngelt, bevor wir auf einen Abzweig treffen, der uns vor eine schwere Entscheidung stellt.

( V-24A ) Hinter’m Wald kamen sie hervor â€Š

Der Lupinenweg zur Linken verlĂ€uft recht steinig und fĂŒhrt uns nach rund 780 Metern auf die Brandstraße – hier verkehren sogar Busse bis zur Brand-Aussicht, daher gilt es Obacht zu geben, wenn wir den Wald verlassen. HĂ€ufiger als Busse findet man jedoch auch Handbike- bzw. Rollstuhlfahrer, denn die Tour von Hohnstein startend, wurde vom Tourismusverband sogar als Handbike-Tour angepriesen, so dass jeder in der Lage ist, den „Balkon der SĂ€chsischen Schweiz“ zu erreichen.

An der Brandstraße angelangt, verlĂ€uft unser Weg noch etwa 325 Meter, bis wir auf einen erneuten Abzweig treffen – der Rundweg fĂŒhrt unteranderem zur Napoleonschanze, der zweiten Variante dieser Route.

( V-24B ) Attacke !

Von nun an bewegen wir uns auf den Spuren der Geschichte, denn wie dereinst die Preussen, Österreicher und Russen gemeinsam bei der Völkerschlacht bei Leipzig kĂ€mpften, so pirschen auch wir uns heute im Schutze des Waldes an die Napoleonschanze heran. Der RingflĂŒgelweg, welcher zur Rechten abzweigt, wird uns ĂŒber gut 1,3 Kilometer zu den FĂŒĂŸen jenes Hangs fĂŒhren, der zuvor unter dem Namen „Kretzscheleiberg“ bzw. „Kretzschelei Höhe“ bekannt war – abgeleitet von dem noch heute am nördlichen Unterhang stehenden Dreiseitenhof, welcher den Namen Kretzschelei trug, wobei der Name sicher von „Kretzschel“ abgeleitet wurde, dem damaligen Besitzer des Hofs.

Hört ihr bereits, wie die Kanonen in Stellung gebracht werden ? Nicht ? Dann haben wir GlĂŒck und die napoleonischen Truppen haben uns noch nicht bemerkt. Also pirschen wir uns weiter den Hang ĂŒber die Wiese hinauf.

Nach seiner Niederlage im Russlandfeldzug 1812 kehrte Napoleon im FrĂŒhjahr 1813 mit einer neuen schlagkrĂ€ftigen Armee aus Frankreich zurĂŒck. Das Königreich Sachsen und die SĂ€chsische Schweiz wurden in dieser Zeit zum Kampf- und Durchzugsgebiet gewaltiger TruppenverbĂ€nde. Vom 2. bis zum 27. Juli 1813 wurde eine MilitĂ€rstraße zwischen Stolpen und Königstein erbaut, um möglichst schnell Truppenbewegungen durchzufĂŒhren.

Zum Schutz diese strategisch wichtige Verbindungen, zu der auch die Straßen Sebnitz – Hohnstein und Bad Schandau – Hohnstein gehörten, wurden mehrere Verteidigungsbaue angelegt. Bei Hohnstein wurden zu diesem Zweck drei Befestigungen errichtet und mit Kanonen bestĂŒckt. Eine davon wurde auf dem Kretzscheleiberg errichtet – heute zugleich die Einzige, welche im Hohnsteiner Gebiet erhalten geblieben ist.

FĂŒr diese Arbeiten mussten im Juli und August 1813 hunderte Hohnsteiner und Lohmener Bauern- und Steinbrecherfamilien, die teilweise die bis zu vier Meter hohen Schanzen fĂŒr die Artillerie ausheben. Doch schon bald nach Fertigstellung mussten sich die französischen Truppen wieder zurĂŒckziehen, und sie den gegnerischen Truppen ĂŒberlassen.

Sie haben uns entdeckt ! Nun heißt es schnell den Hang zu stĂŒrmen, bevor uns die Kanonen treffen. So wird es sich einst angefĂŒhlt haben, als die preussischen, österreichischen und russischen Soldaten auf diese Befestigung vorgerĂŒckt sind. Heute noch zeugen AufschĂŒttungen und Auffahrtsrampen in den drei Ecken der Flanken von den Standorten der Kanonen – die Schrecken der napoleonischen Befreiungskriege sind allerdings lĂ€ngst verblasst, auch wenn eine Tafel an jenen geschichtstrĂ€chtigen Ort erinnert. Von der Napoleonschanze erhĂ€lt man einen ungefĂ€hren Eindruck, warum diese Position so militĂ€risch bedeutend war, denn – neben einer vorzĂŒglichen Raststelle fĂŒr Wanderer – ĂŒberblickt man das gesamte umgebende Land.

Vom Kretzscheleiberg bzw. der Napoleonschanze begeben wir uns nach einer ausgedehnten Pause hinab in Richtung der Brandstraße. Diese – gut ausgebaute Straße wĂŒrde uns weiter in Richtung des „Balkons der SĂ€chsischen Schweiz“ fĂŒhren, doch um diesen zu erreichen, nehmen wir den ersten Abzweig zur Rechten in den Wald und gelangen so zum „Waldborn“, einer Quelle fĂŒr den mĂŒden Wandersmann, um seine Reserven aufzufrischen. Der Waldweg kommt auch Barfußwanderern entgegen. Vom Waldborn geht es hinunter zum rund 260 Meter entfernten Rundweg, der uns ĂŒber weitere 670 Meter zurĂŒck auf die Brandstraße fĂŒhrt.

Die Geschichte hinter uns liegend â€Š

Die Brandstraße fĂŒhrt uns auf direktem Wege ĂŒber rund einen Kilometer zur Brand-Baude. Die Straße ist gut ausgebaut, stellt aber dennoch Barfußwanderer vor keine nennenswerten Probleme. Wir können uns hier entscheiden, ob wir dem Restaurant einen Besuch abstatten, oder lieber an der nahegelegenen ThĂŒmmelgrotte die Aussicht genießen wollen. Beide Aussichten – vornehmlich jedoch der Brand – gelten als „Balkon der SĂ€chsischen Schweiz“, denn von hier aus erhĂ€lt man einen Überblick auf nahezu alle Steine und Tafelberge der SĂ€chsischen und Böhmischen Schweiz â€Š

Der ThĂŒmmelgrotte können wir ohnehin noch einen Besuch abstatten, denn dieser lohnt sich auf jeden Fall: Wer etwas zum Klettern sucht, kommt hier ebenso auf seine Kosten, wie diejenigen Wanderer, die einfach die Ruhe abseits des Restaurants genießen wollen. In der Grotte findet sich eine Inschrift, die jedoch nach mehr als 200 Jahren nur noch schwer zu entziffern ist:

Wohl mir, dass mir noch unverwöhnet
Die Lockung der Natur gefÀllt,
Solch eine Gegend, Freund, versöhnet
Mich mit dem Überdruß der Welt.
Man wird des Lebens ĂŒberdrĂŒssig
Bei aller Ebb’ und Flut der Stadt.
Doch hier, geschĂ€ftig oder mĂŒĂŸig,
wird keiner seines Daseins satt.

- Moritz August von ThĂŒmmel ( 1738 - 1817 ) -

Vom Brand kommend, findet sich kurze Zeit spĂ€ter ein Waldweg linker Hand, der uns zur letzten Aussicht des Tages entfĂŒhrt: Es wird noch einmal an der Zeit, so manch kuriose Sandsteinformationen auf Film zu bannen – die HafersĂ€cke, aber auch die ersten HĂ€user von Waitzdorf auf der gegenĂŒberliegenden Seite des Tals lassen sich ( je nach Vegatation ) erahnen â€Š

Über die Brandstufen nĂ€hern wir uns dem Ende unserer Wanderung, im oberen Teil geht es ĂŒber Holz-, Stein- und Eisenstufen, wĂ€hrend der untere Teil allmĂ€hlich in den Tiefen Grund absteigt. Ganz unten angekommen, ahnt ihr bestimmt, was jetzt folgt: Es geht die Straße fĂŒr etwa 380 Meter hinauf, bis wir zur Rechten den Abzweig in den Dorfgrund entdecken. Zahllose Stufen erfordern noch einmal unsere letzten Reserven, bevor wir die ersten HĂ€user von Waitzdorf erblicken. Hier wird es nicht nur Zeit, die Klamotten aus dem Rucksack zu holen, sondern auch den AutoschlĂŒssel bzw. das Portemonnaie zu suchen, denn wer möchte, kann in der Waitzdorfer SchĂ€nke einkehren. Über die Straße „Zum Dorfgrund“ gelangen wir auch direkt zurĂŒck zum Parkplatz.

Besonderheiten

Die ersten – reichlich – anderthalb Kilometer, welche uns zur Waitzdorfer Aussicht und wieder zurĂŒck zum Parkplatz fĂŒhren, können wir ohne Rucksack und anderweitiges GepĂ€ck zurĂŒcklegen.

Beschaffenheit der Wege

Die gesamte Route ist nur teilweise fĂŒr Barfuß-Wanderer geeignet, da wir uns hier abwechselnd auf Waldboden, Sand oder Sandsteinen bewegen. WĂ€hrend der Wanderung werden wir uns ĂŒber die asphaltierte Straße im Tiefen Grund bewegen, zusĂ€tzlich treffen wir auf einige Leitern aus Metall.

Einkehrmöglichkeiten

Auf dem Brand findet sich die Brand-Baude, welche nur darauf wartet von euch besucht zu werden. ZusĂ€tzlich haben wir die Möglichkeit am Ende der Wanderung in die GaststĂ€tte „Waitzdorfer SchĂ€nke“ einzukehren. Die Preisgestaltung kommt dabei auch Wanderern mit kleinem Geldbeutel entgegen.

Download der Routen

Wenn du ĂŒber ein GPS-GerĂ€t oder eine App auf deinem Smartphone besitzt, kannst du dir die Route herunterladen und uns bei der Wanderung unterstĂŒtzen. Je mehr Wanderer die Route besitzen, um so eher können die Fotografen unter uns sich die Zeit fĂŒr ein perfektes Foto nehmen.

„Sachsen_V-24A.gpx“
Vorschau & Herunterladen

„Sachsen_V-24B.gpx“
Vorschau & Herunterladen

Download der Routenbeschreibung

Du möchtest einmal unabhĂ€ngig von uns diese Wanderung unternehmen ? Kein Problem, lade dir dazu einfach die Routenbeschreibung herunter, welche den obigen Text, sowie die Daten zu Parkmöglichkeiten, Dauer und LĂ€nge der Wanderung enthĂ€lt.

„Sachsen_V-24.pdf“
Herunterladen

Hinweis: Wenn du die Routenbeschreibung auf deinen Computer herunterladen möchtest, so klicke einfach mit der rechten Maustaste auf den Link und wĂ€hle „VerknĂŒpfte Datei laden“ bzw. einen vergleichbaren Eintrag aus.

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Über Martin

NatĂŒrlich. Nackt. Frei. Seit Sommer 2015 haben diese drei Worte einen neuen Lebensweg fĂŒr mich geprĂ€gt. Ich war es leid, immer wieder die richtigen Klamotten in Schuh- oder BekleidungsgeschĂ€ften zu finden, nur um sie nach meiner nĂ€chsten Wanderung in die Waschmaschine werfen zu können. Der Bibel zufolge wurde der Mensch nackt von Gott erschaffen - wir sehen dies sogar heute bei jeder Geburt, dass niemand mit einer MĂŒtze geboren wird. Aber warum sollten wir Kleidung wĂ€hrend einer Wanderung tragen ? Schließlich sind wir ein Teil der Natur und je mehr wir den Kontakt mit dieser erfahren, um so eher sind wir gewillt diese zu schĂŒtzen. FĂŒr mich ist es daher wichtig, dass ich nicht nur meinen eigenen Körper der Natur aussetze, sondern dass meine Umwelt um mich herum geschĂŒtzt wird