Liebe Besucher,

ist euch aufgefallen, dass unsere Webseite seit Mitternacht ein grünes Farbschema verwendet ? Für die nächsten sieben Tage möchten wir so auf den „Internationalen Tag des Waldes“ aufmerksam machen, denn nicht nur die Wälder in Sibirien, Kanada oder der Regenwald sind bedroht.

21. März – Internationaler Tag des Waldes

Auch unsere Wälder sind inzwischen bedroht: Saurer Regen, wie er einst in den 1970er und 1980er Jahren des vergangenen Jahrhunderts gefürchtet wurde und für Schlagzeilen sorgte, sowie massives Waldsterben, stellen ein Problem für die gesamte Menschheit dar, denn ohne Wälder findet auch keine Photosynthese statt, die Umwandlung von CO2 in Sauerstoff. Dieser Problematik nahm sich die damalige Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen an, um auf die globale Waldvernichtung einen Tag des Waldes zu initiieren …

In den vergangenen Jahren erlebten unsere Wälder in Deutschland die dramatischen Folgen des Klimawandels, so titelte jüngst die Tagesschau „Wälder in dramatischem Zustand„, diesem vorausgegangen war der Bericht zur Waldzustandserhebnung 2020, welcher von der Bundesministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz Julia Klöckner am 24. Februar 2021 vorgestellt wurde.

Der Bericht zeigt unteranderem die Probleme auf, welche wir als Wanderer bereits in den vergangenen Jahren immer wieder beobachten konnten: „Die vergangenen drei Dürrejahre, der massive Borkenkäferbefall, Stürme und vermehrte Waldbrände haben in den Wäldern langfristig massive Schäden angerichtet. Die jetzigen Ergebnisse gehören zu den schlechtesten seit Beginn der Erhebungen im Jahr 1984, die meisten Bäume haben lichte Kronen.“

Im Bericht heißt es weiter:

  • Noch nie waren so viele Erhebungs-Bäume abgestorben wie 2020.
  • Vier von fünf Bäumen haben lichte Kronen, konkret:
    • 79 Prozent der Fichten.
    • 80 Prozent der Kiefern.
    • 80 Prozent der Eichen.
    • 89 Prozent der Buchen.
  • 37 Prozent aller Bäume weisen deutliche Verlichtungen auf
    • Das heißt: Bei diesen Bäumen sind mindestens 26 Prozent der Blätter oder Nadeln vorzeitig abgefallen.

Wie schlimm der Befall allein durch den Borkenkäfer wurde, erfuhren wir im vergangenen Jahr auf unserer Wanderung durch den Großen Zschand: Der Große Hochhübelweg, sowie der Große Reitsteig waren im Oktober 2019 während der Wanderung unter dem Motto „Auf den Spuren des Rangers“ noch begehbar, ein knappes halbes Jahr später war der Weg durch die Auswirkungen des Sturmtiefs Sabine in weiten Teilen unpassierbar.

„Unpassierbar“ bedeutet nicht eine Ausgrenzung von Wanderern auf Dauer oder eine Stilllegung des Weges. Es bedeutet eine zeitweise Einschränkung, bis der natürliche Zerfall des stehenden Totholzes so weit fortgeschritten ist, dass die Wege wieder gefahrlos freigeschnitten werden können. Das kann auch die Bergpfade und Kletterzugänge betreffen. Jeder, der diese Wege begeht, begibt sich in extreme Lebensgefahr.

Am selben Tag erhielten wir durch eine Anfrage an die Nationalparkverwaltung die Antwort, dass die Beräumung des Großen Zschands sicher ein Jahr in Anspruch nehmen würde, bei erneutem Befall durch den Borkenkäfer würde das Gebiet sogar für zwei Jahre komplett gesperrt – am 29. Januar 2021 veranlasste die Nationalparkverwaltung nun die Sperrung des Großen Zschands …

Was bedeutet dies für unsere Wanderungen ?

Durch weitreichende Wegesperrungen ( eine interaktive Karte findet ihr auch auf der Karte des Tourismusverbands ) im Gebiet des Großen Zschands bis hin zur deutsch-tschechischen Grenze, werden wir den Teil des Wandergebiets in den kommenden Monaten nicht bewandern. Dies dient dabei nicht nur unserem Schutz, sondern auch dem von Waldarbeitern, die so nicht noch Rücksicht auf Wanderer in einem schwierigen Arbeitsumfeld nehmen müssen.

Stand 18. Juni 2021 sind folgende Wege unpassierbar:

Affensteine / Kleiner Zschand

  • Königsweg ( zwischen Bloßstock und Fremdenweg ) und Weiterweg vom Fremdenweg bis ins Heringsloch
  • Hinterer Heideweg
  • Aufstieg Frienstein / Vorderes Raubschloss
  • Obere Affensteinpromenade zwischen Frienstein und Winterbergspitzen ( Bergpfad )

Großer Zschand / Thorwald

  • Raubsteinschlüchte ( zwischen Zeughausstraße und Aufstieg Winterstein / Hinteres Raubschloss )
  • Westelschlüchte ( Bergpfad )
  • Gehackter Weg ( Bergpfad )
  • Goldsteig ( Bergpfad )
  • Richterschlüchte
  • Weberschlüchte ( Bergpfad )
  • Großer Hochhübelweg
  • Reitsteig
  • Hintere Pechschlüchte
  • Stimmersdorfer Weg – am 21.05. erneut freigeschnitten ( mit neuen Baumstürzen ist jederzeit zu rechnen )
  • Königsjagdweg
  • Brückengrund

Hinterhermsdorfer Gebiet

  • Aufstieg Großes Pohlshorn von der Kirnitzsch
  • Lindigtblick / Brüdersteine
  • Tunnelweg / Schweinslöcher ( zwischen Tunnel und Hollweg )
  • Kirnitzschtalweg ( zwischen Oberer Schleuse und südlich vom Hermannseck )

Unter dem Titel „Umgestürzte Bäume blockieren einige Wanderwege in der Hinteren Sächsischen Schweiz„, erläutert die Nationalparkverwaltung die Situation und möchte Wanderer sensibilisieren, dass manche Wege für Jahre gesperrt bleiben, da der Einsatz von schwerem Gerät zu viele weitere Schäden für Flora und Fauna, sowie Gefahr für Leib und Leben der Waldarbeiter bedeuten würde.

Auf das Alte folgt das Neue …

Getreu diesem Motto, möchte der Nationalpark Sächsische Schweiz ( und sicherlich auch weitere Nationalparks in Deutschland ) den natürlichen Prozess der Walderneuerung vorantreiben. Waren die Wälder im Osten Deutschlands jahrelang von der Holzwirtschaft zu DDR-Zeiten geprägt, entsteht nun langsam ein neuer Mischwald – ironischerweise macht die Nationalparkverwaltung in Kooperation mit dem Sachsenforst auf dieses Thema im Großen Zschand unter dem Titel „Der Borkenkäfer als Chance für einen gesunden Mischwald“ aufmerksam. Wanderer werden in den kommenden Jahren also diesen Prozess Schritt für Schritt erleben können, sofern es die Wege zulassen …

Die Nationalparkverwaltung appelliert nachdrücklich:

Bitte haben sie Verständnis und verhalten sie sich verantwortungsvoll. Sie begeben sich und im Ernstfall auch die Rettungskräfte unnötig in Lebensgefahr. Verzichten sie lieber eine Zeit lang auf ihre Lieblingstour, ihren Lieblingsgipfel. Das Umgehen von unpassierbaren Passagen ist keine Alternative. Das Verlassen der Wege ist zum Schutz der Natur im Nationalpark verboten.

Weitere Informationen findet ihr im Artikel „Naturentwicklung in der Hinteren Sächsischen Schweiz bringt vorübergehend Erschwernisse für Wanderer“ auf der Webseite der Nationalparkverwaltung.

Die Vereinten Nationen wollen mit dem heutigen Welttag der Forstwirtschaft auf die Wichtigkeit aller Arten von Wäldern und ebenso die Bäume außerhalb von Wäldern betonen und würdigen. Damit soll einer breiten Öffentlichkeit deutlich gemacht werden, dass es im internationalen Zusammenspiel gilt, die nachhaltige Bewirtschaftung, sowie die Erhaltung und die Entwicklung aller Arten von Wäldern und Bäumen zugunsten heutiger und künftiger Generationen zu stärken.

Nachtrag

Inzwischen warnt die Nationalparkverwaltung Wanderer und Kletterer, dass bei Betreten des Waldes in der Hinteren Sächsischen Schweiz Lebensgefahr durch extreme Baumsturzgefahr besteht …

Ebenso gibt die Nationalparkverwaltung Tipps für 10 sichere und schöne Wandererlebnisse in der Sächsischen Schweiz. Wie es mit den Wanderwegen im Nationalpark weitergeht, findet ihr in diesem Artikel.

Ich hoffe, dass euch dieser Einblick in meine Gedanken gefallen hat,
euer Martin

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Über Martin

Natürlich. Nackt. Frei. Seit Sommer 2015 haben diese drei Worte einen neuen Lebensweg für mich geprägt. Ich war es leid, immer wieder die richtigen Klamotten in Schuh- oder Bekleidungsgeschäften zu finden, nur um sie nach meiner nächsten Wanderung in die Waschmaschine werfen zu können. Der Bibel zufolge wurde der Mann nackt von Gott erschaffen - wir sehen dies sogar heute bei jeder Geburt, dass niemand mit einer Mütze geboren wird. Aber warum sollten wir Kleidung während einer Wanderung tragen ? Schließlich sind wir ein Teil der Natur und je mehr wir den Kontakt mit dieser erfahren, um so eher sind wir gewillt diese zu schützen. Für mich ist es daher wichtig, dass ich nicht nur meinen eigenen Körper der Natur aussetze, sondern dass meine Umwelt um mich herum geschützt wird …

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