Liebe Wanderfreunde,

seit Tagen lesen wir nun schon den Newsticker des MDR Sachsen, verfolgen Nachrichten und Beitr√§ge zum Waldbrand in der S√§chsisch-B√∂hmischen Schweiz. Ein Beitrag zu den S√§chsischen Naturistentagen wollen wir euch dennoch nicht vorenthalten – ebenso wie ein gro√ües Dankesch√∂n an alle ( freiwilligen ) Helfer der Feuerwehr, Bundespolizei und Bundeswehr, die in den letzten Tagen ihr Bestm√∂gliches geben, um die verschiedenen Brandherde einzud√§mmen.

Bereits im vergangen Jahr kam es zu einer √úberschneidung mit den Wanderungen in √Ėsterreich, so dass es f√ľr unsere Teilnehmer hie√ü: NEWT in √Ėsterreich oder SNT in Sachsen ? In diesem Jahr standen wir erneut vor der Problematik. Viele unserer Freunde aus Deutschland, weiten Teilen Europas, den USA und Singapur entschieden sich jedoch f√ľr Sachsen – eine Ehre f√ľr uns. Also auf ein Neues und so m√∂chten wir euch einladen, eine Wanderwoche der ganz besonderen Art zu erleben, mit Freunden aus nah und fern, auf abenteuerlichen Pfaden – eben auf Spurensuche der Geschichten und Mythen im Sandstein ‚Ķ

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Inhaltsverzeichnis

1. Tag: Mit der IV K durch‚Äôs Schwarzbachtal ‚Ķ
2. Tag: Der Panoramaweg ?
3. Tag: Zu Wasser oder zu Land ?
4. Tag: Mit dem Boot durch‚Äôs Kirnitzschtal ‚Ķ
5. Tag: Ein lauschiges Pl√§tzchen ‚Ķ
6. Tag: Bruder Lindigt‚Äôs Horn ‚Ķ
7. Tag: Von „Schrammen“ und „Falken“ ‚Ķ
8. Tag: H√∂hlenerkundung am Pfaffenstein ‚Ķ
9. Tag: √úber den Gamrig zu den Honigsteinen ?

Mit der IV K durch‚Äôs Schwarzbachtal ‚Ķ

Gleich zu Beginn unserer Naturistentage wollten wir ein Ziel erkunden, was bereits vor zwei Jahren das Ende der ersten Ausgabe einleitete: Die Wanderung durch’s Schwarzbachtal. Warum eine Wanderung in so kurzer Zeit erneut erfolgte ? Es gab etwas zu feiern, denn die Bahnstrecke Go√üdorf-Kohlm√ľhle – Hohnstein feierte ihr 125-j√§hriges Bestehen. Heute existiert lediglich noch ein Teil der Strecke – ab Bahnhof Lohsdorf bis kurz vor Ehrenberg, doch ein Verein bem√ľht sich um den Wiederaufbau der Strecke bis Hohnstein. Die Strecke durch’s Schwarzbachtal darf aufgrund von Naturschutzgr√ľnden leider nicht wieder aufgebaut werden – obwohl wir uns am Rande des Nationalparks S√§chsische Schweiz befinden.

Der erste Aufstieg zum Adamsberg war ein Leichtes und unsere G√§ste nahmen sogleich Aufstellung f√ľr ein Gruppenfoto. Anschlie√üend wies ich auf die markanten Gipfel der Schrammsteine, des Gro√üen und Kleinen Zschirnsteins, des Papststeins, Gohrischs, Pfaffensteins und die Tafelberge K√∂nigstein und Lilienstein hin. Schon Kurg√§ste aus Bad Schandau wussten im fr√ľhen 20 Jahrhundert den Blick kurz vor Altendorf zu sch√§tzen. Wie √ľblich – folgte dem ersten Aufstieg auch sogleich der Abstieg. Es ging hinunter ins Tal der Sebnitz, nicht weit entfernt von Go√üdorf-Kohlm√ľhle, zu DDR-Zeiten fand sich hier ein gro√ües Linoleum-Werk, dessen Gem√§uer sogar √ľber die Wipfel der B√§ume ragte. Die Bahnstrecke Bad Schandau – Sebnitz verl√§uft hier ebenso entlang, wie der Malerweg, welcher uns f√ľr ein St√ľck des Weges begleiten wird. Wanderer und Radfahrer trifft man in diesem Teil des Nationalparks eher selten, doch eine kleine Gruppe Mountain-Biker erwiderte freundlich unseren Gru√ü und freute sich, dass wir so aufmerksam waren, ihnen eine freie Gasse zu bilden. In Anbetracht von Temperaturen um die 35 Grad und immer wieder auftauchender W√§rmeinseln im Wald kam uns jede Erfrischung gelegen – wie gut, dass unweit eine Furt in der Sebnitz als Badestelle genutzt werden konnte ‚Ķ

Wie schon zur Erkundungswanderung im Sebnitztal, wurde es Zeit f√ľr einige magische Fotomomente, die auch am Abend zuvor in der Keynote Verwendung fanden. Als wir unsere Klamotten zusammenpacken wollten vernahmen wir pl√∂tzlich ein lautes Pfeifen: Die Dr√°ha n√°rodn√≠ho parku – oder auch Nationalparkbahn – fuhr an uns mit Ziel Rumburk in der Tschechischen Republik vorbei.

Es wurde an der Zeit den Malerweg zu verlassen und so kreuzten wir die Gleise der normalspurigen Bahnstrecke, um uns auf die Spuren der Schwarzbachbahn zu begeben. Etwas versteckt ging es im Wald hoch zur alten Bahntrasse. Von nun an wandelten wir auf den Spuren der Geschichte, denn wir √ľberquerten eine gut 100 Jahre alte Bogenbr√ľcke, welche Anfang des 20. Jahrhunderts mit dem neuen Material Beton ( genauer gesagt Stampfbeton ) errichtet wurde – trotz ihres hohen Alters weist die Br√ľcke kaum Korrosionssch√§den auf. Am Ende der Br√ľcke angekommen, l√§sst sich auch schon der erste – und mit 63 Metern l√§ngste – Tunnel der Strecke ersp√§hen, der uns ins Schwarzbachtal f√ľhrt.

Im Jahr 1951 vernahm man hier zuletzt das Schnaufen einer Dampflok, denn im Mai jenen Jahres wurde die Strecke abgebaut – das Gleismaterial kam an anderer Stelle zum Einsatz. Dennoch vernahm ich im Laufe der Wanderung durch den Tunnel folgenden Spruch eines Mitwanderers:

Der Bergmann in den Stollen kriecht, damit der Sozialismus siecht.

Es sollte nicht der letzte Spruch sein, der seinen Weg aufs digitale Papier finden w√ľrde. Nach der zweiten Tunnelpassage nahmen wir uns die Zeit f√ľr ein wohlverdientes P√§uschen am Schwarzbach. Zum Baden war der Bach doch etwas zu schmal und es fanden sich immer wieder gr√∂√üere Steine in seinem Bett. Geplant war die Mittagspause eigentlich an einem anderen Ort – unweit des Tunnelausgangs am Schwarzbach fand sich eine Schutzh√ľtte mit Namen „An der Futterpresse“, nur waren ihr schon bessere Zeiten beschert, so dass es eine gute Entscheidung war, etwas eher zu rasten. Aufgrund der letzten „Erkundungswanderung“, als wir das Bahnhofsfest in Lohsdorf am ersten Maiwochenende besuchten, entschied ich mich, die Route etwas abzu√§ndern, denn im oberen Verlauf des Schwarzbachs wurden zahlreiche B√§ume gef√§llt, so dass es sinnvoller erschien, gleich den linksseitigen Weg des Bachs zu nehmen. Bis zum Abzweig in Richtung Ulbersdorf war es nicht mehr weit, doch zuvor √ľberlie√ü ich jedem die Entscheidung, ob er einen Umweg von rund 1,6 Kilometern nehmen wolle, um dem Bahnhof Lohsdorf einen Besuch abzustatten – heute finden sich hier Vereinsgel√§nde und Werkstatt des Schwarzbachbahn e.V. Wie schon eingangs erw√§hnt, verl√§uft ab hier auch eine Strecke in Richtung Ehrenberg, welche wir zum Bahnhofsfest – ganz klassisch – mit einer s√§chsischen Lokomotive vom Typ IV K befahren durften.

Am Lohsdorfer Bahnhof spielte sich dann noch folgende Begebenheit ab: Rainer Willkomm, Klempnermeister in der Region, warb mit einem Plakat f√ľr sein Unternehmen. Als Milton aus den USA dies erblickte, entgegnete er zu Rainer aus Dortmund: „Rainer, you’re welcome“, in Anspielung auf „Willkommen“.

Zur√ľck vom Bahnhof, ging es erneut bergauf, der Lange Weg forderte seinen Tribut, ebenso wie die Sonne – inzwischen fast am Tagesmaximum angelangt. Doch jeder Anstieg kennt ein Ende und so standen wir sogleich vor den letzten Ausl√§ufern von Ulbersdorf. Eine unplanm√§√üige Pause legten wir dann am Hutbergweg in der Kurve ein – nur noch wenige H√§user standen hier entlang der Stra√üe, bevor der Weg wieder etwas steiniger wurde und es entlang von Feldern ging. Der Schatten zweier Linden wurde von jedem unserer Teilnehmer begr√ľ√üt, so dass es erst nach wenigen Minuten in Richtung besagten Feldes weiterging ‚Ķ

Und pl√∂tzlich waren wir auch nicht mehr allein, denn es ward Erntezeit und der Raps wollte durch zwei Claas Lexion eingeholt werden – wo noch vor rund 100 Jahren viel Handarbeit n√∂tig war, reichten heute zwei Maschinen aus, um ein Feld binnen Stunden komplett abzuernten. Faszinierend war, dass die Samen komplett schwarz waren – Rainer, unser alter Bauernjung, wusste sofort, dass es sich hier nur um Raps handeln konnte. Ein sch√∂nes Fotomotiv fand sich auch auf anderer Seite des Wanderweges wieder – an der Wanderh√ľtte „Zum Schirm“ genossen Nick und Jane eine kurze Pause, der Blick auf die Gipfel der S√§chsischen Schweiz war atemberaubend, die Zschirnsteine und der Hohe Schneeberg ( bereits auf tschechischer Seite ) ragten √ľber die Wipfel der B√§ume empor ‚Ķ

Es ging wieder hinab ins Tal des Schwarzbachs, denn es blieb noch ein Highlight √ľbrig: Das Go√üdorfer Raubschloss. Die Burg wurde einst errichtet, da zu dieser Zeit eine wichtige Handelsstra√üe durch das Tal verlief und bis in die Lausitz f√ľhrte. Die Burganlage diente au√üerdem der Sicherung der Verbindung zwischen den beiden Hauptburgen der Berka von der Dub√°: Der Burg Wildenstein und der Burg Hohnstein. Es geht zudem die Geschichte um, dass Heinrich von der Dub√°, ein Spross der Hohensteiner Berken, in den Mauern der Burg lebte, dem 1410 die Herrschaft Wildenstein durch Erbteilung zufiel.

Zur Burganlage gibt es mehrere mythische Sagen, von denen auch die ein oder andere direkt vor Ort zu finden ist: „Die Schatzgr√§ber am Go√üdorfer Raubschloss“ und „Der Sterndeuter im Go√üdorfer Raubschlo√ü“ sind nur zwei Sagen, die es unbedingt zu lesen gilt ‚Ķ

Auf der kleinen Burg an der Schwarzbach bei Go√üdorf, die den Berka von der Dub√° geh√∂rte, hauste zur Zeit der Hussitenkriege ein alter Mann, den niemand kannte, und von dem man sich nur erz√§hlte, da√ü er dem Ritter von Hohnstein das Leben gerettet habe und zum Danke daf√ľr in den Nie√übrauch der Burg und des Dorfes eingesetzt worden sei.

Er bewohnte mit zwei zottigen, schwarzen Hunden einen hohen, jetzt versunkenen Wartturm, den kein männliches Wesen betreten durfte und auch den Frauensleuten war das obere Zimmer verschlossen. Dort soll er den Teufel beschworen haben.

Zweimal im Jahre verlie√ü der Alte die Burg und kehrte erst nach einigen Wochen von seiner geheimnisvollen Reise wieder zur√ľck. Einstmals aber brachte er eine verschleierte junge Dame von gro√üer Sch√∂nheit mit sich.

Er selbst f√ľhrte zwar sein Einsiedlerleben weiter, aber im Schlo√üe kehrte jetzt h√§ufig der Lehnsherr aus Hohnstein ein, blieb auch oft √ľber Nacht da und suchte die Gunst des Fr√§ulein Bertha, so hie√ü die Jungfrau, zu gewinnen. Ungef√§hr nach Verlauf eines Jahres, als eben der von Duba wieder anwesend war, kam das Fr√§ulein um Mitternacht aus ihrem Gemach zu dem Alten in den Turm gest√ľrtzt. Daraufhin √ľbergab dieser einem sicheren Manne ein Paket mit der Weisung, es zum Pfarrer nach Hohnstein zu tragen, und bald darauf geschah ein furchtbarer Knall, und Turm und Schlo√ü lagen in Tr√ľmmern.

Der Alte und das Fräulein waren verschwunden, weil sie wahrscheinlich der Gottseibeiuns geholt hatte, den Ritter aber fand man in ihrem Schlafzimmer, von einem Dolch das Herz durchbohrt.

Noch heute soll man den Alten um die Mitternachtsstunde mit seinen Hunden unter den alten Mauern umherwandeln sehen; auch das Fräulein soll dann mit einem blutigen Dolche ihm folgen und sich gar traurig gebärten.

Die ganze Aufkl√§rung hat aber in dem Paket gestanden, das der Alte dem Pfarrer nach Hohnstein geschickt. Er ist n√§mlich ein Sterndeuter gewesen, der dem Ritter von Hohnstein einst verk√ľndet, dass sie beide in einer Stunde sterben w√ľrden. Der Dub√° hatte sp√§ter des Sterndeuters Weib verf√ľhrt, und diese war von ihrem Gatten erdolcht worden. Ihr Kind aber, ein sch√∂nes M√§dchen, lie√ü er in Olm√ľtz in Zucht und Ehren erziehen.

Inzwischen erhielt er durch Unterhandlungen mit dem Dub√° das Go√üdorfer Schlo√ü und r√§chte sich nun hier an ihm, indem er ihm sp√§ter seine eigene erwachsene Tochter in die Arme f√ľhrte. Das fromme M√§dchen aber durchbohrte ihn mit dem n√§mlichen Dolche, der ihre Mutter get√∂tet. Dem Sterbenden entlockte der Alte das Geheimnis und sprengte dann die Burg in die Luft.

- Der Sterndeuter im Go√üdorfer Raubschloss -

Lediglich ein kleiner Teil unserer Gruppe entschied sich, das ehemalige Raubschloss zu besichtigen – heute finden sich auf den Mauern eine k√ľnstliche Ruine mit Zubauten eines Rundturms, erbaut durch den Ulbersdorfer Rittergutsbesitzer im Jahre 1858 ‚Ķ

Bis zum Ende der Wanderung sollte es noch ein St√ľck sein und so folgten wir erneut dem Malerweg in Richtung Altendorf. Die Sonne prasselte auf uns herab, denn die letzten 600 Meter mussten √ľber offenes Feld zur√ľckgelegt werden, bevor wir uns Altendorf n√§herten. In der Gruppe ging es anschlie√üend an der Pension Prescher vorbei – hier wohnt der Chef des Altendorfer Heimatvereins, der 2020 hoffte, dass „die Nackten auch mal in Altendorf vorbeischauen m√∂gen“. In diesem Jahr fand sich kein solcher Wunsch und lediglich ein Autofahrer traute seinen Augen kaum, so dass er dreimal an uns vorbeifuhr ūüėĄ. Uns hat es gefallen, dem Blitzer wohl weniger, denn was gibt es Besseres, als eine Gruppe Naturisten, die daf√ľr sorgen, dass Tempo 30 im Ort auch wirklich eingehalten werden ?

Der Panoramaweg ?

Schon am zweiten Tag hie√ü es Umplanen, denn die urspr√ľnglich √ľber den Panoramaweg geplante Wanderung versprach reichlich Sonne, aber auch Aussicht auf so manches Wanderziel der kommenden Tage ‚Ķ und eben noch mehr Sonne. Hatte ich die Sonne schon erw√§hnt ūüėĀ ? Die Fahrt mit der Kirnitzschtalbahn war angemeldet, diesen Teil der Wanderung wollte ich also nicht streichen, doch wie praktisch, dass es direkt an der Kirnitzsch einen Wanderweg gibt, der ebenfalls einige interessante Passagen kennt: Die Rede ist vom Fl√∂√üersteig.

In der historischen Stra√üenbahn, unterwegs waren wir mit den sogenannten Gotha-Wagen, Baujahr zwischen 1957 bis 1967, ging es √ľber acht Haltestellen zur Endhaltestelle „Bad Schandau, Kurpark“. Ungew√∂hnlich ist die Gleisf√ľhrung in Seitenlage der Stra√üe: In Richtung Bad Schandau f√§hrt die Stra√üenbahn stets auf der linken Seite der Stra√üe, wie es fr√ľher bei vielen eingleisigen Stra√üenbahnstrecken √ľblich war. Deshalb kommen Stra√üenbahnz√ľge dem normalen Fahrzeugverkehr auf der „falschen“ Seite entgegen, was eine erh√∂hte Aufmerksamkeit der Autofahrer erfordert. W√§hrend der Fahrt erz√§hlte ich unseren englischsprachigen G√§sten, dass im Jahre 2008 schon Kate Winslet mit der Kirnitzschtalbahn gefahren sei: Die Wagenhalle diente als Kulisse bei Dreharbeiten zum Film ‚ÄěDer Vorleser‚Äú. Im Film ist eine kurze Szene mit einer fahrenden Stra√üenbahn am Ortsausgang Bad Schandau zu sehen ‚Ķ

Von Bad Schandau ging es zun√§chst zu einem √∂rtlichen Eisverk√§ufer – das Eiscaf√© Venezia hatte noch geschlossen und so entschieden wir uns dem „Mario Gelatto“ einen Besuch abzustatten. Auch hier war man zun√§chst etwas unvorbereitet, als die gro√üe Gruppe ankam – wie sich herausstellte wenige Minuten vor der √Ėffnungszeit, doch man freute sich dennoch √ľber unseren Besuch und nach einer kurzen Entschuldigung am Ende konnte die Wanderung dann doch noch starten. Oberhalb von Bad Schandau, nicht weit entfernt von der Haltestelle „Botanischer Garten“ der Kirnitzschtalbahn, begaben wir uns auf die Hartung-Promenade – sie markiert das Ende des Fl√∂√üersteigs. Hier wurde es dann auch Zeit, die √ľbliche Wanderbekleidung anzulegen.

Dereinst genossen es die Kurg√§ste von Bad Schandau so sehr √ľber jene Promenade zu schlendern, dass verm√∂gende G√§ste auf eigene Kosten eine Nachkur unternahmen und in der Folge kleine Sitz- und Ruhem√∂glichkeiten entstanden. „C√§cilien’s Ruhe“ und „Otto’s Ruhe“ lagen auf unserem Weg, bevor es gegen√ľber des Depots der Stra√üenbahn erforderlich wurde, ein St√ľck der Wanderung entlang der Stra√üe fortzusetzen – eine Baustelle am Waldh√§us’l versperrte den Wanderweg, doch nach knapp 300 Metern hatten wir wieder lockeren Waldboden unter den F√ľ√üen. Erstmalig trafen wir auch auf ein junges P√§rchen mit Vierbeinerin Alice, einem Labrador-Mischling, wie sich sp√§ter herausstellte.

Die Kinder haben angefangen ohne Badehose zu baden.

- Ruby -

Zu F√ľ√üen des Campingplatz‘ Ostrauer M√ľhle entschieden wir uns erstmalig f√ľr eine Badepause – die Kleiderordnung an der Kirnitzsch gaben nicht wir vor, sondern die Kinder so mancher Campingplatzbewohner. F√ľr etwas Verwunderung sorgte der Glimmer in der Kirnitzsch – auf dem Grund glitzerte und funkelte es und so tauchte die Frage auf, ob dies Gold sei ? In der Tat gab es vor Jahren Gedanken, in der Kirnitzsch nach Gold zu suchen, doch der Ertrag w√§re zu gering, mal abgesehen davon, dass wir uns in einem Naturschutzgebiet befinden. Und auch das junge P√§rchen – nun als Jessy plus Freund ( sein Name ist mir leider schon wieder entfallen ūüėČ ) bekannt, trafen wenig sp√§ter am Ufer der Kirnitzsch ein. Es stellte sich heraus, dass sie ebenfalls den Fl√∂√üersteig bis zum Lichtenhainer Wasserfall erkunden wollten, doch so mutig wie wir, waren sie dann doch nicht: Jessy traute sich nicht ins Wasser – die F√ľ√üe waren das Maximum, ihr Freund hingegen, seiner Aussage nach begeisterter FKK-Fan, wollte am liebsten mit uns Wandern, doch nur unter einer Bedingung: Sie m√ľsse ebenfalls die Klamotten in den Rucksack verstauen. Tjaaa wie w√ľrde die Antwort lauten ? Wir verraten es euch sp√§ter ‚Ķ

Vom Campingplatz gab es die M√∂glichkeit, die Gruppe zu teilen: In eine leichte Variante – √ľber den M√ľhlweg an den Falkensteinh√ľtten vorbei und den Oberen Steinbruchweg – oder eine schwierige Variante – dem Fl√∂√üersteig weiter folgend. Rainer aus Dortmund √ľbernahm die Leitung der einfachen Tour und ihm schlossen sich vereinzelte Wanderer an. Das Gro√ü folgte mir, auch wenn ich etwas ins Gespr√§ch mit Jessy vertieft war. Der erste Teil der schwierigen Tour stellte uns vor keinerlei Hindernisse und erst nach gut 750 Metern wurde es etwas herausfordernd: Wie schon am Vorabend erw√§hnt, mussten drei Passagen bew√§ltigt werden, die Erste verlief v√∂llig problemlos und erst an der Zweiten war die angebrachte Kette zur Sicherung hilfreich, denn es ging den feuchten Stein hinauf und wenig sp√§ter wieder hinab. Wir waren etwas verwundert, als das P√§rchen kurze Zeit sp√§ter hinter uns wieder auftauchte – Hund Alice hatte mit solchen Klettereinlagen wohl weniger Probleme. Die letzte Passage an der Kirnitzsch entlang wurde auch gemeistert und es kam die Frage auf: „Wo denn nun die schwierigen Stellen zu erwarten seien ?“. Belohnt wurden wir mit einer Badepause am Ufer des Flusses, der bis ins 20. Jahrhundert f√ľr die Holzfl√∂√üerei genutzt und daf√ľr im oberen Verlauf mehrfach k√ľnstlich angestaut wurde. Dass sich am Ufer der Kirnitzsch so manche M√ľhlen befanden, davon zeugen auch heute noch die Haltestellen der gleichnamigen Stra√üenbahn: „Ostrauer M√ľhle“ oder „Mittelndorfer M√ľhle“. Mit der Felsenm√ľhle – etwa f√ľnf Kilometer in Flie√ürichtung vor dem Lichtenhainer Wasserfall gelegen – befindet sich hier auch noch das einzige S√§gewerk im Kirnitzschtal ‚Ķ

Direkt gegen√ľber des Hotels „Forsthaus“ genossen wir eine weitere Badepause und warteten auf den Rest der Gruppe – die Zeit wurde genutzt, um so mit Jessy ins ausf√ľhrliche Gespr√§ch zu verfallen. Sp√§testens, als die Wanderkarten ausgepackt wurden, wussten wir, dass wir auf einer Wellenl√§nge tickten und so tauschten wir verschiedene Informationen zu Highlights von Wanderungen aus. Ihr Freund indes entschied sich unweit unserer Gruppe eine Pause im Wald einzulegen – doch zuvor nahmen wir ein Bad ‚Ķ nat√ľrlich war sie erneut nicht mutig genug ūüėĄ. Ihr Freund hingegen offenbarte so einige Details: FKK ist nicht so ganz ihre Welt, dennoch wollte sie immer in der N√§he unserer Gruppe verbleiben. Mal davor oder mal dahinter. Na wer da wohl nur ma’guggen wollte ? Auch auf das Angebot hin, dass sie ja bekleidet mitlaufen und ihr Freund nackt mit uns wandern k√∂nne, wusste sie nicht so recht, wie sie drauf antworten solle – ihr Freund hingegen bestand darauf, dass sie sich ebenfalls von den Klamotten trennen m√∂ge. Um ehrlich zu sein, ist es uns egal, jeder soll sich so wohlf√ľhlen wie er ist, unattraktiv wirkte sie keinesfalls und so war es am Ende des Tages wohl ihr Freund, dem vor Augen gef√ľhrt wurde, dass die Beziehung auf ein Ende zusteuert, wenn Jessy uns begleiten w√ľrde ūüėÜ ‚Ķ

Doch so viel dazu.

Am Wanderparkplatz Nasser Grund angekommen, stellten wir fest, dass wir noch reichlich Zeit bis zur Einkehr im Lichtenhainer Wasserfall hatten. Was also mit der √ľbrigen Zeit anfangen ? Bevor wir auch nur richtig dran dachten, sprangen schon die ersten in die Fluten, denn auch am Nassen Grund gibt es ausreichend Badem√∂glichkeiten. Diese wurden nicht von jedermann genutzt und so wurde es dann doch Zeit zum Aufbrechen. Vom Nassen Grund bis zum Beuthenfall sollten wir etwas mehr als 30 Minuten ben√∂tigen – bis zur Einkehr waren noch immer zwei Stunden Zeit und das Mobilfunknetz im Tal der Kirnitzsch ist alles andere als gut ausgebaut. Zum ersten Mal fiel w√§hrend der S√§chsischen Naturistentage die Forderung nach einem „nationalen Roaming“, das hei√üt, dass unabh√§ngig vom eigenen Provider ein anderer Anbieter sein Netz f√ľr andere zur Verf√ľgung stellen muss. Ein praktisches Beispiel: Ist statt der Telekom nur Vodafone verf√ľgbar, muss Vodafone auch im Inland sein Netz Kunden der Telekom zur Verf√ľgung stellen und umgedreht – diese Praxis funktioniert im Ausland seit Jahren, so dass eine tschechische T-Mobile-SIM sich in jedes deutsche Netz einbuchen kann ( auch dies funktioniert mit deutschen SIM-Karten im Ausland, nur eben nicht im Inland ). So war es nahezu unm√∂glich, den Lichtenhainer Wasserfall zu kontaktieren, bis Erik mit seiner tschechischen Nummer eine Verbindung aufbaute. Gut eine Stunde eher zu erscheinen war kein Problem und im Laufe des Abends kamen sich so doch noch zwei Personen n√§her – wenn auch auf einer ganz anderen Basis, doch f√ľr das entgegengebrachte Vertrauen bedanke ich mich vielmals.

Zu Wasser oder zu Land ?

Woran erkennt man eine Aufgabe, die man liebt ? Wenn man sie gern macht, mit Herzblut und dies auch der ganzen Welt zeigen will. So und nicht anders geht es Erik, Rainer und mir, denn wenn ihr eure Freude nach einer Wanderung zum Ausdruck bringt, ist dies f√ľr uns der Beweis, dass wir uns auf dem richtigen Weg befinden.

Am dritten Tag der Naturistentage, entschieden wir uns, es etwas ruhiger angehen zu lassen und wo kann man das besser, als auf der Elbe bei einer gepflegten Paddeltour ? Mit etwas Versp√§tung starteten wir in Ottendorf, bevor es √ľber Sebnitz und Bad Schandau nach K√∂nigstein ging – eine separate Wanderung war zwar geplant, fiel jedoch mangels Interesse aus und so lag unser Hauptaugenmerk auf der Schlauchboottour. Vom Bahnhof in K√∂nigstein war es nur ein Katzensprung bis zur Ausgabe der Boote an der Zentrale von Kanu Aktiv Tours und nach kurzer Einweisung und Bezahlung der Boote konnten wir auch schon starten. Wie immer war es wichtig den Ansagen des Verleihers Folge zu leisten:

  • Links von der gr√ľnen Boje bleiben
  • Rechts von der roten Boje bleiben
  • Kontakt mit den Bojen kann dazu f√ľhren, dass jemand √ľber Bord geht
  • Alles was st√§rker, als ein Schlauchboot ist, hat Vorfahrt

Alles verstanden ? Na dann kann es ja losgehen, doch wer f√§hrt mit wem ? Schon fr√ľh stand fest, dass unser Boot etwas internationaler aufgestellt war: Mit den US-Amerikanern Milton, Dan und Thomas, Lim aus Singapur, John aus Irland und Bernard aus Gro√übritannien. Zun√§chst mit besorgter Miene, ob des vielen Englisch, was nun in unserem Boot gesprochen wurde, schien es am Ende weniger ein Hindernis, als Bereicherung zu sein, denn besser konnte der Englisch-Sprachkurs nicht abgeschlossen werden – zum Ende der SNT war es auf jeden Fall h√∂rbar. Und so ging es im Boot mit einigen Erkl√§rungen bis zur Festung K√∂nigstein – der ersten Badepause ‚Ķ

Ein wenig sp√§ter – den Ort an der Elbe und die Festung hinter uns liegend – wurde es Zeit f√ľr ein Bad in der Elbe und wie l√§sst sich dies bei einer Schlauchboottour besser zelebrieren, als mit einem direkten Sprung aus dem Boot ? Der Aufprall im Wasser hatte auch etwas: Ringsum stieg in Zeitlupe das Wasser auf, bevor der ganze K√∂rper letztendlich eintauchte. Wieder ins Boot hineinzukommen war etwas schwieriger, doch zun√§chst wollte ich unser Boot etwas anschieben – ein praktischer Au√üenborder und Buddy’s Boot ( es handelt sich hier um Martin aus dem Schwabenl√§ndle ), wurde sogleich auch noch einmal gedreht. Die Revanche von 2020 ūüėā.

Kurz darauf erreichten wir auch schon Kurort Rathen, es wurde Zeit f√ľr ein Eis und nat√ľrlich stellten wir uns die Frage, ob jener Eisverk√§ufer nach der Entt√§uschung vom letzten Jahr ge√∂ffnet h√§tte. Wir hatten Gl√ľck, wir schon 2020 und 2018 konnten wir „Das letzte Spitzeneis vor Italien“ genie√üen. So war es selbstverst√§ndlich, dass es nicht nur bei einem blieb und f√ľr den Leiter der Gruppe gab es auch noch ein Sahneh√§ubchen auf den Himbeer-Slush obendrauf – die Empfehlung bei ( noch ) warmen Temperaturen ‚Ķ

Ein Vorteil, wenn man im Boot des Wanderleiters sitzt: Die direkte Umgebung bleibt auch ausl√§ndischen G√§sten nicht verschlossen und so konnte ich meiner Gruppe die Geschichte zu M√∂nch und Nonne, als auch den Felssturz vom Wartturm n√§her bringen. Selbst die Rahmhanke – ein ausgesetzter Pfad auf halber H√∂he zwischen Bastei und Elbe wurde unseren Besuchern beschrieben. Wenig sp√§ter erreichten wir auch schon Stadt Wehlen – Wolken zogen auf und wir entschieden uns den beschaulichen Ort an der Elbe so schnell wie m√∂glich zu passieren, denn bis zur Abgabestelle in Pirna sollten es noch ein paar Flusskilometer sein. Und einen letzten Stopp wollten wir noch einlegen: Zuletzt 2019, steuerten wir rechtselbisch – gegen√ľber von Obervogelgesang – das Elbufer an, um unserem Senior Albert die Ehre zu erweisen.

Wir hatten die Wolken im Blick und so wurde es dann doch an der Zeit wieder aufzubrechen – nicht ohne Albert am Abreisetag ins Brauhaus „Zum Gie√üer“ in Pirna einzuladen.

Die letzten gut f√ľnf Kilometer verlangten uns noch einmal alles ab: Bei Gegenwind kam es mir zeitweilig so vor, dass wir wieder in Richtung K√∂nigstein getrieben wurden ūüėĄ. Eine gute Stunde sp√§ter erreichten wir endlich die Altstadtbr√ľcke von Pirna – die letzten 400 Meter w√ľrden wir auch noch schaffen ‚Ķ

Land voraus ! Genau richtig, denn wir kamen gerade aus dem Wasser, da setzte schon der Regen ein. F√ľr Rainer aus Dortmund willkommene Abwechslung, doch leider konnten wir so nicht zum Bahnhof laufen – es ward an der Zeit, Hosen, R√∂cke und Kleider aus den Rucks√§cken zu kramen. Zuletzt halfen wir noch den Mitarbeitern von Kanu Aktiv Tours die Schlauchboote auf den Anh√§nger zu verfrachten. Zum Bahnhof ging es ohne gr√∂√üere Schwierigkeiten – f√ľr einen Teil der Gruppe, denn die Ersten liefen einfach voraus und mussten zur√ľckgepfiffen werden.

Endlich konnte auch unseren G√§sten die kulinarische Seite von s√§chsischer Kaffee- und Kuchenkultur demonstriert werden, Dresd’ner Sauerbraten sollte es im Brauhaus „Zum Gie√üer“ geben. Die Fahrt zur√ľck zum Ferienhaus unternahmen wir mit einem Mietbus des √∂rtlichen Regionalverkehrs.

Mit dem Boot durch‚Äôs Kirnitzschtal ‚Ķ

Vierter Tag der S√§chsischen Naturistentage und es geht hoch hinaus: Der Weifbergturm bei Hinterhermsdorf ist das Ziel der heutigen Tour, die wir – dank Frank aus Marienberg – etwas verk√ľrzen werden, denn nachdem er bereits im letzten Jahr einige Male mit Menschen aus „Sachsens sch√∂nstem Dorf“ in Kontakt kam, war es nun endlich soweit: „Frankie Goes To Hinterhermsdorf“ ( in Anspielung auf die 80er-Jahre Band „Frankie Goes To Hollywood“ ). Oder anders ausgedr√ľckt: Frank gibt ein Konzert in der Kirche von Hinterhermsdorf. Bis es soweit ist, wurde aber erstmal gewandert.

Erik entschied sich nicht teilzunehmen an der Schlauchboottour und lieber nach Leipzig Blumengie√üen zu fahren, so kam es zu jenem Umstand, dass wir auf ihn warten mussten. Dass Busse in der Hauptferienzeit in einem der beliebtesten Ferienziele alles andere als p√ľnktlich sind, davon sprechen wir mal lieber nicht und so konnten wir wenige Minuten nach 10:15 Uhr auch endlich starten. Der erste Teil unserer Wanderung verlief durchs beschauliche D√∂rfchen, bis wir uns unweit der Felder entschlossen, die √ľbliche Wanderbekleidung anzulegen – der Weifbergturm war bereits in Sichtweite. Nachdem in den letzten Tagen die so oft zitierten und gern gesehenen Panoramen fehlten, wurde es Zeit, dies zu √§ndern und so er√∂ffnete sich uns – mit einem Blick zur√ľck – die Weite der S√§chsisch-B√∂hmischen Schweiz ‚Ķ

Der Weifberg und sein Turm verlangten uns schon fr√ľh einiges ab, doch wir lie√üen nicht locker und so standen wir wenige Minuten sp√§ter am Fu√ü des im Jahre 2018 renovierten Turms. 173 Stufen wollten bezwungen werden, wer seine Aussicht genie√üen will – egal, ob ein Blick auf die Schrammsteine, die Affensteine, den Falkenstein, den Lilienstein oder den K√∂nigstein gew√ľnscht wurde, bei strahlend blauen Himmel und Sonnenschein konnten wir sogar bis zur Lausche – dem Ziel der morgigen Wanderung – blicken ‚Ķ

Es sollte zugleich der letzte Blick auf unsere Heimat sein, denn wer k√∂nnte erahnen, dass sich binnen zwei Tagen alles √§ndert ( doch dazu sp√§ter mehr ) ? Nicht jeder unserer Gruppe wollte hinauf und so legten manche eine Pause ein, w√§hrend andere die – schier endlosen – Stufen bezwangen. Wieder unten angekommen, entdeckten einige Wanderer, wie Frank, Milton, Dan, Andi und auch meine Wenigkeit die Schaukel. Frank war die Sache nicht ganz geheuer und so pendelte er lieber gegen den Takt, als die Beiden anderen – ob das eine gute Idee war ? „Kann man schon machen“, lautete meist die Antwort von Frank ūüėĄ. Nach wenigen Minuten hie√ü es dann, die Sachen zu packen, denn wir wollten weiter.

In Richtung des Sch√§ferr√§umichts verlief unser Weg leicht bergab – der n√§chste Anstieg will in voller L√§nge genommen werden. Das Sch√∂ne, Wanderleiter zu sein: Das eigene Tempo beim Anstieg gehen zu k√∂nnen erweist sich als gro√üer Vorteil und auch Andi aus dem hohen Norden konnte mein Tempo halten, so dass wir beide nahezu zeitgleich an der Kreuzung Bammelweg / Kalkstra√üe / Wei√übachweg / Zeidlerweg ankamen. Einige Minuten sp√§ter traf auch der Rest der Gruppe ein – Mike war uns beim Aufstieg dicht auf den Fersen, aber auch etwas ersch√∂pft. Kein Wunder, mit etwas mehr als 100 Kilo auf den Rippen – kein Fett, sondern alles Muskeln, denn wie wir am Abend zuvor erfuhren, war er einst griechisch-r√∂mischer Ringer und bereiste zahllose ( 76 ) L√§nder der Welt. Erik kam etwas schnaufend den Hang hinauf – der Letzte ist nun auch angekommen, dann kann es ja weitergehen ? Da Peter im M√§rz seinen 80. Geburtstag feierte, entschied ich mich, ihm die Entscheidung zu √ľberlassen – zum „Frust“ vieler Wanderer war Peter keineswegs au√üer Atem, er wusste sich seine Kr√§fte einzuteilen und eben Zeit zu lassen. Doch eine kurze Trinkpause sollte jedem geg√∂nnt sein und wenige Minuten sp√§ter brachen wir wieder auf – es ging erneut bergab in Richtung des Wei√übachs.

Der Weg entlang des Wei√übachs – zugleich Grenzbach zwischen Deutschland und der Tschechischen Republik – verlief teils √ľber schmale Wege, dennoch fand sich Zeit zum Gespr√§ch, so etwa mit Stefan und seiner Frau Octavia – kurz Oci – aus dem Schwabenl√§ndle oder Christian und Ines aus Kamenz. Die beiden Kamenzer sind leider viel zu selten Teil unserer Wanderungen – teilweise den Enkeln, aber auch der Arbeit geschuldet, die Hoffnung bleibt auf jeden Fall, dass wir uns im Laufe des Wanderjahres noch einmal sehen. Dass die S√§chsischen Naturistentage ein Ort sind, an dem Freundschaften geschlossen werden, haben wir in der Vergangenheit schon √∂fter erlebt und so auch diesmal: Durch meinen Nachbarn kam ich erstmals dieses Jahr mit dem Element „Sandstein“ in Ber√ľhrung, beim Bouldern entdeckte ich die Lust h√∂her hinaus zu wollen – schon davor wollte ich auf den Gipfeln meiner Heimat stehen, was auch letztes Jahr mit der „Besteigung“ der Honigsteinnadel √ľber den Kletterpfad „Alter Weg“ klappte. Marco, aus Berlin, Kletterlehrer, gab mir im Laufe der vergangenen Tage so manche Tipps, auch auf welche Kletterschuhe ich achten solle – gerade, wenn es um die Gr√∂√üe geht. Als Einsteiger einen Schuh zu besitzen, der ein oder zwei Nummern kleiner sei, w√§re eine bl√∂de Idee, es geht drum sich wohl zu f√ľhlen.

Wir entschieden uns bereits einige Tage zuvor in Kontakt zu bleiben – ob Stefan und Oci auch mit ihrem Schwabenbruder Martin so verfahren w√ľrden ? Das ein oder andere Mal haben sie ordentlich miteinander gefrotzelt – alles im Spa√ü ūüėĄ.

So langsam knurrte der Magen und bis zur Niederm√ľhle sollten es noch knapp 1,7 Kilometer sein. Wir entschieden uns f√ľr einen Abstecher ins B√∂hmische: Am Grenz√ľbergang Wei√übachtal / Zeidlerbachtal m√ľndete der Wei√übach in die Kirnitzsch – von nun an ward sie Grenzfluss zwischen beiden europ√§ischen L√§ndern. Auf b√∂hmischer Seite indes folgten wir dem Lauf der KŇôinice, es ging √ľber eine Br√ľcke unter den Augen einiger tschechischer Mitb√ľrger, bevor wir am Wegweiser „Zadn√≠ Doubice“ die Brote und √Ąpfel aus den Rucks√§cken hervorzauberten. Zun√§chst wurden wir etwas argw√∂hnisch beobachtet, doch die Tschechen fanden sich recht schnell mit den vielen Nackten ab – waren sie doch harmlos.

Jede Pause kennt einmal ihr Ende und so brachen wir nach einigen Minuten wieder auf. Erik, Rainer aus Dortmund, Steffen aus Unna und einige weitere Mitwanderer trauten sich dann doch nicht ins B√∂hmische und sa√üen auf deutscher Seite unweit des Abzweigs. √úber den Langewiesenweg ging es vorbei an so manch „langer Wiese“, bevor wir auf die Stra√üe „An der Kirnitzsch“ trafen. Hier fand sich ein Relikt aus l√§ngst vergangenen Tagen: Ein Trabant P601, gebaut zwischen 1964 und 1990 bei VEB Sachsenring in Zwickau. Nat√ľrlich wollte jeder vor diesem Kultauto Platz nehmen, unsere Freunde aus dem Ausland verstanden die Deutschen hier nicht ganz und erst als wir sie aufkl√§rten, stand Lim aus Singapur schon mit seiner Kamera bereit: „GoPro, take a Photo“, hie√ü es in den vergangenen Tagen bereits einige Male und dies w√ľrde sich auch nicht so schnell √§ndern ūüėā ‚Ķ

Es ging in Richtung Kalkstra√üe – ein Gedenkstein erinnert heute an die von der SS ermordeten Antifaschisten aus dem KZ Schwarzheide.

In Hinterhermsdorf ermordete die SS-Wachmannschaft der Todeskolonne aus dem faschistischen KZ Schwarzheide die Antifaschisten Paul Fischer, Wilhelm Slatin, Herbert Altschul, Friedrich Kaufmann, Erwin Teichner, Kurt Altschul, den Polen Matiesky und einen Franzosen.

In Folge des Waldbrandes an der Bastei vom Montag verf√ľgte die Nationalparkverwaltung ein Betretungsverbot der W√§lder der S√§chsischen Schweiz in der Zeit von 21 bis 6 Uhr. Auch die Waldwege d√ľrfen ganzt√§gig nicht mehr verlassen werden. Uns sollte dies vorerst nicht st√∂ren und so begaben wir uns weiter in Richtung der Niederm√ľhle – ein k√ľhles Bad in der Kirnitzsch stand auf der Tagesordnung ‚Ķ doch dazu musste erst einmal das Ufer von Brennnesseln befreit werden. Rainer und ich gaben unser Bestes: Der eine mit den gro√üen Schuhen, der andere mit dem Multi-Tool ausgestattet. Am Ende entstanden zwei Zug√§nge, die Abk√ľhlung konnte beginnen.

Von der Niederm√ľhle begaben wir uns anschlie√üend wieder hinauf – noch ein Foto von der Gruppe auf Film festgehalten und schon konnte auch der Wanderleiter aufbrechen. Am Wettinweg angekommen, wurde es Zeit, die Route planm√§√üig zu verk√ľrzen, denn Frank wollte seinen Kulturbeitrag in der Kirche zum Besten geben und so ging es √ľber den Rei√üersgrund hinauf zum Taubenstein – der Aussicht statteten wir jedoch keinen Besuch ab. √úber den Taubensteiner Weg und den Lehmh√ľbelweg gelangten wir zu den ersten Ausl√§ufern von Hinterhermsdorf, der ideale Zeitpunkt, um noch ein letztes Gruppenfoto auf digitalem Film festzuhalten ‚Ķ

Nat√ľrlich m√∂chten wir euch einen Ausschnitt aus Franks Darbietung in der Hinterhermsdorfer Kirche nicht vorenthalten – anfangs hatte der Gute, als ehemaliger Orgelbauer, reichlich M√ľhe mit den Problemen der „alten Dame“ zurecht zu kommen, doch einmal eingespielt, wusste er mit der 2012 nur halbherzig renovierten Orgel umzugehen.

Ein lauschiges Pl√§tzchen ‚Ķ

Es ist Halbzeit und zugleich Auftakt, die S√§chsische Schweiz zu verlassen: Bereits im vergangenen Jahr war geplant, eine Wanderung auf den Hochwald bei Oybin im Zittauer Gebirge zu unternehmen, aufgrund des Starkregens und der darauffolgenden Flut im Kirnitzschtal entschieden wir uns jedoch gegen die Wanderung – damals die einzig richtige Entscheidung. Da wir nicht einfach nur diese Wanderung nachholen wollten, entschieden wir uns, die Route erst einmal hinten an zu stellen und auch im n√§chsten Jahr geht es noch nicht auf den Hochwald.

W√§hrend der Erkundungswanderungen im Mai zog es uns ins Zittauer Gebirge und wir unternahmen auch einen Ausflug zur Lausche. Wenn die erste Wanderung in einem neuen Wandergebiet in gro√üer Gruppe stattfindet, schwingt auch immer ein bisschen Aufbruchsstimmung mit: So war es vor zwei Jahren, als wir uns zum ersten Mal durch’s Schwarzbachtal begaben.

Start der Wanderung sollte Waltersdorf bei Gro√üsch√∂nau sein, da wir eine etwas weitere Anfahrt einplanten, folgte der Wanderstart gegen 11 Uhr. Genug Zeit, also um Br√∂tchen zu schmieren und den Rucksack zu packen. Dennoch brachen wir gegen 9:30 Uhr – zur gewohnten Zeit – auf. Am Abend zuvor entschieden wir uns noch f√ľr eine geringf√ľgige √Ąnderung der Route: Wir w√ľrden sie umgekehrt laufen, da manchen der Abstieg zu steil und rutschig gewesen w√§re.

Kleiner Tipp am Rande: Durch die Tschechische Republik zu fahren spart einiges an Zeit.

In Waltersdorf scheinen selten so viele Wanderer auf einmal zu starten und so schaute auch ein Einwohner des D√∂rfchens unweit der deutsch-tschechischen Grenze nicht schlecht, als er die 33 Wanderer durch den Ort ziehen sah. Vorbei am Seniorenstift „Lazarusheim“, gelangten wir zum Sorgeteich ‚Ķ runter mit den Klamotten, es war Clothing Point oder zu deutsch: Zeit die Wanderbekleidung anzulegen. Wir nahmen den kurzen Weg entlang des Teichs und begaben uns in Richtung Hohlweg. Sp√§testens im Verlauf der Wanderung war klar, dass es nicht reicht, einfach nur an einer Erkundungswanderung teilzunehmen, sondern man sollte auch im Besitz des Tracks sein oder einen gutes fotografisches Ged√§chtnis besitzen, denn schon der Abzweig zum Talweg wollte gefunden werden – also wurde die Gruppe zur√ľckgepfiffen, der Wanderleiter bog rechtzeitig ab und pl√∂tzlich waren die Letzten die Ersten ‚Ķ

7,64 km433 m433 m414 m779 m

Wer einmal √Ėsterreich- bzw. NEWT-Feeling erleben m√∂chte, ohne eine weite Anreise in Kauf zu nehmen, f√ľr den eignet sich diese Route: Den ersten Teil des Tages geht es nur rauf, anschlie√üend nur bergab – die Lausche, zugleich h√∂chster Gipfel des Zittauer Gebirges, ist die einzige nennenswerte Erhebung w√§hrend dieser Wanderung. Und so war es auch nicht verwunderlich, dass ( fast ) jeder bei Ankunft am Lauscheborn, knapp drei Kilometer nach Start, etwas geschafft war – Trinkpause, gef√§llig ? Trinkpause. Der Gipfel der Lausche versteckte sich noch zwischen den B√§umen. Kein Wunder, denn die Informationstafel zur Lausche und dem Lauscheborn verriet, dass noch 100 H√∂henmeter zu bew√§ltigen waren – der Anstieg stellte dabei so manchen Pfad in den Schatten, den wir heute schon erklommen. Doch erreichte jeder f√ľr sich in seiner eigenen Geschwindigkeit den Gipfel – Mittagspause und vor allem Zeit die Kameras aus dem Rucksack zu holen ‚Ķ

Und wie zu erwarten: Egal, wo eine Erkundungswanderung stattfindet, sei es im Harz oder im Zittauer Gebirge, das Wetter ist beim ersten Mal immer besser. Und genau deshalb planen wir f√ľr n√§chstes Jahr auch mit einer wetterabh√§ngigen Wanderung zu den S√§chsischen Naturistentagen – je hei√üer, um so eher steigen die Chancen ein neues Wandergebiet zu entdecken. Doch soviel zur Zukunft.

Der Ausblick von der Lausche ist immer ein Highlight, egal ob wolkenverhangen oder mit blauem Himmel – das Gro√ükraftwerk Tur√≥w in Polen erblickten wir selbst aus dieser Entfernung noch gut. Ich erkl√§rte unseren G√§sten, dass Deutschland und die Tschechische Republik seit Jahren hoffen, dass der angegliederte Tagebau, sowie das Kraftwerk geschlossen werden, Grund hierf√ľr sind Sch√§den in der Zittauer Altstadt durch Absinken des Grundwasserspiegels, als auch Umweltsch√§den auf zwei Seiten des Drei-L√§nderecks. Der polnischen Regierung ist die Auflage der Europ√§ischen Union indes egal, die Forderung das Kraftwerk und den Tagebau zu schlie√üen kontert man auf polnischer Seite mit einer Strafzahlung von 500.000 ‚ā¨ t√§glich. Ein Tropfen auf den hei√üen Stein, wenn man bedenkt, dass ein Viertel des polnischen Stroms in diesem Kraftwerk produziert wird.

Irgendwann wurde es dann aber doch an der Zeit wieder aufzubrechen und es ging den Weg zur Lausche hinauf, wie wir ihn gekommen sind. In der Kurve sprach uns pl√∂tzlich eine Frau an und bat, ob sie ein Foto von der Gruppe machen k√∂nne, da ihr dies sonst niemand glauben w√ľrde. Kein Problem und so kamen wir kurz ins Gespr√§ch, bevor es weiter im Abstieg ging. √úbrigens fiel uns schon beim Aufstieg auf, dass die Wichtel verschwunden waren – schade, gaben sie doch zur Erkundung Anlass f√ľr das ein oder andere Sp√§√üchen ‚Ķ

√úber den Weichen Weg – der seinem Namen wirklich alle Ehre macht – ging es vorbei am Lauschegeist, vielleicht findet hier „der Wundervogel auf der Lausche“ seinen Ruheplatz ? Die Geschichte des Adligen, der zum Wundervogel verzaubert wurde, wollen wir euch nat√ľrlich nicht vorenthalten. Das Thema der diesj√§hrigen Naturistentage lautet immerhin: „Geschichten und Mythen im Sandstein“ und wir wurden nicht m√ľde, diese aus den Tiefen mancher Archive zu kramen:

Sein Kopf und Schnabel scheinen von einem L√§mmergeier zu stammen, die gro√üen Fittiche vom Fregattvogel, der Schwanz vom Sekret√§r und der St√§nder vom Storch. Das wundersch√∂ne Gefieder ist von einzigartiger Farbenpracht. Dieses so seltsame anmutende Tier ist nichts anderes als ein mit einem b√∂sen Fluch belegter Prinz aus dem B√∂hmerlande. Der J√ľngling galt wegen seines sch√∂nen Gesichtes und der reizenden Gestalt, der Fertigkeit in allen K√ľnsten und Wissenschaften seiner Zeit, der menschenfreundlichen und wohlt√§tigen Wesensart als das vollkommene Leitbild eines F√ľrsten. Nur ein Laster haftete ihm an, er fr√∂nte etwas zu √ľbereifrig der Jagd.

Es geschah bei einem Streifzug an den Ausl√§ufern der Lausche. Zur Mittagsstunde umkreiste ein majest√§tischer Adler den Berg. Vom Bogen des Prinzen ausgesandt traf ein weit wie niemals zuvor fliegender Pfeil den K√∂nig der L√ľfte und dieser st√ľrzte aus dem Himmel gen Boden. Der ungl√ľckliche Zufall wollte es, dass er in einen damals auf der Lausche befindlichen Garten eines Zauberers fiel. Der in den schwarzen K√ľnsten bewanderte Mann schreckte durch das dabei verursachte Get√∂se aus seinem Mittagsschlaf empor und ward w√ľtend √ľber die Sch√§den an den Str√§uchern und Blumen. Als er den Sch√ľtzen mit seinem Bogen gewahr, griff der Magier zu seinem Zauberstab, ber√ľhrte ihn damit und sprach die Worte: „Sei einer des Geschlechts, wovon du einen get√∂tet, so lange, bis dich ein J√§ger, der seiner Herrschaft nie etwas veruntreut hat, erlegt !“ Der Prinz wartet bis zum heutigen Tag auf seine Erl√∂sung.

Der Weiche Weg kam dabei ganz speziell Barfu√üwanderern entgegen und auch der Naturlehrpfad Waltersdorf, dem sich erstgenannter Weg anschloss, versprach ein Paradies f√ľr Freunde des nackten Lebens vom Kopf bis zum kleinen Zeh. Aber der „K√∂nig“ sollte eine Ansprache an sein Volk halten: Welchen Weg soll das Gefolge nehmen ? Die Himmelsstiege versprach so manche steile Stufe und rutschiges Laub, aber auch einen zus√§tzlichen Aussichtspunkt oder den einfachen Weg, dem Naturlehrpfad weiter folgend. Der K√∂nig staunte nicht schlecht, als sich ein Gro√üteil f√ľr die Himmelsstiege entschied, lockte etwa der „Aussichtspunkt“ ( der Einfachheit halber, erhielt er auch genau diesen Namen auf der Karte ) ?

So teilte sich die Gruppe und wenige Meter weiter unten folgte die Frage, ob dies schon alles gewesen sei und wo denn der herausfordernde Part zu erwarten sei ? Keine Sorge, auch dieses Jahr wird es im Verlauf der S√§chsischen Naturistentage herausfordernder.

An der Kreuzung zum Heideweg trafen beide Gruppen etwa zeitgleich aufeinander. Wir nahmen eben jenem Weg den Hang hinab, bis vor uns die Erhebung des Ottobergs zu sehen war. Hier teilte sich die Gruppe erneut – wenn auch unfreiwillig: Dan, aus den USA lief pl√∂tzlich davon, sp√§ter sagte er, der Berg habe ihn gerufen und er musste einfach dorthin. Dem Ruf des Berges schlossen sich alsbald einige Wanderer an, so dass ein Gruppenfoto auf digitalen Film festgehalten werden konnte ‚Ķ

Allm√§hlich zogen dunkle Wolken auf und wir erreichten kaum die S√§ngerh√∂he, da waren die ersten Spritzer zu sp√ľren – gl√ľcklicherweise blieb es bei einem kleinen Schauer, der binnen 10 bis 15 Minuten an uns vorbei zog. Letztes Highlight der Wanderung sollte der Naturparkgarten in Waltersdorf sein – samt Barfu√üerlebnispfad, der auch von so manchem Wanderer ausprobiert wurde. Vom Parkplatz ging es anschlie√üend ins knapp 10 Minuten entfernte Herrenwalde und dem Restaurant „Zum Wanderfreund“.

Schon zur Erkundungswanderung suchten wir nach einer Gaststube, die auch vor einer gro√üen Gruppe nicht zur√ľckschrecken w√ľrden. Damals wussten wir noch nicht, ob Andreas und Heike Horn zu zweit solch eine Gruppe stemmen k√∂nnten, wir stellten nur recht schnell fest, dass wir hier sehr gut aufgehoben waren. Die Horns hatten Erfahrungen mit Wandergruppen, zum einen durch die eigene Gruppe, als auch vielen anderen, die hier einkehren. Wir hoffen, dass wir n√§chstes Jahr den Wanderfreund wieder besuchen k√∂nnen und w√ľnschen Andreas und Heike alles Gute und hoffen, dass beide weiterhin gesund und munter bleiben, denn dieses kleine Restaurant, unweit der deutsch-tschechischen Grenze, z√§hlte f√ľr viele unserer Wanderer zu einem absoluten Highlight w√§hrend der diesj√§hrigen Ausgabe der S√§chsischen Naturistentage ūüėÉ.

Bruder Lindigt‚Äôs Horn ‚Ķ

Tage wie diese, m√∂chte man am liebsten ungeschehen machen – doch wie ? In den letzten Tagen ( dieser Wanderberichts entsteht etwas zeitversetzt ), kamen immer wieder Ideen, wie solche Katastrophen zu verhindern w√§ren: Waldf√ľhrerschein, mehr Personal f√ľr die Nationalparkverwaltungen auf beiden Seiten oder auch ein effizientes System aus Teichen, Zisternen und Feuerwacht√ľrmen in den Nationalparks. Fest stand nur, dass sich etwas √§ndern muss, denn Waldbr√§nde, wie wir sie in den kommenden Tagen erleben w√ľrden, schaden nicht nur der einzigartigen Vegetation aus Wei√ütannen, dem gelben Veilchen und anderen seltenen Pflanzenarten, sondern auch der Tierwelt, wie den Schwarzst√∂rchen oder Luchsen – ganz zu schweigen vom Tourismus. In den letzten Tagen haben wir hier zahlreiche neue Freundschaften geschlossen.

Doch kommen wir zun√§chst einmal zum Start unserer Wanderung: Der Parkplatz unterhalb der Aussicht von Sturmbauer’s Eck sollte den Beginn unserer Wanderung markieren – Jessy und ihren Freund trafen wir leider nicht an, so dass wir eben in gem√ľtlicher Runde verblieben ( dennoch hoffe ich noch einmal von ihr zu h√∂ren ). Mit 32 Teilnehmern ging es f√ľr wenige hundert Meter die Kirnitzschtalstra√üe entlang – ein kurzes St√ľck zugleich Teil des Malerwegs – bevor wir in den einstigen Wald abbogen. Noch im Herbst 2019 fand sich hier ein stattlicher Fichtenwald, doch der Borkenk√§fer hatte leichtes Spiel mit den ausgetrockneten Nadelgeh√∂lzen, so dass man sich beim Sachsenforst gezwungen sah, Anfang des Jahres 2020 die befallenen Fichten vorsorglich zu f√§llen. Gern h√§tten wir uns solch Initiative auch an anderen Stellen gew√ľnscht, so beispielsweise an der Zeughausstra√üe, welche seit den gut zwei Jahren gesperrt ist – wie teuer dieses Vers√§umnis seitens der Stadt Sebnitz werden w√ľrde, stellten wir tags darauf fest.

Wir verlie√üen den Nationalpark S√§chsische Schweiz f√ľr wenige Meter, um ihn wieder in den M√ľhlschl√ľchten zu betreten. Der Anstieg hatte es in sich und so waren wir alle froh, als wir oben ankamen. Petra, Erik und Hans Peter bildeten das Schlusslicht, Peter indes fand sich mitten in der Gruppe wieder, so dass diesmal Petra entscheiden durfte, wann es weitergeht. Als nicht ganz so trainierte Wanderin, wollte ich ihr den Vorzug lassen – Sorry, Hans Peter ūüėČ.

Vorbei am Kleinen Pohlshorn, einer Aussicht, die in den vergangenen Jahren mehr und mehr zuwuchs, n√§herten wir uns dem Gro√üen Pohlshorn – Martin aus Ulm begann derweil etwas zu schw√§cheln. Woran dies lag ? Wir wissen es nicht, COVID schlossen wir aus und ein Test am sp√§teren Abend fiel negativ aus. Rainer, unser Koch, vermutete recht schnell, dass es sich wohl um eine Mischung aus √úberanstrengung, zu vielen kalten Getr√§nken und der reichlichen Sonne handelte. Auf dem Gro√üen Pohlshorn angekommen, entdeckten wir pl√∂tzlich oberhalb des Gro√üen Winterbergs Rauchschwaden. Nach kurzer R√ľcksprache mit Marko, der uns erneut begleitete, entschied ich den Notruf zu w√§hlen, dort versicherte man uns, dass der Waldbrand auf b√∂hmischer Seite l√§ge und bereits bekannt sei – die dramatischen Bilder der n√§chsten Tage w√ľrden in den K√∂pfen unserer Wanderfreunde aus nah und fern h√§ngenbleiben. Erinnerungen an den gro√üen Waldbrand in der S√§chsisch-B√∂hmischen Schweiz im Jahre 1842 wurden wach ‚Ķ

√úber den Dreisteigensteig ging es hinab, doch schon nach den ersten Metern, demonstrierte uns unser Freund aus Ulm einen klassischen Wasserspeier – wir empfanden es von diesem Moment an als besser, wenn er lieber nicht weiter mitlaufen w√ľrde, doch er entschied sich gegen unseren Rat – ein Fehler. Aber wir k√∂nnen euch beruhigen: Martin ist wieder auf der H√∂he, nach zwei Tagen ging es ihm und auch einigen anderen, die √ľber √§hnliche Symptome in Th√ľringen klagten, wieder besser. Somit fiel das Bad in der Kirnitzsch zu F√ľ√üen der Dreisteigenbr√ľcke aus – kein Problem, denn in gut 2,1 Kilometern w√ľrden wir die Niedere Schleuse erreichen. Auf unserem Weg dahin bot sich noch eine andere Badestelle – zur Erkundungswanderung kein Problem, doch f√ľr einige Wanderer stellte der Abstieg zu eben jener eine Herausforderung dar. Somit blieb die Badestelle an der Niederen Schleuse in den Fluten der Kirnitzsch – eine gro√üartige Idee und wir legten eine gut halbst√ľndige Pause ein. Badem√∂glichkeiten gab es mehr als genug, ebenso wie schattige oder sonnige Pl√§tzchen. Einige mutige Wanderer stellten sich den Wassermassen in den Weg – keine leichte Aufgabe ‚Ķ

Am n√§chsten Morgen erfuhren wir von unserer Vermieterin, Bea, dass uns ihr Mann Mich√©le beim Bad in der Kirnitzsch sah, unseren Wanderstil kannten die Beiden bereits zuvor ūüėÉ.

Wir folgten der Kirnitzschtalstra√üe weiter bis zum Abzweig ins Lindigtgr√ľndel, erneut sollte es einige H√∂henmeter zu bew√§ltigen geben. Die Lindigth√∂hle, lie√üen wir indes links liegen und begaben uns stattdessen ( und in Anbetracht der Temperaturen ) √ľber die Lindigtstra√üe hinauf zum Lindigtblick. Die Aussicht liegt etwas versteckt im Wald, ist dennoch ausgeschildert und bietet einen Blick auf den Raumberg, sowie einige Gipfel in Tschechien. Willkommene Abwechslung nach dem gestrigen Tag, als wir zus√§tzlich noch einen Blick auf Polen werfen konnten und daf√ľr die Gipfel im B√∂hmischen verborgen blieben. Vom Lindigtblick sollte es nur ein Steinwurf zu den Br√ľdersteinen sein. Daher auch der Name dieser Wanderung: „Bruder Lindigt’s Horn„, vereint die drei Wanderziele Br√ľdersteine, Lindigtblick und ( Gro√ües ) Pohlshorn miteinander.

Nicht jeder unserer Wanderfreunde nahm die kurze „Kletterpassage“ zu den Br√ľdersteinen in Kauf – streng genommen musste auch hier eher der Kopf eingezogen werden und zur Linken ging es ca. einen Meter hinab. Gesichert wurde hier dennoch mit einem eisernen Handlauf am Sandstein – ben√∂tigt wurde dieser vom Gro√üteil der Gruppe jedoch nicht. Ein Vorzeichen f√ľr das, was zur morgigen Schrammsteintour folgen w√ľrde. Nat√ľrlich entstanden hier einige Fotos und das Beste von Milton aus den USA wollen wir euch nat√ľrlich nicht vorenthalten ‚Ķ

Sch√∂n war’s und dennoch wurde es nach einigen Minuten Zeit, den Br√ľdersteinen Lebewohl zu sagen, denn es lagen noch gut 4,5 Kilometer vor uns und bis zur Einkehr in der Kr√§uterbaude bei Hinterhermsdorf ( oder Saupsdorf ) waren weniger als zweieinhalb Stunden Zeit. Zu sp√§t kommen wollte ich auf keinen Fall und so wurde das Tempo beim Abstieg durch den Pa√ügrund etwas angezogen – kein Problem, denn Rainer aus Dortmund gab ich bereits beim Abstieg vom Lindigtblick die Empfehlung, lieber Schuhe anzuziehen. Das Ende vom Pa√ügrund erreicht und es fehlten Erik, Martin, Petra und Rainer. Sollten sie den Weg √ľber den H√∂lzigweg genommen haben ? Dieser war in der Tat recht „h√∂lzig, wie wir zur Erkundungswanderung im letzten Herbst feststellen durften, so dass der Pa√ügrund die einzige sinnvolle Option als Abstieg verblieb. Erkundet hatten wir diesen ‚Ķ zur SNT, also mal gerade eben so nebenbei ūüėĄ.

Doch wo waren nun die verbliebenen Wanderer ? Ich rannte den Pa√ügrund wieder hinauf, rief nach Erik und niemand antwortete. Auch ein Telefonat brachte keine L√∂sung – erst als auffiel, dass auch Ruby aus der Schweiz fehlte, kontaktierte ich ihn und es stellte sich heraus, dass ein Teil der Gruppe direkt von den Br√ľdersteinen weiter in Richtung der Kreuzung Kirnitzschtalstra√üe / Dorfbachweg lief. Also begaben wir uns zu eben jener Kreuzung und fanden Martin im Schatten liegend vor. Er f√ľhlte sich nicht mehr in der Lage, den letzten Aufstieg zu bew√§ltigen und gestand ein, dass es ein Fehler war, sich der Runde zu den Br√ľdersteinen anzuschlie√üen. Ruby indes bot an, ihn zur n√§chsten Bushaltestelle am Thorwald zu geleiten. Wie gut, dass an den Wegweisern in der S√§chsischen Schweiz √ľberall Notrufnummern h√§ngen und so teilte ich Ruby die Nummer mit, falls Martin nicht mehr in der Lage sei, den Weg in Richtung Bushaltestelle, in gut drei Kilometern Entfernung, zu meistern.

F√ľr den Rest der Gruppe ging es √ľber den Dorfbachweg zum Niederen Hirschwaldweg – es ging ein letztes Mal gut 125 H√∂henmeter in knapp zwei Kilometern hinauf. Die namenlose Spitze verlangte uns nochmal so einiges ab, doch wir hielten durch. Rainer aus Dortmund, sowie einige weitere Wanderer waren bereits auf und davon – zum Erstaunen der restlichen Gruppe und so machte ich den Scherz, dass zwischen dem Westfalen-Rainer und dem Sachsen-und-Th√ľringen-Rainer etwa 10 km/h liegen. Die Schuhe machen eben den Unterschied, erst sp√§ter in Th√ľringen kam heraus, dass Rainer auch in Westfalen keine Schuhe tr√§gt, dennoch war er diesmal auf und davon.

Das letzte St√ľck der Wanderung verlief recht ereignislos: Nur an einer Stelle lernte ich, was ein ber√§umter Weg beim Sachsenforst bedeutet, denn die Brandheideschl√ľchte galten vor einigen Wochen noch als gesperrt, pl√∂tzlich war der Weg wieder freigegeben und ich dachte mir: „Cool, also k√∂nnen wir ihn zur SNT einplanen“. Schon im oberen Verlauf stellten wir allerdings fest, dass so mancher Baum immer noch im Weg lag – f√ľr einen ge√ľbten Wanderer kein Problem, doch lie√ü die Qualit√§t des Weges sehr zu w√ľnschen √ľbrig. Grund genug, die Liste gesperrter Wege, um eigene Begehungen zu erg√§nzen. Der letzte Schritt in Richtung Parkplatz musste wohl √ľberlegt sein, denn der Saupsdorfer Bach wollte √ľberquert werden. Die einfachste L√∂sung war sicherlich: Schuhe aus, und ab ins k√ľhle Nass.

Von „Schrammen“ und „Falken“ ‚Ķ

Dass es im Nationalpark immer was zu tun gibt, wissen wir schon seit l√§ngerer Zeit. Sei es nun Instandhaltung der Wanderwege, wie am Wildsch√ľtzensteig und der Schrammsteinaussicht oder der Ber√§umung von Totholz, welches durch die Trockenheit und den Borkenk√§fer entstand. Gl√ľcklicherweise wurden die Jungs und M√§dels von der Nationalparkverwaltung rechtzeitig fertig, so dass einem Besuch der Schrammsteine und des Falkensteins auch dieses Jahr nichts im Wege stand – die Herren und Damen vom Sachsenforst unterdes waren nicht in der Lage die Sperrung des Parkplatzes im Zahnsgrund zu kommunizieren. Steffen aus Unna entschied sich bereits im Vorfeld die n√§heren Parkpl√§tze der Umgebung abzufahren und informierte uns, dass der Parkplatz im Zahnsgrund von reichlich Baumst√§mmen blockiert wird – wir hofften auf Besserung bis zur Wanderung ‚Ķ und wurden entt√§uscht.

Doch wir planten etwas um und die Wanderung startete einfach am Parkplatz vor Ostrau. Parkgeb√ľhren von 5 ‚ā¨ bzw. wer clever parkt 4 ‚ā¨, st√∂rten die Wenigsten unserer Teilnehmer und so konnte es nach kurzem Durchz√§hlen und einer letzten Umfrage zur Wahl des Abendbrots los gehen ‚Ķ

Der Weg war bekannt: √úber den Kl√ľftelweg und das Kl√ľftel die Stufen hinab in den Zahnsgrund und anschlie√üend den Lattengrund hinauf. Da infolge des Waldbrandes an der Bastei inzwischen ein n√§chtliches Betretungsverbot von 21 bis 6 Uhr galt, sollte es uns nicht wundern, auf Wanderer zu treffen, die sich den Anordnungen der Nationalparkverwaltung widersetzten. So trafen wir nach kurzer Zeit auf einen Wanderer, der mit uns anfing zu diskutieren, dass er ja im Wald schlafen k√∂nne, da er „kein Feuer“ machen w√ľrde. Ich informierte ihn, dass das Betretungsverbot f√ľr alle Wanderer und Kletterer gilt, woraufhin er zu argumentieren begann, dass es ja nicht eindeutig sei, dass er √ľbernachtet habe – die Anzeichen ( Isomatte, Schlafsack, W√§sche zum Trocknen auf den √Ąsten ) sprachen jedoch eine andere Sprache und darauf angesprochen lenkte er schlie√ülich ein.

√úbrigens k√∂nnen hier auch hohe Strafen drohen, wenn man sich diesen Anordnungen widersetzt – seine Argumentation h√§tte in Gegenwart eines Rangers zu keiner Strafminderung gef√ľhrt.

Es ging den Lattengrund weiter hinauf – nat√ľrlich konnte sich Andi aus dem Norden so manchen Spa√ü nicht verkneifen und schwups war der Baum umgest√ľrzt. Auch aus diesem Grund sollte das Totholz aus dem Wald – um die Preu√üen daran zu hindern noch mehr Schaden anzurichten. Aber wir haben es ja schon immer gesagt: Der Preu√üe ist im Prinzip ein umg√§nglicher Typ ‚Ķ vorausgesetzt er stammt aus Sachsen ūüėā ‚Ķ

Den schwierigsten Teil des Lattengrunds hinter uns liegend, wurde es Zeit, f√ľr eine kurze Verschnaufpause. Etwas abseits des Weges konnten wir einen ersten Blick auf den Falkenstein und die Torsteine erhaschen und es sollte nicht lang dauern, bis wir zumindest Letztere auch ber√ľhren durften. Am Obrigensteig trafen wir auf eine √§u√üerst attraktive Wanderin aus Litauen – sie sprach Deutsch, da sie in Berlin studiert und kamen kurz ins Gespr√§ch. Wir boten ihr an, uns ein St√ľck zu begleiten, doch sie lehnte ( leider ) ab, denn sie m√ľsse heute wieder zur√ľck nach Berlin ( Andi war nat√ľrlich etwas traurig, ob ihrer Entscheidung ). Dennoch warfen wir uns noch einige Blicke zu, als sich unsere Wege trennten.

„Trennung“ ist ein gutes Stichwort, denn am Schrammtor wurde es Zeit, die Gruppe zu teilen: F√ľr einen Teil ging es √ľber den Schrammsteinweg zum Wildsch√ľtzensteig, w√§hrend sich die Mehrheit der Gruppe f√ľr den Kletterzugangsweg am „Mittleren Schrammtor“ entschied. Bevor es zur Trennung kommt, wollen wir aber noch schnell ein Gruppenfoto auf digitalen Film festhalten, denn wer wei√ü, ob jeder den Aufstieg bew√§ltigt ?

Nat√ľrlich stellte der Pfad unterhalb des Klettergipfels „Drei-Finger-Turm“ kein Hindernis dar und es fand sich sogar ein alternativer Aufstieg im Verlauf des Weges, der die Sache etwas vereinfachte. Oben angekommen wurde es nicht nur Zeit f√ľr ein Foto, sondern es war auch ein Moment, um kurz innezuhalten, denn der Waldbrand nahe HŇôensko schien sich auszubreiten. Zu diesem Zeitpunkt kannten wir das Ausma√ü noch nicht und so setzten wir unsere Wanderung zun√§chst relativ unbeschwert fort.

Wieder vereint zu F√ľ√üen des Wildsch√ľtzensteiges, ging es unterhalb des Wildsch√ľtzenkopfes – ein Klettergipfel und Nachbar der Wildsch√ľtzennadel – am Stein hinauf. Es wollten viele Stufen, Leitern und Treppen √ľberwunden werden: Rund 60 H√∂henmeter auf knapp 180 Metern verlangten so manchem Wanderteilnehmer einiges ab, doch jeder bew√§ltigte den Aufstieg und zur Belohnung gab es eine erneute Verschnaufpause am Ende der Steiganlage. Auch hier wurden wir nicht m√ľde, Wanderer darauf hinzuweisen, dass dieser nur im Aufstieg zu begehen ist – nur offenbar ist in unserem Land niemand in der Lage Schilder zu lesen oder diesen wenigstens Beachtung zu schenken. Wir empfinden diese Entwicklung allm√§hlich als traurig, denn wieviel M√ľll, zerbrochene Scherben und sonstigen Unrat durften wir in den letzten Jahren aus dem Wald tragen ? Die Anzahl an Atemschutzmasken, die im Wald herumliegen werden auch immer mehr – dabei informiert der Nationalpark, wie lang es dauert, bis eine Maske vollst√§ndig verrottet ist ‚Ķ

Wir hoffen auf Besserung und weniger r√ľcksichtsloses Verhalten so mancher „Wanderer“.

So langsam wird es an der Zeit, dass wir uns dem Highlight unserer Wanderung n√§hern: Den Schrammsteinen. Standen wir doch schon direkt am Fu√üe der ber√ľhmten Aussicht, entschieden wir uns erneut f√ľr eine Teilung der Gruppe. Zur Aussicht ging es als einfache Variante, doch wer es nochmal wissen wollte, folgte mir zum Fr√ľhst√ľcksplatz – erneut die Majorit√§t unserer Wandergruppe. Den ersten Abstieg unterhalb des Schrammsteinw√§chters gemeistert, verschlug es dem ein oder anderen Teilnehmer dann doch die Sprache beim Anblick der Kletterpassage unterhalb des Onkels: F√ľnf Meter hinab, dann drei Meter r√ľber und wieder f√ľnf Meter hinauf – das ist sie eben, die Geologie der S√§chsisch-B√∂hmischen Schweiz. Sprachlos, aber ohne, dass jemand umkehren musste, bew√§ltigten wir den Pfad.

Bei Ankunft auf der anderen Seite erblickten wir das gesamte Ausma√ü der Br√§nde in der B√∂hmischen Schweiz: Das Tal entlang der Kamnitz war in Tiefe Rauchschwaden geh√ľllt – keine sechs Kilometer Luftlinie von uns entfernt. Wie wir erst sp√§ter erfuhren, wurde der Waldbrand zu diesem Zeitpunkt nicht gel√∂scht – Grund waren die starken Winde, welche die Flammen zus√§tzlich anfachten. Aus einem mittleren Waldbrand wurde so ein Fl√§chenbrand, der binnen eines Tages auf eine Fl√§che von bis zu 1.000 Hektar wuchs, dies entspricht einem Achtel des Nationalparks B√∂hmische Schweiz. Zum Vergleich: Der bisher gr√∂√üte Waldbrand in der j√ľngeren Vergangenheit breitete sich auf einer Fl√§che von maximal 16 Hektar aus. Es war klar, dass die Wanderungen allm√§hlich nebens√§chlich wurden, hier stand unsere Heimat auf dem Spiel ūüėĖ. Auch wenn ich die darauffolgenden ersten Tr√§nen gut verbergen konnte, wurde es doch etwas still ‚Ķ

Die Kletterpassage unterhalb der Tante stellte uns vor keine nennenswerten Herausforderungen, so dass wir recht schnell am Fr√ľhst√ľcksplatz ankamen. Es wurde Zeit f√ľr unsere Mittagspause – immerhin war es schon 13 Uhr.

Nachdem jeder sein Foto zur Erinnerung im Kasten hatte, wurde es Zeit aufzubrechen und wir folgten dem Weg, wie wir ihn gekommen waren – die Kletterpassage an der Tante erwies sich als ein wenig schwieriger, doch jeder kannte das Drei-Punkt-System, welches am Abend zuvor noch kurz erkl√§rt wurde:

  • nur eine Hand oder Fu√ü wird zum Weitergreifen oder -steigen bewegt
  • beim Weitergreifen der einen Hand h√§lt andere Hand einen Griff und beide F√ľ√üe stehen auf Tritten
  • beim Weitersteigen steht der andere Fu√ü auf einem Tritt und beide H√§nde halten sich an Griffen
  • durch konstanten Felskontakt an drei Haltepunkten ist Kontrolle des Schwerpunktes deutlich einfacher

Die ber√ľhmte Aussicht auf den Schrammsteinen durfte nat√ľrlich nicht ausgelassen werden – speziell f√ľr unsere Freunde aus Gro√übritannien, Irland, den Niederlanden, Singapur und den USA. Doch auch die vielen deutschen Teilnehmer waren beeindruckt von der Kulisse, die sich hier bot: Egal, ob Torsteine, Papststein, Pfaffenstein, K√∂nigstein, Lilienstein oder Falkenstein, alle konnte man sie von hier aus erblicken. Und wenn der Blick in Richtung Osten ging, waren sogar noch die Zschirnsteine, Kaiserkrone und Zirkelstein, als auch – in weiter Ferne – der Fernsehturm von Ust√≠ zu erkennen ‚Ķ

Allm√§hlich gingen jedoch nicht nur bei mir die Wasserreserven zur Neige und es lagen noch reichliche sieben Kilometer vor uns. Am Gratweg angelangt, entschied ich mich f√ľr eine unfreiwillige Pause: Der Kopf gegen den Stein gelehnt und es wurde versucht die letzten Kr√§fte zu mobilisieren. Gl√ľcklicherweise dauerte der Abstieg √ľber den Gratweg etwas, so dass ich einige Minuten Pause genie√üen konnte. Ich schloss mich Rainer aus Dortmund an, um ihm beim nachfolgenden Aufstieg behilflich sein zu k√∂nnen – vergeblich, denn Rainer bew√§ltigte den Teil des Weges spielend.

Der Gratweg ging in den Schrammsteingratweg √ľber so n√§herten wir uns unaufh√∂rlich der Breiten-Kluft-Aussicht. Von hier ging es nach kurzem Stop vorbei am Eingang zum Schwarzen Loch, entlang des Schrammsteinweges in Richtung der Lehne, einem mit Sandsteinen gepflasterten Weg, der jedoch schon bessere Zeiten erlebte, denn im weiteren Verlauf wurde es steinig, so dass sich jeder Barfu√üwanderer entschloss die Schuhe aus dem Rucksack hervorzuholen. An der Kreuzung zum Zeughausweg wurde es dann doch Zeit, die Wanderung zu verk√ľrzen: Im Verlauf des Gratweges half mir bereits Erik’s Freundin Petra mit einer Flasche Wasser aus, die am Ende der Lehne jedoch auch schon wieder so gut wie leer war.

Wir entschieden uns, den Abstecher zum Falkenstein auszulassen und so an der Wildwiese vorbei in Richtung Falkensteinh√ľtten zu laufen. Im Verlauf des Zeughausweges, entlang der Wildwiese warf ich nochmal einen Blick zur√ľck ‚Ķ

‚Ķ und es verschlug mir die Sprache, beim Anblick ūüė≠.

Der Umgang mit offenem Feuer im Wald ist unabh√§ngig von den ausgegebenen Waldbrandgefahrenstufen ganzj√§hrig verboten. Damit sind das Rauchen, das Grillen, das Z√ľnden von Lagerfeuern oder die Inbetriebnahme von Himmelslaternen generell untersagt. Grundlage daf√ľr ist das Waldgesetz f√ľr den Freistaat Sachsen ( ¬ß 15 S√§chsWaldG ). Zuwiderhandlungen stellen Ordnungswidrigkeiten dar und werden mit Bu√ügeldern durch die unteren Forstbeh√∂rden der Landkreise und Kreisfreien St√§dte geahndet.

Zus√§tzlich verursachen Waldbr√§nde hohe Kosten bei Gemeinden und dem Land Sachsen, so rechnete die 50.000 Einwohner z√§hlende Stadt Lohmen nach dem Waldbrand in der N√§he des Hirschgrundes im Jahre 2018 mit zus√§tzlichen Kosten von bis zu 100.000 ‚ā¨ – der aktuelle Einsatz bel√§uft sich mit Sicherheit auf einen zweistelligen Millionenbetrag.

Wer vors√§tzlich oder fahrl√§ssig im Wald oder in einem Abstand von weniger als 100 Meter von einem Wald entgegen ¬ß 15 Absatz 35 S√§chsWaldG im Wald raucht, hat mit einem Verwarnungsgeld von 60 bis 1.000 ‚ā¨, sowie einem Bu√ügeld von bis zu 2.500 ‚ā¨ und in besonders schweren F√§llen von bis zu 10.000 ‚ā¨ zu rechnen.

Eigentlich h√§tten wir den Bauweg und Steinbrecherweg nehmen m√ľssen, doch eine kleine Unachtsamkeit f√ľhrte dazu, dass wir uns auf dem Wenzelweg wiederfanden und so die Falkensteinstra√üe hinauf mussten. Die letzten H√∂henmeter des Tages ‚Ķ und den Autofahrern schenkten wir so auch noch ein paar goldene Momente.

Bei Ankunft in der Neumannm√ľhle war das Drama schlie√ülich perfekt: Waldbr√§nde kennen keine Landesgrenzen und so wurden die ersten Feuer nun auch schon am Kleinen Winterberg, dem Winterstein und im Gro√üen Zschand gemeldet. Speziell der Bereich um die Partschenh√∂rner und den B√§rfangw√§nden bereitete den Feuerwehren vor Ort Kopfschmerzen, denn hier ist erneut das Versagen der Stadt Sebnitz zu erw√§hnen: Die Sperrung der Zeughausstra√üe ging im Juni in die f√ľnfte Verl√§ngerung, getan hat sich hier nichts. Nun durfte die Feuerwehr aus Ottendorf die Stra√üe ber√§umen. Wir selbst sind Anfang Juli durch diesen Bereich gelaufen und waren verbl√ľfft, wo hier die Schwierigkeiten f√ľr die Stadtverwaltung liegen. Nun, im Katastrophenfall – der wenige Tage sp√§ter f√ľr die Region verh√§ngt wurde – oblag es der Feuerwehr, das Vers√§umnis der Stadt Sebnitz zu beheben. Dass dies zugleich ein Rettungsweg f√ľr die Bergwacht ist, k√ľmmerte im Rathaus offenbar niemanden – die Zufahrt zum Zeughaus ist ja noch √ľber die Felsenm√ľhle m√∂glich. Im Notfall entscheiden jedoch Minuten √ľber Leben und Tod, √ľber Katastrophe und letzte Rettung.

H√∂hlenerkundung am Pfaffenstein ‚Ķ

Es wird d√ľster, staubig und dunkel. Wir wollen uns nicht nur den romantischen Geschichten und den vertr√§umten Mythen widmen, sondern auch in die Vergangenheit abtauchen. Als die S√§chsische Schweiz Dreh- und Angelpunkt so mancher Zeit wurde, an die sich heute nur noch die √§lteren Generationen erinnern. Ziel wird hierzu der Pfaffenstein sein: Er wird auch als die „S√§chsische Schweiz im Kleinen“ bezeichnet. Hier wurde eine Jungfer von ihrer Mutter zu Stein verw√ľnscht und der Bergsch√ľtzenbund „Falken“ fand hier einen Ort f√ľr Sonnenwendfeiern und Vereinsabende, nutzte ihn aber auch als Trainingsgel√§nde.

So viel Geschichte auf einmal, wo soll man da nur anfangen ? Vielleicht auf dem Parkplatz, dem Start jeder Wanderung: Diesmal sollte es Pfaffendorf werden, direkt am Fu√üe unseres Wanderziels, doch mit dem Pfaffenstein wollten wir es nicht belassen und entschieden uns noch f√ľr einen Aufstieg zum Quirl. Der ber√ľchtigte Kanonenweg w√ľrde uns hier zum Gipfel f√ľhren, den Napoleon einst anlegen lie√ü, um von hier aus die Festung K√∂nigstein zu beschie√üen – vergeblich. Das Wetter versprach schon am Parkplatz etwas wolkig zu werden – wie √ľblich, wenn es auf den Pfaffenstein geht oder waren die Wolken Vorbote einer Nachricht, die sich im Verlauf der Wanderung noch ank√ľndigen w√ľrde ?

Am Parkplatz erblickten wir ein selten gewordenes Gesicht: Wolfgang. Bereits einige Tage zuvor erhielt ich eine Mail von ihm, die mich und auch Erik sehr stolz machte, denn auch wenn viele Dinge in der Vorbereitung unserer Naturistentage aus meiner Feder stammen, so sind es doch die kleinen Ideen, Anmerkungen und Tipps von Erik und Rainer, welche oft aus schwierigen Situationen halfen. Nat√ľrlich w√§re ohne die Beiden die Durchf√ľhrung der S√§chsischen Naturistentage nicht m√∂glich, so dass ihr euch hier genauso angesprochen f√ľhlen d√ľrft:

Es ist toll welche Energie und Arbeit du in die Webseite, der Vorbereitung der Wanderwoche und deren Durchf√ľhrung steckst. So bleibt unser Freundeskreis auch in Zukunft erhalten.

Schon wieder drei Abs√§tze nur geschw√§tzt und nix passiert ūüėā. Bereits wenige hundert Meter nach Start der Wanderung wurde es Zeit, die Gruppe zu teilen – das erste und auch garantiert nicht das letzte Mal, w√§hrend dieser Tour. Und es gab auch am Ende des Feldes einen Wechsel: Es gen√ľgte ein kurzes „Ich mach den Letzten“ von Wolfgang’s Seite und schon waren Erik und Hans Peter entlassen – die Beiden hat’s gefreut, konnten sie doch mal entspannt mit den Leuten quatschen. Direkt am Fu√ü des Pfaffensteins gab es zwei M√∂glichkeiten, wie wir aufsteigen w√ľrden: Durch das Nadel√∂hr – hier wird es, wie der Name sagt, eng – oder √ľber die Nasse Schlucht – auch hier versprach der Name Tatsachen. Erneut entschied sich der Gro√üteil der Gruppe f√ľr die Variante durch die Nasse Schlucht. Wirklich herausfordernd war der Aufstieg nicht, denn so musste lediglich eine Mauer erklommen und eine Sandsteinwand empor geklettert werden – nat√ľrlich gab es bei Letzterer wieder die so schon liebgewonnenen Griffe im Sandstein und es fanden sich auch einige wenige Eisenklammern. Die Nasse Schlucht wurde 2015 wieder erschlossen – dementsprechend neu sind auch die eisernen Tritte und Griffe.

Oben angekommen, ging es auch sogleich zur ersten Aussicht, der Albrechtsburg. Wir weilten nur kurz hier, denn Treffpunkt mit der Gruppe, die √ľber das Nadel√∂hr den Weg zum Gipfel fand, sollte der Bundesfels sein. Zu unserem Erstaunen, waren sie bereits vor Ort und suchten einen Weg zur Aussicht – nicht ganz einfach, doch die schmale Gasse zwischen den Sandsteinbl√∂cken half so manchem Wanderer ‚Ķ

Nat√ľrlich suchten Steffen aus Greiz und ich M√∂glichkeiten, noch n√§her an den Bundesfels zu kommen, aber bereits kurze Zeit sp√§ter mussten wir feststellen, dass zwar der n√§chste „Gipfel“ zu erreichen ist, doch dar√ľber hinauf ging es nur noch abw√§rts. Der Bundesfels ist √ľbrigens leicht zu erkennen an der kleinen Mauerung, in der das Sonnenwendfeuer des Bergsch√ľtzenbundes „Falken“ abgebrannt wurde. Von hier ging es mit der ganzen Gruppe nach kurzer Pause zur Albrechtsburg – die Sicht in etwa √§hnlich: Blick auf den Lilienstein, den K√∂nigstein und das verschlafene D√∂rfchen Pfaffendorf unterhalb des m√§chtigen Pfaffensteins. Ein Teil der Gruppe folgte mir in Richtung der Goldschmidth√∂hle, benannt nach dem in der Nacht zum 27. September 1854 aus dem Gerichtsgef√§ngnis in K√∂nigstein entflohenen Lithograph und F√§lscher Friedrich Eduard Goldschmidt, welcher in der H√∂hle falsche anhalt-dessauische F√ľnfguldenscheine herstellte. Sowohl die Goldschmidth√∂hle, als auch das Schneiderloch wurden begutachtet, nur entschied sich niemand von uns, dem engen Pfad durch das Schneiderloch zu folgen – ein junger Wanderer warnte uns, dass es etwas staubig sei und so ging es binnen weniger Minuten zur√ľck. Vorteilhaft, der Letzte zu sein: Es konnte noch ein Blick auf einen alten Weg abseits des Pfades geworfen werden.

√úberhaupt sollten wir uns w√§hrend dieser Wanderung auf schmalen Pfaden bewegen, manche teils so zugewachsen und versteckt, dass sie nur schwer zu finden waren. So erging es uns auch auf dem Weg zur Annenbank und dem Rittersitz: Ein Blick √ľber den Wegesrand, das R√§tselraten begann und ehe wir uns versahen, waren wir schon an der Annenbank. Entgegenkommende Wanderer erm√∂glichten leider keinen genaueren Blick auf jene Bank und so nahmen Andi und ich auf dem Rittersitz Platz, der ein wenig an die Br√ľcke der alten Enterprise erinnert – ja, wir reden von Star Trek und Captain Kirk’s Abenteuern. Am Opferkessel bzw. Teufelskessel entschieden wir uns eine Pause einzulegen – es ward Mittag.

Zur√ľck ging es den Weg, wie wir ihn kamen – diesmal konnte auch die Annenbank von so manchem Wanderer auf digitalen Film festgehalten werden. Da wir uns unweit der Berggastst√§tte „Pfaffenstein“ befanden, wollte ich in geschlossener Gruppe das Restaurant und den angegliedertem Biergarten passieren. Wir wurden freundlich gegr√ľ√üt und w√ľnschten Guten Appetit. Es wird noch einmal eng, denn um zur S√ľdaussicht zu gelangen, f√ľhrte unser Weg durch die Hohle Gasse, √ľber eine Stufenleiter ging es wieder zur√ľck ans Tageslicht und wir gelangten zum Marienblick an der „Wei√üen Wand“ ‚Ķ

Diese entstand im Jahr 1838, als an der Ostseite eine gr√∂√üere Felswand abbrach. Heute tr√§gt der Gr√∂√üte von mehreren Bruchst√ľcken den Namen „Klamotte“, geklettert wird hier √ľbrigens bis in den Schwierigkeitsgrad XIIb √ľber die Route „Fly and Smile“ – schwieriger geht es derzeit im Sandstein nicht. Die weithin sichtbare Abbruchwand wird aufgrund der wenig verwitterten hellen Oberfl√§che „Wei√üe Wand“ genannt. So viel zu einem weiteren Hobby, doch wir wollen uns doch lieber wieder aufs Wandern fokussieren, denn bis zur S√ľdterrasse war es nur noch ein Katzensprung. Kommt man die Treppe hinunter, geht es linker Hand zum Wahrzeichen der S√§chsischen Schweiz: Der Barbarine. Noch im Jahre 1755 wurde die Felsnadel in der K√∂nigsteiner Chronik als „Jungfernstein“ im Zusammenhang mit folgender Sage bezeichnet:

Der Tradition nach aber ist die steinerne Jungfer das immerw√§hrende Merkmal eines Strafgerichts, nach welchem es geschehen seyn soll, da√ü eine Mutter ihre Tochter Sonntags habe hei√üen in die Kirche gehen, die Tochter aber sey w√§hrender Kirche auf den Pfaffstein in die Heydelbeere gegangen, und als sie die Mutter daselbst angetroffen, habe sie die Tochter im Zorn verw√ľnscht, da√ü sie m√ľsse auf der Stelle zum Stein werden; worauf solches augenblicklich also geschehen, und daher diese zum Stein gewordene Jungfer auf immer allhier stehe, und mit ihrem Steinbilde alle ungehorsamen Kinder warne.

1826 tauchte dann erstmalig die Bezeichnung als „die hohe Berberine“ auf. Im Jahr 1905 bestiegen erstmals der Dresdner Rudolf Fehrmann und der US-Amerikaner Oliver Perry-Smith den inzwischen „Barbarine“ genannten Gipfel. Nach 1946 kam es, infolge eines Blitzschlags in den obersten Gipfelkopf zwei Jahre zuvor, zu ersten Sicherungsarbeiten, welche 1964 erneuter Ausbesserungen bedurfte. Elf Jahre sp√§ter wird f√ľr die Barbarine ein Kletterverbot ausgesprochen, so dass heute nur noch Wissenschaftler ihren Weg auf den Gipfel finden, um die „steinerne Jungfer“ zu erhalten, so dass sie noch vielen Generationen von Kindern als Mahnung diene.

Vom S√ľdgipfel fand Steffen eine gute Sicht auf die Barbarine – nur um dahin zu gelangen, bedurfte es einigen Mut. Diesen aufzubringen – ein gro√üer Sprung war hier vonn√∂ten – war dann doch nicht ganz meine St√§rke, ob der guten Wanderschuhe. Ich entschied mich stattdessen f√ľr einen alternativen, weniger anstrengenden Aufstieg, dem sich Georg wenig sp√§ter anschloss. Dass zwischen Aufstieg und Abstieg teilweise gravierende Unterschiede lagen, musste er an Ende feststellen und so ging es f√ľr ihn nur mit Hilfe des Wanderleiters wieder heil bergab – Steffen unterdes entschied sich, selbigen Weg zu nehmen, wie er ihn kam ‚Ķ

Letzte Station auf dem Pfaffenstein sollte das ehemalige Vereinsgel√§nde der Falken sein: Wir entschieden uns jedoch f√ľr einen Kurzausflug und statteten der Terrasse des Vereinshauses einen Besuch ab, Steffen und auch Dan aus den USA dachten sich, dass auch ein Blick nach innen vielleicht ein wenig Licht ins Dunkel bringen w√ľrde und so tauchten sie f√ľr wenige Minuten ab – am Ende um eine Erkenntnis reicher: Hier gibt es nichts mehr zu entdecken. Schade und so bleibt auch viel der Historie des 1905 gegr√ľndeten – und 40 Jahre sp√§ter verbotenen – Vereins im Verborgenen. Das Vereinshaus, so viel wissen wir, wurde 1924 erbaut und so diente der Pfaffenstein dem Bergsch√ľtzenbund in dieser Zeit als Trainingsgel√§nde. Weiterf√ľhrende historische Dokumente, sowie Anzahl der Mitglieder und ob die Falken etwas mit der 1896 in Steglitz bei Berlin entstandenen Wandervogelbewegung zu tun haben, lie√ü sich nicht nachweislich ergr√ľnden.

Das Vereinsgel√§nde war die letzte Station auf dem Pfaffenstein und so wurde es an der Zeit f√ľr den Abstieg – dieser f√ľhrte uns durch den Klammweg und wir hofften, dass das Fallbeil, ein markanter Stein weit oberhalb des nur knapp 1,25 Meter breiten Weges nicht doch hinuntersausen m√∂ge. Wenige Tage vor Start der S√§chsischen Naturistentage entschied ich mich ( erneut ) eine Dokumentation mit dem Titel „Barfu√ü nach innen – Die Kletterlegende Bernd Arnold“ anzusehen, gefolgt von einigen Folgen „Biwak“ – sowohl zur Vorbereitung, als auch um etwas abzuschalten. Und so war es auch nicht verwunderlich, dass beim Abstieg zum J√§ckelfels der Blick nach oben gerichtet wurde: Hinauf zu Arnold‚Äôs 1983 nach mehrmaligen Versuchen zuerst begangenen Kletterpfads „Lohn der Angst“ ( Schwierigkeit IXc ). Und so fand sich die kleine Mulde, recht unscheinbar an der Wand des J√§ckelfels ‚Ķ

Vorbei ging’s an der Belloh√∂hle – eine der gr√∂√üten und tiefsten H√∂hlen der S√§chsischen Schweiz – √ľber den „Bequemen Weg“ und zur Gedenktafel f√ľr Alfred Neugebauer, der hier am Pfaffenstein 1961 einen bronzezeitlichen Wall freilegte. Dar√ľberhinaus f√ľhrte der 1914 geborene Steindrucker erste Arbeiten an der Burg Dohna aus und war in den Jahren 1932 und 1933 ma√ügeblich an der Freilegung der Felsenburg Neurathen beteiligt. Ihm ist auch im Jahre 1967 die Freilegung des Nixensees auf dem Gipfel des Pfaffensteins zu verdanken.

Alfred Neugebauer war Arch√§ologe und Heimatkundler mit Leib und Seele, der keine M√ľhen scheute, um seine Arbeiten umfassend und mit gr√∂√ütm√∂glichem Erkenntnisgewinn abzuschlie√üen. Mit seinen arch√§ologischen Forschungen lieferte er umfangreiche Erkenntnisse √ľber die Besiedlungsgeschichte der S√§chsischen Schweiz.

Das Beste kommt zum Schluss, wie es so oft hei√üt ! Und so n√§herten wir uns unaufh√∂rlich dem Quirl, der so manchem Wanderteilnehmer einige Reserven kostete und obwohl wir uns nur schwer in die franz√∂sischen Truppen und ihre Pferde hineinversetzen k√∂nnen, die einst die schweren Kanonen √ľber den steinigen Weg in Richtung Quirl bef√∂rderten, um die Festung K√∂nigstein zu beschie√üen, so wussten wir, dass es die letzten H√∂henmeter des Tages sein w√ľrden. Dass es zugleich die letzten H√∂henmeter f√ľr die diesj√§hrige Ausgabe der S√§chsischen Naturistentage sein sollten, wussten wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht, denn die Schicksalsmeldung kam 14:44 Uhr: Waldbetretungsverbot. Dies sollte nicht erst am folgenden Tag gelten, wie Erik zu beschwichtigen versuchte, sondern um G√ľnther Schabowski zu zitieren:

Das tritt ‚Ķ nach meiner Kenntnis ‚Ķ ist das sofort. Unverz√ľglich.

Tja, da wurde nicht nur mein Gesicht etwas lang. Letztes Jahr das Hochwasser, dieses Jahr Waldbr√§nde, doch auch wir hofften, dass die Feuerwehrleute und die vielen freiwilligen Helfer den Brand so schnell wie m√∂glich auf beiden Seiten des Nationalparks in den Griff bek√§men. Zum Abschluss wollte dann der letzte Blick auf den Pfaffenstein eingefangen werden ‚Ķ

So ging es auf k√ľrzestem Weg zur√ľck zum Parkplatz. Inmitten der Wanderung kl√§rte ich auch letzte Details zur Buchung des Ferienhaus „Zur Ottendorfer H√ľtte“, so dass w√§hrend des Abstiegs noch einmal kurz angehalten wurde, um eine frohe Botschaft zu verk√ľnden: Die S√§chsischen Naturistentage ’23 finden vom 24. Juli bis 1. Augst statt. Wir informierten nat√ľrlich die uns entgegenkommenden Wanderer und Kletterer, welche gerade im Aufstieg begriffen waren √ľber die neue Situation. Auch wenn es vielen vielleicht den Ausflug verhagelte, dem Gasthaus „Zum Pfaffenstein“ taten wir einen kleinen Gefallen und so kehrten nicht nur wir bei guter b√∂hmischer K√ľche ein ūüėČ.

√úber den Gamrig zu den Honigsteinen ?

Die letzte Wanderung sollte uns zum Gamrig, dem Talw√§chter und den benachbarten Honigsteinen f√ľhren – so der Plan. Doch umsetzen konnten wir ihn nicht mehr, denn tags zuvor erlie√ü die Nationalparkverwaltung, sowie das Landratsamt ein allgemeines Betretungsverbot f√ľr alle W√§lder im Landkreis S√§chsische Schweiz-Osterzgebirge. Damit endeten auch unsere S√§chsischen Naturistentage einen Tag eher – f√ľr das kommende Jahr 2023 rechnen wir bereits mit sieben Wandertagen, zwei weniger, als in diesem Jahr. Damit erhalten auch wir einen Moment zum Durchatmen, bevor es andernorts weitergeht.

So wollte der Tag auf andere Weise genutzt werden: W√§hrend sich die H√§lfte der Gruppe zu diversen Kulturangeboten, wie auf der Festung K√∂nigstein oder in Richtung Dresden begab, brachte Erik den ersten Pfand zur√ľck und ich begann indes mit der Planung f√ľr das kommende Jahr. Die erste Wanderung steht auch schon fest: Der Steinzoo im Zittauer Gebirge – gern auch schon f√ľr dieses Jahr gew√ľnscht, musste die Wanderung sich leider dem Ausflug auf die Lausche f√ľgen.

Abschließende Worte

Neun Acht Tage Wanderspa√ü gingen dann doch schneller vor√ľber als gedacht, auch wenn wir uns gern ein besseres Ende gew√ľnscht h√§tten. Und so blieb euch leider der Ausblick auf das was kommt verwehrt. Nur so viel: Es wird ritterlich und wir werden uns erneut ins Zittauer Gebirge begeben. Mit dem Osterzgebirge werden wir erneut ein bisher unbekanntes Wandergebiet erschlie√üen. Auch wenn wir uns bereits zum Thema Waldbrand im Laufe des Wanderberichts ge√§u√üert haben, wollen wir diese – durchaus vermeidbare – Katastrophe in einem separaten Bericht betrachten.

Wenn es das Leben gut mit uns meint und uns genug Zeit gibt, dann k√∂nnen wir viele wundervolle Orte auf dieser Welt besuchen. Aber nirgends ist es so sch√∂n, wie hier ‚Ķ in der Heimat. Seit mehreren Jahrzehnten ist das Elbsandsteingebirge unsere Heimat. Und es ist die Heimat unz√§hliger Wanderer, Kletter- und Naturfreunde – f√ľr all jene also, die es immer wieder hier hinauszieht, in eine Gebirgskulisse, die man sicher sch√∂ner kaum malen oder tr√§umen kann.

- Vorwort der Sendung "Biwak: Traumtouren in der S√§chsischen Schweiz" -

Wir danken euch f√ľr die wundersch√∂nen Momente, die ihr uns beschert habt und die Abenteuer, die wir mit euch erleben durften. Was nat√ľrlich bleibt, sind zahllose sch√∂ne Erinnerungen und Fotos, sowie Witze, die gerissen wurden.

Wir danken allen Freunden, die zum Erfolg der diesjährigen Wanderwoche beigetragen haben,
euer Erik, Martin und Rainer

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√úber Martin

Nat√ľrlich. Nackt. Frei. Seit Sommer 2015 haben diese drei Worte einen neuen Lebensweg f√ľr mich gepr√§gt. Ich war es leid, immer wieder die richtigen Klamotten in Schuh- oder Bekleidungsgesch√§ften zu finden, nur um sie nach meiner n√§chsten Wanderung in die Waschmaschine werfen zu k√∂nnen. Der Bibel zufolge wurde der Mensch nackt von Gott erschaffen - wir sehen dies sogar heute bei jeder Geburt, dass niemand mit einer M√ľtze geboren wird. Aber warum sollten wir Kleidung w√§hrend einer Wanderung tragen ? Schlie√ülich sind wir ein Teil der Natur und je mehr wir den Kontakt mit dieser erfahren, um so eher sind wir gewillt diese zu sch√ľtzen. F√ľr mich ist es daher wichtig, dass ich nicht nur meinen eigenen K√∂rper der Natur aussetze, sondern dass meine Umwelt um mich herum gesch√ľtzt wird ‚Ķ

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