Liebe Wanderfreunde,

wie lang haben wir auf diesen Moment gewartet … diesen Moment, in dem diese Zeilen entstehen – 384 Tage hat es gedauert. Endlich !

Bereits im vergangen Jahr erwies uns Pascal die Ehre, dass wir die Sächsischen Naturistentage zuerst ausrichten durften. Dieses Jahr kam es allerdings zu einer Überschneidung, so dass es für unsere Teilnehmer hieß: NEWT in Österreich oder Sachsen ? Viele unserer Freunde aus Deutschland und aus Europa entschieden sich jedoch für Sachsen – auf Basis der guten Erfahrungen des vergangen Jahres. Also auf ein Neues und so möchten wir euch einladen, eine Wanderwoche der ganz besonderen Art zu erleben, mit Freunden aus nah und fern, auf abenteuerlichen Pfaden zu den magischen Aussichten im Sandstein …

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Inhaltsverzeichnis

1. Tag: Über den Forststeig zur Grenzplatte …
2. Tag: Auf schmaler Spur zum Hochwald ?
3. Tag: Der Geschichte auf der Spur …
4. Tag: Zu Wasser oder zu Land ?
5. Tag: Carola, Jägerin der „Schrammen“ …
6. Tag: Über den Forststeig zum Zirkelstein …
7. Tag: Rund um den Schmilkaer Kessel …

Über den Forststeig zur Grenzplatte …

Der erste Wandertag unserer Naturistentage entführte uns ins wunderschöne Bielatal, von der Ottomühle sollte es bis zur Grenzplatte am Rande unseres Landes gehen – mit Blick in die Tschechische Republik.

Nach Ankunft am Parkplatz hieß es zunächst ein wenig Warten, da einige unserer Mitwanderer nichts von der Umleitung an der Schweizermühle wussten. Wenige Minuten nach 10 konnte unsere Wanderung wie geplant starten. Vom Parkplatz an der Ottomühle ging es zunächst über den Korbfeilenweg und einen Teil des 2018 angelegten Forststeigs hinauf zur Johanniswacht – gleichzeitig die erste Aussicht des Tages. Auf unserem Weg erblickten wir drei Kletterer beim Aufstieg auf den Schusterturm …

Oben angekommen – also auf der Johanniswacht – landete das erste Panorama der Naturistentage auf dem digitalen Negativ. Unsere Mitwanderer, sichtlich fasziniert von der Aussicht, schossen da das ein oder andere Foto zusätzlich. Gespannt wurde auch so mancher Erzählung über die baulichen Besonderheiten, des uns zu Füßen liegenden Tals, gelauscht. Dem Abstieg von der Johanniswacht folgte der erste längere Weg über den Forststeig, durch dichte Wälder und entlang der Kletterfelsen „Zauberberg“, „Wiesenkopf“ und „Hauptwiesenstein“. Jedem Aufstieg folgt bekanntlich ein Abstieg und so fanden wir uns nach kurzer Zeit auf dem Theilemannweg wieder und es ging über gut 750 Meter eine asphaltierte Straße entlang. Zeit, die Schuhe wieder auszupacken und einige Gespräche mit unseren Mitwanderern zu führen, so wurden nicht nur mit André, Martin und Uwe einige Worte gewechselt, sondern auch mit vielen weiteren Freunden aus nah und fern, wovon wir manche seit gut einem Jahr nicht mehr sahen – COVID-19 sei Dank 😔.

Forststeig und Mehlsteig sollten uns einige Höhenmeter hinauf führen – bereits zur Erkundungswanderung im Mai versprachen beide Wege ein Paradies für Zecken zu werden: Feuchte Wiesen und nasses Gras. Doch wir kamen ohne größere Schwierigkeiten hindurch, so dass wir uns alsbald an der Hirschstange einfanden. Kurz vor dem Abzweig zum Moorteich wollte auch versucht werden, das Gasthaus „Neumannmühle“ zu kontaktieren. Zunächst erfolglos, wurde der Versuch am Moorteich wiederholt, bevor es für mich zurück zur Hirschstange ging. Unsere Gruppe aus 28 Wanderern entschied sich derweil eine Pause am Moorteich einzulegen oder die einzigartige Stimmung festzuhalten …

Jede Pause kennt einmal ihr Ende und es ging zurück in Richtung Hirschstange, erneut wurde der Versuch unternommen, unser Restaurant am Ende der Wanderung zu kontaktieren, aber erst im Glasergrund kam es zu einer stabilen Verbindung.

Bis zur Grenzplatte – einem unserer Hauptziele der heutigen Wanderung – war es nicht mehr weit und wir entschlossen uns, eine ausgedehnte Pause einzulegen. Richtung Horizont und tief in tschechischen Landen waren bereits die ersten Wolken auszumachen, noch dachten wir an nichts Schlimmes, was sich da zusammenbrauen sollte. Wir genossen die Sonne und fanden als Gruppe zueinander – egal, ob Niederländer, Schweizer, Tschechen bzw. Briten oder eben die große Gruppe aus heimischen Gefilden …

Von der Grenzplatte sollte es aber irgendwann mal wieder zurück in Richtung Ottomühle gehen – wie der Titel unserer Wanderung verrät, sollte der Forststeig unser treuer Begleiter bleiben.

Die „Alte 1“ führte uns nach gut 1,6 Kilometern zurück ins Tal der Biela. Zur Erkundungswanderung im Mai war dieser Weg durch den Dauerregen mehr als rutschig und auch diesmal wies der Weg seine Tücken auf, so dass Rainer aus Dortmund ein wenig Hilfe erhielt. Unten angekommen, ging es weiter über den Lattenweg, sowie den Forststeig, bis wir uns am Aufstieg zur Schwedenhöhle und dem Eisloch einfanden. So richtig Lust hatte keiner von uns, als die Frage aufkam, wer denn einmal die sich nach hinten öffnende Schwedenhöhle erkunden möchte und so war es nicht verwunderlich, dass die Steine in der näheren Umgebung erklommen wurden …

Das letzte Highlight des Tages, sollte ein Bad in der Biela werden, bevor es über die Ottomühle und den Oberen Mühlsteig zurück in Richtung Parkplatz ging.

PS: Am Ende der Wanderung ging es noch in die Neumannmühle im Kirnitzschtal, während wir gemütlich unter dem großen Zelt saßen, entschied sich Petrus einen kräftigen Schauer auf uns niederzulassen – als Resultat gab es einen Steinschlag im Dorfbachgrund, der Straße die unterhalb des Arnsteins in Richtung Ottendorf verläuft. Als ich einen der, auf der Straße liegenden größeren Steine, aus dem Weg räumen wollte, fiel mein geliebtes neues iPhone 12 Pro aus der Hosentasche und landete auf der Straße – erst in der Ottendorfer Hütte angekommen, stellte ich fest, dass es nicht mehr mit der  Watch gekoppelt war. Erik und ich machten uns auf die Suche und fanden es unterhalb des Arnsteins.

Wie sollte es weiter gehen ?

Auf schmaler Spur zum Hochwald ?

Der zweite Tag sollte bereits zu Beginn des Tages recht turbulent werden: Das iPhone 12 Pro hinüber und unser Wetter-Guru André versprach uns für die kommenden Stunden reichlich Regen. Allein die Aussage „wenn uns der Ausläufer trifft, dann schüttet es“, sorgte dafür, dass zahlreiche Wanderer beim Frühstück sich gegen eine Wanderung entschieden. Am Abend zuvor versprach das Wetter wenigstens noch einen trockenen Aufstieg, lediglich der Abstieg sollte etwas feucht werden – der Phonolith auf dem Hochwald im Zittauer Gebirge hätte somit für eine echte Rutschpartie gesorgt.

Also folgte die einzig logische Schlussfolgerung: Die Wanderung im Zittauer Gebirge wird verschoben – auf nächstes Jahr. Hans Peter, Peter und ich entschieden uns, dem  Store in Dresden einen Besuch abzustatten, um das defekte Kameramodul im iPhone 12 Pro zu tauschen, sowie einen kleinen Stadtrundgang zu unternehmen. Ein wesentlich größerer Teil unser Gruppe entschloss sich die Festung Königstein zu besuchen, Thomas aus dem Sauerland schaute in Bad Schandau vorbei und Erik ging mit einigen Freunden in der Umgebung von Ottendorf auf Wanderschaft.

In Dresden kündigte sich das Unwetter über dem Zittauer Gebirge und Bad Schandau am späten Nachmittag in Form eines leichten Regens an und nach erfolgreichem Kamera-Tausch, samt anschließender Kalibrierung der Sensoren kehrten wir zurück in Richtung Ferienhaus. Auf der Fahrt ließ sich bereits erahnen, was uns in Ottendorf erwarten würde: Die Straße von Hohnstein nach Ehrenberg war teilweise überschwemmt und nur Hans Peters Fahrkünsten ist es zu verdanken, dass wir wohlbehalten bis zum Busbahnhof Sebnitz kamen.

Bis Ottendorf wollte uns die Feuerwehr nur auf eigene Verantwortung fahren lassen, denn der Busbahnhof befand sich in einer Senke und der nahegelegene Dorfbach wurde mit den Wassermassen nicht mehr fertig, so dass binnen kurzer Zeit Busbahnhof und der örtliche Discounter unter Wasser standen. Ich entschied mich, im strömenden Regen mit den Feuerwehrleuten zu sprechen und wir erhielten einen Tipp, wie wir nach Ottendorf kommen würden: Links am Rand vom Busbahnhof vorbei, anschließend führt eine schmale Straße an einem grünen Haus zur rechten Seite steil den Berg hinauf, vorbei am Bad in Hertigswalde ( dem Herti ) gelangten wir so zur Ottendorfer Straße, an der uns auch prompt die Feuerwehr entgegen kam.

„Wie würde es in Ottendorf wohl aussehen ?“, fragten wir uns. Von unserer Vermietern Bea, wusste ich nur, dass es Ottendorf in der Vergangenheit schon schlimmer erwischte, doch etwas mulmig war uns schon. Kurz nach Ankunft am Ferienhaus war auch schon die örtliche Feuerwehr anzutreffen, denen ich umgehend unsere Hilfe zusicherte.

Wieviel Glück wir am Ende des Tages hatten, eröffnete sich uns erst, als Frank aus dem Erzgebirge eintraf: Er war mit einem Teil der Gruppe auf der Festung Königstein, die in so dichtem Nebel lag, dass nicht einmal der gegenüberliegende Lilienstein zu sehen war. Er selbst kam auf der Festung etwas „abhanden“ und war so Teil einer Gruppe, die es nicht mehr durchs Kirnitzschtal zurück zum Ferienhaus schaffte. Ed aus Prag, Günter, Wilfried und eben auch Frank saßen am Hotel „Forsthaus“ im Kirnitzschtal fest. Frank entschied sich gegen eine Übernachtung im Hotel und brach lieber in Richtung des Lichtenhainer Wasserfall auf – immerhin ein Marsch von gut 3,5 Kilometern – bei strömendem Regen. Ihm haben wir auch die folgenden Fotos zu verdanken, die einen Einblick liefern, wie viel Glück wir am Ende noch hatten – im Vergleich zu den vielen Opfern, welche die Flutkatastrophe im Westen der Republik gekostet hat …

Kirnitzschtal : Das Wasser sucht sich seinen Weg von den Hängen kommend …
Kirnitzschtal : Die Gleise der Kirnitzschtalbahn versinken im Schlamm …
Kirnitzschtal : Wenigstens bekam die Technik nichts ab …
Kirnitzschtal : Die Mittelndorfer Mühle liegt nur wenige Zentimeter über dem Pegel der Kirnitzsch …
Kirnitzschtal : Der Sportplatz gleicht einer Wasserlandschaft …
Kirnitzschtal : Wie Frank hier einen Weg fand ist erstaunlich …
Kirnitzschtal : Weitere Beschädigungen im Verlauf des sonst so ruhigen Tals …
Kirnitzschtal : Die Aufräumarbeiten begannen kurze Zeit später …
Lichtenhainer Wasserfall : Was die Reparaturen kosten, kann derzeit noch nicht abgeschätzt werden …

Am Lichtenhainer Wasserfall wurde Frank dann von den Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr Ottendorf eingesammelt, die ohnehin zurück in Richtung Ottendorf fuhren.

Der Geschichte auf der Spur …

Sonntag. Sommer. Sonne. Sonnenschein ? Naja zu Beginn des Tages versprach das Wetter noch recht kühle Temperaturen, wir entschieden uns dennoch für eine Wanderung – leicht abgewandelt, denn in Folge der Flutschäden verkehrte kein Linienverkehr zwischen Ottendorf und dem Kirnitzschtal, somit blieb uns nur eine Wanderung mit Start an unserem Ferienhaus.

Die ersten Meter wurden noch bekleidet über den örtlichen Parkweg zurückgelegt, bevor dieser in einen Feldweg überging. Die erste Kreuzung wurde sogleich genutzt, um die übliche Wanderbekleidung anzulegen. Vorbei an der Gedenkstätte zu Ehren der Gefallenen des Ersten und Zweiten Weltkriegs unweit der Endlerkuppe, entschieden wir uns für den Weg vorbei am Lost Place. Entlang der Felder und Wiesen rund um Ottendorf kamen wir mitten am Feldweg an einem „Leichenstein“ vorbei, der an zwei Zimmersleut‘ erinnert, die hier vom Blitz erschlagen wurden, als sie von ihrer Arbeit heimgekehrt sind.

Ortskundige Wanderer werden sicherlich feststellen, dass Ottendorf nicht zum Nationalpark Sächsische Schweiz gehört und so bewegten wir uns für wenige Kilometer außerhalb unseres angestammten Wandergebiets. Nach rund 1,6 Kilometern der Wanderung konnten wir endlich den Nationalpark betreten und begaben uns zur Aussicht auf dem Großstein, sowie zugehöriger Kanzel …

Die Aussicht, war einfach phänomenal und wir genossen den Blick auf den Lorenzstein, die Affensteine und die Hintere Sächsische Schweiz, wie den Großen und Kleinen Zschand. Einem Teil der Wandergruppe bot ich an, mir in Richtung der Felsenmühle zu folgen, da ich mir ein Bild der Schäden im Kirnitzschtal machen wollte, um zu entscheiden, ob die Wanderungen der kommenden Tage wie geplant stattfinden können. Der Abstieg zur Felsenmühle war kein großes Problem, doch am Übergang des Vogelbergbachs fanden sich zahllose Äste wieder, die ein Ablaufen des Bachs durch seinen ursprünglichen Bachlauf verhinderten, kurzerhand entschlossen wir uns die Äste und weiteren angeschwemmten Unrat zu entfernen und den Wanderweg „trocken zu legen“, denn dieser führte in direkter Verlängerung in die Felsenmühle hinein und war für einen Großteil der Schäden verantwortlich …

Wenig später begegneten wir einem Nationalparkwächter, samt Sprössling, der einen Blick auf die Region oberhalb der Felsenmühle warf. Wir kamen ins Gespräch und es stellte sich heraus, dass der Nationalpark wieder neue Ranger sucht – dem Borkenkäfer sei Dank ? Wir werden es wohl niemals herausfinden, jedenfalls entgegnete er mir, dass ich mir dann wohl „eine andere Dienstkleidung“ zulegen müsse 😂.

Wieder oben auf dem Großstein angekommen, war unser Freund Harald mit einer jungen Wanderin aus Berlin ins Gespräch gekommen und im Verlauf des Abstiegs kamen wir ins Gespräch – mein Leben sollte sich von da etwas verändern und ich schwebte ( gelinde gesagt ) auf Wolke Sieben. Zumindest ging mir Vanessa fortan nicht mehr aus dem Kopf. Kurze Zeit später erreichten wir die Schmidt’sche Linde, die einen fantastischen Blick auf die nähere Umgebung, sowie Lichtenhain bietet …

Unser Rückweg entführte uns dann aber doch noch zur Endlerkuppe, einem alten Jugenderholungsheim, was in den Jahren 1928 – 1929 durch den Architekten Kurt Bärbig errichtet wurde und ab 1933 dem Bund Deutscher Mädel diente. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde es von der SED als Parteischule genutzt und seit 1990 steht es nun leer. Für uns als Wandergruppe die Gelegenheit, „der Geschichte auf der Spur“ zu sein, wie auch der Name der Wanderung lautete. Vanessa begleitete uns in den Lost Place hinein und ich erzählte ihr ein wenig von der Geschichte des Objekts. Anschließend nahm unsere Gruppe noch am Rand des „Appellplatzes“ Aufstellung für ein Gruppenfoto – so schnell wird man als textile Mitwanderin in eine Gruppe Nacktwanderer eingebunden 😉 …

Die Endlerkuppe hinter uns liegend erreichten wir nach wenigen Minuten wieder unsere Hütte und ich begleitete Vanessa noch zurück zu ihrem Auto – der Kurzurlaub in der Sächsischen Schweiz währte leider nur eine Nacht, doch ich freue mich auf den Moment, wenn sie wieder zu Gast in unserem kleinen Kletter- und Wanderparadies sein wird.

Zu Wasser oder zu Land ?

Woran erkennt man eine Aufgabe, die man liebt ? Wenn man sie gern macht, mit Herzblut und dies auch der ganzen Welt zeigen will. So und nicht anders geht es Erik und mir, denn wenn ihr eure Freude nach einer Wanderung zum Ausdruck bringt, ist dies für uns der Beweis, dass wir uns auf dem richtigen Weg befinden.

Am vierten Tag der Naturistentage, zugleich auch der Halbzeittag, entschieden wir uns, es etwas ruhiger angehen zu lassen und wo kann man das besser, als auf der Elbe bei einer gepflegten Paddeltour ? Noch am Sonntag bedurfte es einiger Rücksprachen mit Kanu Aktiv Tours, denn ob der Flutschäden war nicht klar, ob diese stattfindet. Am Telefon kamen dann die erleichternden Worte: Der Pegel der Elbe sei im grünen Bereich, lediglich die Strömung sei etwas stärker, alles in allem ist eine Schlauchboottour zu meistern. Genau das wollten wir hören und begaben uns mit den Autos zum Busbahnhof in Sebnitz, der ebenfalls wieder trockengelegt wurde – der Bus nach Ottendorf verkehrte aber weiterhin noch nicht, so dass die Fahrer anschließend allein zum Ferienhaus zurückfuhren, während der Rest der Gruppe in Sebnitz auf den Bus wartete. Unsere Fahrer wurden von Hans Peter zurück zum Busbahnhof gebracht, so dass wir ganz entspannt mit der Gästekarte nach Bad Schandau fuhren.

Vom Nationalparkbahnhof in Bad Schandau war es nur ein Katzensprung bis zur Ausgabe der Boote an der Elbe und nach kurzer Einweisung und Bezahlung der Boote konnten wir auch schon starten. Wie immer war es wichtig den Ansagen des Verleihers Folge zu leisten:

  • Links von der grünen Boje bleiben
  • Rechts von der roten Boje bleiben
  • Kontakt mit den Bojen kann dazu führen, dass jemand über Bord geht
  • Alles was stärker ist, als ein Schlauchboot ist, hat Vorfahrt

Es war erstaunlich, wie zwei von drei Booten in der Lage waren, die ersten drei Punkte zu ignorieren, so wurde Christian als Bootsführer des dritten Boots erst nach einigen Bojen klar, wie die Vorfahrt auf der Elbe geregelt ist. Horsts Boot nahm Kontakt mit einer Boje auf und es fehlte nicht viel, dass Ed aus Prag über Bord ging – nur unser Boot blieb von all diesen kleinen „Grenzerfahrungen“ verschont. So klappte die Kommunikation im Boot hervorragend und ich konnte mich als Bootsführer auf meine Gruppe verlassen.

Die bereits angekündigte starke Strömung lies unsere Gruppe etwas auseinanderreißen, so schwamm Horsts Boot in der Fahrrinne der Elbdampfer und war nach einer guten Stunde unauffindbar. Das letzte Foto entstand wenige Augenblicke unterhalb der Festung Königstein, sowie dem gleichnamigen Ort …

Ein wenig später – den Ort an der Elbe und die Festung hinter uns liegend – landeten wir mit den Booten an einem kleinen rechtselbischen Ufer, um eine Pause zu unternehmen, denn fast die Hälfte der Tour lag bereits hinter uns – in weniger als zwei Stunden und wir sollten mehr als sechs Zeit haben. So verbrachten wir eine gute Stunde und genossen die Sonne, auch Christians Boot machte an diesem kleinen Ufer fest. Zu Beginn der Pause begab ich mich noch auf eine kleine Anhöhe, um nach Horsts Boot Ausschau zu halten – vergebens.

Genug Sonne getankt ? Es kann weiter gehen.

Einen reichlichen Kilometer abwärts fanden wir dann – ebenfalls am rechtselbischen Ufer – ein Schlauchboot vor … samt Besatzung, die sich etwas abseits zur Pause an Land begab und als sie uns sahen, wieder in ihr Boot sprangen. Die Gruppe war wieder vollzählig und so konnte das Highlight des Tages angesteuert werden: Kurort Rathen, mit seinem Eisverkauf am Radweg, der selbstsicher „das letzte Spitzeneis vor Italien“ offeriert.

Ob es am Wetter lag, oder einfach nur an der Lust etwas zu verkaufen, kann ich nicht sagen, denn als wir in Rathen ankamen, wurden die Gesichter lang: Der Eisverkauf war geschlossen und so reichte es am Ende wenigstens noch für ein Gruppenfoto mit Blick auf das Basteigebiet, den Mönch und die Burg Altrathen …

Die Gierseilfähre war ebenso wenig in Betrieb, so dass wir bedenkenlos an der Motorfähre vorbeiziehen konnten. Es erweist sich als Vorteil im Boot des ortskundigen Wanderleiters zu sitzen, der seiner Besatzung die nähere Umgebung und so manche Geschichte zu Mönch und Nonne, als auch den Felssturz vom Wartturm näher bringt. Selbst die Rahmhanke – ein ausgesetzter Pfad auf halber Höhe zwischen Bastei und Elbe wurde unseren Besuchern beschrieben. Ein Foto von der Basteibrücke durfte natürlich nicht fehlen …

Wenig später kamen wir auch schon in Wehlen und der Abgabestelle von Kanu Aktiv Tours an, Horsts Boot fuhr beinahe zu weit, so dass sie mit vereinten Kräften ein paar Meter die Elbe hinauf paddeln mussten – eine Idee für eine herausfordernde Variante im nächsten Jahr 😄 ?

Wieder trockenen Boden unter den Füßen, entschieden wir uns, ob der reichlichen Zeit, die wir noch hatten, dem Marktstübchen in Stadt Wehlen einen Besuch abzustatten. Endlich konnte auch unseren Gästen die kulinarische Seite von sächsischer Kaffee- und Kuchenkultur demonstriert werden, Dresd’ner Sauerbraten sollte es im Anschluss im Brauhaus „Zum Gießer“ in Pirna geben. Die Fahrt zurück zum Ferienhaus unternahmen wir mit einem Mietbus des örtlichen Regionalverkehrs.

Und es gab sogar eine Gruppe, die sich lieber entschied zu wandern – deren Erlebnisse könnt im weiteren Verlauf nachlesen, geschrieben von Erik …

Nicht alle Teilnehmer wollten sich in die Fluten stürzen und versuchten es auch an diesen Tag mit einer Wanderung. Der Weg zum Startpunkt – die Bastei – wurde Dank der Gästekarte kostengünstig per Bus zurücklegt. Am Anfang stand erstmal der touristische Teil: Vorbei am Hotel und einem kurzem Abstecher zum Ausblick ging es über die berühmte Brücke und weiter zum Einstieg der Rahmhanke am Tiedgestein, über den Basteiweg hinab zum Amselsee – aber auch hier verzichteten wir auf eine Bootsfahrt und wählten den Weg am Ostufer, welcher uns dann zum Aufstieg durch die Schwedenlöcher brachte. Nach einer Pause an der Pavillonaussicht ging es vorbei am Steinernen Tisch und hinab zum anderen Ende der Rahmhanke. Die Ruhe vor den Touri-Massen sollte für uns endlich die Gelegenheit sein, die übliche Wanderkleidung anzulegen und uns auf den Weg nach Wehlen zu machen. Vorbei an der Karl-Stein-Hütte des Deutschen Alpenvereins ging es für die kleine Dreiergruppe schnell voran, so dass wir recht bald am Fähranleger ankamen und die Überfahrt zum Bahnhof wagten …

Die Zeit reichte auch noch für ein kurzes Bad im Strom. In Pirna angekommen, folgte noch ein kurzer Stadtrundgang und der Aufstieg vorbei am Cannaletto-Blick zur heutigen Einkehr.

Carola, Jägerin der „Schrammen“ …

Tag Nummer Fünf. Und es wird sportlich: Zum ersten Mal in den letzten Tagen teilen wir unsere Tour in eine leichte und eine herausfordernde Variante. Es stehen auf dem Programm: Die Zahme Hölle oder der Kletterpfad im Großer Dom.

Nach einer recht abenteuerlichen Fahrt durchs gesperrte Kirnitzschtal, kamen wir gerade noch pünktlich am Parkplatz im Nassen Grund an. Wir wollten keine Zeit vertrödeln, so dass wir alsbald zur Wanderung starteten und liefen so den ersten Kilometer durch jenen Grund, der stellenweise seinem Namen alle Ehre machte – „über den Jordan“ ( gemeint ist natürlich der Jordanweg ) ging es anschließend zur Entscheidung, wer denn welche Variante bevorzugen würde. Bereits im letzten Jahr stellte ich ich fest, dass die überwältigende Mehrheit eine Herausforderung sucht – so auch diesmal.

Während sich Erik ein knappes halbes Dutzend unser Wandergruppe durch die Zahme Hölle anschloss, folgten mir knapp 25 Wanderer über den Kletterpfad im Großen Dom. Den ersten Abzweig meisterten wir noch problemlos, war der Sandlochweg doch sehr gut erkennbar und auch der Eingang in den Kletterpfad war ohne größere Schwierigkeiten zu meistern. Doch die zweite Abzweigung hatte es dann doch in sich: Vorbeigelascht und erst, als André nach gut 60 Metern zufällig auf sein GPS-Gerät sah, stellte er fest, dass unser Weg etwas weiter links verlaufen würde. Also alles wieder zurück und wir fanden mit kurzem Abstecher doch noch den zugewachsenen Einstieg in den Kletterpfad …

Ein Blick auf die interaktive Wanderkarte bzw. MapOut verriet, dass der Kletterpfad über eine Distanz von 170 Metern verläuft, dafür aber gut 60 Höhenmeter aufweist. Die ersten Höhenmeter waren kein Problem und auch das Seil entlang der Bäume wurde schnell erreicht, für die letzten Meter war noch einmal eine gute Wegfindung erforderlich, führte doch der Weg zwischen den Resten eines umgestürzten Baumes hindurch. Eine schmale Felsengasse trennte uns noch von der Oberen Affensteinpromenade und tatsächlich waren die ersten Teilnehmer zeitgleich mit jenen eingetroffen, die sich für die leichte Variante entschieden – ein Novum für die nächsten Tage, denn dies genau zu timen ist in der Sächsischen Schweiz nahezu unmöglich.

Als Erik an der Kreuzung beider Varianten ankam, stellte er fest, dass sein Smartphone verschwunden war. Die Suche war recht einfach, ließen wir es doch einfach bimmeln, bis wir es hörten – mit einer  Watch wäre es natürlich noch einfacher, aber das ist eine andere Geschichte 😉. Bis zum oberen Teil der Wilden Hölle verlief unser Weg recht unspektakulär, so dass auch der letzte Aufstieg zum Carolafelsen und dem ersten Ziel unserer Wanderung genommen wurde.

Wer den Wanderbericht vom Sonntag genau gelesen und eine ungefähre Vorstellung hat, wie es sich anfühlt … zu sein, der weiß, dass der Körper in solchen Momenten Energiereserven mobilisieren kann, die vorher nicht da sind – und man geht vielleicht ein bisschen mehr Risiko ein. Aber Hey, klettern macht Spaß und auf dem Carolafelsen kamen wir kurz zuvor noch mit einem weiteren Ranger ins Gespräch. Natürlich entstand auch an dieser Aussicht das ein oder andere Foto – mal von unserer Gruppe, aber auch von der Aussicht selbst …

Richtig spektakulär wurde es erst wieder beim Weg über den Zurückesteig: So wollte nicht nur einem Pärchen geholfen werden, die auf der Suche nach den Schrammsteinen waren.

Unser Weg entführte uns weiter in Richtung der Aussicht am Spieß und es wurde das erste Mal ersichtlich, dass einige Teile der Gruppe allmählich begannen ihre eigenen Interessen durchzusetzen 😒. So verschwand Christian einfach mit den drei Niederländern Bart, Izaäk und Joost und erst nach mehrmaligem Rufen fanden sie sich wieder ein. Aber am Ende war alles gut und niemand ging verloren – das war am Ende jeden Tages das Wichtigste.

So richtig abenteuerlich wird es in der Sächsischen Schweiz immer dann, wenn ein Abstieg zu finden ist, denn dann geht es auch kurze Zeit später wieder hinauf – zur großen Freude aller Wanderer. Naja oder fast aller …

Die Lehne hinter uns liegend, ging es hinüber zur Breiten-Kluft-Aussicht – es gab ja auch schon lang kein Gruppenfoto mehr. Kleines Highlight für unsere Wanderfreunde aus nah und fern: Das Wanderziel des morgigen Tages konnte bereits erspäht werden …

Unweit der Aussicht findet sich auch der „Breite-Kluft-Steig“, alternativ einfach nur die Breite Kluft. Über zahllose Stufen nahmen wir den Weg hinab zum Elbleitenweg, der für einen reichlichen Kilometer unser Begleiter blieb, bevor wir uns einen Weg in Richtung des Wildschützensteigs suchten. „Carola, die Jägerin der ‚Schrammen'“, versprach uns zuletzt den Blick von den Schrammsteinen auf die Torsteine, den Falkenstein, den Lilienstein und die linkselbischen Steine der Vorderen Sächsischen Schweiz. Im letzten Jahr erstmalig begangen, entschieden wir uns auch diesmal für die „geheime“ Aussicht neben der eigentlichen Hauptaussicht – ein Fehler, denn für gut 30 Wanderer ist diese einfach zu klein und es wurde dezent kuschelig 😂.

Was geschah bis zum Ende der Wanderung ? Nicht viel, denn der Mittelwinkel – voriges Jahr als Aufstieg gewählt – führte uns von den Schrammsteinen zur Wildwiese, am Aufstieg zur Hohen Liebe vorbei und entlang des recht steinigen Butterwegs gelangten wir irgendwann am Parkplatz am Ende des Nassen Grunds an.

Ein letztes fotografisches Highlight gab es am Lichtenhainer Wasserfall zu bestaunen: Durch das Hochwasser wurde die Stauanlage beschädigt und fortan floss das Wasser hinunter – perfekt, um nach einem Glas im Restaurant zu fragen und mit der App „Spectre“ eine Langzeitbelichtung auf digitalen Film zu bannen.

Über den Forststeig zum Zirkelstein …

Stellt euch vor, ihr startet eine Wanderung mit 45 Minuten Verspätung, verlängert diese um zwei Kilometer und kommt trotzdem pünktlich im Restaurant an. Wie ist dies möglich ? Nun manchmal muss man eben etwas Glück haben und auch eine Wanderroute auswählen, die solche „Probleme“ verzeiht.

So geschehen am sechsten Tag unserer Naturistentage, als wir auf die Kaiserkrone und den Zirkelstein wollten. Schon die Anreise stellte uns vor so manche Hürde: Krippen, ebenfalls von der Flut getroffen, verzögerte unsere Anreise, als plötzlich die Polizei die Straße sperrte, da ein Baum innerhalb eines Grundstücks vom Umstürzen bedroht war. Zunächst wussten wir nicht was los war, doch ein kurzes Gespräch mit beiden Polizeihauptmeistern brachte Klarheit und das Technische Hilfswerk war ebenfalls schon vor Ort und Stelle. Die Feuerwehr Krippen leistete wertvolle Sicherungsarbeit, so dass binnen weniger Minuten der Baum gezielt gefällt werden konnte …

Durch das Großstadtrevier und der Aussage meines Vaters, dass diese zu den realistischsten Polizeiserien in Deutschland zählt, konnte ich es mir nicht nehmen lassen, den Polizisten und allen Beteiligten für die tolle Arbeit der letzten Tage und Wochen zu danken. Zwar wiegelten die beiden PHMs mit der Aussage „Kein Problem“ ab, doch ich erwiderte ihnen, dass diese Arbeit einfach auch mal gewürdigt werden müsse. Daraufhin bedankten sich beide Polizisten, erleben sie es doch immer wieder, dass sie angefeindet oder angepöbelt werden.

Am Parkplatz kamen wir so mit einer guten Dreiviertel Stunde Verspätung an. Aber was soll’s, unsere Mitwanderer steckten ebenfalls größtenteils in der Schlange und die wenigen Wanderer, die wie Rainer zu Fuß zum Startpunkt kamen, wurden einfach über unsere neue Ankunftszeit informiert.

Wenig später starteten wir auch schon unsere Wanderung – direkt mit dem ersten Aufstieg hinauf zur Kaiserkrone, an jenem Felsen, auf den auch Caspar David Friedrich seinen – bis heute – unbekannten Wanderer im Bild „Der Wanderer über dem Nebelmeer“ positionierte, befreiten wir uns von den Klamotten. Der erste Ausblick des Tages konnte sich zumindest sehen lassen und unseren Mitwanderern wurde erklärt, wie die Kaiserkrone zu ihrem Namen kam:

Einst war die Kaiserkrone, wie der Zirkelstein unbewaldet – letzterer wurde in der Vergangenheit als Signalwarte genutzt. Die Kaiserkrone fand aufgrund ihrer markanten Form zu ihrem heutigen Namen.

Natürlich durfte auch das obligatorische Foto von der Aussicht nicht fehlen, bewegten wir uns doch auf jenen „Magischen Aussichten im Sandstein“ …

Der Weg auf die Kaiserkrone war für uns eine Einbahnstraße und so führte der Abstieg wieder hinab in den beschaulichen Ort Schöna, direkt an der deutsch-tschechischen Grenze. Fast am Ende des Ortes erblickten wir zwei Pferde auf einer Koppel, eines davon noch etwas jünger, bevor wir unseres Weges zogen.

Wenig später fanden wir uns auch schon wieder auf dem Forststeig, inzwischen ein alter Bekannter, wenn auch dieser Teil des Weges noch unbekannt war – zumindest für den Großteil unserer Mitwanderer. Vorbei an alten Steinbrüchen oder den Resten längst vergessener Mühlen, gelangten wir zur Schiebmühle, Pausenstelle für den Mittag und Badestelle für ganz mutige Wanderer, wie Harald aus Thüringen …

Wer den Forststeig kennt, der ahnt, dass auch im Verlauf unseres Weges nicht sonderlich viel Spektakuläres geschehen ist – mal abgesehen davon, dass wir den gezeichneten Track etwas verließen, da dieser Fernwanderweg sich jedes Jahr ein bisschen verändert – geschuldet den engen Passagen durch den Wald gibt es stets neue Stellen, die von Freiwilligen zu Beginn der Wandersaison freigeschnitten werden. Und auch am Gelobtbach, der die natürliche Grenze zwischen Deutschland und der Tschechischen Republik bildet, fanden sich vereinzelte Spuren eines erhöhten Pegelstands der vergangenen Tage.

Dem leicht erhöhten Tempo über den Forststeig war es auch geschuldet, dass auch kritische Stimmen zu hören waren, aber wenn ich eins hasse, dann ist es Unpünktlichkeit und die wollte ich vermeiden, zumal das Panoramahotel Wolfsberg noch mit der ein oder anderen Überraschung aufwartete.

Kommen wir zum zweiten „Problem“ der Wanderung und auch hier galt es eine kreative Lösung zu finden: Als wir dem Grundweg in Richtung Ziskaquelle folgen wollten, versperrte uns plötzlich ein Banner des Sachsenforst den Weg. Die Förster und Jäger waren los und wir mussten unseren Weg über den Forststeig fortsetzen – eigentlich war hier geplant, diesen zu verlassen. Doch am Ende stellte sich der Weg als kleiner Geheimtipp heraus, zu wild und romantisch war der Weg direkt entlang der Grenze – Izaäk und ich entschieden uns derweil ein wenig Strecke zu machen und erreichten in der Spitze bis zu sechs Kilometer pro Stunde, als wir den weiteren Weg über den Kriegsweg erkundeten. Zum Glück beschränkten die Förster und Jäger sich auf ein kleines Waldgebiet, so dass wir den Weg in Richtung Ziskaquelle nehmen konnten.

Wie groß so ein Harvester sein kann, stellten wir wenig später fest …

Über die nächsten knapp 3,4 Kilometer konnten wir ein wenig Strecke machen – die Wege „Gelobtweg“ und „Am Zirkelstein“ versprachen außer reichlich Schotter und Waldboden keine großartige Abwechslung, so dass es erst wieder am Zirkelstein etwas Erwähnenswertes gab: Die letzte Aussicht des Tages stand an, denn während dieser Wanderung gibt es am Anfang und kurz vor Ende eine 360-Grad-Aussicht zu bewundern. So eben auch auf dem Zirkelstein …

Nach etwa 14,4 Kilometern endete unsere Wanderung am Parkplatz in Schöna, kurz bevor es in den Ort ging, entschieden wir uns die Klamotten wieder aus den Rucksäcken zu holen – wenige Augenblicke später kam uns eine Schulklasse entgegen. Hätten sie uns in typischer Wanderbekleidung gesehen, wären wir sicher das Gesprächsthema in den Ferien gewesen 😂.

Übrigens: Das Panoramahotel Wolfsberg überraschte uns mit einer wunderschönen Aussicht auf der Terrasse, doch leider war der Gulasch mit knapp 100 Gramm Fleisch ( Rainer unser Koch aus Mittweida rechnete stets mit 200 Gramm pro Gast ) etwas sehr knapp bemessen. Auch die Reaktion des Senior-Chefs fiel verhalten aus, das kennen wir so leider schon aus anderen Restaurants abseits der Hauptwanderwege – in Lokalitäten, wie dem Lichtenhainer Wasserfall oder der Neumannmühle im Kirnitzschtal undenkbar.

Rund um den Schmilkaer Kessel …

Das Beste kommt zum Schluss, wie es immer heißt. So und nicht anders war es auch zur SNT: Mit drei verschiedenen Aufstiegsmöglichkeiten zum Reitsteig, von der Heiligen Stiege, über die Rotkehlchenstiege und der Starken Stiege, sollte jedem Wanderer die Möglichkeit gegeben werden, seinen Fähigkeiten entsprechend, sich an eigene Grenzen heranzutasten.

Auch Schmilka blieb von den Unwettern des Sonnabends nicht verschont und so kam durch die Kahntilke ordentlich Schlamm und Geröll hinunter – als Aufstieg sollte er aber gerade richtig kommen, um unsere Mitwanderer auf das vorzubereiten, was noch kommen würde 😉. Mit etwas Hilfe konnten wir aber diese knapp 10 Meter des Aufstiegs bewältigen und es ging weiter hinauf in Richtung der Kleinen Bastei – dem ersten Aussichtspunkt des Tages …

Von dieser für viele Wanderer imposanten Aussicht – mit Blick auf Kaiserkrone und Zirkelstein, beides Ziele des gestrigen Tages – ging es noch einmal einige Höhenmeter hinauf, bis wir am gut ausgebauten Elbleitenweg angelangten, der Schmilka mit Bad Schandau auf halber Höhe zwischen Elbe und Affensteinen bzw. Schrammsteinen verbindet. Am Abzweig zur Rotkehlchenstiege wurde es dann Zeit, sich zu entscheiden, für welche Route sich jeder Wanderer entscheiden würde: Leicht, Mittel oder Herausfordernd ?

Zu meinem Erstaunen, fanden sich auch diesmal wieder gut 20 Wanderer, die sich der herausfordernden Variante über die Starke Stiege anschlossen. Fünf Wanderer folgten Erik über die Rotkehlchenstiege und die beiden Rainers, Horst, sowie Hans Peter nahmen den Aufstieg über die Heilige Stiege.

Die ersten 800 Meter durch den Rauschengrund waren noch von typischem Waldboden geprägt, doch als die ersten Steine links und rechts des Weges aufragten, wusste jeder, was bald kommt: Sandsteinfelsen, die im Weg liegen, wollen bestiegen werden – so auch diesmal und wir nahmen die nächsten Höhenmeter des Tages, bis wir vor der Starken Stiege standen. Harald wollte als Erster den Aufstieg wagen – als Tour Guide stand er allerdings recht schnell vor der Frage, wie es weitergeht, fand aber nach wenigen Sekunden den Weg zwischen den Steinen hinauf. Ich blieb am Einstieg und half unseren Freunden das erste Eisen zu erreichen – natürlich musste jeder selbst wissen, wie er zu greifen hatte, einen kurzen Lehrgang gab es bereits am Abend zuvor für die Bewohner des Ferienhauses …

Wie auf dem Foto zu erkennen, entschieden wir uns, einen Abstand zwischen den einzelnen Wanderern einzuhalten, so dass niemand in Bedrängnis von seinem Hintermann geriet …

Am Ende kamen wir alle oben an und es gab durchaus auch Stimmen, die sich einen schärferen Ton in der Beschreibung wünschten – als Wanderer in der Region ist es allerdings schwierig sich in jemanden hineinzudenken, der im Münster- oder Sauerland wohnt 😄. Man kann es als Nachteil oder Vorteil bezeichnen, doch die herausfordernde Variante war zugleich mit 12,2 Kilometern die längste Route des Tages, dafür gab es eine zusätzliche Aussicht: Den Großvaterstuhl mit Blick auf den Rauschenstein …

Kurz vor der Rotkehlchenstiege wurde es noch einmal etwas eng – der Obere Terrassenweg verläuft direkt an der Kante des Sandsteins, auf linker Seite nur einige Büsche. In einiger Entfernung erblickten wir schon Erik’s Gruppe, welche sich am Ende der Rotkehlchenstiege auf der nahegelegenen Aussicht sonnte.

Randnotiz 1: Diese Gruppe kam in den Genuss eine halbe Stunde Pause zu machen.

Für beide Gruppen ging es über den Oberen Terrassenweg weiter in Richtung Heilige Stiege bzw. der Aussicht unterhalb des Klettergipfels „Rauschensteiner Turm“. Vorbei am Muschelkopf, wo es wenig später erneut etwas eng wurde …

Wieder vereint fanden sich alle drei Gruppen am Ende der Heiligen Stiege zusammen und wir konnten über den Zurückesteig zum Reitsteig aufsteigen.

Randnotiz 2: Diese Gruppe wartete fast eine Stunde auf die anderen beiden Gruppen.

Wer schon am Dienstag Teil unserer Wandergruppe war, dem fiel bestimmt auf, dass es eine winzige Überschneidung der beiden Routen gab. Von der Kreuzung Reitsteig / Zurückesteig ging es anschließend zur „Aussicht zu ‚Hund‘ und ‚Marder'“, alternativ auch „Aussicht zur Neuen Wenzelswand“. Endlich konnten alle Wanderteilnehmer eine Pause machen.

Natürlich sollte auch ein offizielles Gruppenfoto nicht fehlen – die richtige Position zu finden, war anfangs nicht leicht, doch „Buddy“ Martin von der Alb hat so manches von seiner Frau gelernt und begab sich für das Foto sogar in die B-Rolle …

Das letzte große Highlight der diesjährigen Naturistentage sollte der Mittelwändesteig werden, auch als Affensteinweg bekannt. Auch die Bäume entlang dieses Weges sind inzwischen Opfer des Borkenkäfers geworden – noch ist der Weg auf eigene Gefahr passierbar, wie es nach dem nächsten Sturm aussieht, lässt sich jetzt noch nicht mit Bestimmtheit sagen, doch er wird sicherlich dem Großen Reitsteig im Großen Zschand ähnlich sein. Hoffen wir das Beste, dass der Nationalpark und der Sachsenforst die Situation bestmöglich in den Griff bekommen, ohne Menschenleben zu gefährden …

Auch aufgrund solcher Umstände ist es wichtig, unser kleines Paradies auf Film festzuhalten, egal ob analog oder digital, denn wie zerbrechlich unsere Wälder sind, sehen wir nicht nur in Sachsen, sondern auch in Thüringen und dem Harz – dem nächsten Ziel einiger Wanderer, denn bis zu den Thüringer Naturistentagen sind es nur noch wenige Tage. Der Abstieg stellte Rainer und mich dann noch vor einige Probleme, denn den Wurzelweg barfuß zu bestreiten gilt wirklich als eine Herausforderung und irgendwann war unsere Grenze erreicht – also Schuhe an und wir fanden den Anschluss zur Gruppe. Wie gut, dass es bis Schmilka nur bergab ging …

Damit endeten unser Wandertag und die Sächsischen Naturistentage – eine sehr schöne, wenn auch abenteuerlastige Woche ging an uns vorüber. Erik und ich können uns nur bei allen Mitwanderern bedanken, die den Weg auch dieses Jahr wieder nach Sachsen fanden – eure Freude, euer Lächeln und die Zufriedenheit in euren Augen ist unser Ansporn.

Abschließende Worte

Sechs Tage Wanderspaß gingen viel zu schnell vorüber und auch während der COVID-19-Zeit waren wir stets bemüht die Kontakte zu unseren Freunden aus nah und fern aufrecht zu erhalten. Dennoch ist es ein gewaltiger Unterschied, jene Freunde dann auch wieder zu sehen. Wir danken euch für die wunderschönen Momente, die ihr uns beschert habt und die Abenteuer, die wir mit euch erleben durften. Was natürlich bleibt, sind zahllose schöne Erinnerungen und Witze, die gerissen wurden …

Russische Mikroelektronik ist so fein, … die ist begehbar.

Ein besonderer Dank geht an Rainer aus Mittweida, der jeden Morgen die leeren Weinflaschen zum Glascontainer mitnahm und auch für einiges an Verwunderung bei Erik sorgte: Auf einmal waren sie weg, die Grillroste, am nächsten Morgen aufgewaschen, am Abend zuvor noch lagen sie in der Wiese. Wir waren mehr als angenehm überrascht, so dass es nicht verwundert, dass Rainer mit einem besonderen Angebot für die Sächsischen Naturistentage im kommenden Jahr daherkam.

Wir hoffen, dass wir uns im nächsten Jahr oder bei einer der kommenden Nacktwanderungen in Deutschland in aller Frische gesund wiedersehen.

Wir danken allen Freunden, die zum Erfolg der diesjährigen Wanderwoche beigetragen haben,
euer Erik und Martin

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Über Martin

Natürlich. Nackt. Frei. Seit Sommer 2015 haben diese drei Worte einen neuen Lebensweg für mich geprägt. Ich war es leid, immer wieder die richtigen Klamotten in Schuh- oder Bekleidungsgeschäften zu finden, nur um sie nach meiner nächsten Wanderung in die Waschmaschine werfen zu können. Der Bibel zufolge wurde der Mann nackt von Gott erschaffen - wir sehen dies sogar heute bei jeder Geburt, dass niemand mit einer Mütze geboren wird. Aber warum sollten wir Kleidung während einer Wanderung tragen ? Schließlich sind wir ein Teil der Natur und je mehr wir den Kontakt mit dieser erfahren, um so eher sind wir gewillt diese zu schützen. Für mich ist es daher wichtig, dass ich nicht nur meinen eigenen Körper der Natur aussetze, sondern dass meine Umwelt um mich herum geschützt wird …

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