Liebe Wanderfreunde,

wie lang haben wir auf diesen Moment gewartet ‚Ķ diesen Moment, in dem diese Zeilen entstehen – 384 Tage hat es gedauert. Endlich !

Bereits im vergangen Jahr erwies uns Pascal die Ehre, dass wir die S√§chsischen Naturistentage zuerst ausrichten durften. Dieses Jahr kam es allerdings zu einer √úberschneidung, so dass es f√ľr unsere Teilnehmer hie√ü: NEWT in √Ėsterreich oder Sachsen ? Viele unserer Freunde aus Deutschland und aus Europa entschieden sich jedoch f√ľr Sachsen – auf Basis der guten Erfahrungen des vergangen Jahres. Also auf ein Neues und so m√∂chten wir euch einladen, eine Wanderwoche der ganz besonderen Art zu erleben, mit Freunden aus nah und fern, auf abenteuerlichen Pfaden zu den magischen Aussichten im Sandstein ‚Ķ

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Inhaltsverzeichnis

1. Tag: √úber den Forststeig zur Grenzplatte ‚Ķ
2. Tag: Auf schmaler Spur zum Hochwald ?
3. Tag: Der Geschichte auf der Spur ‚Ķ
4. Tag: Zu Wasser oder zu Land ?
5. Tag: Carola, J√§gerin der „Schrammen“ ‚Ķ
6. Tag: √úber den Forststeig zum Zirkelstein ‚Ķ
7. Tag: Rund um den Schmilkaer Kessel ‚Ķ

√úber den Forststeig zur Grenzplatte ‚Ķ

Der erste Wandertag unserer Naturistentage entf√ľhrte uns ins wundersch√∂ne Bielatal, von der Ottom√ľhle sollte es bis zur Grenzplatte am Rande unseres Landes gehen – mit Blick in die Tschechische Republik.

Nach Ankunft am Parkplatz hie√ü es zun√§chst ein wenig Warten, da einige unserer Mitwanderer nichts von der Umleitung an der Schweizerm√ľhle wussten. Wenige Minuten nach 10 konnte unsere Wanderung wie geplant starten. Vom Parkplatz an der Ottom√ľhle ging es zun√§chst √ľber den Korbfeilenweg und einen Teil des 2018 angelegten Forststeigs hinauf zur Johanniswacht – gleichzeitig die erste Aussicht des Tages. Auf unserem Weg erblickten wir drei Kletterer beim Aufstieg auf den Schusterturm ‚Ķ

Oben angekommen – also auf der Johanniswacht – landete das erste Panorama der Naturistentage auf dem digitalen Negativ. Unsere Mitwanderer, sichtlich fasziniert von der Aussicht, schossen da das ein oder andere Foto zus√§tzlich. Gespannt wurde auch so mancher Erz√§hlung √ľber die baulichen Besonderheiten, des uns zu F√ľ√üen liegenden Tals, gelauscht. Dem Abstieg von der Johanniswacht folgte der erste l√§ngere Weg √ľber den Forststeig, durch dichte W√§lder und entlang der Kletterfelsen „Zauberberg“, „Wiesenkopf“ und „Hauptwiesenstein“. Jedem Aufstieg folgt bekanntlich ein Abstieg und so fanden wir uns nach kurzer Zeit auf dem Theilemannweg wieder und es ging √ľber gut 750 Meter eine asphaltierte Stra√üe entlang. Zeit, die Schuhe wieder auszupacken und einige Gespr√§che mit unseren Mitwanderern zu f√ľhren, so wurden nicht nur mit Andr√©, Martin und Uwe einige Worte gewechselt, sondern auch mit vielen weiteren Freunden aus nah und fern, wovon wir manche seit gut einem Jahr nicht mehr sahen – COVID-19 sei Dank ūüėĒ.

Forststeig und Mehlsteig sollten uns einige H√∂henmeter hinauf f√ľhren – bereits zur Erkundungswanderung im Mai versprachen beide Wege ein Paradies f√ľr Zecken zu werden: Feuchte Wiesen und nasses Gras. Doch wir kamen ohne gr√∂√üere Schwierigkeiten hindurch, so dass wir uns alsbald an der Hirschstange einfanden. Kurz vor dem Abzweig zum Moorteich wollte auch versucht werden, das Gasthaus „Neumannm√ľhle“ zu kontaktieren. Zun√§chst erfolglos, wurde der Versuch am Moorteich wiederholt, bevor es f√ľr mich zur√ľck zur Hirschstange ging. Unsere Gruppe aus 28 Wanderern entschied sich derweil eine Pause am Moorteich einzulegen oder die einzigartige Stimmung festzuhalten ‚Ķ

Jede Pause kennt einmal ihr Ende und es ging zur√ľck in Richtung Hirschstange, erneut wurde der Versuch unternommen, unser Restaurant am Ende der Wanderung zu kontaktieren, aber erst im Glasergrund kam es zu einer stabilen Verbindung.

Bis zur Grenzplatte – einem unserer Hauptziele der heutigen Wanderung – war es nicht mehr weit und wir entschlossen uns, eine ausgedehnte Pause einzulegen. Richtung Horizont und tief in tschechischen Landen waren bereits die ersten Wolken auszumachen, noch dachten wir an nichts Schlimmes, was sich da zusammenbrauen sollte. Wir genossen die Sonne und fanden als Gruppe zueinander – egal, ob Niederl√§nder, Schweizer, Tschechen bzw. Briten oder eben die gro√üe Gruppe aus heimischen Gefilden ‚Ķ

Von der Grenzplatte sollte es aber irgendwann mal wieder zur√ľck in Richtung Ottom√ľhle gehen – wie der Titel unserer Wanderung verr√§t, sollte der Forststeig unser treuer Begleiter bleiben.

Die „Alte 1“ f√ľhrte uns nach gut 1,6 Kilometern zur√ľck ins Tal der Biela. Zur Erkundungswanderung im Mai war dieser Weg durch den Dauerregen mehr als rutschig und auch diesmal wies der Weg seine T√ľcken auf, so dass Rainer aus Dortmund ein wenig Hilfe erhielt. Unten angekommen, ging es weiter √ľber den Lattenweg, sowie den Forststeig, bis wir uns am Aufstieg zur Schwedenh√∂hle und dem Eisloch einfanden. So richtig Lust hatte keiner von uns, als die Frage aufkam, wer denn einmal die sich nach hinten √∂ffnende Schwedenh√∂hle erkunden m√∂chte und so war es nicht verwunderlich, dass die Steine in der n√§heren Umgebung erklommen wurden ‚Ķ

Das letzte Highlight des Tages, sollte ein Bad in der Biela werden, bevor es √ľber die Ottom√ľhle und den Oberen M√ľhlsteig zur√ľck in Richtung Parkplatz ging.

PS: Am Ende der Wanderung ging es noch in die Neumannm√ľhle im Kirnitzschtal, w√§hrend wir gem√ľtlich unter dem gro√üen Zelt sa√üen, entschied sich Petrus einen kr√§ftigen Schauer auf uns niederzulassen – als Resultat gab es einen Steinschlag im Dorfbachgrund, der Stra√üe die unterhalb des Arnsteins in Richtung Ottendorf verl√§uft. Als ich einen der, auf der Stra√üe liegenden gr√∂√üeren Steine, aus dem Weg r√§umen wollte, fiel mein geliebtes neues iPhone 12 Pro aus der Hosentasche und landete auf der Stra√üe – erst in der Ottendorfer H√ľtte angekommen, stellte ich fest, dass es nicht mehr mit der Ô£Ņ Watch gekoppelt war. Erik und ich machten uns auf die Suche und fanden es unterhalb des Arnsteins.

Wie sollte es weiter gehen ?

Auf schmaler Spur zum Hochwald ?

Der zweite Tag sollte bereits zu Beginn des Tages recht turbulent werden: Das iPhone 12 Pro hin√ľber und unser Wetter-Guru Andr√© versprach uns f√ľr die kommenden Stunden reichlich Regen. Allein die Aussage „wenn uns der Ausl√§ufer trifft, dann sch√ľttet es“, sorgte daf√ľr, dass zahlreiche Wanderer beim Fr√ľhst√ľck sich gegen eine Wanderung entschieden. Am Abend zuvor versprach das Wetter wenigstens noch einen trockenen Aufstieg, lediglich der Abstieg sollte etwas feucht werden – der Phonolith auf dem Hochwald im Zittauer Gebirge h√§tte somit f√ľr eine echte Rutschpartie gesorgt.

Also folgte die einzig logische Schlussfolgerung: Die Wanderung im Zittauer Gebirge wird verschoben – auf n√§chstes Jahr. Hans Peter, Peter und ich entschieden uns, dem Ô£Ņ Store in Dresden einen Besuch abzustatten, um das defekte Kameramodul im iPhone 12 Pro zu tauschen, sowie einen kleinen Stadtrundgang zu unternehmen. Ein wesentlich gr√∂√üerer Teil unser Gruppe entschloss sich die Festung K√∂nigstein zu besuchen, Thomas aus dem Sauerland schaute in Bad Schandau vorbei und Erik ging mit einigen Freunden in der Umgebung von Ottendorf auf Wanderschaft.

In Dresden k√ľndigte sich das Unwetter √ľber dem Zittauer Gebirge und Bad Schandau am sp√§ten Nachmittag in Form eines leichten Regens an und nach erfolgreichem Kamera-Tausch, samt anschlie√üender Kalibrierung der Sensoren kehrten wir zur√ľck in Richtung Ferienhaus. Auf der Fahrt lie√ü sich bereits erahnen, was uns in Ottendorf erwarten w√ľrde: Die Stra√üe von Hohnstein nach Ehrenberg war teilweise √ľberschwemmt und nur Hans Peters Fahrk√ľnsten ist es zu verdanken, dass wir wohlbehalten bis zum Busbahnhof Sebnitz kamen.

Bis Ottendorf wollte uns die Feuerwehr nur auf eigene Verantwortung fahren lassen, denn der Busbahnhof befand sich in einer Senke und der nahegelegene Dorfbach wurde mit den Wassermassen nicht mehr fertig, so dass binnen kurzer Zeit Busbahnhof und der √∂rtliche Discounter unter Wasser standen. Ich entschied mich, im str√∂menden Regen mit den Feuerwehrleuten zu sprechen und wir erhielten einen Tipp, wie wir nach Ottendorf kommen w√ľrden: Links am Rand vom Busbahnhof vorbei, anschlie√üend f√ľhrt eine schmale Stra√üe an einem gr√ľnen Haus zur rechten Seite steil den Berg hinauf, vorbei am Bad in Hertigswalde ( dem Herti ) gelangten wir so zur Ottendorfer Stra√üe, an der uns auch prompt die Feuerwehr entgegen kam.

„Wie w√ľrde es in Ottendorf wohl aussehen ?“, fragten wir uns. Von unserer Vermietern Bea, wusste ich nur, dass es Ottendorf in der Vergangenheit schon schlimmer erwischte, doch etwas mulmig war uns schon. Kurz nach Ankunft am Ferienhaus war auch schon die √∂rtliche Feuerwehr anzutreffen, denen ich umgehend unsere Hilfe zusicherte.

Wieviel Gl√ľck wir am Ende des Tages hatten, er√∂ffnete sich uns erst, als Frank aus dem Erzgebirge eintraf: Er war mit einem Teil der Gruppe auf der Festung K√∂nigstein, die in so dichtem Nebel lag, dass nicht einmal der gegen√ľberliegende Lilienstein zu sehen war. Er selbst kam auf der Festung etwas „abhanden“ und war so Teil einer Gruppe, die es nicht mehr durchs Kirnitzschtal zur√ľck zum Ferienhaus schaffte. Ed aus Prag, G√ľnter, Wilfried und eben auch Frank sa√üen am Hotel „Forsthaus“ im Kirnitzschtal fest. Frank entschied sich gegen eine √úbernachtung im Hotel und brach lieber in Richtung des Lichtenhainer Wasserfall auf – immerhin ein Marsch von gut 3,5 Kilometern – bei str√∂mendem Regen. Ihm haben wir auch die folgenden Fotos zu verdanken, die einen Einblick liefern, wie viel Gl√ľck wir am Ende noch hatten – im Vergleich zu den vielen Opfern, welche die Flutkatastrophe im Westen der Republik gekostet hat ‚Ķ

Kirnitzschtal : Das Wasser sucht sich seinen Weg von den H√§ngen kommend ‚Ķ
Kirnitzschtal : Die Gleise der Kirnitzschtalbahn versinken im Schlamm ‚Ķ
Kirnitzschtal : Wenigstens bekam die Technik nichts ab ‚Ķ
Kirnitzschtal : Die Mittelndorfer M√ľhle liegt nur wenige Zentimeter √ľber dem Pegel der Kirnitzsch ‚Ķ
Kirnitzschtal : Der Sportplatz gleicht einer Wasserlandschaft ‚Ķ
Kirnitzschtal : Wie Frank hier einen Weg fand ist erstaunlich ‚Ķ
Kirnitzschtal : Weitere Besch√§digungen im Verlauf des sonst so ruhigen Tals ‚Ķ
Kirnitzschtal : Die Aufr√§umarbeiten begannen kurze Zeit sp√§ter ‚Ķ
Lichtenhainer Wasserfall : Was die Reparaturen kosten, kann derzeit noch nicht abgesch√§tzt werden ‚Ķ

Am Lichtenhainer Wasserfall wurde Frank dann von den Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr Ottendorf eingesammelt, die ohnehin zur√ľck in Richtung Ottendorf fuhren.

Der Geschichte auf der Spur ‚Ķ

Sonntag. Sommer. Sonne. Sonnenschein ? Naja zu Beginn des Tages versprach das Wetter noch recht k√ľhle Temperaturen, wir entschieden uns dennoch f√ľr eine Wanderung – leicht abgewandelt, denn in Folge der Flutsch√§den verkehrte kein Linienverkehr zwischen Ottendorf und dem Kirnitzschtal, somit blieb uns nur eine Wanderung mit Start an unserem Ferienhaus.

Die ersten Meter wurden noch bekleidet √ľber den √∂rtlichen Parkweg zur√ľckgelegt, bevor dieser in einen Feldweg √ľberging. Die erste Kreuzung wurde sogleich genutzt, um die √ľbliche Wanderbekleidung anzulegen. Vorbei an der Gedenkst√§tte zu Ehren der Gefallenen des Ersten und Zweiten Weltkriegs unweit der Endlerkuppe, entschieden wir uns f√ľr den Weg vorbei am Lost Place. Entlang der Felder und Wiesen rund um Ottendorf kamen wir mitten am Feldweg an einem „Leichenstein“ vorbei, der an zwei Zimmersleut‘ erinnert, die hier vom Blitz erschlagen wurden, als sie von ihrer Arbeit heimgekehrt sind.

Ortskundige Wanderer werden sicherlich feststellen, dass Ottendorf nicht zum Nationalpark S√§chsische Schweiz geh√∂rt und so bewegten wir uns f√ľr wenige Kilometer au√üerhalb unseres angestammten Wandergebiets. Nach rund 1,6 Kilometern der Wanderung konnten wir endlich den Nationalpark betreten und begaben uns zur Aussicht auf dem Gro√üstein, sowie zugeh√∂riger Kanzel ‚Ķ

Die Aussicht, war einfach ph√§nomenal und wir genossen den Blick auf den Lorenzstein, die Affensteine und die Hintere S√§chsische Schweiz, wie den Gro√üen und Kleinen Zschand. Einem Teil der Wandergruppe bot ich an, mir in Richtung der Felsenm√ľhle zu folgen, da ich mir ein Bild der Sch√§den im Kirnitzschtal machen wollte, um zu entscheiden, ob die Wanderungen der kommenden Tage wie geplant stattfinden k√∂nnen. Der Abstieg zur Felsenm√ľhle war kein gro√ües Problem, doch am √úbergang des Vogelbergbachs fanden sich zahllose √Ąste wieder, die ein Ablaufen des Bachs durch seinen urspr√ľnglichen Bachlauf verhinderten, kurzerhand entschlossen wir uns die √Ąste und weiteren angeschwemmten Unrat zu entfernen und den Wanderweg „trocken zu legen“, denn dieser f√ľhrte in direkter Verl√§ngerung in die Felsenm√ľhle hinein und war f√ľr einen Gro√üteil der Sch√§den verantwortlich ‚Ķ

Wenig sp√§ter begegneten wir einem Nationalparkw√§chter, samt Spr√∂ssling, der einen Blick auf die Region oberhalb der Felsenm√ľhle warf. Wir kamen ins Gespr√§ch und es stellte sich heraus, dass der Nationalpark wieder neue Ranger sucht – dem Borkenk√§fer sei Dank ? Wir werden es wohl niemals herausfinden, jedenfalls entgegnete er mir, dass ich mir dann wohl „eine andere Dienstkleidung“ zulegen m√ľsse ūüėā.

Wieder oben auf dem Gro√üstein angekommen, war unser Freund Harald mit einer jungen Wanderin aus Berlin ins Gespr√§ch gekommen und im Verlauf des Abstiegs kamen wir ins Gespr√§ch – mein Leben sollte sich von da etwas ver√§ndern und ich schwebte ( gelinde gesagt ) auf Wolke Sieben. Zumindest ging mir Vanessa fortan nicht mehr aus dem Kopf. Kurze Zeit sp√§ter erreichten wir die Schmidt’sche Linde, die einen fantastischen Blick auf die n√§here Umgebung, sowie Lichtenhain bietet ‚Ķ

Unser R√ľckweg entf√ľhrte uns dann aber doch noch zur Endlerkuppe, einem alten Jugenderholungsheim, was in den Jahren 1928 – 1929 durch den Architekten Kurt B√§rbig errichtet wurde und ab 1933 dem Bund Deutscher M√§del diente. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde es von der SED als Parteischule genutzt und seit 1990 steht es nun leer. F√ľr uns als Wandergruppe die Gelegenheit, „der Geschichte auf der Spur“ zu sein, wie auch der Name der Wanderung lautete. Vanessa begleitete uns in den Lost Place hinein und ich erz√§hlte ihr ein wenig von der Geschichte des Objekts. Anschlie√üend nahm unsere Gruppe noch am Rand des „Appellplatzes“ Aufstellung f√ľr ein Gruppenfoto – so schnell wird man als textile Mitwanderin in eine Gruppe Nacktwanderer eingebunden ūüėČ ‚Ķ

Die Endlerkuppe hinter uns liegend erreichten wir nach wenigen Minuten wieder unsere H√ľtte und ich begleitete Vanessa noch zur√ľck zu ihrem Auto – der Kurzurlaub in der S√§chsischen Schweiz w√§hrte leider nur eine Nacht, doch ich freue mich auf den Moment, wenn sie wieder zu Gast in unserem kleinen Kletter- und Wanderparadies sein wird.

Zu Wasser oder zu Land ?

Woran erkennt man eine Aufgabe, die man liebt ? Wenn man sie gern macht, mit Herzblut und dies auch der ganzen Welt zeigen will. So und nicht anders geht es Erik und mir, denn wenn ihr eure Freude nach einer Wanderung zum Ausdruck bringt, ist dies f√ľr uns der Beweis, dass wir uns auf dem richtigen Weg befinden.

Am vierten Tag der Naturistentage, zugleich auch der Halbzeittag, entschieden wir uns, es etwas ruhiger angehen zu lassen und wo kann man das besser, als auf der Elbe bei einer gepflegten Paddeltour ? Noch am Sonntag bedurfte es einiger R√ľcksprachen mit Kanu Aktiv Tours, denn ob der Flutsch√§den war nicht klar, ob diese stattfindet. Am Telefon kamen dann die erleichternden Worte: Der Pegel der Elbe sei im gr√ľnen Bereich, lediglich die Str√∂mung sei etwas st√§rker, alles in allem ist eine Schlauchboottour zu meistern. Genau das wollten wir h√∂ren und begaben uns mit den Autos zum Busbahnhof in Sebnitz, der ebenfalls wieder trockengelegt wurde – der Bus nach Ottendorf verkehrte aber weiterhin noch nicht, so dass die Fahrer anschlie√üend allein zum Ferienhaus zur√ľckfuhren, w√§hrend der Rest der Gruppe in Sebnitz auf den Bus wartete. Unsere Fahrer wurden von Hans Peter zur√ľck zum Busbahnhof gebracht, so dass wir ganz entspannt mit der G√§stekarte nach Bad Schandau fuhren.

Vom Nationalparkbahnhof in Bad Schandau war es nur ein Katzensprung bis zur Ausgabe der Boote an der Elbe und nach kurzer Einweisung und Bezahlung der Boote konnten wir auch schon starten. Wie immer war es wichtig den Ansagen des Verleihers Folge zu leisten:

  • Links von der gr√ľnen Boje bleiben
  • Rechts von der roten Boje bleiben
  • Kontakt mit den Bojen kann dazu f√ľhren, dass jemand √ľber Bord geht
  • Alles was st√§rker ist, als ein Schlauchboot ist, hat Vorfahrt

Es war erstaunlich, wie zwei von drei Booten in der Lage waren, die ersten drei Punkte zu ignorieren, so wurde Christian als Bootsf√ľhrer des dritten Boots erst nach einigen Bojen klar, wie die Vorfahrt auf der Elbe geregelt ist. Horsts Boot nahm Kontakt mit einer Boje auf und es fehlte nicht viel, dass Ed aus Prag √ľber Bord ging – nur unser Boot blieb von all diesen kleinen „Grenzerfahrungen“ verschont. So klappte die Kommunikation im Boot hervorragend und ich konnte mich als Bootsf√ľhrer auf meine Gruppe verlassen.

Die bereits angek√ľndigte starke Str√∂mung lies unsere Gruppe etwas auseinanderrei√üen, so schwamm Horsts Boot in der Fahrrinne der Elbdampfer und war nach einer guten Stunde unauffindbar. Das letzte Foto entstand wenige Augenblicke unterhalb der Festung K√∂nigstein, sowie dem gleichnamigen Ort ‚Ķ

Ein wenig sp√§ter – den Ort an der Elbe und die Festung hinter uns liegend – landeten wir mit den Booten an einem kleinen rechtselbischen Ufer, um eine Pause zu unternehmen, denn fast die H√§lfte der Tour lag bereits hinter uns – in weniger als zwei Stunden und wir sollten mehr als sechs Zeit haben. So verbrachten wir eine gute Stunde und genossen die Sonne, auch Christians Boot machte an diesem kleinen Ufer fest. Zu Beginn der Pause begab ich mich noch auf eine kleine Anh√∂he, um nach Horsts Boot Ausschau zu halten – vergebens.

Genug Sonne getankt ? Es kann weiter gehen.

Einen reichlichen Kilometer abw√§rts fanden wir dann – ebenfalls am rechtselbischen Ufer – ein Schlauchboot vor ‚Ķ samt Besatzung, die sich etwas abseits zur Pause an Land begab und als sie uns sahen, wieder in ihr Boot sprangen. Die Gruppe war wieder vollz√§hlig und so konnte das Highlight des Tages angesteuert werden: Kurort Rathen, mit seinem Eisverkauf am Radweg, der selbstsicher „das letzte Spitzeneis vor Italien“ offeriert.

Ob es am Wetter lag, oder einfach nur an der Lust etwas zu verkaufen, kann ich nicht sagen, denn als wir in Rathen ankamen, wurden die Gesichter lang: Der Eisverkauf war geschlossen und so reichte es am Ende wenigstens noch f√ľr ein Gruppenfoto mit Blick auf das Basteigebiet, den M√∂nch und die Burg Altrathen ‚Ķ

Die Gierseilf√§hre war ebenso wenig in Betrieb, so dass wir bedenkenlos an der Motorf√§hre vorbeiziehen konnten. Es erweist sich als Vorteil im Boot des ortskundigen Wanderleiters zu sitzen, der seiner Besatzung die n√§here Umgebung und so manche Geschichte zu M√∂nch und Nonne, als auch den Felssturz vom Wartturm n√§her bringt. Selbst die Rahmhanke – ein ausgesetzter Pfad auf halber H√∂he zwischen Bastei und Elbe wurde unseren Besuchern beschrieben. Ein Foto von der Basteibr√ľcke durfte nat√ľrlich nicht fehlen ‚Ķ

Wenig sp√§ter kamen wir auch schon in Wehlen und der Abgabestelle von Kanu Aktiv Tours an, Horsts Boot fuhr beinahe zu weit, so dass sie mit vereinten Kr√§ften ein paar Meter die Elbe hinauf paddeln mussten – eine Idee f√ľr eine herausfordernde Variante im n√§chsten Jahr ūüėĄ ?

Wieder trockenen Boden unter den F√ľ√üen, entschieden wir uns, ob der reichlichen Zeit, die wir noch hatten, dem Marktst√ľbchen in Stadt Wehlen einen Besuch abzustatten. Endlich konnte auch unseren G√§sten die kulinarische Seite von s√§chsischer Kaffee- und Kuchenkultur demonstriert werden, Dresd’ner Sauerbraten sollte es im Anschluss im Brauhaus „Zum Gie√üer“ in Pirna geben. Die Fahrt zur√ľck zum Ferienhaus unternahmen wir mit einem Mietbus des √∂rtlichen Regionalverkehrs.

Und es gab sogar eine Gruppe, die sich lieber entschied zu wandern – deren Erlebnisse k√∂nnt im weiteren Verlauf nachlesen, geschrieben von Erik ‚Ķ

Nicht alle Teilnehmer wollten sich in die Fluten st√ľrzen und versuchten es auch an diesen Tag mit einer Wanderung. Der Weg zum Startpunkt – die Bastei – wurde Dank der G√§stekarte kosteng√ľnstig per Bus zur√ľcklegt. Am Anfang stand erstmal der touristische Teil: Vorbei am Hotel und einem kurzem Abstecher zum Ausblick ging es √ľber die ber√ľhmte Br√ľcke und weiter zum Einstieg der Rahmhanke am Tiedgestein, √ľber den Basteiweg hinab zum Amselsee – aber auch hier verzichteten wir auf eine Bootsfahrt und w√§hlten den Weg am Ostufer, welcher uns dann zum Aufstieg durch die Schwedenl√∂cher brachte. Nach einer Pause an der Pavillonaussicht ging es vorbei am Steinernen Tisch und hinab zum anderen Ende der Rahmhanke. Die Ruhe vor den Touri-Massen sollte f√ľr uns endlich die Gelegenheit sein, die √ľbliche Wanderkleidung anzulegen und uns auf den Weg nach Wehlen zu machen. Vorbei an der Karl-Stein-H√ľtte des Deutschen Alpenvereins ging es f√ľr die kleine Dreiergruppe schnell voran, so dass wir recht bald am F√§hranleger ankamen und die √úberfahrt zum Bahnhof wagten ‚Ķ

Die Zeit reichte auch noch f√ľr ein kurzes Bad im Strom. In Pirna angekommen, folgte noch ein kurzer Stadtrundgang und der Aufstieg vorbei am Cannaletto-Blick zur heutigen Einkehr.

Carola, J√§gerin der „Schrammen“ ‚Ķ

Tag Nummer F√ľnf. Und es wird sportlich: Zum ersten Mal in den letzten Tagen teilen wir unsere Tour in eine leichte und eine herausfordernde Variante. Es stehen auf dem Programm: Die Zahme H√∂lle oder der Kletterpfad im Gro√üer Dom.

Nach einer recht abenteuerlichen Fahrt durchs gesperrte Kirnitzschtal, kamen wir gerade noch p√ľnktlich am Parkplatz im Nassen Grund an. Wir wollten keine Zeit vertr√∂deln, so dass wir alsbald zur Wanderung starteten und liefen so den ersten Kilometer durch jenen Grund, der stellenweise seinem Namen alle Ehre machte – „√ľber den Jordan“ ( gemeint ist nat√ľrlich der Jordanweg ) ging es anschlie√üend zur Entscheidung, wer denn welche Variante bevorzugen w√ľrde. Bereits im letzten Jahr stellte ich ich fest, dass die √ľberw√§ltigende Mehrheit eine Herausforderung sucht – so auch diesmal.

W√§hrend sich Erik ein knappes halbes Dutzend unser Wandergruppe durch die Zahme H√∂lle anschloss, folgten mir knapp 25 Wanderer √ľber den Kletterpfad im Gro√üen Dom. Den ersten Abzweig meisterten wir noch problemlos, war der Sandlochweg doch sehr gut erkennbar und auch der Eingang in den Kletterpfad war ohne gr√∂√üere Schwierigkeiten zu meistern. Doch die zweite Abzweigung hatte es dann doch in sich: Vorbeigelascht und erst, als Andr√© nach gut 60 Metern zuf√§llig auf sein GPS-Ger√§t sah, stellte er fest, dass unser Weg etwas weiter links verlaufen w√ľrde. Also alles wieder zur√ľck und wir fanden mit kurzem Abstecher doch noch den zugewachsenen Einstieg in den Kletterpfad ‚Ķ

Ein Blick auf die interaktive Wanderkarte bzw. MapOut verriet, dass der Kletterpfad √ľber eine Distanz von 170 Metern verl√§uft, daf√ľr aber gut 60 H√∂henmeter aufweist. Die ersten H√∂henmeter waren kein Problem und auch das Seil entlang der B√§ume wurde schnell erreicht, f√ľr die letzten Meter war noch einmal eine gute Wegfindung erforderlich, f√ľhrte doch der Weg zwischen den Resten eines umgest√ľrzten Baumes hindurch. Eine schmale Felsengasse trennte uns noch von der Oberen Affensteinpromenade und tats√§chlich waren die ersten Teilnehmer zeitgleich mit jenen eingetroffen, die sich f√ľr die leichte Variante entschieden – ein Novum f√ľr die n√§chsten Tage, denn dies genau zu timen ist in der S√§chsischen Schweiz nahezu unm√∂glich.

Als Erik an der Kreuzung beider Varianten ankam, stellte er fest, dass sein Smartphone verschwunden war. Die Suche war recht einfach, lie√üen wir es doch einfach bimmeln, bis wir es h√∂rten – mit einer Ô£Ņ Watch w√§re es nat√ľrlich noch einfacher, aber das ist eine andere Geschichte ūüėČ. Bis zum oberen Teil der Wilden H√∂lle verlief unser Weg recht unspektakul√§r, so dass auch der letzte Aufstieg zum Carolafelsen und dem ersten Ziel unserer Wanderung genommen wurde.

Wer den Wanderbericht vom Sonntag genau gelesen und eine ungef√§hre Vorstellung hat, wie es sich anf√ľhlt ‚Ķ zu sein, der wei√ü, dass der K√∂rper in solchen Momenten Energiereserven mobilisieren kann, die vorher nicht da sind – und man geht vielleicht ein bisschen mehr Risiko ein. Aber Hey, klettern macht Spa√ü und auf dem Carolafelsen kamen wir kurz zuvor noch mit einem weiteren Ranger ins Gespr√§ch. Nat√ľrlich entstand auch an dieser Aussicht das ein oder andere Foto – mal von unserer Gruppe, aber auch von der Aussicht selbst ‚Ķ

Richtig spektakul√§r wurde es erst wieder beim Weg √ľber den Zur√ľckesteig: So wollte nicht nur einem P√§rchen geholfen werden, die auf der Suche nach den Schrammsteinen waren.

Unser Weg entf√ľhrte uns weiter in Richtung der Aussicht am Spie√ü und es wurde das erste Mal ersichtlich, dass einige Teile der Gruppe allm√§hlich begannen ihre eigenen Interessen durchzusetzen ūüėí. So verschwand Christian einfach mit den drei Niederl√§ndern Bart, Iza√§k und Joost und erst nach mehrmaligem Rufen fanden sie sich wieder ein. Aber am Ende war alles gut und niemand ging verloren – das war am Ende jeden Tages das Wichtigste.

So richtig abenteuerlich wird es in der S√§chsischen Schweiz immer dann, wenn ein Abstieg zu finden ist, denn dann geht es auch kurze Zeit sp√§ter wieder hinauf – zur gro√üen Freude aller Wanderer. Naja oder fast aller ‚Ķ

Die Lehne hinter uns liegend, ging es hin√ľber zur Breiten-Kluft-Aussicht – es gab ja auch schon lang kein Gruppenfoto mehr. Kleines Highlight f√ľr unsere Wanderfreunde aus nah und fern: Das Wanderziel des morgigen Tages konnte bereits ersp√§ht werden ‚Ķ

Unweit der Aussicht findet sich auch der „Breite-Kluft-Steig“, alternativ einfach nur die Breite Kluft. √úber zahllose Stufen nahmen wir den Weg hinab zum Elbleitenweg, der f√ľr einen reichlichen Kilometer unser Begleiter blieb, bevor wir uns einen Weg in Richtung des Wildsch√ľtzensteigs suchten. „Carola, die J√§gerin der ‚Schrammen'“, versprach uns zuletzt den Blick von den Schrammsteinen auf die Torsteine, den Falkenstein, den Lilienstein und die linkselbischen Steine der Vorderen S√§chsischen Schweiz. Im letzten Jahr erstmalig begangen, entschieden wir uns auch diesmal f√ľr die „geheime“ Aussicht neben der eigentlichen Hauptaussicht – ein Fehler, denn f√ľr gut 30 Wanderer ist diese einfach zu klein und es wurde dezent kuschelig ūüėā.

Was geschah bis zum Ende der Wanderung ? Nicht viel, denn der Mittelwinkel – voriges Jahr als Aufstieg gew√§hlt – f√ľhrte uns von den Schrammsteinen zur Wildwiese, am Aufstieg zur Hohen Liebe vorbei und entlang des recht steinigen Butterwegs gelangten wir irgendwann am Parkplatz am Ende des Nassen Grunds an.

Ein letztes fotografisches Highlight gab es am Lichtenhainer Wasserfall zu bestaunen: Durch das Hochwasser wurde die Stauanlage besch√§digt und fortan floss das Wasser hinunter – perfekt, um nach einem Glas im Restaurant zu fragen und mit der App „Spectre“ eine Langzeitbelichtung auf digitalen Film zu bannen.

√úber den Forststeig zum Zirkelstein ‚Ķ

Stellt euch vor, ihr startet eine Wanderung mit 45 Minuten Versp√§tung, verl√§ngert diese um zwei Kilometer und kommt trotzdem p√ľnktlich im Restaurant an. Wie ist dies m√∂glich ? Nun manchmal muss man eben etwas Gl√ľck haben und auch eine Wanderroute ausw√§hlen, die solche „Probleme“ verzeiht.

So geschehen am sechsten Tag unserer Naturistentage, als wir auf die Kaiserkrone und den Zirkelstein wollten. Schon die Anreise stellte uns vor so manche H√ľrde: Krippen, ebenfalls von der Flut getroffen, verz√∂gerte unsere Anreise, als pl√∂tzlich die Polizei die Stra√üe sperrte, da ein Baum innerhalb eines Grundst√ľcks vom Umst√ľrzen bedroht war. Zun√§chst wussten wir nicht was los war, doch ein kurzes Gespr√§ch mit beiden Polizeihauptmeistern brachte Klarheit und das Technische Hilfswerk war ebenfalls schon vor Ort und Stelle. Die Feuerwehr Krippen leistete wertvolle Sicherungsarbeit, so dass binnen weniger Minuten der Baum gezielt gef√§llt werden konnte ‚Ķ

Durch das Gro√üstadtrevier und der Aussage meines Vaters, dass diese zu den realistischsten Polizeiserien in Deutschland z√§hlt, konnte ich es mir nicht nehmen lassen, den Polizisten und allen Beteiligten f√ľr die tolle Arbeit der letzten Tage und Wochen zu danken. Zwar wiegelten die beiden PHMs mit der Aussage „Kein Problem“ ab, doch ich erwiderte ihnen, dass diese Arbeit einfach auch mal gew√ľrdigt werden m√ľsse. Daraufhin bedankten sich beide Polizisten, erleben sie es doch immer wieder, dass sie angefeindet oder angep√∂belt werden.

Am Parkplatz kamen wir so mit einer guten Dreiviertel Stunde Versp√§tung an. Aber was soll’s, unsere Mitwanderer steckten ebenfalls gr√∂√ütenteils in der Schlange und die wenigen Wanderer, die wie Rainer zu Fu√ü zum Startpunkt kamen, wurden einfach √ľber unsere neue Ankunftszeit informiert.

Wenig sp√§ter starteten wir auch schon unsere Wanderung – direkt mit dem ersten Aufstieg hinauf zur Kaiserkrone, an jenem Felsen, auf den auch Caspar David Friedrich seinen – bis heute – unbekannten Wanderer im Bild „Der Wanderer √ľber dem Nebelmeer“ positionierte, befreiten wir uns von den Klamotten. Der erste Ausblick des Tages konnte sich zumindest sehen lassen und unseren Mitwanderern wurde erkl√§rt, wie die Kaiserkrone zu ihrem Namen kam:

Einst war die Kaiserkrone, wie der Zirkelstein unbewaldet – letzterer wurde in der Vergangenheit als Signalwarte genutzt. Die Kaiserkrone fand aufgrund ihrer markanten Form zu ihrem heutigen Namen.

Nat√ľrlich durfte auch das obligatorische Foto von der Aussicht nicht fehlen, bewegten wir uns doch auf jenen „Magischen Aussichten im Sandstein“ ‚Ķ

Der Weg auf die Kaiserkrone war f√ľr uns eine Einbahnstra√üe und so f√ľhrte der Abstieg wieder hinab in den beschaulichen Ort Sch√∂na, direkt an der deutsch-tschechischen Grenze. Fast am Ende des Ortes erblickten wir zwei Pferde auf einer Koppel, eines davon noch etwas j√ľnger, bevor wir unseres Weges zogen.

Wenig sp√§ter fanden wir uns auch schon wieder auf dem Forststeig, inzwischen ein alter Bekannter, wenn auch dieser Teil des Weges noch unbekannt war – zumindest f√ľr den Gro√üteil unserer Mitwanderer. Vorbei an alten Steinbr√ľchen oder den Resten l√§ngst vergessener M√ľhlen, gelangten wir zur Schiebm√ľhle, Pausenstelle f√ľr den Mittag und Badestelle f√ľr ganz mutige Wanderer, wie Harald aus Th√ľringen ‚Ķ

Wer den Forststeig kennt, der ahnt, dass auch im Verlauf unseres Weges nicht sonderlich viel Spektakul√§res geschehen ist – mal abgesehen davon, dass wir den gezeichneten Track etwas verlie√üen, da dieser Fernwanderweg sich jedes Jahr ein bisschen ver√§ndert – geschuldet den engen Passagen durch den Wald gibt es stets neue Stellen, die von Freiwilligen zu Beginn der Wandersaison freigeschnitten werden. Und auch am Gelobtbach, der die nat√ľrliche Grenze zwischen Deutschland und der Tschechischen Republik bildet, fanden sich vereinzelte Spuren eines erh√∂hten Pegelstands der vergangenen Tage.

Dem leicht erh√∂hten Tempo √ľber den Forststeig war es auch geschuldet, dass auch kritische Stimmen zu h√∂ren waren, aber wenn ich eins hasse, dann ist es Unp√ľnktlichkeit und die wollte ich vermeiden, zumal das Panoramahotel Wolfsberg noch mit der ein oder anderen √úberraschung aufwartete.

Kommen wir zum zweiten „Problem“ der Wanderung und auch hier galt es eine kreative L√∂sung zu finden: Als wir dem Grundweg in Richtung Ziskaquelle folgen wollten, versperrte uns pl√∂tzlich ein Banner des Sachsenforst den Weg. Die F√∂rster und J√§ger waren los und wir mussten unseren Weg √ľber den Forststeig fortsetzen – eigentlich war hier geplant, diesen zu verlassen. Doch am Ende stellte sich der Weg als kleiner Geheimtipp heraus, zu wild und romantisch war der Weg direkt entlang der Grenze – Iza√§k und ich entschieden uns derweil ein wenig Strecke zu machen und erreichten in der Spitze bis zu sechs Kilometer pro Stunde, als wir den weiteren Weg √ľber den Kriegsweg erkundeten. Zum Gl√ľck beschr√§nkten die F√∂rster und J√§ger sich auf ein kleines Waldgebiet, so dass wir den Weg in Richtung Ziskaquelle nehmen konnten.

Wie gro√ü so ein Harvester sein kann, stellten wir wenig sp√§ter fest ‚Ķ

√úber die n√§chsten knapp 3,4 Kilometer konnten wir ein wenig Strecke machen – die Wege „Gelobtweg“ und „Am Zirkelstein“ versprachen au√üer reichlich Schotter und Waldboden keine gro√üartige Abwechslung, so dass es erst wieder am Zirkelstein etwas Erw√§hnenswertes gab: Die letzte Aussicht des Tages stand an, denn w√§hrend dieser Wanderung gibt es am Anfang und kurz vor Ende eine 360-Grad-Aussicht zu bewundern. So eben auch auf dem Zirkelstein ‚Ķ

Nach etwa 14,4 Kilometern endete unsere Wanderung am Parkplatz in Sch√∂na, kurz bevor es in den Ort ging, entschieden wir uns die Klamotten wieder aus den Rucks√§cken zu holen – wenige Augenblicke sp√§ter kam uns eine Schulklasse entgegen. H√§tten sie uns in typischer Wanderbekleidung gesehen, w√§ren wir sicher das Gespr√§chsthema in den Ferien gewesen ūüėā.

√úbrigens: Das Panoramahotel Wolfsberg √ľberraschte uns mit einer wundersch√∂nen Aussicht auf der Terrasse, doch leider war der Gulasch mit knapp 100 Gramm Fleisch ( Rainer unser Koch aus Mittweida rechnete stets mit 200 Gramm pro Gast ) etwas sehr knapp bemessen. Auch die Reaktion des Senior-Chefs fiel verhalten aus, das kennen wir so leider schon aus anderen Restaurants abseits der Hauptwanderwege – in Lokalit√§ten, wie dem Lichtenhainer Wasserfall oder der Neumannm√ľhle im Kirnitzschtal undenkbar.

Rund um den Schmilkaer Kessel ‚Ķ

Das Beste kommt zum Schluss, wie es immer hei√üt. So und nicht anders war es auch zur SNT: Mit drei verschiedenen Aufstiegsm√∂glichkeiten zum Reitsteig, von der Heiligen Stiege, √ľber die Rotkehlchenstiege und der Starken Stiege, sollte jedem Wanderer die M√∂glichkeit gegeben werden, seinen F√§higkeiten entsprechend, sich an eigene Grenzen heranzutasten.

Auch Schmilka blieb von den Unwettern des Sonnabends nicht verschont und so kam durch die Kahntilke ordentlich Schlamm und Ger√∂ll hinunter – als Aufstieg sollte er aber gerade richtig kommen, um unsere Mitwanderer auf das vorzubereiten, was noch kommen w√ľrde ūüėČ. Mit etwas Hilfe konnten wir aber diese knapp 10 Meter des Aufstiegs bew√§ltigen und es ging weiter hinauf in Richtung der Kleinen Bastei – dem ersten Aussichtspunkt des Tages ‚Ķ

Von dieser f√ľr viele Wanderer imposanten Aussicht – mit Blick auf Kaiserkrone und Zirkelstein, beides Ziele des gestrigen Tages – ging es noch einmal einige H√∂henmeter hinauf, bis wir am gut ausgebauten Elbleitenweg angelangten, der Schmilka mit Bad Schandau auf halber H√∂he zwischen Elbe und Affensteinen bzw. Schrammsteinen verbindet. Am Abzweig zur Rotkehlchenstiege wurde es dann Zeit, sich zu entscheiden, f√ľr welche Route sich jeder Wanderer entscheiden w√ľrde: Leicht, Mittel oder Herausfordernd ?

Zu meinem Erstaunen, fanden sich auch diesmal wieder gut 20 Wanderer, die sich der herausfordernden Variante √ľber die Starke Stiege anschlossen. F√ľnf Wanderer folgten Erik √ľber die Rotkehlchenstiege und die beiden Rainers, Horst, sowie Hans Peter nahmen den Aufstieg √ľber die Heilige Stiege.

Die ersten 800 Meter durch den Rauschengrund waren noch von typischem Waldboden gepr√§gt, doch als die ersten Steine links und rechts des Weges aufragten, wusste jeder, was bald kommt: Sandsteinfelsen, die im Weg liegen, wollen bestiegen werden – so auch diesmal und wir nahmen die n√§chsten H√∂henmeter des Tages, bis wir vor der Starken Stiege standen. Harald wollte als Erster den Aufstieg wagen – als Tour Guide stand er allerdings recht schnell vor der Frage, wie es weitergeht, fand aber nach wenigen Sekunden den Weg zwischen den Steinen hinauf. Ich blieb am Einstieg und half unseren Freunden das erste Eisen zu erreichen – nat√ľrlich musste jeder selbst wissen, wie er zu greifen hatte, einen kurzen Lehrgang gab es bereits am Abend zuvor f√ľr die Bewohner des Ferienhauses ‚Ķ

Wie auf dem Foto zu erkennen, entschieden wir uns, einen Abstand zwischen den einzelnen Wanderern einzuhalten, so dass niemand in Bedr√§ngnis von seinem Hintermann geriet ‚Ķ

Am Ende kamen wir alle oben an und es gab durchaus auch Stimmen, die sich einen sch√§rferen Ton in der Beschreibung w√ľnschten – als Wanderer in der Region ist es allerdings schwierig sich in jemanden hineinzudenken, der im M√ľnster- oder Sauerland wohnt ūüėĄ. Man kann es als Nachteil oder Vorteil bezeichnen, doch die herausfordernde Variante war zugleich mit 12,2 Kilometern die l√§ngste Route des Tages, daf√ľr gab es eine zus√§tzliche Aussicht: Den Gro√üvaterstuhl mit Blick auf den Rauschenstein ‚Ķ

Kurz vor der Rotkehlchenstiege wurde es noch einmal etwas eng – der Obere Terrassenweg verl√§uft direkt an der Kante des Sandsteins, auf linker Seite nur einige B√ľsche. In einiger Entfernung erblickten wir schon Erik’s Gruppe, welche sich am Ende der Rotkehlchenstiege auf der nahegelegenen Aussicht sonnte.

Randnotiz 1: Diese Gruppe kam in den Genuss eine halbe Stunde Pause zu machen.

F√ľr beide Gruppen ging es √ľber den Oberen Terrassenweg weiter in Richtung Heilige Stiege bzw. der Aussicht unterhalb des Klettergipfels „Rauschensteiner Turm“. Vorbei am Muschelkopf, wo es wenig sp√§ter erneut etwas eng wurde ‚Ķ

Wieder vereint fanden sich alle drei Gruppen am Ende der Heiligen Stiege zusammen und wir konnten √ľber den Zur√ľckesteig zum Reitsteig aufsteigen.

Randnotiz 2: Diese Gruppe wartete fast eine Stunde auf die anderen beiden Gruppen.

Wer schon am Dienstag Teil unserer Wandergruppe war, dem fiel bestimmt auf, dass es eine winzige √úberschneidung der beiden Routen gab. Von der Kreuzung Reitsteig / Zur√ľckesteig ging es anschlie√üend zur „Aussicht zu ‚Hund‘ und ‚Marder'“, alternativ auch „Aussicht zur Neuen Wenzelswand“. Endlich konnten alle Wanderteilnehmer eine Pause machen.

Nat√ľrlich sollte auch ein offizielles Gruppenfoto nicht fehlen – die richtige Position zu finden, war anfangs nicht leicht, doch „Buddy“ Martin von der Alb hat so manches von seiner Frau gelernt und begab sich f√ľr das Foto sogar in die B-Rolle ‚Ķ

Das letzte gro√üe Highlight der diesj√§hrigen Naturistentage sollte der Mittelw√§ndesteig werden, auch als Affensteinweg bekannt. Auch die B√§ume entlang dieses Weges sind inzwischen Opfer des Borkenk√§fers geworden – noch ist der Weg auf eigene Gefahr passierbar, wie es nach dem n√§chsten Sturm aussieht, l√§sst sich jetzt noch nicht mit Bestimmtheit sagen, doch er wird sicherlich dem Gro√üen Reitsteig im Gro√üen Zschand √§hnlich sein. Hoffen wir das Beste, dass der Nationalpark und der Sachsenforst die Situation bestm√∂glich in den Griff bekommen, ohne Menschenleben zu gef√§hrden ‚Ķ

Auch aufgrund solcher Umst√§nde ist es wichtig, unser kleines Paradies auf Film festzuhalten, egal ob analog oder digital, denn wie zerbrechlich unsere W√§lder sind, sehen wir nicht nur in Sachsen, sondern auch in Th√ľringen und dem Harz – dem n√§chsten Ziel einiger Wanderer, denn bis zu den Th√ľringer Naturistentagen sind es nur noch wenige Tage. Der Abstieg stellte Rainer und mich dann noch vor einige Probleme, denn den Wurzelweg barfu√ü zu bestreiten gilt wirklich als eine Herausforderung und irgendwann war unsere Grenze erreicht – also Schuhe an und wir fanden den Anschluss zur Gruppe. Wie gut, dass es bis Schmilka nur bergab ging ‚Ķ

Damit endeten unser Wandertag und die S√§chsischen Naturistentage – eine sehr sch√∂ne, wenn auch abenteuerlastige Woche ging an uns vor√ľber. Erik und ich k√∂nnen uns nur bei allen Mitwanderern bedanken, die den Weg auch dieses Jahr wieder nach Sachsen fanden – eure Freude, euer L√§cheln und die Zufriedenheit in euren Augen ist unser Ansporn.

Abschließende Worte

Sechs Tage Wanderspa√ü gingen viel zu schnell vor√ľber und auch w√§hrend der COVID-19-Zeit waren wir stets bem√ľht die Kontakte zu unseren Freunden aus nah und fern aufrecht zu erhalten. Dennoch ist es ein gewaltiger Unterschied, jene Freunde dann auch wieder zu sehen. Wir danken euch f√ľr die wundersch√∂nen Momente, die ihr uns beschert habt und die Abenteuer, die wir mit euch erleben durften. Was nat√ľrlich bleibt, sind zahllose sch√∂ne Erinnerungen und Witze, die gerissen wurden ‚Ķ

Russische Mikroelektronik ist so fein, ‚Ķ die ist begehbar.

Ein besonderer Dank geht an Rainer aus Mittweida, der jeden Morgen die leeren Weinflaschen zum Glascontainer mitnahm und auch f√ľr einiges an Verwunderung bei Erik sorgte: Auf einmal waren sie weg, die Grillroste, am n√§chsten Morgen aufgewaschen, am Abend zuvor noch lagen sie in der Wiese. Wir waren mehr als angenehm √ľberrascht, so dass es nicht verwundert, dass Rainer mit einem besonderen Angebot f√ľr die S√§chsischen Naturistentage im kommenden Jahr daherkam.

Wir hoffen, dass wir uns im nächsten Jahr oder bei einer der kommenden Nacktwanderungen in Deutschland in aller Frische gesund wiedersehen.

Wir danken allen Freunden, die zum Erfolg der diesjährigen Wanderwoche beigetragen haben,
euer Erik und Martin

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√úber Martin

Nat√ľrlich. Nackt. Frei. Seit Sommer 2015 haben diese drei Worte einen neuen Lebensweg f√ľr mich gepr√§gt. Ich war es leid, immer wieder die richtigen Klamotten in Schuh- oder Bekleidungsgesch√§ften zu finden, nur um sie nach meiner n√§chsten Wanderung in die Waschmaschine werfen zu k√∂nnen. Der Bibel zufolge wurde der Mann nackt von Gott erschaffen - wir sehen dies sogar heute bei jeder Geburt, dass niemand mit einer M√ľtze geboren wird. Aber warum sollten wir Kleidung w√§hrend einer Wanderung tragen ? Schlie√ülich sind wir ein Teil der Natur und je mehr wir den Kontakt mit dieser erfahren, um so eher sind wir gewillt diese zu sch√ľtzen. F√ľr mich ist es daher wichtig, dass ich nicht nur meinen eigenen K√∂rper der Natur aussetze, sondern dass meine Umwelt um mich herum gesch√ľtzt wird ‚Ķ

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