Von Martin|16. Juni 2018|Radelberichte|7 Kommentare

Liebe Radelfreunde,

nachdem ich bereits vor einiger Zeit mit der Sächsischen Zeitung ein Interview über das Nacktradeln geführt habe, sollte es im Juni wieder auf zur WNBR – oder für die Freunde langer Schreibweisen dem “World Naked Bike Ride” – gehen …

Für Wolfgang, Andreas und mich ging es allerdings nicht in Dresden los, sondern schon in der Nähe zur Wostra am anderen Ende der Stadt. Im Gegensatz zu letztem Jahr, lud das Wetter dieses Jahr eher zu einer Radtour ein, dennoch entschieden wir uns vorerst die Klamotten anzubehalten und nach kurzer Begrüßung in Richtung unseres Treffpunktes unterhalb der Schlachthofbrücke im Dresdner Ostragehege zu fahren. So war auch der Gegenwind an der Elbe dieses Jahr kein Problem, hatten wir doch im vergangenen Jahr mit extremen Windböen zu kämpfen.

Am Ostragehege bzw. der Schlachthofbrücke, welche zur Messe führt, angekommen, erwarteten uns schon die ersten Mitradler aus der Ferne, wie Erik, der extra aus Leipzig angereist ist oder Dieter aus Hamburg. Wenige Minuten später erschienen die “drei Haselbachtaler” Andrea, Jörg und Roberto. Dazu gesellten sich anschließend noch ein paar weitere Naturisten aus nah und fern, so dass wir starten konnten … wenn da nicht noch Viktor und Nina fehlen würden. Kurz nach 10 klingelte Andreas’ iPhone und Viktor meldete sich, dass er an der falschen Brücke auf uns warten würde. Unser Treffpunkt war eben nicht wie 2016 unter der Marienbrücke, sondern wie im letzten Jahr tief im Ostragehege gelegen – die Gewohnheit kann einem manchmal auch einen Streich spielen 😉 …

Kurz bevor Viktor und Nina eintrudelten, überraschte uns noch Matthias, der uns mit Schweinsohren den Tag versüßte.

Doch wir sind nicht zum Essen ins Ostragehege gefahren und so starteten wir kurz vor halb 11 – für unsere Freunde aus den westlichen Bundesländern: 10 Uhr 30 – um nach wenigen Minuten Fahrt unser erstes Ziel zu erreichen: Die Gohliser Windmühle. Wenige hundert Meter hinter der Gohliser Windmühle trafen wir auf Annabell, die uns für ein paar Kilometer ( bekleidet ) begleiten sollte …

So ging es um den einzigen – wie Andreas sagen würde – “Stoffhund” reicher, entlang des Radweges, bis wir an jenem Feld vorbeikamen, dass letztes Jahr für einiges an Überraschung durch die Mohnblüten sorgte. Dieses Jahr war ein Großteil der Blüten allerdings bereits verschwunden, so dass wir uns nicht beirren ließen und lieber weiter in Richtung Niederwartha fuhren …

Das obige Foto entstand während der Fahrt, daher war es recht schwierig alle unsere Mitradler aufs Bild zu bekommen.

Vorbei am Pumpspeicherwerk Niederwartha – einem vermutlich stillgelegten Wasserkraftwerk – ging es unter der Niederwarthaer Brücke entlang in Richtung Gauernitz, was gegenüber von Kötitz – einem Stadtteil von Coswig liegt. Nachdem wir letztes Jahr an einem Garten in Gauernitz eine kurze Pause einlegten und uns auch diesmal wieder auf die Kirschen freuten, stellten wir bereits wenige Meter vorm Garten fest, dass dieses Jahr keine Kirschen zum Verkauf standen 😞 – so ging es weiter in Richtung des “Western Inn”, wo wir uns einen Weg zwischen den Feldern entlang in Richtung der Elbe suchten …

An der Elbe angekommen, entschieden sich Andreas, Wolfgang und einige weitere Mitradler, dass kühle Nass zu genießen, wobei “kühl” hier etwas untertrieben ist, bietet doch die Elbe seit den letzten Tagen durchaus sommerliche Wassertemperaturen an.

Kurz vor Meißen entschieden wir uns etwas mehr als Gruppe zu fahren, was während der Fahrt gar nicht so einfach war, denn jeder hatte sein individuelles Tempo, so fragte ich Wolfgang bereits zu Beginn, ob wir nicht etwas schneller fahren könnten, was ab der Gohliser Windmühle dann auch geschah. So rückte das Feld etwas näher zusammen, was in der Nähe der Altstadt dann dazu führte, dass uns auf der Gegenspur des Radweges eine größere Gruppe “rüstiger Rentner” entgegenkam, die über den Anblick so vieler nackter Menschen etwas verwundert waren. Als der erste der Gruppe bremste, um uns an der Ampel vorbeizulassen, übersah eine der nachfolgenden Radfahrerinnen ihren Vordermann und kam wenige Zentimeter zu spät zum stehen. Als sie zu Boden fiel, war ich auch schon vom Rad abgestiegen, um ihr wieder auf die Beine zu helfen – unverletzt konnte es für beide weitergehen.

In Meißen selbst nahm die Bewölkung langsam etwas zu. Wir überquerten die neue Brücke und entschieden uns vor der Silhouette der Albrechtsburg ein Gruppenfoto zu machen …

Im Gegensatz zu letztem Jahr sind wir ein paar Leute weniger, so hoffen wir einfach mal auf nächstes Jahr, wo unser “World Naked Bike Ride” vermutlich am 15. Juni 2019 stattfinden und uns in die Böhmische Schweiz führen wird – so zumindest sieht die aktuelle Planung aus. Beginnend von links nach Rechts: Roberto, Dieter, Jörg, Nina, Viktor, Annabell ( zum Teil von Erik verdeckt ), Erik, Wolfgang, Andreas, Hans, Andrea und Rolf.

Nachdem wir Meißen verlassen hatten, ging es zurück nach Dresden – nicht ohne zuvor beim “Schweizer” anzuhalten, der uns gestattete nackt in seinen Biergarten einzutreten. Im Gegensatz zu letztem Jahr, bekamen wir in diesem Jahr sogar einen Platz unter einem Pavillon, der extra für uns aufgebaut wurde …

So genoßen wir den Nachmittag bei leckerem Kaffee, Kuchen und sonstigen kleinen Speisen. Einige Zeit später, sahen wir Roberto plötzlich mit einer Schürze bekleidet, die doch sehr viele Blicke auf sein Hinterteil ermöglichten. Natürlich fragten wir uns, was er vorhabe und wenige Augenblicke später ertönte auch schon ein Schweizer Akkordeon, Andrea merkte daraufhin an, dass Roberto noch nie zuvor mit solch einem landestypischen Instrument gespielt hat, da es sich doch minimal von einem “normalen” Akkordeon unterschied. Doch wer einmal ein Instrument spielen kann, der kommt auch mit ihm unbekannten Instrumenten klar 😉 …

Nach Roberto’s Unterhaltung brachte uns eine Mitarbeiterin vom “Schweizer” noch das Jahresbuch von 2017 – mit den Highlights des vergangenen Jahres. Auch in diesem Jahresbuch waren wir wieder ganz vorn zu finden.

Von nun an sollte alles recht einfach und schnell gehen: Nachdem wir den “Schweizer” verließen, waren wir auch kurze Zeit später wieder in Kötitz, radelten mit dem Rad auf dem Radweg im Radebeuler Stadtteil Kötzschenbroda vorbei und verabschiedeten uns von Annabell, die sich hier mit einem Bekannten treffen wollte. So ging es von Kötzschenbroda weiter in Richtung Serkowitz – einem weiteren Stadtteil von Radebeul. Wenige Meter vor Serkowitz entschieden wir uns an einem ehemaligen Anleger eine kurze Pause einzulegen, was Andreas erneut für ein Bad in der Elbe nutzte.

Nach dieser Pause sollte es in Richtung Serkowitz gehen, als sich plötzlich mitten in diesem beschaulichen Dorf Andrea’s Rad entschied den Geist aufzugeben. Was so richtig passiert ist, bleibt für mich immer noch unverständlich, auf alle Fälle war der Umwerfer hinüber und in die Speichen geraten, was dazu führte, dass dieser anschließend nach oben zeigte. Runtergeklappt war er schnell wieder, allerdings war das oberste Ritzel hinüber. Also wurde das Werkzeug ausgepackt und es fanden sich plötzlich eine Menge Experten wider, die allesamt irgendwelche Vorschläge zu äußern hatten – praktisch für mich, so hielt ich mich aus dem Geschehen raus, da ich nicht wirklich Ahnung von Fahrrädern habe ( sie müssen fahren, dass ist für mich das Wichtigste 😄 ) …

Roberto und Wolfgang bastelten so an Andrea’s Rad herum, bis Roberto entschied, dass das komplette Hinterrad ausgebaut werden müsse. Doch dafür bräuchten wir zunächst eine Bank, um nicht weiter im Dorf zu stehen. Bis zur nächsten Bank mussten wir allerdings laufen, woraufhin Roberto eine andere Idee kam: Er sollte Andrea auf ihrem Fahrrad schieben, so fuhr die erste Hälfte bereits in Richtung der nächstgelegenen Bank, als plötzlich Andrea und Roberto an ihnen vorbeifuhren. Erik nutzte die Wartezeit inzwischen, um einen kleinen Cache zu heben – für mich als Geocacher außer Dienst eine willkommene Einladung mich dem Zeitvertreib wieder anzuschließen. Schließlich bieten wir auch die Möglichkeit zur Wanderwoche nacktcachen zu gehen 😊 …

Doch zurück zu Roberto und Andrea. In der Flutrinne angekommen, fertigte Andreas dieses Foto von der Schiebeaktion an – hat ein bisschen was von “Ich bringe dir das Radfahren bei”, oder was denkt ihr 😂 ?

Am Ende der Flutrinne entschieden wir uns allerdings dazu, dass Andrea doch lieber in Mickten warten solle und Roberto sie mit dem Auto abholt, da gerade die Radwege im Dresdner Stadtteil Pieschen und der Leipziger Vorstadt häufig überfüllt sind. Wir sollten ausgerechnet heute eines besseren belehrt werden, so war es nur am City Beach etwas voll und die Umleitung, welche aufgrund der Baustelle für die Hafencity angelegt wurde, war vollkommen leer. Wie war das eingangs erwähnt mit der Gewohnheit ?

Nebenbei bleibt noch zu erwähnen, dass “Andrea die wohl erste Radfahrerin ist, die durch die Flutrinne fuhr, ohne einmal in die Pedale zu treten”, stellte Andreas fest.

Damit ging unser World-Naked-Bike-Ride zu Ende, der im Gegensatz zu letztem Jahr, weit aus besseres Wetter verzeichnen konnte. Bis auf den kleinen “Unfall” mit der Radfahrerin in Meißen und Andrea’s Defekt am Fahrrad war dies ein recht gelungener World-Naked-Bike-Ride in Dresden.

Wir hoffen auf ähnliche breite Zustimmung in den nächsten Jahren 😃 …

PS: Da Andreas wenige Tage zuvor Geburtstag hatte, gestaltete sich auch dieses Mal die Rückfahrt Richtung Wostra sehr unterhaltsam, so wurden Wolfgang und ich zuerst in den Fährgarten in Johannstadt, danach den Schillergarten, anschließend in einen Biergarten hinter dem Blauen Wunder, sowie abschließend in einen Biergarten in Laubegast eingeladen. Dafür möchte ich Andreas an dieser Stelle noch einmal meinen Dank aussprechen und ich wünsche ihm für die nächsten Jahre viel Gesundheit und Spaß bei all unseren Unternehmungen.

Ich hoffe, dass euch dieser Radelbericht gefallen hat,
euer Martin

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Über Martin

Natürlich. Nackt. Frei. Seit Sommer 2015 haben diese drei Worte einen neuen Lebensweg für mich geprägt. Ich war es leid, immer wieder die richtigen Klamotten in Schuh- oder Bekleidungsgeschäften zu finden, nur um sie nach meiner nächsten Wanderung in die Waschmaschine werfen zu können. Der Bibel zufolge wurde der Mann nackt von Gott erschaffen - wir sehen dies sogar heute bei jeder Geburt, dass niemand mit einer Mütze geboren wird. Aber warum sollten wir Kleidung während einer Wanderung tragen ? Schließlich sind wir ein Teil der Natur und je mehr wir den Kontakt mit dieser erfahren, um so eher sind wir gewillt diese zu schützen. Für mich ist es daher wichtig, dass ich nicht nur meinen eigenen Körper der Natur aussetze, sondern dass meine Umwelt um mich herum geschützt wird …

7 Kommentare

  1. Danke für den Bericht – ich fand den Tag sehr gelungen, so dass ich die weite Anreise aus dem Schwabenland (hin und zurück 430km) nicht bereut habe. Ihr wart alle sehr angenehme Mitradler. Ich komme gerne wieder zu Euch.
    Herzliche Grüße,Hans

  2. Ein wunderbarer Bericht, lässt er doch die gute Stimmung von den Radlern erahnen und mit den Fotos das ganze für mich sehr lebendig wirken. Das alle große Freude dabei hatten besteht für mich kein Zweifel. Konnte ich doch zu Pfingsten mit einigen vom Freundeskreis in der Sächsischen Schweiz Nacktwandern, wobei sie doch sehr großes Verständnis für meine “Angstgefühle” bei der Stiegentour aufbrachten.
    Wie schon erwähnt gibt es weitere Aktivitäten dieses Jahr und ich freue mich schon auf die Nackt-Wandertage im August und zuvor auf ein Wiedersehen auf dem Campingplatz Stechlin – Menz bei der Radtour zum Stechlinsee.

  3. Sehr schöner Bericht, obwohl ich nicht mit dabei sein konnte. Wenn man den Bericht liest könnte man denken, man wäre mit dabei gewesen.
    LG Torsten

  4. Danke für den Bericht. Schade das ich nicht dabei sein konnte. Ich hätte auch meinen Spaß mit gehabt. Sollte aber leider nicht sein. Es gibt ja zum Glück noch andere Gelegenheiten, die man gemeinsam unternehmen kann.

    1. Es bieten sich ja noch diverse Wanderungen bzw. unsere Wanderwoche im August an. Und wichtiger war uns sowieso, dass du erst einmal wieder fit wirst -krank macht es ja auch keinen Spaß mit dem Rad durch die Gegend zu fahren. Ich hoffe ja mal auf gutes Wetter dieses Wochenende, so dass wir vielleicht nochmal ins Böhmische fahren können.

  5. Danke Martin für diesen schönen Bericht. Wenn man ihn liest denkt man man ist dabei so lebendig ist er.
    Das Foto mit der Gruppe mit Schloss im Hintergrund finde ich tolles Panorama.
    Die Strecke mit euch im August wär das was?
    An der Elbe entlang ist auch schön.
    Lg Gerhard Göttler Gunzenhausen

    1. Hallo Gerhard, die Strecke ist für die Wanderwoche eher schlecht geeignet, da wir hier vielmals durch Städte fahren müssen und gerade auf der Rückfahrt Bahnhöfen nur ganz selten begegnen, so müsste dann jeder von Pirna knappe 100 Kilometer fahren – etwas viel. Die Fahrt in die Böhmische Schweiz nach Dolni ist um einiges schöner, gerade wenn es um die Landschaft geht, denn nach Meißen fahren wir durch viele Städte und Dörfer durch.

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