Von Martin|24. Juni 2018|Gedanken|1 Kommentare

Liebe Besucher,

wir leben im 21. Jahrhundert oder wie es ein bekannter Nachrichtensender in seiner aktuellen Image-Kampagne formuliert: “Wir leben in bewegten Zeiten”. Gerade in Zeiten von Nachrichten und Meldungen, deren Wahrheitsgehalt nicht immer gesichert ist, ist es fĂŒr uns Naturisten wichtig, sich auf einen extrem schmalen Grad zu begeben, denn zum einen möchte ich – als Teil der jungen Generation der Naturisten – nicht, dass unsere Lebensweise eines Tages ausstirbt oder wir in den nĂ€chsten Jahrzehnten Wanderwochen veranstalten, in der sich nicht einmal mehr 10 Menschen zusammenfinden â€Š

Warum spreche ich von so wenigen, wenn wir letztes Jahr doch wĂ€hrend der Naked European Walking Tour an die 50 Wanderer waren, der World Naked Bike Ride in Dresden und die SĂ€chsische Nacktwanderwoche jeweils einen neuen Teilnehmerrekord ( letztere mit 32 Besuchern ) zu verzeichnen hatten ?

Das Problem ist nicht die Anzahl der Teilnehmer, sondern der Altersdurchschnitt. So ist es fĂŒr mich als junger Naturist mit 30 Jahren schwer, gleichaltrigen Naturisten wĂ€hrend der Wanderwochen zu begegnen. Sicher, es gibt den Bund junger Naturisten, die sich allerdings mehr auf die Berliner Region konzentrieren und mit Ende 20 ist da auch eine Teilnahme nicht mehr möglich. Dies fĂŒhrte letztendlich auch dazu, dass Tanja und ich die – mit Abstand – jĂŒngsten Teilnehmer der SĂ€chsischen Nacktwanderwoche im vergangenen Jahr waren, erst mit reichlich 16 bzw. 17 Jahren Abstand kamen dann Gerhard und Martin, welche jeweils mit Mitte 40 zu den JĂŒngsten der ganzen Wandergruppe zĂ€hlten. In Österreich zur NEWT sah es auch nur minimal anders aus, genauso wie bei den WestfĂ€lischen Naturistentagen.

Eine Generation. Eine aussterbende Lebensweise ?

Dies ist eine gute Frage. In Anbetracht des Altersdurchschnitts, vor der sich manche StĂ€dte in Ostdeutschland fĂŒrchten, sollten wir uns Gedanken machen, wie wir die junge Generation von PlayStation, Smartphone und Co. weglocken und ihnen die Schönheiten der Natur aufzeigen können. Aber lasst es mich am besten mit einem Video von Sebastian Linda erklĂ€ren đŸ˜ â€Š

Wie ihr seht – wir sollten viel mehr den Mut haben etwas Neues zu entdecken. Wagemutig sein. Neugierig bleiben. Nie die Lust auf ein Abenteuer zu verlieren oder wie Sebastian Linda es nennt:

In unserem Alltag scheinen wir blind fĂŒr Neues zu sein. Aber wahrscheinlich ist es nur eine Sache der Perspektive. [
] Es liegt an uns ins Abenteuer zu stĂŒrzen.

Daher sollten wir Naturisten uns nicht verstecken. Wir sollten gerade der jungen Generation mittels traditioneller, als auch neuer Medien zeigen, dass wir am Leben sind. Dass wir Abenteuer auf unsere ganz besondere Weise erleben und man diese mindestens einmal im Leben erlebt haben muss.

So wurde es fĂŒr mich im letzten Jahr eine persönliche Herzensangelegenheit, dass wir medial prĂ€senter werden, denn gerade wir in Deutschland – und speziell in Sachsen – leiden besonders unter diesem Problem. Mag es bedingt durch die Überalterung der Bevölkerung sein oder durch die Blindheit des Alltags, die Teilnehmer unserer Wandergruppen werden nicht jĂŒnger, darum sollten wir uns Gedanken machen, wie wir die junge Generation animieren, ein Teil von uns zu werden, bevor wir in einigen Jahrzehnten vor vollendete Tatsachen gestellt werden đŸ€”.

Niemand ist schließlich gern krank ?

Wie ich in meinem ersten Gedanken schrieb, war ich so seit einigen Jahren nicht mehr krank. Husten, Schnupfen oder gar eine Grippe sind fĂŒr mich Fremdwörter und Möglichkeiten mich zu infizieren hatte ich in den letzten Jahren mehr als genug. So bleibt am Ende nicht nur ein stĂ€rkeres Immunsystem, sondern ihr entdeckt auch eine gesĂŒndere Lebensweise fĂŒr euch – ganz automatisch.

Aufmerksamkeit garantiert â€Š

Eines musst du dir als Nacktwanderer bzw. Naturist bewusst sein: Du bist kein Niemand, sondern wirst als Jemand gesehen, kurz gesagt die Aufmerksamkeit ist dir gewiss, manchmal ist dies ganz interessant, einen wirklichen Nachteil habe ich so noch nicht festgestellt. So kam es auch, dass uns letztes Jahr die SĂ€chsische Morgenpost anschrieb, um fĂŒr einen Artikel ĂŒber Nacktheit zu recherchieren, dabei sollte es unter anderem um FKK, als auch die generelle Frage, “Wie nackt man eigentlich sein darf” gehen. Der Artikel erschien am 23. Juli sowohl in der Morgenpost am Sonntag, als auch wenige Zeit spĂ€ter online â€Š

Herausgekommen ist ein kleiner Beitrag, der als AnkĂŒndigung fĂŒr etwas wesentlich GrĂ¶ĂŸeres dienen sollte: Denn als ich von der Redaktion angefragt wurde, plante man bereits einen Artikel ĂŒber das Nacktwandern in der SĂ€chsischen Schweiz zu schreiben – bedingt durch unsere Webseite ist dann Frau Seyfert auf uns zurĂŒckgekommen und so entstand der nachfolgende Artikel, welcher reichlich drei Wochen spĂ€ter in der Morgenpost am Sonntag veröffentlicht wurde â€Š

Leider mĂŒssen wir hier auch auf einen Fehler hinweisen, der sich eingeschlichen hat, so steht in der AnkĂŒndigung vom 23. Juli, dass ich seit 2005 Naturist sei, richtig wĂ€re aber 2015 gewesen. Dieser Fehler kann aber auch durch das telefonische Interview entstanden sein, denn die Verbindung ist am Telefon – wie wir alle wissen – nicht immer ideal.

In beiden FĂ€llen stellten wir eine erhöhte Aufmerksamkeit der Leser fest, so dass die Zugriffe auf unserer Webseite stiegen und wir zum Teil fast eine Verdoppelung der Besucherzahlen feststellen konnten. Inwiefern uns diese beiden BeitrĂ€ge fĂŒr die Wanderwoche in diesem Jahr geholfen haben, können wir nicht sagen, denn bisher haben wir schon reichlich Anmeldungen vorliegen und wir rechnen mit einem erneuten Rekord. Dennoch bleibt die Frage, wieviele junge (Neu-)Naturisten hinzukommen đŸ€”.

Von der Tagespresse in die Fachpresse â€Š

Da wir nicht nur mit der Tages- bzw. Wochenendpresse zusammenarbeiten möchten, bieten sich fĂŒr uns auch immer wieder Chancen in die Fachpresse aufgenommen zu werden. So haben wir zu Beginn diesen Jahres der Mitgliedszeitung des Deutschen Verband fĂŒr Freikörperkultur einen Beitrag zugesandt, als wir am 10. Februar 2018 die Ausstellung “Akt und Landschaft” von Klaus Ender im Spreewaldmuseum in LĂŒbbenau besuchten. Die Idee, diese Akt-Ausstellung nackt zu besuchen, kam Torsten, als er in eine der vorherigen Ausgaben der “FreiKörperKultur” die Anzeige fĂŒr die Ausstellung sah, woraufhin wir alle nötigen Schritte in die Wege leiteten â€Š

In Folge der E-Mail-Korrespondenz mit Michaela vom DFK, bedankte diese sich bei unserer Initiative und sie zeigte sich ebenso erfreut, dass auch die regionalen Vereine etwas auf die Beine stellen, um die Frei-Körper-Kultur außerhalb von BadestrĂ€nden oder der Sauna populĂ€r zu machen. So kamen wir auch auf unsere Nacktwanderwoche zu sprechen, welche dieses Jahr vom 4. bis 12. August stattfindet. Michaela bot uns daraufhin an, unsere Nacktwanderwoche in die Ausgabe vom April 2018 der “FKK Reisen” aufzunehmen. Gesagt. Getan đŸ˜ƒ !

Wir freuen uns ĂŒber die positive Resonanz, welche diese beiden BeitrĂ€ge in den Fachzeitschriften der DFK verursacht haben – sicher, es gibt ĂŒberall Menschen ( auch unter den AnhĂ€ngern der Frei-Körper-Kultur ), die kein VerstĂ€ndnis fĂŒr das Nacktwandern, Nacktradeln, Nacktreiten oder andere NacktivitĂ€ten haben und zumeist verbringen die ihre Zeit in aussterbenden FKK-Vereinen đŸ™„ â€Š

Dies soll kein Angriff auf die FKK-Vereine sein. Viele von ihnen haben die Wende geschafft und können auch jĂŒngere Generationen begeistern, doch es gibt auch solche FKK-Vereine, die vor großen Herausforderungen in Folge der Überalterung der Gesellschaft stehen und da sollte es keine Rolle spielen, ob potenzielle Vereinsmitglieder eher in der Natur frei von ihren Klamotten Wandern, Radfahren oder Reiten. Wer sich diesem Trend – als Verein – verschließt, der besiegelt damit letztendlich nur sein Schicksal đŸ˜‰.

Es gibt sie auch: Negativbeispiele â€Š


 leider, denn in der Vergangenheit fĂŒhrte es dazu, dass S., dem wir unseren (Ur-)Freundeskreis zu verdanken haben, immer wieder die mediale Aufmerksamkeit auf sich zog. So fĂŒhrte es wĂ€hrend der Wanderwoche bzw. dem damaligen Naturistencamp Sachsen immer wieder dazu, dass die Journalisten der Regenbogenpresse von S. eingeladen wurden – vornehmlich die BILD und dann Artikel wie diese entstanden. Um ehrlich zu sein, wir sind alles andere als glĂŒcklich ĂŒber diese Art der Berichterstattung, hat sie uns doch mehr geschadet, als Nutzen gebracht. So war es auch nicht verwunderlich, dass die BILD dann unbedingt die Schlagzeile bringen musste, dass S. verhaftet wurde.

Ich kann es nur mehrfach wiederholen, wir sind nicht stolz auf solch eine Berichterstattung, im Gegenteil, wir lehnen solch eine Form strikt ab, daher werden wir auch Anfragen der BILD, anderer Vertreter des Axel-Springer-Konzerns, sowie Àhnlicher Medien unbeantwortet lassen.

Wir möchten auch nicht mit politischen Veranstaltungen bzw. Vereinigungen in Verbindung gebracht werden, denn wir haben hier ein ganz einfaches Credo:

Möchtest du, dass die Menschen dir gegenĂŒber tolerant sind, so schenke auch Ihnen Toleranz.

Unser Ziel ist eine objektive Berichterstattung zum Thema Naturismus, damit auch die junge Generation sieht, dass das Leben im Einklang mit der Natur in der Form, wie wir geschaffen wurden, nichts Verwerfliches ist.

Abschließende Worte

Abschließend möchte ich allen Naturisten fĂŒr ihr VerstĂ€ndnis in den letzten Monaten danken, dass ihr Teil der Berichterstattung der geladenen Medien ward. Ich möchte auch betonen, dass es uns nicht um egoistische Ziele geht und wir – wie in der Vergangenheit geschehen – die Medien einladen, um zu zeigen, dass in Sachsen problemlos nackt gewandert, Rad gefahren oder geklettert werden kann. Unser Ziel ist und bleibt, den Naturismus auf eine lange Zeit zu erhalten, so dass wir auch in gut 20 Jahren noch “neue Rekorde” wĂ€hrend unserer Wanderwochen verzeichnen können đŸ˜‰.

Ich hoffe, dass euch dieser Einblick in meine Gedanken gefallen hat,
euer Martin

Diesen Beitrag teilen:

Über Martin

NatĂŒrlich. Nackt. Frei. Seit Sommer 2015 haben diese drei Worte einen neuen Lebensweg fĂŒr mich geprĂ€gt. Ich war es leid, immer wieder die richtigen Klamotten in Schuh- oder BekleidungsgeschĂ€ften zu finden, nur um sie nach meiner nĂ€chsten Wanderung in die Waschmaschine werfen zu können. Der Bibel zufolge wurde der Mann nackt von Gott erschaffen - wir sehen dies sogar heute bei jeder Geburt, dass niemand mit einer MĂŒtze geboren wird. Aber warum sollten wir Kleidung wĂ€hrend einer Wanderung tragen ? Schließlich sind wir ein Teil der Natur und je mehr wir den Kontakt mit dieser erfahren, um so eher sind wir gewillt diese zu schĂŒtzen. FĂŒr mich ist es daher wichtig, dass ich nicht nur meinen eigenen Körper der Natur aussetze, sondern dass meine Umwelt um mich herum geschĂŒtzt wird 


1 Kommentar

  1. Hallo Martin,
    Danke fĂŒr diesen sehr schönen Beitrag, der unsere Ansichten, Motivationen und zugleich auch Freude zum Ausdruck bringt fĂŒr die verschiedenen nackten AktivitĂ€ten. Gleichzeitig auch zeigt das wir die Medien nicht scheuen bei seriöser Berichterstattung von den einzelnen AktivitĂ€ten, wie sicher dann auch von den Nacktwandertagen im August. Denke es gibt vielen Lesern auch Anregungen bzw. den Mut mitzumachen, das Nacktsein unter Gleichgesinnten mit Spaß zu leben, zu genießen sowie gleichzeitig auch fĂŒr Toleranz einzustehen.

Kommentar verfassen