Liebe Besucher,

NatĂŒrlich. Nackt. Frei. Das klingt fĂŒr den ersten Moment provokant, gerade die letzten beiden Argumente. Doch warum wirkt Nacktsein und Freiheit in unserer heutigen Gesellschaft so kontrĂ€r, so gegensĂ€tzlich ? Wer ist dafĂŒr verantwortlich, dass der Mensch, der – aut Bibel – nackt von Gott geschaffen wurde und nackt geboren wird, sich schĂ€men soll, wenn er sich nicht bedeckt ? Ich möchte hier ein paar – nicht ganz so wissenschaftliche – Gedanken notieren, die meiner kleinen Ideenwelt entsprungen sind. Ebenso möchte ich euch meinen Weg zum Naturismus nĂ€her bringen und das dazu gar nicht so viel Überwindung nötig ist, wie ihr jetzt vielleicht denkt â€Š

Ein bisschen was aus dem Paradies â€Š

Laut Bibel und – wir sehen es auch bei jeder Geburt – kommt der Mensch nackt zur Welt. Er wurde von Gott so erschaffen, das meint zumindest ein Buch, welches die ErzĂ€hlungen der letzten 2.000 Jahre enthĂ€lt. Da sollte einiges an Erfahrung drin stecken, was dieses Thema angeht. Hier und da finden sich unterschiedliche Passagen zur Nacktheit, so schreibt das Buch “Mose”:

Und sie waren beide nackt, der Mensch und das Weib, und schÀmten sich nicht.

So zumindest war es im Paradies, das lange vor der Zeit gewesen ist, als der Mensch die Erde bevölkert hat. Wir alle haben sicher schon einmal Bilder aus jenem Garten Eden gesehen, wo Adam und Eva lediglich mit einem Feigenblatt ( wenn ĂŒberhaupt ) bekleidet sind. Auch viele KĂŒnstler der Antike und der Renaissance beriefen sich auf die ParadieserzĂ€hlung, so malte Michelangelo seine “Adam und Eva” 1511 in der Sixtinischen Kapelle, wie Gott sie geschaffen hat – nackt.

Auch im alten Griechenland zeigen Skulpturen stets nackte Menschen, ebenso wurden die Olympischen Spiele nackt ausgetragen, denn schließlich bedeutet die Vorsilbe “Gym” in Gymnastik oder auch Gymnasium ( im antiken Griechenland hies es hier noch Gymnasion ) nichts anderes als “nackt” bzw. “unbekleidet” ( vom Altgriechischen ÎłÏ…ÎŒÎœÏŒÏ‚ = “gymnos” ). Ja auch in Gymnasien wurde frĂŒher nackt gelehrt – etwas, was in heutigen Zeiten vielleicht gar nicht so schlecht wĂ€re, wenn wir die andauernden Vergleiche zwischen Markensachen und No-Name-Kleidung sehen đŸ™„.

Die Vertreibung aus dem Paradies â€Š

Doch mit der Verbannung von Adam und Eva aus dem Paradies, stand der Mensch vor neuen Herausforderungen: Im Winter wurde es kalt, im Sommer unertrĂ€glich heiß. Speziell im Winter brauchte der Mensch also schĂŒtzende Kleidung – oder zumindest ein großes Feuer, an dem er sich wĂ€rmen konnte. Aber auch hierfĂŒr benötigte er wĂ€rmende Kleidung, um jenes Feuerholz erst einmal zu suchen.

Hier möchte ich allmĂ€hlich zurĂŒck zur Evolutionstheorie von Darwin finden, die besagt, dass der Ursprung der Menschheit in Afrika liegt. Hier lernten die Menschenaffen den Schutz des Urwaldes fĂŒr sich zu nutzen, doch nach dem Aussterben der grĂ¶ĂŸeren auf dem Boden lebenden Raubtiere gewann der Mensch diese neue Ebene des Planeten fĂŒr sich. Von Afrika aus breitete der Mensch sich in alle Himmelsrichtungen und auf allen Kontinenten aus – ein Grund, warum unsere Kleidung heute so verschieden ist. Erinnern wir uns beispielsweise an die Pelzkleidung der Inuit oder der indigenen Völker in Sibirien. In Afrika oder in der SĂŒdsee finden wir heute noch viele Ureinwohner, die ihre Kleidung auf ein Mindestmaß reduzieren und lediglich ein modernes “Feigenblatt” tragen oder ihre Intimzonen mittels Körperbemalung “verdecken”. Wir in Europa sind aufgrund der wechselnden Jahreszeiten gezwungen zumindest im Winter ein paar Sachen zu tragen – doch was ist mit FrĂŒhling, Sommer und Herbst ?

Von der Evolution in die Moderne â€Š

Theoretisch brauchen wir im FrĂŒhling und im Herbst nur Kleidung, wenn uns kalt ist – bei dem einen Menschen tritt dieser Punkt eher ein, bei dem anderen spĂ€ter. Im Sommer und den restlichen Tagen des FrĂŒhlings und Herbstes könnten wir auf Kleidung verzichten. Doch warum tun wir es nicht ?

Genau dieser Frage gilt es auf den Grund zu gehen. Aber die Antwort ist recht einfach und wurde sogar schon in einem Buchtitel festgehalten: “Kleider machen Leute”. Man stelle sich nur einmal einen Polizisten vor, der nackt den Verkehr regelt oder einen Feuerwehrmann, der nackt in ein brennendes Haus stĂŒrmt. Sicher in manchen Situationen ist Kleidung angebracht, aber was ist mit dem typischen BĂŒroarbeiter, dem “Homo googulus” ? Er sitzt den ganzen Tag auf einem gepolsterten Stuhl und schaut gute acht Stunden in einen flimmernden Kasten und macht dabei jeden Tag dasselbe – so wĂŒrden uns wohl die indigenen Völker beschreiben, die nackt zur Jagd gehen, das Essen zubereiten und den Urwald erkunden. Sieht also so aus, als wĂŒrden wir unser Leben ganz schön verkomplizieren đŸ€” â€Š

Sollten wir daher nicht lieber die Chance nutzen und unserem Körper so viel Luft wie möglich verschaffen ?

Vom BĂŒroangestellten zum Naturisten – Freiheit muss man (er)leben â€Š

Man stelle sich das BĂŒro der Zukunft einmal vor: Morgens kommt man auf Arbeit, packt seine Sachen in einen Spint und setzt sich nackt an seinen Arbeitsplatz – lediglich mit einem Handtuch unter dem Po, damit der ergonomische BĂŒrostuhl fĂŒr 400€ eine möglichst lange Zeit wie neu aussieht. Klingt unvorstellbar ?

Warum ?

Es klingt nur deshalb unvorstellbar, weil wir uns in diesen Zwang hineinpressen lassen haben, weil uns die ganzen Modeketten dieser Welt stĂ€ndig ihre WerbesprĂŒche an den Kopf knallen, dass Kleidung aus uns bessere Menschen macht. Aber wird ein Verbrecher automatisch ein besserer Mensch, nur wenn er Kleidung von Victoria’s Secret, Gucci, Louis Vuitton, Zara oder Prada trĂ€gt ?

Ich glaube nicht.

Von der Moderne ins Paradies ?

Wir sollten viel lieber den Schritt zurĂŒck ins Paradies gehen, anstatt uns durch immer mehr Kleidung zu definieren. Denn je mehr Kleidung wir tragen, um so mehr entfernen wir uns davon ein Mensch zu sein – wir werden dadurch zu einer neuen Art, die von Gottes ursprĂŒnglicher Schöpfung sehr weit entfernt ist.

Genau hier setzt der Naturismus an, der den Menschen als Teil der Natur erkennt und sein Denken und Handeln daran ausrichtet, dass er sich möglichst weitgehend in das Naturgeschehen einfĂŒgt. Den Naturismus gibt es dabei schon seit gut 100 Jahren, wenn nicht sogar lĂ€nger, so begannen bereits die ersten FKK-AnhĂ€nger sich einem Leben zu widmen, dass im Einklang mit der Natur stand – gerade zu Beginn des 20. Jahrhunderts war dies ein Segen fĂŒr viele Menschen, hatte doch die Industrialisierung alle Schichten der Gesellschaft und unsere Umwelt massiv beeinflusst. Dem Naturisten des 21. Jahrhunderts ist es daher wichtig, dass hier nicht nur der eigene Körper der Natur ausgesetzt wird, sondern auch, dass seine Umwelt um ihn herum geschĂŒtzt wird und bedrohte oder zerstörte LebensrĂ€ume erhalten bzw. restauriert werden.

Entdecke, wo du lebst. SchĂŒtze, was du liebst.

Der Naturismus stellt dabei eine Lebensweise dar, die sich von den ZwĂ€ngen der Zivilisation und den gesellschaftlichen Werten und Normen bewusst absetzt. Die Naturisten berufen sich hier auf eine ursprĂŒngliche und naturbezogene Wertbildung.

Ist das also der Grund, warum sich plötzlich immer mehr Menschen von den lĂ€stigen Klamotten des Alltags befreien und als “Flitzer” durch Fußballstadien und StĂ€dte laufen, “Nacktwanderer” den Harz, Österreich und die SĂ€chsische Schweiz unsicher machen oder “Nacktradler” beim sogenannten World-Naked-Bike-Ride ganze InnenstĂ€dte lahmlegen ?

Nun ja. Zum Teil. Der World-Naked-Bike-Ride stellt hier jedoch eine Ausnahme dar, denn er richtet sich weniger an Naturisten, sondern viel mehr an Radfahrer, die ein Ausrufezeichen fĂŒr den Umweltschutz setzen wollen. Und wir haben hier zumindest eins gelernt: “Sex sells”, nichts bringt die MĂ€nner und Frauen mehr zum nachdenken, als eine nackte weibliche Brust. Denn warum sollte sich jemand in aller Öffentlichkeit ausziehen und sich aufs Fahrrad schwingen, nur um durch eine Großstadt, wie London, Prag oder Dresden zu fahren ?

Die Frage nach dem “Warum” â€Š


 ist sicher nicht leicht zu beantworten. Denn jeder hat so seine eigene Geschichte, wie er zum Naturismus fand. Allein in unserem Freundeskreis SĂ€chsischer Naturisten gibt es so viele unterschiedliche Lebensgeschichten, aber alle haben eins gemein: Die Liebe zum menschlichen Körper. Wir lieben es einfach nackt zu sein – auf nichtsexuelle Art und Weise. Aber Moment ! Nacktsein und das ohne Sex, das geht ?

Ja das geht und sogar sehr gut geht das. Adam und Eva haben schließlich im Paradies auch nicht nur an Sex gedacht, die Assoziation “Nacktheit = Sex” entstammt unserer modernen Gesellschaft durch eine immer grĂ¶ĂŸer werdende Sex- und Kleidungsindustrie, welche die Nacktheit auf der einen Seite versucht auf das Wesentliche zu reduzieren: Sex. Auf der anderen Seite versucht man die Nacktheit zu skandalisieren – hier haben auch viele SchmierblĂ€tter in den letzten Jahrzehnten ihren Anteil dazu beigetragen. Sie alle machen sich damit zum Werbebotschafter der Kleidungsindustrie â€Š

Doch zurĂŒck zum dem “Warum ?” und hier möchte ich euch meine eigene Geschichte erzĂ€hlen, wie ich zum Naturismus kam â€Š

Ein Leben außerhalb der StandardgrĂ¶ĂŸen â€Š

Wenn es bei mir wieder so weit ist und ich eine neue Hose oder ein paar neue Schuhe brauche, so kann ich dafĂŒr meist einen Tag einplanen. Und das liegt nicht daran, weil ich so wĂ€hlerisch bin, sondern weil die Kleidungsindustrie es mir mit ihren StandardgrĂ¶ĂŸen so schwer macht. Ich lebe auf großem Fuß – SchuhgrĂ¶ĂŸe 48,5, ein Besuch bei Deichmann oder Reno ist da meist recht kurz, denn zu oft höre ich den Satz “Diese GrĂ¶ĂŸe fĂŒhren wir nicht” oder “Wir haben diese zwei Paar Schuhe zur Auswahl”, die VerkĂ€uferin erwĂ€hnte jedoch nicht, dass es sich dabei um rosafarbene Schuhe oder grĂŒne Sandalen handelt. Im Sommer, wie im Winter eine schlechte Wahl – zumal ich nachweislich keine Frau bin. So bleibt hier entweder nur ein ÜbergrĂ¶ĂŸenladen ĂŒbrig, der allerdings nur Schuhe ab einem dreistelligen Preissegment zu fĂŒhren scheint. Im Internet werde ich dann ab und an mal fĂŒndig, doch hier entscheiden hĂ€ufig die Kundenrezessionen, denn drei Paar Schuhe bestellen und per Vorkasse zahlen ist auch nicht mal so einfach zu bewĂ€ltigen, zumal sich die Schuhe dann auch in einem Preissegment ab 70€ bewegen.

Bei Hosen sieht es genauso aus: Vor Jahren hatte ich mal eine Hose gefunden, die auf Anhieb passte – diese war in der Weite 30 und hatte eine LĂ€nge von 33. Bitte fragt mich nicht, was das heißt, ich nehme aber stark an, dass dies Angaben in Zoll waren. Dies ist nun auch schon wieder einige Jahre her und seitdem komme ich eigentlich nie ohne einen GĂŒrtel bei einer Hose aus. Dies ist wohl ein Grund, warum ich zuhause viel lieber eine Hose mit Gummizug trage – wenn ich denn eine Hose anhabe.

Ein Leben am Limit – Grenzenlose Freiheit â€Š

Was T-Shirts und Pullover angeht, habe ich etwas mehr GlĂŒck – hier scheine ich wohl in das Standardraster der Kleidungsindustrie zu passen, auch wenn es hier ab und an Probleme mit der ÄrmellĂ€nge gibt. Halten wir es einfach fest: Ich bin alles andere als ein Durchschnittsmensch und daher als Model eher ungeeignet, na vielleicht probiere ich es mal in der Pornoindustrie đŸ˜‚ â€Š

Der Sommer, der alles verĂ€nderte â€Š


 war im Jahr 2015. Durch Zufall entdeckte ich das Forum der FKK-Freunde und sah mich hier ein wenig um. Als ich mich versah, fand ich mich in den “Unternehmungen” wieder und sah relativ weit oben, dass der “Freundeskreis SĂ€chsischer Naturisten” zu einer “SĂ€chsischen Nacktwanderwoche” einlĂ€dt. “Toll”, dachte ich mir, allerdings hatte ich mich zuvor noch nie in der Öffentlichkeit nackig gemacht. FrĂŒher als kleines Kind im Garten war das was anderes, da hat man noch nicht an die Folgen gedacht, aber nun ? Nun ja ich wollte etwas Neues erleben und dachte mir, schreib ich doch einfach mal eine Mail an den Veranstalter. Knapp einen Tag spĂ€ter meldete sich auch schon Wolfgang, der die Wandertour in der SĂ€chsischen Schweiz organisiert und ich schilderte ihm alle meine Probleme und Fragen, die ich hatte “Was ist, wenn ich nun wĂ€hrend der Wanderung einen Steifen bekomme ?”, “Was fĂŒr Leute sind da noch anzutreffen ?” und so weiter. Wolfgang beantwortete wirklich alle meine Fragen und nahm mir auch etwas die Angst, vor dem “Nacktsein in der Öffentlichkeit”, er schlug sogar vor, dass ich zunĂ€chst einmal FKK baden gehen und schauen solle, wie mein Körper darauf reagiert.

Wenige Tage spĂ€ter – zum GlĂŒck war der Sommer 2015 mehr als warm – fand ich mich also an der Kiesgrube im Dresdener Stadtteil Leuben wieder, zwischen vielen Ă€lteren Damen und wenigen Ă€lteren Herren. Trotz des großen Altersunterschieds wurde ich freundlich aufgenommen und hier und da haben die Frauen auch ein paar Tipps fĂŒr mich ĂŒbrig gehabt, so sollte ich mit “meiner hellen Haut unbedingt Sonnencreme auftragen”. Gesagt getan, dennoch hatte ich tags darauf einen leichten Sonnenbrand, der sich aber schnell wieder verflĂŒchtigte und in einem leichten Braunton endete. Damit sollte ja einer Wanderung in der SĂ€chsischen Schweiz nichts mehr im Wege stehen, am selben Abend schrieb ich Wolfgang dann noch meine Erlebnisse vom ersten Mal FKK und er meinte auch, dass einer Wanderung dann nichts mehr im Wege stehen wĂŒrde. Die nachfolgenden Mails beschĂ€ftigten sich dann eigentlich nur noch mit der Anreise, da ich hier alternativ zur Ausgangsbasis zu Albert, statt gleich nach Stadt Wehlen zum Start der Wanderung kommen kann – ich entschied mich dennoch fĂŒr Letzteres.

Warum in die weite Welt fahren ? Unsere Heimat ist so schön â€Š

So ging es am 7. August 2015 auf nach Stadt Wehlen, zunĂ€chst einmal wusste ich nur die ungefĂ€hre Position, wo wir uns treffen wĂŒrden – ich hatte Wolfgang zudem noch nie vorher gesehen, so wurde es etwas schwierig. Es hieß “wir treffen uns am FĂ€hranleger in Stadt Wehlen”. Als gegen 10 Uhr niemand aufzufinden war, machte ich mich in Richtung Markt auf, standen doch dort so viele Menschen einfach nur rum – also fragte ich ein paar Leute, ob sie denn zum “Freundeskreis SĂ€chsischer Naturisten” zĂ€hlen, niemand davon war gewillt meine Frage mit einem “Ja” zu beantworten und so beschloss ich wieder in Richtung FĂ€hranleger zu laufen, bis ich plötzlich auf Wolfgang traf. Nach einer kurzen BegrĂŒĂŸung liefen wir auch schon los – bei fast 37 Grad hieß das Ziel Amselsee – ein See bei den Temperaturen klang schon mal nicht verkehrt. Kurz vor Kurort Rathen sind wir dann noch alle in die Elbe gehĂŒpft, ein wenig Erfrischung tat an diesem Tag echt gut, es sollte zum GlĂŒck nicht die Letzte sein, denn kurz nach dem Amselsee – und der auf einem HĂŒgel liegenden Amselfallbaude – erwartete uns schon ein kleiner Wasserfall, dessen erneute AbkĂŒhlung von allen Mitwanderern herbeigesehnt wurde.

Aber Wolfgang hatte am Ende des Tages noch eine Überraschung fĂŒr mich: In der darauffolgenden Woche sollte ein Fotograf dabeisein, der ein paar Fotos fĂŒr ein Buch ĂŒber Nacktwanderer schreiben will. Nachdem ich die ganze Wanderung ĂŒberhaupt kein einziges Mal einen StĂ€nder hatte, konnte ich dem also beruhigt entgegensehen und so wurde auch die Wanderung an jenem Montag und Dienstag ein unvergesslicher Augenblick, bei dem ich viele nette Menschen aus nah und fern kennengelernt habe. Hier sind nur einmal Pascal und seine Frau Clariss aus Frankreich zu erwĂ€hnen, aber auch Hans-Peter aus Baden-WĂŒrtemberg.

2016 – ein Wendepunkt in meinem Leben

Schon nach diesen drei Tagen im Jahr 2015 war ich mir sicher, dass es nicht dabei bleiben sollte. Und so war ich bereits nach der Wanderwoche bei einigen weiteren Wanderungen mit von der Partie. So wurden letztendlich aus Torsten aus Dohna, Wolfgang und Mario aus Heidenau, sowie Andreas aus Pirna fĂŒr mich echte Freunde. Gerade Torsten und Wolfgang haben in der Folge den Status eines “besten Freundes” erhalten.

Zusammen mit Torsten, Mario, Andreas und Wolfgang auf der Rahmhanke â€Š

2016 schließlich nahm ich an insgesamt 35 Wanderungen in der SĂ€chsischen Schweiz, aber auch ein paar wenigen im Haselbachtal, wo Andrea und Roberto wohnen, teil. Bis auf ein paar wenige Ausnahmen habe ich davon alle nackt erlebt, denn ab und an machte uns dann doch das Wetter einen Strich durch die Rechnung. In dieser Zeit erlebte ich die SĂ€chsische Schweiz von einer ganz anderen Seite, sah ich doch zuvor immer nur die typischen Hotspots, wie die Bastei, aber dann war es das auch schon wieder. Und auch hier stimmt das Argument: “Du kannst nur das schĂŒtzen, was du auch erlebt hast”. WĂ€hrend all dieser Wanderungen entdeckte ich mich auch immer wieder neu, lernte meinem Körper zu vertrauen, wenn es ums Klettern an der Rahmhanke oder an der RĂŒbezahlstiege ging. Dieser intensive Kontakt mit der Natur und meiner Umwelt ermöglichte es mir Verletzungen vorzubeugen, denn in “funktionaler Wanderkleidung” neigt man doch zu etwas mehr Leichtsinn, da man die Verletzungen nicht sofort sieht. Aber das ist nicht der einzige positive Nebeneffekt, war ich vorher mindestens zweimal im Jahr mit einer ErkĂ€ltung “gesegnet”, so bin ich seit April 2016 bisher davon verschont geblieben – ein durchaus angenehmer Nebeneffekt â€Š

Die Sache mit den Frauen â€Š

Ja auch da gibt es etwas Positives zu berichten: War ich bis zu meiner ersten Nacktwanderung extrem schĂŒchtern, was den Kontakt zu Frauen angeht, hat sich dies im Laufe des Jahres 2015 deutlich gebessert. Inzwischen habe ich wirklich keine Angst mehr davor eine Frau anzuquatschen – die armen VerkĂ€uferinnen im Kaufland und sonst wo mögen es mir verzeihen đŸ˜Ž.

Meine ( inzwischen ) Ex-Freundin stand meinem neuen Hobby allerdings nicht ganz so aufgeschlossen gegenĂŒber – ihr wĂ€re es wohl lieber gewesen, wenn ich meinen Körper weiterhin verhĂŒllt hĂ€tte. Dabei hat sie einen erheblichen Anteil dazu beigetragen, dass ich mit meinem Körper “zufrieden” sein kann. Tja ohne sie wĂ€re ich am Ende wohl nie auf das Nacktwandern gekommen, doch jedenfalls hat dieses Thema immer wieder fĂŒr leichte Meinungsverschiedenheiten gesorgt. Da ich ein Mensch bin, der nicht nachtragend ist, wĂŒnsche ich ihr viel Erfolg fĂŒr ihren weiteren Lebensweg, denn ich kann nur sagen, dass ich seit der Trennung sagen kann: Ich bin glĂŒcklich đŸ˜‹.

Abschließende Worte

Abschließend kann ich nur sagen, dass das Jahr 2017 etwas ganz Besonderes werden wird, denn zum ersten Mal werde ich an der “Naked European Walking Tour” in Österreich teilnehmen. Da Torsten mir vor Kurzem das Radfahren beigebracht hat, steht auch einer WNBR in Prag, sowie der WNBR in Dresden nichts im Wege. Somit kann ich wirklich nur sagen, dass ich nichts bereue – der Wandel vom Programmierer zum Naturisten, hat mir viele neue Freunde, ein besseres Immunsystem und mehr Selbstvertrauen beschert. Ich kann also mit Recht sagen: “Wenn ich in 20 Jahren meinen 30. Geburtstag feiere”, denn obwohl dieser eigentlich 2018 ansteht, fĂŒhle ich mich alles andere als weniger jung, wie es in meinem Ausweis steht.

SandsteinmĂ€use passen auch in jede kleine Spalte â€Š

Sollten wir da nicht lieber die HĂŒllen fallen lassen, als stĂ€ndig neue Cremes auf unsere Haut zu schmieren, die vorgeben, dass wir dadurch jĂŒnger aussehen ?

Entscheidet euch, bevor die besten FKK-PlĂ€tze am Strand weg oder die Nacktwanderungen in Deutschland, Österreich und Frankreich ausgebucht sind.

Ich hoffe, dass euch dieser Einblick in meine Gedanken gefallen hat,
euer Martin

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Über Martin

NatĂŒrlich. Nackt. Frei. Seit Sommer 2015 haben diese drei Worte einen neuen Lebensweg fĂŒr mich geprĂ€gt. Ich war es leid, immer wieder die richtigen Klamotten in Schuh- oder BekleidungsgeschĂ€ften zu finden, nur um sie nach meiner nĂ€chsten Wanderung in die Waschmaschine werfen zu können. Der Bibel zufolge wurde der Mann nackt von Gott erschaffen - wir sehen dies sogar heute bei jeder Geburt, dass niemand mit einer MĂŒtze geboren wird. Aber warum sollten wir Kleidung wĂ€hrend einer Wanderung tragen ? Schließlich sind wir ein Teil der Natur und je mehr wir den Kontakt mit dieser erfahren, um so eher sind wir gewillt diese zu schĂŒtzen. FĂŒr mich ist es daher wichtig, dass ich nicht nur meinen eigenen Körper der Natur aussetze, sondern dass meine Umwelt um mich herum geschĂŒtzt wird 


3 Kommentare

  1. Danke Martin fĂŒr diesen herrlichen Bericht deiner Gedanken. In vielen Hinsichten erging mir es so Ă€hnlich. Durch einen Klinikaufenthalt (psychsisch) vor ca. 3 Jahren und deren vielen GesprĂ€che meiner Therapeuten, dass ich so Leben sollte wie ich es schon immer wollte, habe ich durch das Leben als Naturist mich gewissermaßen selbst geheilt. Nackt habe ich mich schon seit meinem 19. Lebensjahr immer sehr befreiend gefĂŒhlt (durch FKK-Urlaub und FKK baden). Seit dem Jahr 2015 lebe ich so wie ich es schon immer hĂ€tte Leben sollen, leben als Naturist. Eins Sein mit den Elementen, sich selbst akzeptieren und lieben lernen, so wie man ist und weitab sozialer AnsprĂŒche, aber auch die Natur fĂŒr nachfolgende Generation schĂŒtzen und erhalten, indem man einen ökologischen Lebensstil pflegt – genau das zeichnet die Kraft der Bewegung des Naturismus aus, dieser Quelle des GlĂŒcks.

  2. frei nach “Was ich denk und tu, trau ich auch anderen zu.” 😉

    Na klar, jeder in dieser Welt ist mehr oder weniger von irgendwas beherrscht, von gesellschaftlichen ZwĂ€ngen, Karriere, Religion, …
    Dennoch sein persönliches LebensglĂŒck zu finden und dieses auch noch so preiswert ausleben zu können, ist da schon etwas ganz Besonderes.
    Und dabei es kann so einfach sein, wenn man nur beginnt, sich selbst – so wie man wirklich ist – anzunehmen … und bestenfalls zu lieben.

    Nicht zu vergessen: absoluter Spaßfaktor!

  3. Danke fĂŒr diesen schönen Erfahrungsbericht.
    Meine erste Nacktwanderung musste ich leider alleine machen, da ich euch noch nicht kannte. In einer so schönen Gruppe ist viel schöner.

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