Liebe Wanderfreunde,

wenn das Wetter schlechter wird und die Temperaturen bereits auf Winter eingestellt sind, dann ist es November. Es kommt die Zeit im Jahr in der das Nacktwandern sich dem Ende nähert und alte Männer mit weißen Bärten und großen Säcken durch die Landschaft streifen. Ich möchte dieses Wetter in den nächsten Tagen nutzen, um nicht nur ein selbstgestecktes Ziel zu erreichen, sondern auch um den Malerweg einmal komplett zu bewandern. Dies alles soll in fünf Etappen geschehen …

Wie gewohnt, aber dennoch anders …

Wenn es meine Kräfte zulassen, werde ich euch jeden Abend auf dem Laufenden halten. Die einzelnen Etappen bewegen sich in einem Bereich von knapp 20 Kilometern, die dritte Etappe wird mich durch die Hintere Sächsische Schweiz führen, mit knapp 30 Kilometern – ich hoffe, diese Herausforderung bewältigen zu können. Start ist jeweils mit Sonnenaufgang und das Ende der Wanderung ist mit dem Sonnenuntergang geplant …

Inhaltsverzeichnis

1. Etappe: Vom Liebethaler Grund nach Kurort Rathen …
2. Etappe: Von Kurort Rathen über Hohnstein nach Ostrau ?
3. Etappe: Vom Beuthenfall über das Kirnitzschtal nach Schmilka ?
3. Etappe: Vom Beuthenfall über das Kirnitzschtal nach Schmilka !
4. Etappe: Von Schmilka über den Papststein nach Königstein …
5. Etappe: Von Königstein über den Rauenstein nach Pirna …

Etappe 1: Vom Liebethaler Grund nach Kurort Rathen …

Heute sollte die erste Etappe gemeistert werden, meine Wanderung sollte mich vom Liebethaler Grund in Pirna über 16,9 Kilometer, 382 Meter Aufstieg und 426 Meter Abstieg nach Kurort Rathen führen.

Doch beginnen wir von vorn: Nachdem meine ersten Erfahrungen mit dem Busverkehr in Pirna nicht die Besten waren, sollte heute erneut ein Anlauf folgen und siehe da, alles fuhr einwandfrei, so dass es 8:23 Uhr von der Haltestelle Liebethaler Grund in jenen Grund ging, der den Beginn des Malerweges markiert.

Einen Teil der heutigen Strecke kannte ich bereits, da ich vor vielen Jahren mit einem Kumpel aus Radebeul den Malerweg laufen wollte – das Wetter war damals allerdings bei Weitem schlechter, so dass wir im Regen starteten und irgendwann in Stadt Wehlen die Wanderung unfreiwillig beendeten. Jahre später – also heute – sollte das Wetter allerdings bedeutend besser sein, die dichte Wolkendecke lies sogar am Mittag einige Sonnenstrahlen durch, so dass ein paar besondere Fotos entstehen würden. Meine erste Fotolocation fand sich nahe der ehemaligen Lochmühle und hatte das Elektrizitätswerk im Liebethaler Grund zum Motiv …

Wie viele Lost Places in der Sächsischen Schweiz hat auch hier die Zeit ihre Spuren hinterlassen, doch eine Tafel erinnert nach wie vor an den alten Glanz und die Wichtigkeit dieses Bauwerks:

Unterhalb der Lochmühle, in der sogenannten Rabenteufe ( schöner Wasserspiegel genannt ) erwirbt die Gemeinde Copitz 1890 das Areal zum Bau des Copitzer Elektrizitätswerkes, welches sich auf Mühlsdorfer Flur befindet. Für die Wasserkraft werden 30.000 Mark gezahlt.

Im Jahre 1894 errichtet die Gemeinde Copitz hier eines der ersten Elektrizitätswerke in Sachsen mit 2 Turbinen von 80 und 150 PS, Generatoren von 220 V / 50 Hz – 100 kVA, als Einphasen- Wechselstrom.

Am 15. Dezember 1894 erhellten sich die Lichtspender in den Straßen, in den Gaststuben, in Privatwohnungen, in den Höfen, auf Treppen und sogar in Ställen und Kellern ! Der aus der Wesenitz entsprungene Kraftstrom ist “gebändigt und herein geleitet”. Die Leuchtkraft entspricht 128facher Kerzenstärke. Die Petroleumlampen haben vorerst ausgedient.

Mit der Übernahme des E-Werkes 1922 durch die Pappenfabrik Liebethal wurde die Stromerzeugung zusammengeschaltet und etwa im Jahre 1970 eingestellt.

Eigentlich gilt die Wanderstrecke des Malerweges im Bereich des Liebethaler Grunds als gesperrt, da die Lochmühle einsturzgefährdet ist und sich ein Teil des Gebäudes über den Wanderweg erstreckt. Doch heute machen wir mal eine Ausnahme, schließlich ist dies nicht meine erste Wanderung und ich kenne die Gefahren alter Gebäude nur zu gut 😉. Bevor wir uns der baufälligen Lochmühle nähern, werfen wir noch einen Blick auf das Richard-Wagner-Denkmal …

Dass dieses Denkmal ausgerechnet im Liebethaler Grund steht, ist dem Dresdner Bildhauer Richard Guhr zu verdanken, welcher das Denkmal ursprünglich im Großen Garten und im Kurpark von Teplice aufstellen lassen wollte. Nachdem beide Vorhaben nicht realisiert wurden, entschied er sich dass der Ausstellungsort in Bezug zum Leben und Wirken Richard Wagners stehen müsse. Das Denkmal wurde 1932 bis 1933 an jenem Ort errichtet, an dem auch die ersten Kompositionsskizzen für die Oper “Lohrengrin” von 1846 entstanden.

Von der Lochmühle führte mich meine Wanderroute in Richtung Mühlsdorf. An der Lochmühle kam ich noch mit einem Hundebesitzer ins Gespräch, den ich zunächst fragte, ob ich eintreten dürfe ( ich dachte es handelt sich hier um den Besitzer ), doch am Ende stellte es sich heraus, dass er nur eine Runde mit seinem Hund Gassi ging. Bedingt durch Matthias’ Erfahrungen bin ich inzwischen auch etwas vorsichtiger im Umgang mit Hunden, der Besitzer gab jedoch recht schnell Entwarnung, denn zu oft ist er mit seinem Liebsten den Malerweg entlang gelaufen, so dass sein Hund an unterschiedlichste Menschen gewöhnt ist. Der beschauliche kleine Ort ist dabei einer von vielen weiteren, den ich auf meiner heutigen Wanderung queren sollte. Am Ende des Dorfes erwartete mich ein Feld, dass passiert werden wollte, bevor es entlang des Waldes in Richtung des Mühlsdorfer Koordinatensteins ging – dieser liegt genau auf 51° 00′ 00″ nördlicher Breite und 14° 00′ 00″ östlicher Länge. Gut dreieinhalb Kilometer lagen bereits hinter mir, weitere 108,5 Kilometer sollten es noch bis Pirna sein. So wurde noch einmal die Wesenitz passiert, bevor es über das Meißner Hochland bei Lohmen ging, um letztendlich die Stadt entlang der Basteistraße und der Uttewalder Straße unter die Schuhe zu nehmen. Einen Stempel wollte ich mir nicht abholen, denn dazu hätte ich mir erst ein Stempelheft besorgen müssen. Und sind wir doch mal ehrlich: Wer braucht eine Urkunde, wenn er dafür eine Menge netter Leute kennenlernt ?

Am Eingang des Schleifgrunds fand sich eine Säule, die im Mai 1990 aufgestellt wurde, welche an die – zum Schutze der Felder – im Mai 1790 eingeleitete Vertreibung des Wilds aus den angrenzenden Wäldern durch die Wehlener Bauern erinnert.

So ging es durch den Schleifgrund, den Uttewalder Grund entlang, bis ich ans Uttewalder Felsentor kam. Kurz den Kopf eingezogen und es konnte weiter Strecke gemacht werden, bis ich schließlich in Stadt Wehlen ankam. Stadt Wehlen ist – wie viele andere Touristenmagnete in der Sächsischen Schweiz – in einen Winterschlaf verfallen, so dass auch diverse Bänke für rastende Wanderer demontiert wurden 😯. Also ging es den Schwarzberggrund hinauf, in Richtung der Schanzen, um an der Aussicht auf dem Schwarzberg eine erste Pause einzulegen. Gute 12,8 Kilometer lagen bereits hinter mir.

Auf meinem weiteren Weg die Schanzen entlang kam ich mit einer Gruppe Kletterer ins Gespräch, die heute noch den Talwächter über den Alten Weg und noch eine weitere Route erklimmen wollten. Während unseres gemeinsamen Weges bis zum Steinernen Tisch tauschten wir einiges an Erfahrung aus und ich erhielt eine Einladung mal in der Kletterhalle “XXL” vorbeizuschauen und so meine Kletter-Kenntnisse etwas aufzuwerten …

Der Malerweg wurde nicht umsonst von Malern, Dichtern und Musikern genutzt, wenn er nicht auch an den Schönheiten der Sächsischen Schweiz entlang führen würde. So kam ich kurz nach Mittag an der Bastei an. Da noch reichlich Zeit bis Sonnenuntergang war, beschloss ich es von nun an ruhiger anzugehen und widmete mich meiner fotografischen Leidenschaft, so dass obiges Foto vom Ferdinandturm entstand. Ebenfalls besuchte ich das Freilichtmuseum der Felsenburg Neurathen, bevor mich mein Weg in Richtung des Tiedgesteins führte …

Am Tiedgestein spielte dann die Sonne mit und so konnte ich dieses atemberaubende Foto einfangen, welches den Lilienstein durch die Sonnenstrahlen hervorhebt. Auch wenn die Kraft der Sonne über den ganzen Tag nicht stark genug war, um durch die Wolkendecke zu dringen, boten die wenigen Strahlen doch besondere Gelegenheit, für ein paar Fotos.

Vom Tiedgestein führte mich mein Weg nach Kurort Rathen, wo ich 12:21 Uhr an der Fähre eintraf. Die erste Etappe mit ihren 16,9 Kilometern gilt als die kürzeste der vier verbleibenden und war ein erster Test meiner Geschwindigkeit, welche mit 4,7 km/h im Soll liegt, um die dritte Etappe bewältigen zu können.

Es liegen noch 102,1 Kilometer vor mir.

Etappe 2: Von Kurort Rathen über Hohnstein nach Ostrau ?

Zweiter Tag, zweite Etappe. Über 24,6 Kilometer mit 920 Metern Aufstieg und 804 Metern Abstieg sollte zugleich die Route folgen, die im Verhältnis mehr Aufstiegs-, als Abstiegsmeter inne hatte. Am Ende kam jedoch irgendwie alles anders als geplant – mit Folgen für die dritte Etappe.

Doch beginnen wir – wie gestern auch – von vorn: Pünktlich 7:43 Uhr stieg ich in Heidenau in den Zug, um diesen 8:02 Uhr in Kurort Rathen wieder zu verlassen. Anders, als am Ende der ersten Etappe, kam ich heute jedoch in den Genuss mit der Gierseilfähre zu fahren, welche bei zu viel Wind ihren Dienst versagt – der Fährmann erklärte dies am Vortag damit, dass er auf der Bahnhofsseite nicht anlegen kann, da ihn der Wind vom Ufer wegdrückt. Der Wind sollte heute keine größere Rolle spielen, so dass meine Wanderung genau Viertel Neun beginnen konnte. Während meinem Weg durch Rathen, entschied sich die Freiwillige Feuerwehr pünktlich um 8:17 Uhr, der ganzen Rathener Bevölkerung einen “Guten Morgen” zu wünschen und lies die Sirene dreimal kräftig aufheulen – vielleicht wollten sie aber einfach auch nur ankündigen, dass sich ein mutiger Wanderer in den Amselgrund begibt. Die erste Zeit meiner Wanderung war ich allein, so dass ich erneut zu Beginn der Wanderung wieder reichlich Strecke machen konnte. Erst an der Rathewalder Mühle legte ich einen Stop ein, diese steht seit vergangenem Jahr wieder unter Bewirtschaftung. Zeit für ein erstes Foto …

An der Rathewalder Mühle folgte auch der erste ordentliche Anstieg für den heutigen Tag, dieser sollte erst am Lindengarten – einem kleinen Biergarten mitten im Ort ein Ende finden, bevor es ein kurzes Stück durch den Ort ging, um anschließend in Richtung der Hohnsteiner Straße zu gelangen. Noch ehe ich am Ende von Rathewalde ankam, schienen sich einige Ziegen sehr für mich zu interessieren – oder besser gesagt eine Ziege schien dieses rote Spielzeug in meiner Hand zu faszinieren. Ein Foto später war ich aber schon wieder des Weges gezogen, um in Richtung Hocksteinschänke zu laufen. War ich während der ersten Etappe kaum auf iPhone oder iPad angewiesen, wenn es um die Wegfindung ging, sollte sich das am heutigen Tage mehrfach ändern, das erste Mal stand ich an der Hocksteinschänke und schaute nach einem weiteren Wegweiser – erst nach kurzem Rundumblick fand ich schließlich auf der anderen Straßenseite ein Schild, welches mich in Richtung Hocksteinparkplatz leitete.

So folgte ich dem Hocksteinweg, welcher vom Parkplatz direkt zu jenem Stein führte, auf den man einen wunderschönen Blick auf Hohnstein hat. Die Wolkendecke war heute allerdings etwas dichter, so dass die Sonne über den ganzen Tag keine Chance hatte, diese zu durchdringen – also wird einfach weiter fröhlich im HDR-Modus fotografiert …

Von der Hocksteinaussicht ging es durch die Wolfsschlucht ins Polenztal. Da ich wieder etwas Zeit gewinnen wollte, ging es die Stufen schon beinahe im Galopp hinunter und ehe ich mich versah, war auch schon die Polenztalschänke im Blick. Die nächsten gut 500 Meter sollten durch den Schindergraben verlaufen, welcher weitestgehend sich selbst überlassen wird und nur einige ( falls notwendige ) Beräumungsarbeiten stattfinden – so stand es zumindest auf einem der Schilder des Lehrpfads Hohnstein, der mich eine Zeit lang begleitete. Am Bärengarten vorbei, ging es in Richtung der Gautschgrotte, an der ich erneut eine kurze Fotopause einlegte. Der Halbenweg – auf welchem ich mich seit Verlassen des Bärengartens befand – schlängelte sich dabei immer an den Steinen entlang, zahlreiche Wurzeln säumten dabei seinen Weg, an der ich mir mindestens einmal auch ordentlich den Schuh anstieß 😣.

Jeder Schmerz geht irgendwann einmal vorüber und wie war das noch mit den echten Indianern ?

Vorbei an der Räumichtwiese, begegnete mir auf dem Rundweg die zweite Person des Tages – nicht allein, führte sie doch ihren halbjährigen Nachwuchs im Kinderwagen spazieren. Einen kurzen Plausch später, trennten sich unsere Wege: Auf geht’s über die Brandstraße zum Brand. Die Brandstraße kann dabei durchaus als einer der sehr gut ausgebauten Waldwege verstanden werden, beim Schreiben des Berichts habe ich gerade festgestellt, dass auch irgendwo eine Bushaltestelle zu finden sein soll – zumindest ist diese auf der Karte verzeichnet. Nach gut einem Kilometer erreichte ich schließlich den Brand, an dessen gastronomischen Einrichtungen einige Modernisierungsarbeiten stattfinden, weshalb ich mich entschied lieber die Aussicht nahe der Thümmelgrotte zu besuchen.

Ab diesem Moment stand die Wanderung ganz im Zeichen des Liliensteins – warum, das werdet ihr später noch erfahren 😉.

Zur Wanderwoche ( und als regelmäßige Wanderer noch häufiger ) hatten wir bereits das Vergnügen, die Brandstufen hinauf zu laufen. Was sonst gut eine halbe Stunde dauert, ist im Abstieg ein Kinderspiel und so sah ich mich nach knapp 10 Minuten schon am Ende der Brandstufen – auch wenn mich diese ein wenig an die “7.000” Stufen nach Hoch-Hrothgar erinnern. Im Tiefen Grund angekommen, führte mich die Straße im Tiefen Grund den Berg hinauf, um mich in den Dorfgrund zu leiten. Nach gut 13,7 Kilometern war ich schon etwas erschöpft – nachdem mich die folgenden 440 Meter allerdings gute 100 Höhenmeter nach Waitzdorf führten, war ich im Dorf angekommen … etwas sehr … also wirklich sehr außer Atem.

Waitzdorf ist wirklich nur ein kleiner Ort, dennoch begegnete mir hier ein junger Mann, der sich wohl gerade auf zum Bouldern gemacht hat – seine Ausrüstung sah zumindest ähnlich aus, wie sie auch mein Nachbar verwendet. Einen kurzen Moment später verließ ich Waitzdorf und erreichte erneut eine Aussicht mit Blick auf den Lilienstein …

Dies sollte nicht die letzte Aussicht sein, welche ich auf dem Rundweg um Waitzdorf zu Gesicht bekam, denn knapp 200 Meter später offenbarte sich eine wunderschöne Aussicht auf den Lilienstein. Es drehte sich somit die letzten Kilometer seit der Aussicht an der Thümmelgrotte alles um des Königstein’s Nachbarn, dabei ist er über den Malerweg nicht zu erreichen – außer man legt einen Umweg ein, was ich ( zeitlich bedingt ) nicht vorhabe.

Über den Mühlweg gelangte ich in den Kohlichtgraben, auf dem es allmählich wieder bergab ging. In jenem Graben stand auch einst die alte Kohlmühle, 1585 als Mahlmühle erbaut, wurde sie 1684 mit einer Schneidemühle erweitert. Im Jahre 1755 wurde sie durch ein Unwetter zerstört und im Sebnitztal wiederaufgebaut. Die letzten Überreste der Mühle beschränken sich heute auf ein altes Wehr. Im Verlauf des Kohlichtgrabens beginnt auch irgendwann das kleine Dorf Kohlmühle, welches ein sehr gut erhaltenes Dorfarchiv zu besitzen scheint, denn zu vielen Gebäuden ist eine weitreichende Historie bekannt. Unter anderem fanden sich auch Relikte der Eisenbahngeschichte, die ein Sammler zusammengetragen hat und heute Fußgängern den Zugang über den Graben “erschwert” …

Mein weiterer Weg führte mich über die heute noch genutzte Eisenbahnstrecke im Sebnitztal, den Adamsberg entlang – wären es nur ein paar Grad wärmer gewesen, so hätte man jenem Berg ja mal zeigen können, wie Adam aussieht 😂. Aber so war es wohl auch besser, denn der Weg verlief die ganze Zeit an der Bahnstrecke, erstmals fühlte ich mich während meiner Wanderung über den Malerweg etwas … einsam. Keine Menschenseele, nur ein paar Vögel und selbst diese hielten sich in Grenzen und konnten an einer Hand abgezählt werden. Hier, im Sebnitztal, wo ich mir während meiner vielen Zugfahrten dachte, dass es einen Wanderweg geben müsse, führte mich nun der Malerweg hin – nach gut 1,6 Kilometern sollte dieser Weg aber ein Ende finden und der Altendorfer Pinsenberg näherte sich.

Der Pinsenberg gehört – neben dem Großen und Kleinen Winterberg – zu den Basaltdurchbrüchen:

Seit dem 19. Jh. wurde er zur Gewinnung von Straßenschotter für den Unterhalt der hier durchführenden Staatsstraße größtenteils abgebaut, wobei sein Vulkanschlot freigelegt wurde. In den 80er Jahren des 20. Jh. wurde dieser wieder verschüttet.

Eine Informationstafel klärte nicht nur mich, sondern auch viele weitere Wanderer, welche den beschwerlichen Aufstieg auf sich nahmen, auf. Vom Pinsenberg sollte es nur noch ein Katzensprung nach Altendorf sein. Altendorf haben wir schon häufig während unserer Wanderung über den Panoramaweg gequert, dabei aber nie das Wohnviertel “Zum Hegebusch” gesehen. So klärt eine Informationstafel drüber auf, dass von 1972 bis 1973 …

… zwischen dem Dorf und dem Hegebusch 7 Neubau-Eigenheime für Beschäftigte des VEB Linoleumwerk Kohlmühle und der ZBO Pirna aufgrund eines Beschlusses des VIII Parteitages der SED von 1971 errichtet, welcher neben dem Bau von Wohnhausblöcken auch wieder den Bau von Einfamilienhäusern zuließ.

Der Hegebusch führte mich in Richtung des Altendorfer Bachs, von wo aus es die “Steinstufen”, so der Name jener Stufen, die von den Altendorfer Steinbrechern genutzt wurden, auf ihrem Weg zu den Postelwitzer Steinbrüchen, um ins Kirnitzschtal zu gelangen. Während meinem Weg entlang jener Stufen begegnete mir auch ein Paar aus Cambridge, die bereits mehrfach Gast in der Sächsischen Schweiz waren und die Region aufgrund ihrer Vielfalt lieben – den Malerweg wollen sie allerdings nur Schritt für Schritt teilweise bewandern. Nach dieser kurzen Pause führte mich mein Weg in Richtung des Flößersteigs – etwa 22,8 Kilometer lagen bereits hinter mir.

Im Moment fühlte ich mich recht fit, so kam das erste Mal die Überlegung auf, eventuell weiter zu laufen, als es der Plan vorgab. Doch erst wollte ich den Ortsanfang von Ostrau erreichen – zumindest war dies der Name der Bushaltestelle, bis zum eigentlichen Ort sollte es noch etwas weiter sein. Dafür war es jedoch zuerst nötig, den Aufstieg zu den Gellchensteinen zu nehmen, über gute 850 Meter führte mich mein Weg etwa 120 Höhenmeter hinauf. Am Oberen Liebenweg angekommen, war es kurz nach 14 Uhr – in zwei Stunden sollte die Sonne untergehen und gut 24,2 Kilometer lagen bereits hinter mir … ich war zu diesem Zeitpunkt echt fertig, der letzte Anstieg hatte mir eigentlich den Rest gegeben. So stand ich vor der Entscheidung: Weiterlaufen bis zum Beuthenfall oder doch lieber den Bus in Richtung Bad Schandau nehmen ?

Zu diesem Zeitpunkt lagen noch etwa 77,9 Kilometer vor mir.

Die Entscheidung stand nach kurzer App-Lektüre des ÖPNV Navigators fest und der in wenigen Minuten fahrende Bus wurde gegen die Ungewissheit eingetauscht, ob ich die Kirnitzschtalbahn oder den Bus am Beuthenfall erreichen würde ( ganz so schlimm war es nicht, klingt aber dramatischer 😄 ). Somit waren weitere 10,9 Kilometer geplant. Dass diese Strecke allerdings nochmal eine Herausforderung der besonderen Art darstellen sollte, wurde mir erst klar, als sich die Sonne dem Untergang näherte.

So ging es den Steinbrecherweg hinauf in Richtung des Elbleitenweges, auf dem ich erneut einem Wanderer begegnete. Der Elbleitenweg führte mich auf direktem Weg zum Schrammsteinweg, an dem ich zu Beginn das Schrammtor passierte und mir so den Eintritt in das Gebiet der Schrammsteine  verschaffte – eiligen Schrittes ging es in Richtung des Jägersteigs …

Bereits die ersten Stufen des Jägersteigs wurden zur Qual, doch ich hatte die Wahl: Umkehren oder weiterlaufen ? Ehrlich gesagt war ich nicht wirklich ein Freund der ersten Option und so kannte ich nur den Weg nach vorn. Weiterlaufen wurde fortan das Ziel, wollte ich doch pünktlich zum Sonnenuntergang den Wald verlassen – ohne Taschenlampe und nur mit zwei iPhones ausgestattet, war dies wohl auch die sicherste Lösung, denn mein Weg führte mich auch über den Gratweg.

Über den Gratweg erreichte ich letztendlich auch die Breite-Kluft-Aussicht, mit Blick auf die Kaiserkrone und den Zirkelstein – diesen würde ich auf der vierten Etappe näher kommen …

Doch erst einmal ging es weiter über den Schrammsteinweg zum Zurückesteig, wo die nächsten Stufen auf mich warteten – inzwischen wurde jede weitere Stufe oder Treppe zur Qual, aber Zeit für eine Pause war nicht drin, denn Bus und Bahn warten nur äußerst ungern auf ihre Fahrgäste. Dem Zurückesteig folgte ich bis zur Kreuzung Heilige Stiege, ehe es scharf nach links Richtung Kleines Prebischtor ging. Über einen Teil der Oberen Affensteinpromenade erreichte ich nach insgesamt 31,2 Kilometern die kleine Domstiege und deren viele Stufen hinab zum Sandlochweg. Der Weg verdient wirklich seinen Namen, so war das vorankommen nicht einfach und es gab hier und da einige Stellen zum Klettern. Über den Sandlochweg erreichte ich schließlich den Zeughausweg, der in den Unteren Affensteinweg überging – für die letzten Meter des Tages ( und laut MapOut ) sollten auch keine weiteren Höhenmeter hinzukommen … die Realität sah etwas anders aus und so verlief der Weg tendenziell zwar bergab, aber es gab immer wieder kleine Spitzen, die zur Belastungsprobe wurden – hauptsächlich für die mentale Stärke, weniger für das Material.

Am Vorderen Heideweg angekommen, entschied ich mich, Torsten anzurufen, ob er mich in Heidenau am Bahnhof abholen könne, da ich mir nicht mehr sicher war, ob ich den Weg nach Hause vom Bahnhof noch bewältige. Der Dietrichsgrund geleitete mich letztendlich kurz nach Sonnenuntergang und insgesamt 35,1 Kilometern zum Beuthenfall, von wo aus die dritte Etappe starten wird. Ankunft am Beuthenfall war 16:17 Uhr, nach 1.317 Metern Aufstieg und 1.243 Metern Abstieg, somit bin ich heute einmal den Fichtelberg hinaufgelaufen.

Ich wahr ehrlich gesagt froh unten zu sein 😩. Was mir während der Wanderung auffiel war, dass sich kaum Wanderer oder Kletterer im Gebiet der Schrammsteine aufhielten, lediglich am Eingang zur Wilden Hölle sah ich noch ein Pärchen, aber sonst war ich komplett allein unterwegs. Dies kannte ich – trotz des mäßigen Wetters – so auch noch nicht.

Es liegen noch 67 Kilometer vor mir.

Etappe 3: Vom Beuthenfall über das Kirnitzschtal nach Schmilka ?

Eigentlich sollte mich meine heutige Route vom Beuthenfall über das Zeughaus nach Schmilka führen und somit an den ersten Teil der dritten Etappe vom zweiten Tag anknüpfen. 18,4 Kilometer sollten es werden und gegen 10 Uhr kam ich mit dem Bus am Beuthenfall an – hier verwies schon ein erstes Schild darauf, dass ein Teil des Waldes gesperrt sei. Mich sollte dies zunächst nicht kümmern und so startete ich meine Wanderung in Richtung des Lichtenhainer Wasserfalls, diese wurde aber dann nach 1,3 Kilometern abrupt abgebrochen, nachdem sich die Jäger der Region entschieden, am heutigen Tag eine große Treibjagd von 10 bis 12 Uhr abzuhalten …

So entschied ich mich, nach einem kurzem Telefonat mit Herrn Eibenstein vom Nationalpark, die heutige Wanderung zu verschieben und diese eventuell am Wochenende, spätestens aber nächste Woche nachzuholen. Es soll ja nicht so enden wie im Film “Hot Shots”: “Da drüben steht ein Elch !” 😂.

Es liegen weiterhin 67 Kilometer vor mir.

Etappe 3: Vom Beuthenfall über das Kirnitzschtal nach Schmilka !

Nach gut vier Monaten Pause, wurde es Zeit, meine Wanderung über den Malerweg fortzusetzen. Waren Anfangs die Jäger und das Wetter dran Schuld, dass eine Wanderung nicht mehr stattfinden konnte, gesellte sich in den letzten Wochen reichlich Arbeit an unserer Webseite dazu. Doch nachdem diese ganzen Baustellen hinter mir liegen, blieb auch wieder Zeit für die ein oder andere Wanderung, so dass ich mich entschied, die “verordnete Freizeit” zu nutzen und eine weitere Etappe des Malerwegs zu begehen. Geplant waren 18,4 Kilometer mit 862 Metern Aufstieg und 914 Metern Abstieg – also nicht ganz so extrem, wie zur zweiten Etappe.

Doch beginnen wir – wie bereits zuvor – von vorn: Mit etwas Verspätung ging es am Nationalparkbahnhof in Bad Schandau los, um dann doch noch pünktlich 9:51 Uhr am Beuthenfall zu starten, denn am Start der Wanderung blieb zunächst die Unsicherheit, ob der letzte Zug vor Einbruch des Sonnenuntergangs noch erreicht werden konnte. So hieß es etwas Strecke zu machen, was bis zum Lichtenhainer Wasserfall auch gelang. Die ersten Höhenmeter wollten nicht auf sich warten lassen und so führte mich ein Teil des Flößersteigs von gut 180 Höhenmetern über die Kuhstallstraße hinauf zum Kuhstall am Neuen Wildenstein, welcher auf knapp 350 Höhenmetern zu finden ist …

Einst versteckte sich hier die Lichtenhainer Bevölkerung vor den Schweden zu Zeiten des Dreißigjährigen Krieges. Gute 400 Jahre später tummeln sich lediglich noch Wanderer hier, um die Aussicht zu genießen – in Zeiten einer globalen Pandemie, sind allerdings nicht mal diese vorzufinden, so dass ich ungestört fotografieren konnte. Nach diesem ersten Aufstieg entschied ich mich, über die Himmelsleiter den Neuen Wildenstein zu erklimmen. Die Aussicht, welche sich mir bot, war atemberaubend, so dass neben einigen Panoramafotos auch ein paar Tests mit dem Portrait-Modus erfolgten …

Ziel dieser Wanderungen sollte es schließlich sein, Kamera und Apps bis ans Maximum auszureizen. Manchmal spielte allerdings die Sonne nicht ganz so mit, wie ich wollte, so dass kleinere Nachbearbeitungen an obigem Portrait-Foto nötig wurden ( speziell die Helligkeit im Gesicht war dann doch etwas zu dunkel, was auch am Bart liegen könnte 😄 ).

Vom Neuen Wildenstein ging es die Stufen hinunter zum Malerweg, von dem es erneut einige Stufen hinab gehen sollte – dabei war auch die einzige Leiter des Tages. Über den Haussteig erreichte ich nach kurzer Zeit die Ferkelschlüchte, allmählich spürte ich auch, wie die Sonne den Wald aufwärmte und ich entschied mich, den Pullover in den Rucksack zu verstauen und mir die Jacke um die Hüfte zu binden. Die Hose fand leider keinen Platz mehr im Rucksack, doch wäre es dafür sicherlich zu kühl gewesen – die Höchsttemperaturen sollten die Marke von 12 Grad ohnehin nicht überschreiten, wenn es nach dem Deutschen Wetterdienst geht. Am Ende der Ferkelschlüchte angekommen, fiel mir ein Schild auf, was darauf aufmerksam machen wollte, dass die Kirnitzschtalstraße im Bereich der Felsenmühle bis zur Neumannmühle aufgrund von Forstarbeiten gesperrt sei. Dies gelte auch für den angrenzenden Teil des Flößersteigs.

“Na toll”, dachte ich mir, denn einen Umweg wollte ich nicht laufen, somit entschied ich mich zunächst einmal den Zustand des Weges anzusehen und anschließend eine Entscheidung zu treffen. Dabei kamen mir auch zwei gut verpackte … oder eher eingepackte Textilwanderer entgegen, doch ehe wir in Gesprächsnähe waren, führte mich mein Weg auch schon in Richtung des gesperrten Bereichs des Flößersteigs. Der Weg war, sowohl links, als auch rechts, von einigen gefällten Bäumen gesäumt, aber dennoch war der Weg gut passierbar. Die Forstarbeiter ließen mich ohne Kommentar passieren, denn sie arbeiteten auf der anderen Seite des Hangs und fällten so weiter Bäume, die vom Borkenkäfer befallen waren. Es war schon erstaunlich, wie kahl so ein Hang aussehen kann, doch wo Leben ist, da gibt es auch Tod und dieser ist ja nun bekanntlich nicht das Ende, sondern der Anfang von etwas Neuem – in diesem Fall wohl von Laubbäumen.

Gute 800 Meter später erreichte ich auch schon die Neumannmühle, wo es Zeit für ein Foto mit “Spectre” wurde. Der Hang in Richtung Kirnitzsch war dabei nicht ohne und bestand eher aus losen Ästen und Nadeln, also galt es jeden Schritt mit Bedacht zu wählen – ansonsten würde es ein unfreiwilliges Bad geben. Zum Glück begebe ich mich hin-und-wieder auf solche kleinen “Wagnisse”, so dass ich stets im Training bleibe, um euch solche außergewöhnlichen Fotos bieten zu können …

Ohne Bad ging es anschließend in Richtung der Kirnitzschtalstraße, vorbei an der Buschmühle, an der mich einer der Besitzer auf die “sommerliche Frische” aufmerksam machte – ihm schien es wohl zu kalt zu sein, um Oberkörperfrei wandern zu gehen. Ehrlich gesagt war diese Art von Bekleidung ok, solange ich in Bewegung blieb, denn der nächste Anstieg unterhalb des Arnsteins sollte schon folgen. So ging es über 340 Meter etwa 45 Höhenmeter hinauf, bevor ich am Abzweig Arnstein ankam. Ich entschied mich jedoch nicht dafür die Aussicht zu besuchen, da ich hierfür eine gute halbe Stunde hätte einplanen müssen – und das nur für den Aufstieg, mit dem Rückweg hätte ich so eine knappe Stunde verloren, die am Ende gefehlt hätte.

Über den “Neuen Weg” ging es vorbei an einigen Klettersteinen und einigen Wanderern, welche das Wetter lieber in der Stille des Waldes nutzen wollten, anstatt dass ihnen Zuhause die Decke auf den Kopf fällt – verständlich. Darunter war auch ein älteres Ehepaar in der Nähe zum Goldbach, die es sich gerade auf einem Baumstamm gemütlich machten, um ihr Mittag zu sich zu nehmen. Nach kurzem Plausch und einem “Bleibt gesund und passt auf euch auf” führte mich mein Weg aber auch schon weiter, vorbei an zwei Kletterern, welche sich gerade die Kleinsteinwand zu bezwingen wollten. Am Ende des “Neuen Weges” kamen mir zahlreiche Wanderer entgegen, darunter auch eine Familie, samt Kindern.

Wieder auf der Kirnitzschtalstraße angekommen, fuhr ein Polizeiauto an mir vorbei, die sich aber wenig um mich kümmerten, sie dachten wohl, dass ich die Wanderung sowieso nicht überleben würde, so ganz ohne Pullover oder Jacke, wie der Rest, der mir entgegenkommenden Wanderer 😂.

Vorbei an “Sturmbauers Eck”, gelangte ich über die Kirnitzschtalstraße zum Saupsdorfer Bach, der mich an den am weitesten entfernten Punkt meiner Wanderung führte: Zur Räumichtmühle ( diese liegt sogar schon außerhalb des Nationalparks ). Wenige Meter vor der Räumichtmühle bog ich in die Mühlschlüchte ab, um wieder in den Nationalpark zu gelangen, dabei entdeckte ich auf meinem Weg den Hang hinauf auch etwas, was ich den ganzen Winter nicht gesehen habe: Eis …

Ein Foto später, sollte es den Hang weiter hinauf gehen, um an einer kleinen Wanderhütte anzugelangen. Auch dieser Berg hatte es wieder in sich, so dass ich wenige Meter vor dieser Hütte eine Pause einlegen musste, eine Banane und einen kräftigen Schluck Zuckerwasser mit Zitronen-Limetten-Geschmack später, ging es weiter in Richtung des Kleinen Pohlshorn. Dies ließ ich rechts liegen und entschied mich, dem Weg weiter in Richtung des “Großen Bruders” zu folgen, dem Großen Pohlshorn. Natürlich entstand auch hier wieder das ein oder andere Foto, bevor es Zeit wurde, aufzubrechen.

Über den Dreisteigensteig, gelangte ich wieder einmal zur Kirnitzsch, bevor es leicht bergauf gehen sollte. Ab hier kannte ich Teile des Weges, führte mich diese doch “Auf Spuren des Rangers” entlang in Richtung Zeughaus. Da ein Umweg nicht in Frage kam, hieß es also zunächst den Hang zu erklimmen, um ihn wenige Minuten später wieder hinab zu laufen, doch bevor diese … Unsinnigkeit vonstatten gehen würde, entschied ich mich, dem Großen Teichstein einen Besuch abzustatten. Der Wind meinte es hier sogar gut, so dass die Bäume an der Aussicht genügend Schutz boten und ich in aller Ruhe für ein paar Minuten die Sonne genießen konnte …

Kurz vor 14 Uhr brach ich dann aber doch wieder auf – eine knappe viertel Stunde mussten als Erholung ausreichen, denn es gab noch eine große Herausforderung zu bewältigen. Mein Weg führte mich zum Zeughaus, vorbei am Rangerposten für die ARD-Filme “Der Ranger – Paradies Heimat“, in Richtung des Roßsteigs, welcher mich auf den Goldstein führen würde, auch hier waren wieder gute 180 Höhenmeter über fast einen Kilometer zu bewältigen. Als ich oben ankam, war ich erneut etwas außer Puste, so dass ich mich fragte, ob ich den Aufstieg zum Großen Winterberg noch schaffen würde 🤔. Da ich während der Wanderung versuchte, auf das iPad zu verzichten, wo alle Details zur Wanderung in “MapOut” hinterlegt waren, ließ ich mich vom Wanderweg überraschen, um nicht zu sehr in “Panik” zu verfallen.

Vom Abzweig Goldsteinaussicht, begleitete mich der Roßsteig weitere 1,5 Kilometer, bevor ich am Katzenstein dem Fremdenweg für weitere 1,1 Kilometer folgte, um am Ende des Weges den Großen Winterberg zu erreichen …

Auf dem großen Winterberg war ich vorher noch nie – so kannte ich das Restaurant bisher nur aus Erzählungen oder der Berichterstattung der vergangenen Jahre und die zugehörige Nationalparkinformationsstelle gar nicht. Als ich mir die Gebäude letztendlich etwas näher ansah, stellte ich fest, dass hier bereits seit einigen Jahren der Zahn der Zeit nagt.

Dabei erlebte das Haus in den letzten 200 Jahren einiges: Nachdem 1819 das erste Unterkunftshaus auf dem Südhang errichtet und schon 1821 abbrannte, wurde es kurz darauf wieder aufgebaut. Eine erste Aussichtsplattform gab es seit 1835. Zwischen 1840 bis 1846 wurde das heute bestehende Berghotel im Schweizerhausstil mit dem Aussichtsturm auf dem Nordgipfel erbaut – heute steht es unter Denkmalschutz. Nach zahlreichen wechselnden Gastgebern, stand das Haus vom 1. Juli 1964 bis ins Jahr 1966 im Betrieb der HO. Während der Niederschlagung des Prager Frühlings, war das Gebiet vom August 1968 bis Mitte 1969 durch die Sowjetarmee besetzt. Später diente es sowohl als Wohnheim für die Zollverwaltung, als auch ab Pfingsten 1973 der VEB Verkehrs- und Tiefbau Dresden als Betriebsferienheim. In den Jahren nach der politischen Wende stand das Haus bis 1994 leer und wurde ab Mai desselben Jahres wieder von Marc Henkenjohann und Marcus Ziegler aus Dresden in Pacht bewirtschaftet. Wegen fehlender Rentabilität wurden Gaststätte, Hotel und Aussichtsturm zum Ende der Wandersaison im Oktober 2016 vorübergehend geschlossen. Im Jahr 2017 öffneten Gaststätte und Aussichtsturm, bis Ende 2018 der Betrieb gänzlich eingestellt wurde und zuletzt durch einen Imbiss Wanderer versorgt wurden.

Inzwischen steht das Gebäude “leer”, es finden sich allerdings zahlreiche Relikte aus längst vergangenen Tagen, so wirkt das Restaurant wie in einen Winterschlaf verfallen, dessen Spuren bereits zum Teil an der Bausubstanz sichtbar sind. Das Haus zählt somit zu den neueren Lost-Places, also Orten bzw. Bauwerken, die ihre einstige Funktion heute nicht mehr erfüllen und in Vergessenheit geraten sind – letzteres kann man vom Großen Winterberg nicht behaupten … noch nicht.

Das Gute, wenn man einmal ganz oben angekommen ist, dass es von da aus nur noch bergab geht, zumindest im Falle einer Wanderung ist es nicht verkehrt, denn ehrlich gesagt war ich etwas fertig. Über die Winterbergstraße und den Bergsteig näherte ich mich so über gut 2,4 Kilometer der Elbe – von 556 gelangte ich so auf etwa 122 Meter. Ich wahr ehrlich gesagt froh gegen 16:08 Uhr unten zu sein, denn am Ende sind es gut 22,5 Kilometer und 1.090 Höhenmeter gewesen 😩.

Es liegen noch 48,6 Kilometer vor mir.

Etappe 4: Von Schmilka über den Papststein nach Königstein …

Zweite Hälfte des Jahres, inzwischen ist es schon September. Die vierte Etappe sollte zugleich als Gradmesser dienen, um eine noch viel schwierigere Tagestour zu meistern. Über 26,3 Kilometer mit 965 Metern Aufstieg und 977 Metern Abstieg ging es an jenem Tag – nach den Sächsischen Naturistentagen – von Schmilka, an der deutsch-tschechischen Grenze bis nach Königstein …

Doch wie so häufig, sollte ich am Abend zuvor mit Rat zur Seite stehen, um zwischenmenschliche Probleme zu lösen. Geplant war spätestens gegen 23 Uhr in der Falle zu liegen, doch leider … wurde es vor 1 Uhr nichts mit diesem Gedanken. So war es auch nicht verwunderlich, dass die Apple Watch etwas schief angesehen wurde, als sie versuchte mich 6:30 Uhr zu wecken. Vergebens. So blieb ich noch gut eine halbe Stunde liegen, bis der innere Schweinehund überwunden war – mit gut einer halben Stunde Verspätung konnte es 8:56 Uhr in Schmilka los gehen.

Bereits zu Beginn der Wanderung ging es ordentlich nach oben, der Aschersteig führte über 670 Meter etwa 170 Höhenmeter hinauf – bereits von einer Erkundungswanderung war dieser Weg bekannt, so dass auch einige ältere Wanderer recht schnell überholt werden konnten. Dennoch war am Ende des Aschersteigs mein Hemd – trotz knackigen 13 Grad – durchgeschwitzt. Ob während der Wanderung überhaupt die Möglichkeit bestehen würde, die übliche Wanderbekleidung anzuziehen ? Warten wir es ab …

Vom Aschersteig ging es entlang eines Feldes unterhalb der Kaiserkrone an eben jenem Stein in der Gemarkung Schöna vorbei, immer der Bahnhofstraße nach, wis ich irgendwann über die Hauptstraße zum Markt gelangte. Ein wenig ausgestorben wirkte Schöna um diese Zeit schon, nur einige wenige Wanderer ließen sich auf den Straßen blicken – waren sie doch zugleich auch die einzigen Gäste des Grenzdörfchens. Über den Feldrain oberhalb des Ortes bekam ich dann auch die erste Aussicht des Tages vor die Linse – leider entschieden sich die Entwickler von ProCamera, die Funktionen der App auch für zahlende Kunden etwas zu “limitieren”, so dass ich auf meinen geliebten HDR-Modus verzichten musste.

Also wurde die Standard-Kamera-App gezückt und das erste Panorama mit Blick auf den Großen und Kleinen Zschirnstein landete auf dem digitalen Film. Der Große Zschirnstein ist mit 560,3 Metern übrigens die höchste Erhebung in der Sächsischen Schweiz …

Der Weg “Am Feldrain” führte mich entlang von so manch interessantem Vorgarten, ein Besitzer seines Gartens entschied sich sogar den “Pleitegeier” in den Garten zu stellen – alternativ kann es sich hier aber auch einfach nur um einen Adler gehandelt haben 😄. Über den Grundweg, entlang am kleinen Mühlgrundbach entdeckte ich die Ruhe und Abgeschiedenheit mitten in Reinhardtsdorf-Schöna. Immer wieder traf ich dabei auf Wanderer, die es etwas gemütlicher angehen ließen und entlang des Malerwegs eine der vielen Bänke für sich beanspruchten. Kurz bevor der Grundweg sich seinem Ende näherte und in den Wald überging, bog der Teil des Caspar-David-Friedrich-Weges in den scheinbaren Wald ab – sollte jetzt die Chance kommen, die Klamotten im Rucksack zu verstauen ?

Leider nein, denn bereits nach nicht einmal 200 Metern ging es schon in die nächste Siedlung.

Wer Kostbarkeiten sucht wird erkennen das die Natur der größte Luxus ist.

Um eine Weisheit reicher, ging es einmal quer durch die Siedlung durch, bis ich mich am nächsten Feld wiederfand. Dabei fiel mir auch ein Gebäude auf dem Wolfberg auf – es sollte das Panoramahotel sein. Kurz vor 10 war es bereits, da erblickte ich einen großen Baum und … sollten das Bänke oder doch eher Bienenkästen sein ? Es war zum Glück Ersteres und so konnte die lange Hose in den Rucksack verstaut und gegen eine kurze Hose getauscht werden. Der angrenzende “Badeteich” lud nicht wirklich zu einem Bad ein, zumal sich die Fische wohl auch etwas gestört gefühlt hätten …

Vorbei am Wolfsberg ging es über einen gut geschotterten Weg rein nach Reinhardtsdorf – mit Blick auf den Falkenstein, die Torsteine des Schrammsteinmassivs und die Affensteine. Sogar der Große Winterberg war noch erkennbar, wie der Zirkelstein, auf Schönaer Seite. Über den Viehbigt, vorbei an der evangelischen Kirche verlief mein Weg oberhalb des Dorfes, lediglich von zwei Pferden beobachtet. Der Weg “Am Krippenberg” führte mich letztendlich dann in den Wald und für gut 1,77 Kilometer sollte dieser mein Begleiter sein. Still war es hier, lediglich eine Kettensäge war aus weiter Entfernung zu vernehmen und am Ausblick auf dem Kanigstein sah ich dann schon die ersten Ausläufer von Krippen, sowie meinen weiteren Weg auf der anderen Seite des Hügels.

So ging es runter nach Krippen und die am Aschersteig aufgestiegenen Höhenmeter wurden fast egalisiert – knapp 120 Meter ging es hinab, bevor es über die Friedrich-Gottlob-Keller-Straße relativ eben wieder in den Wald ging. Und wer hat’s erraten ? Es ging wieder hinauf, diesmal lediglich 100 Höhenmeter, doch etwas sollte sich am Eingang des Waldes ändern: Klamotten aus und ab damit in den Rucksack. Endlich 😌 …

War es im März, während der dritten Etappe noch zu kalt, um an eine Nacktwanderung zu denken, sollte dies zugleich meine erste Nacktwanderung ohne Begleitung sein. Wie würden die entgegenkommenden Textilwanderer wohl reagieren ? Viele oder auch wenige Fragen kreiselten im Kopf umher, zusätzlich zur typischen Gelassenheit …

Auch für jemanden, der die Pilze lieber im Wald stehen lässt, fand sich so manch schönes Exemplar, was auf Film festgehalten werden wollte. Gründe für’s Stehenlassen gibt es viele, zum Einen, da ich mich in diesem Metier nicht wirklich auskenne, zum anderen aber auch einfach, weil mir Pilze nicht schmecken.

Für gute 1,5 Kilometer konnte ich so die Freiheit genießen, bis es wieder Zeit wurde, die Klamotten auszupacken, denn es sollte mitten durch einen Gasthof gehen, da ja niemand provoziert werden soll, und die Liethenhäuser von Kleinhennersdorf nicht mehr weit waren. Am Ende des verschlafenen Dörfchens waren gerade zwei Jungs und zwei Mädels vom Team BrotZeitTour am Aufbauen für eine größere Gruppe Wanderer. Noch bevor der Tisch gedeckt wurde, nahm ich an jenem Platz, bis mich Kristin, die Inhaberin von BrotZeitTour darauf hinwies, dass die Gruppe in “etwa 30 Minuten” da sein sollte, ich könne aber “gern an dem Mahl teilnehmen”. “Vielen Dank”, entgegnete ich, entschied mich aber dennoch – es war ja schon fast Mittagszeit – meinen Eisalat und ein Brötchen zu essen. Sollte es Intuition sein, denn als eine Gruppe junger Männer erschien, erhielt Kristin einen Anruf und wurde von der Wandergruppe informiert, dass diese noch etwas länger brauchen würde. Aus einer halben wurde so anderthalb Stunde. Ich entschied mich die Zelte abzubrechen und entgegnete den Vieren nur: “Nehmt doch diese Gruppe”, mit Hinweis auf die nahende 20-köpfige Gruppe. Einem: “Könnten wir eigentlich machen”, folgte ein “Viel Erfolg noch und hoffentlich müsst ihr nicht zu lang warten”, bevor es in Richtung des Papststeins ging.

Über den “Alten Schulweg”, erreichte ich schließlich – vorbei an den letzten Ausläufern Kleinhennersdorfs – den Weg Richtung Papststein. Und hier traute ich meinen Augen kaum: Plötzlich kamen mir Textilwanderer, Familien und so manche Jung- bzw. Alt-Herrengruppe entgegen, es war regelrecht voll. An eine Nacktwanderung war nicht mal im Traum zu denken, also ging es am Bergsteigergesangspunkt mit Blick auf den Falkenstein und das Schrammstein-Massiv vorbei, bis ich mich unweit des Rastplatz “An der Brennnesselecke” entschied, die “Grüne Idylle” ( in Anlehnung an so manches Hintergrundbild ) auf digitalen Film zu bannen …

Die Wanderung über den Papststein zählt nicht nur wegen des Damwildgeheges zu einem echten Highlight, auch wenn Kinder dies ein wenig anders sehen 😉. Mein Weg führte mich hinauf zum Papststein und so wurden erneut gute 150 Höhenmeter genommen. Keine leichte Aufgabe, denn mit einem Mal wurde es richtig schwül und die Gefahr, dass Regen oder ein Gewitter aufzog, schien nicht abwegig zu sein. Aber so schnell der Spuk begann, so “schnell” löste er sich auch wieder in Luft auf.

Auf dem Papststein angekommen, war von dicker Luft nicht mehr viel zu spüren, die Aussichten wurden jedoch gemieden, denn am 20. September sollte mit der Globetrotter-Tour aus dem vergangenen Jahr der Papststein noch einmal besucht werden. Wichtige Erkenntnis der Wanderung: Treppen können im Galopp heruntergerannt werden, um Zeit zu sparen, die anschließend beim nächsten Aufstieg zusätzlich benötigt wird.

Erst wenn der letzte Baum gerodet, der letzte Fluß vergiftet, der letzte Fisch gefangen, werdet ihr feststellen, daß man Geld nicht essen kann.

Über den vollen Parkplatz zwischen Gohrisch und Papststein, vorbei an einer Weissagung der Cree, einem nordamerikanischen Indianer-Stamm, ging es hinauf zum Gohrisch. Spätestens am Gohrisch wurde der Entschluss gefällt, von der Wanderroute etwas abzuweichen und vereinzelte Aussichten zu besuchen – so entstand auch folgendes Bild des Klettergipfel “Muselmann”, wenige Augenblicke vor seiner Besteigung durch eine junge Kletterin mit ihrem Vater …

Wenige Meter entfernt schauten zwei Mädels – auf den ersten Blick für mich ratlos auf ihr iPhone und ich fragte sie, ob sie sich verlaufen hätten, doch sie erwiderten, dass sie nur eine Pause einlegen. “Na gut, dann noch viel Spaß” und ich folgte dem Aufstieg in Richtung des Pavillons. An der ersten oberen Aussicht angekommen, traf ich eine junge Mutter, die ihren Sprösslingen die Umgebung zu erklären versuchte, doch schon beim “Hohen Schneeberg” auf tschechischer Seite war sie dankbar, dass ihr jemand helfen konnte, den Namen des “irgendwas mit Winter”-Berges zu korrigieren. Der “Große Winterberg”, liegt in Deutschland, zudem noch auf der anderen Elbseite.

Der Gohrischstein wurde erst 1886 als einer der letzten Tafelberge […] touristisch erschlossen.

Oberförster Emil Grünewald ( 1842 – 1892 ) aus Cunnersdorf ließ mit Unterstützung des Gebirgsvereins die drei noch heute genutzten Aufstiege und im Jahr 1888 eine ( nach 1950 verfallene ) Schutzhütte errichten. Der Neubau erfolgte im Jahr 1998 durch den Heimatverein Gohrisch mit Unterstützung durch den Sachsenforst, die Gemeinde und vielen Einwohnern. Eine Wetterfahne auf der Nordwestaussicht gab es schon um 1900. Die jetzige wurde im Jahr 1983 errichtet und 1985 geweiht.

Noch um 1940 war der Tafelberg mit dichten Kiefernwald, Preisel- und Heidelbeersträuchern bewachsen. Infolge von Erosion, Trittschäden, verstärktem Luftschadstoffeintrag und darauf folgendem Absterben der Kiefernbestockung kam es seither an vielen Stellen zu einem enormen Bodenabtrag, teilweise bis auf den nackten Felsen. Das ist besonders deutlich in Richtung Nord ( Wetterfahnenaussicht ) erkennbar. Um Erosion zu vermeiden und die Vielfalt des Gipfels auch für die Zukunft zu bewahren, bitten wir die Besucher des Gohrischsteins um besondere Rücksichtnahme.

Theoretisch würde mich ( kaum dass ich auf dem Gohrisch angekommen war ) der bequeme Abstieg schon wieder hinunter führen, aber in Anbetracht der Tatsache, dass es nichtmal 13 Uhr war, entschied ich mich, der Wetterfahnenaussicht auf der Nordwestseite des Gohrisch einen Besuch abzustatten …

Das erste Panorama ging voll in die Hose, denn auf einmal tauchten mehrere Hundert bis Tausend Fliegen auf, woher diese kamen, wusste niemand so richtig von allen anwesenden Wanderern und sie schienen sich mit einer Vorliebe in der Nähe der Birke aufzuhalten. Erst der dritte Versuch gelang dann endlich, an eine Pause war ob der vielen Fliegen an dieser Stelle nicht zu denken.

Also ging es über den bequemen Aufstieg in Richtung des Muselweges. Bevor es über den Jagdsteig gehen würde, entschied ich mich, an “Onkel Paul’s Ruhe” vorbeizuschauen, wollte ich doch wissen, was es damit auf sich hat. Auch hier fand sich eine Hinweistafel:

Paul Zahn, “Onkel Paul” war ein wohlhabender Firmenbesitzer, der seinen Urlaub regelmäßig in Gohrisch verbrachte und dabei in “Annas Hof” logierte. Der Gesangsverein ernannte ihn zum Ehrenmitglied. Da er den Gebirgsverein unterstützte, legte man ihm zu Ehren Aussichtspunkt und Weg an. Höhepunkt war seinerzeit eine entsprechende Einweihungsfeier.

Ostern 1997 wurde die Anlage, welche in den dreißiger Jahren errichtet wurde, restauriert und dabei auch eine neue Weiß- bzw. Hainbuche gepflanzt.

Doch zurück zum Jagdsteig. Nachdem ich an einem Schild mit Ziel “Queckenborn” den Vermerk “Lohnend” las, wurde auch dieser Abstecher noch vollzogen, doch etwas enttäuscht kam ich zurück, denn die Quelle am Queckenborn ist infolge des langen Sommers versiegt. Also ging es wieder zurück zum Jagdsteig, vorbei am Heideberg in Richtung Pfaffendorf. Aus der Entfernung vernahm ich bereits reichlich Motorengeheul, und ich hoffte noch rechtzeitig etwas von diesem sehen zu können. Am Ende des “Alten Schulweg” angekommen, fand ich mich mitten in einer Oldtimer-Rallye wieder und ich erinnerte mich, dass ein entfernter Nachbar mit seinem Moskwitsch vor zwei Tagen mit seiner Frau zum Startpunkt der Rallye aufgebrochen war.

Die Liebe zu Autos der ehemaligen Sowjetunion und anderer Ostblock-Staaten hält sich bei mir in Grenzen, auch wenn es stets ein Genuss ist, Trabant, Wartburg und Co. auf unseren Straßen zu sehen. Viel interessanter ist es dann doch, wenn ein 1966er Ford Mustang über unsere Straßen galoppiert …

Hörbar war er auf jeden Fall, ihm schlossen sich ein Chrysler, eine Corvette C2 aus dem Jahre 1965 und ein Nissan 240Z, der in den Jahren 1969 bis 1978 gebaut wurde, an.

Nach diesen besonderen Momenten, die wohl nur “Petrol-Heads” wirklich nachvollziehen können, ging es über den Pfaffensteinweg zum letzten echten Anstieg des Tages: Dem Pfaffenstein selbst. Durch das Nadelöhr, einer tschechischen Gruppe voraus, erreichte ich nach neuerlichen 150 Höhenmetern die Bergaststätte auf dem Pfaffenstein. Gegessen wurde natürlich nichts, dafür blieb auch keine Zeit und so führte der “Bequeme Weg” zurück zum Kleinen Kuhstall. Ein Moment blieb aber dennoch Zeit, um einen Blick auf den “Lohn der Angst” zu werfen, der 1983 nach mehrmaligen Versuchen von Bernd Arnold zuerst begangen wurde.

Das Ende der Wanderung vor Augen, sollte ich aber dann doch nochmal in den Genuss kommen, etwas unbeschwert wandern zu gehen: Am Quirl war ich plötzlich allein im Wald und schon waren die Klamotten wieder im Rucksack verschwunden. Während der ganzen Wanderung war ich gezwungen die Klamotten anzubehalten – bis auf ein kleines Stück, doch am Quirl konnte ich dann doch noch gute 3,1 Kilometer so zurücklegen, wie es mir am liebsten gefiel. Bis Königstein konnte ich so echte Freiheit genießen und dabei alles rund um mich herum vergessen.

Für die letzte Etappe steht auf jeden Fall fest: Es wird kein Sonntag, auch kein Wochenende. Vielleicht in der Woche werden so die letzten Kilometer des Malerweg zurückgelegt. Wann, das entscheidet sich noch 😃.

Es liegen noch 22,3 Kilometer vor mir.

Wie geht es weiter ?

Lasst euch überraschen, wenn es die Zeit zulässt, folgt die fünfte und letzte Etappe, welche mich von Königstein bis nach Pirna führen wird. Geplant sind 22,3 Kilometer, welche über 661 Meter Aufstieg und 659 Meter Abstieg führen.

Wünscht mir Glück,
euer Martin

Diesen Beitrag teilen

Über Martin

Natürlich. Nackt. Frei. Seit Sommer 2015 haben diese drei Worte einen neuen Lebensweg für mich geprägt. Ich war es leid, immer wieder die richtigen Klamotten in Schuh- oder Bekleidungsgeschäften zu finden, nur um sie nach meiner nächsten Wanderung in die Waschmaschine werfen zu können. Der Bibel zufolge wurde der Mann nackt von Gott erschaffen - wir sehen dies sogar heute bei jeder Geburt, dass niemand mit einer Mütze geboren wird. Aber warum sollten wir Kleidung während einer Wanderung tragen ? Schließlich sind wir ein Teil der Natur und je mehr wir den Kontakt mit dieser erfahren, um so eher sind wir gewillt diese zu schützen. Für mich ist es daher wichtig, dass ich nicht nur meinen eigenen Körper der Natur aussetze, sondern dass meine Umwelt um mich herum geschützt wird …

4 Kommentare

  1. Hallo Martin, sehr schön geschrieben die Etappe vom ersten Tag.
    Ich wünsche dir viel Spaß und Erfolg für die weiteren Etappen.
    Nun sind wir auch alle gespannt auf die nächsten Berichte. 😃 👍 👍

  2. Und ob wir dir Glück wünschen, viel Spaß und ordentliches Wanderwetter
    ! 👍 😉

    1. Ich wünsche Dir ebenfalls viel Glück, super Wetter und komme bitte nicht vom Weg ab 😁😁

    2. Hallo Torsten,

      danke dir, vom Weg werde ich hoffentlich nicht abkommen. Bisher war die Ausschilderung des Malerwegs jedenfalls erstklassig, das iPad war bei der ersten Etappe also umsonst dabei, mal schauen, wie es morgen wird, da geht es durchs Polenztal.

      Liebe Grüße,
      Martin

Hinterlasse einen Kommentar