Liebe Wanderfreunde,

als Teil einer kleinen Serie, möchten wir euch in die Geschichte entfĂŒhren, als noch Raubritter, Banditen und Wegelagerer die SĂ€chsische Schweiz fĂŒr sich beanspruchten. WĂ€hrend dieser Wanderung werden wir das Hintere Raubschloss auf dem Winterstein erobern und dabei auch eine Kletterpartie am BĂ€renfangwĂ€ndesteig einlegen â€Š

Sammelparkplatz

Der Parkplatz an der NeumannmĂŒhle bietet reichlich Platz fĂŒr uns, wenn ihr wollt, können wir uns aber auch auf dem Parkplatz vor dem Eingang des Waldcampingplatzes in Pirna-Copitz an der Äußeren Pillnitzer Straße 18 in 01796 Pirna treffen.

TreffpunktParkplatz an der NeumannmĂŒhle
KoordinatenN50.923164° E14.284650°
 N50° 55.389853′ E14° 17.079058′
 N50° 55′ 23.3911″ E14° 17′ 4.7434″
AdresseKirnitzschtalstraße 4, 01855 Sebnitz
Schwierige Variante ( H1-22A )
‌5:30‌8,85 km‌414 m‌414 m
Einfache Variante ( H1-22B )
‌5:30‌8,59 km‌357 m‌357 m

Verlauf der Wanderung

Vom Parkplatz folgen wir der Zschandstraße fĂŒr etwa 90 Meter, bevor es in die SpitzsteinschlĂŒchte zu unserer Rechten geht. Die SpitzsteinschlĂŒchte verlaufen dabei ĂŒber Waldboden, wobei uns hin-und-wieder vereinzelte Stufen unter die FĂŒĂŸe kommen, bereits am Anfang mĂŒssen wir einige Steine in einer kleinen Kletterpartie ĂŒberwinden. Der Großteil dieser Schlucht verlĂ€uft jedoch eben, so dass wir ĂŒber die gesamten 460 Meter nur etwa 80 Höhenmeter bewĂ€ltigen. Am Ende folgen zahlreiche Stufen, welche uns in Richtung des Lorenzweges fĂŒhren.

Der Lorenzweg, geht wenig spĂ€ter in die Knorre ĂŒber, die uns unweit vom Fuße des Großen Lorenzsteins durch den einstigen Wald geleitet. Über etwa einen Kilometer wird der Waldweg von nun an etwas steinig, bis wir an der nĂ€chsten Kreuzung auf die Zeughausstraße nach rechts abbiegen, um wenig spĂ€ter den BuchschlĂŒchten linker Hand ĂŒber den Waldweg zum Winterstein zu folgen. Die BuchschlĂŒchte geleiten uns fĂŒr etwa 520 Meter den Hang hinauf, so dass hier gut 60 Höhenmeter ĂŒberwunden werden mĂŒssen, bevor es in die Raubsteiner SchlĂŒchte fĂŒr weitere 180 Meter geht.

Die darauffolgende Kreuzung fĂŒhrt uns in Richtung des Wintersteins, auch als Hinteres Raubschloss bekannt. Nach etwa 130 Metern haben wir auch schon die erste von vier Leitern erreicht, die uns auf das Plateau des Wintersteins fĂŒhren wird. WĂ€hrend die ersten beiden Treppen noch einfach zu bewĂ€ltigen sind, â€Š


 ist das Plateau des Wintersteins nur ĂŒber eine dritte Treppe erst wirklich erreichbar, die euch ĂŒber etwa 7,5 Meter hinauf fĂŒhrt. Ihr habt dabei stets den Boden gut sichtbar unter euren FĂŒĂŸen – spĂ€testens hier solltet ihr wissen, ob ihr höhentauglich seid. Der weitere Weg hinauf fĂŒhrt zwischen den Steinen ĂŒber Stufen entlang zur letzten kleinen Leiter, bevor ĂŒber die Steine des Plateaus ein Weg gefunden werden will, um letztendlich die herrliche Aussicht zu genießen.

Auf dem Winterstein, können auch heute noch die letzten Relikte der einstigen bedeutenden mittelalterlichen Felsenburg bewundert werden, so finden sich unweit des Aufstiegs letzte Reste des Wohnturms. Die Burg entstand bereits um das Jahr 1200, wĂ€hrend der Regierungszeit Karl IV. gelangte sie in das Eigentum des böhmischen Königs. In den Jahren bis ins 15. Jahrhundert wechselte der Winterstein mehrfach den Besitzer, so dass sie 1406 im Zuge der Dohnaischen Fehde in einem Invasionskrieg von Markgraf Wilhelm I. erobert wurde. In den folgenden zwei Jahren wurde eine markmeißnerische Besatzung in Form von Dresdner Knechten stationiert.

Der rechtselbische Besitz im Gebiet der Affensteine, des Zschands und des oberen Kirnitzschtals konnte jedoch nicht dauerhaft von den Wettinern in Besitz genommen werden, so dass im Jahre 1408 Hinco II. Berka von der DubĂĄ auf Hohnstein in den Besitz des Wintersteins gelangte. Wie ihm dies gelang ist unbekannt, bekannt sind nur seine hohen Ämter am böhmischen Hof. Als Hinco II. seinen Besitz 1410 in die Verwaltung seiner Söhne ĂŒbergab, entstand aus einem Teil der Herrschaft Hohnstein die neue Herrschaft Wildenstein, zu der auch einige Dörfer des Wintersteins, wie Hinterhermsdorf und Sebnitz gehörten. Im Zuge dessen entstand auch das Schloss Wildenstein auf den Neuen Wildenstein.

Als die Dresdner Stadtknechte den Winterstein verließen, zerstörten sie dabei einen erheblichen Teil der Burganlage, diese wurde von den Berken nicht wieder aufgebaut.

In verschiedenen Quellen ist ab 1441 ein “Recke zcum Wintersteine” oder auch “Racek von oder zum Wintersteine” aufgefĂŒhrt, der sich als Raubritter betĂ€tigte. Im gleichen Jahr forderte KurfĂŒrst Friedrich der SanftmĂŒtige von den Berken von der DubĂĄ als Herren der Herrschaften Wildenstein und Hohnstein sowie von Johann von Wartenberg auf Blankenstein, dass sie dem Racek vom Winterstein und weiteren böhmischen Burgrittern keine UnterstĂŒtzung zu leisten, sondern vielmehr ihn bei dessen BekĂ€mpfung zu unterstĂŒtzen hĂ€tten. Entsprechend der Zusage der Berken und der Wartenberger scheint dem Recken noch im gleichen Jahr die Burg abgenommen worden zu sein. Die Burg des Racek zum Winterstein kam danach in den Besitz Johanns von Wartenberg, der sie am 24. Juli 1441 an den Oberlausitzer SechsstĂ€dtebund verkaufte.

Die Legende vom Raubritter Recke vom Winterstein, bleibt nur eine Legende, denn auch wenn die Bevölkerung den Winterstein als Hinteres Raubschloss bezeichnet, gab es in der Vergangenheit keine Handelsstraße zwischen der Elbe und Zittau, die unter dem Winterstein in der SĂ€chsischen Schweiz verlief.

Unser Weg vom Winterstein bzw. dem Hinteren Raubschloss fĂŒhrt uns die Leitern hinab, zurĂŒck zum Aufstieg, den wir genommen haben. Nun habt ihr die Möglichkeit, euch entweder ĂŒber den BĂ€renfangwĂ€ndesteig und dem BĂ€rfangkegel oder das HintergrĂŒndel, vorbei an der Marienhöhle, zur Goldsteinaussicht zu begeben.

( H1-22A ) Über den BĂ€renfangwĂ€ndesteig â€Š

An der Kreuzung zu den Raubsteiner SchlĂŒchten begeben wir uns links die Stufen hinab, bis uns nach 220 Metern die erste Abbiegung zur Rechten in die Kernzone fĂŒhrt. Der folgende Weg verlĂ€uft zum Teil abenteuerlich durch umgestĂŒrzte BĂ€ume, aber auch einfache Waldwege, bevor wir am BĂ€renfangwĂ€ndesteig angelangen. Vereinfacht gesagt, trefft ihr hier auf eine Stiege, die aus zahllosen Steinen besteht und uns ĂŒber 240 Meter gute 80 Höhenmeter den Berg hinauf fĂŒhrt – ihr solltet hier schon ein gewisses Maß an Klettererfahrung besitzen.

Wenn ihr dem BĂ€rfangkegel einen Besuch abstatten möchtet, so erwartet euch zunĂ€chst ein Waldweg, bis ihr zu einer zwei-stufigen Leiter gelangt. Von dieser fĂŒhrt der Weg weiter in Richtung des Aussichtspunkts auf dem Klettergipfel. Um die Aussicht zu erreichen, bedarf es eines beherzten Sprungs ĂŒber einen 50 Zentimeter breiten Spalt â€Š

Der Weg fĂŒhrt euch genauso zurĂŒck, wie ihr ihn gekommen seid.

Das letzte StĂŒck dieser Alternative fĂŒhrt euch ĂŒber lockeren Waldboden und ein gemĂ€chliches Auf und Ab in gut 650 Metern zum Gehackten Weg.

( H1-22B ) Entlang der Marienhöhle â€Š

Wenn ihr eher ungern ĂŒber grĂ¶ĂŸere Steine klettert, so bietet sich der Weg durch das HintergrĂŒndel, entlang der Marienhöhle an. Unser Weg fĂŒhrt und hierfĂŒr zunĂ€chst an der Kreuzung zu den Raubsteiner SchlĂŒchten rechts die Stufen hinab, bis nach 180 Metern an der Kreuzung dem Königsweg fĂŒr weitere 910 Meter folgen. Bitte beachtet, dass der Königsweg nach etwa 320 Metern eine scharfe Linkskurve nimmt. Mit Erreichen der Abzweigung zum HintergrĂŒndel, folgen wir dem Weg rechts entlang des Steins, der uns auf einen schwierigen Wanderweg geleitet – gekennzeichnet durch einen grĂŒnen Pfeil auf weißen Grund an einem Baum zu unserer Linken ( dieser ist einige Meter versteckt im HintergrĂŒndel erst zu sehen ).

Über das HintergrĂŒndel verlĂ€uft unser Weg nun von etwa 350 auf 450 Höhenmeter, dabei legen wir eine Strecke von lediglich 390 Metern zurĂŒck. Am Ende dieses Aufstiegs, welcher an der Marienhöhle vorbeifĂŒhrt, folgen wir dem Gehackten Weg fĂŒr weitere 130 Meter, um an der nĂ€chsten Kreuzung auf unsere Freunde zu treffen.

Wieder vereint â€Š

An der Kreuzung des Gehackten Weges, folgen wir diesem zu unserer Linken in Richtung des Roßsteiges, bevor wir nach gut 320 Metern an der Goldsteinaussicht angelangen. Von der Goldsteinaussicht, welche etwa 90 Meter vom Abzweig entfernt liegt, erhalten wir eine wunderbare Sicht auf den Großen Zschand und sogar ( bei gutem Wetter ) einen Blick auf das Dörfchen VysokĂĄ LĂ­pa in der Tschechischen Republik â€Š

ZurĂŒck am Abzweig zur Goldsteinaussicht folgen wir dem Roßsteig den Berg hinab, der uns auf den Spuren des Malerwegs ĂŒber rund 1,2 Kilometer gut 200 Höhenmeter hinab zum Zeughaus fĂŒhrt. Vom Zeughaus verlĂ€uft die Zeughausstraße, bis diese in die Zschandstraße ĂŒbergeht, fĂŒr reichlich 1,9 Kilometer ĂŒber eine Mischung aus asphaltierten und gesplitteten Wegen in Richtung des Parkplatzes an der NeumannmĂŒhle, zurĂŒck.

Besonderheiten

Am Ende der Wanderung haben wir die Möglichkeit, uns wenige Meter vom Parkplatz entfernt, in der Kirnitzsch abzukĂŒhlen. Das Ufer an der Kirnitzsch ist geprĂ€gt von einem Sandstrand, allerdings befinden sich im Gebirgsfluss einige Steine.

Beschaffenheit der Wege

Die gesamte Route ist fĂŒr Barfuß-Wanderer nur bedingt geeignet. WĂ€hrend wir uns fĂŒr ein kurzes StĂŒck zu Beginn der Wanderung auf der asphaltierten Zschandstraße bewegen, folgt mit der Knorre ein ĂŒber lĂ€ngere Strecken gesplitteter Weg. Von da an bewegen wir uns grĂ¶ĂŸtenteils auf Waldboden, jedoch mĂŒssen im Verlauf des BĂ€renfangwĂ€ndesteiges zahlreiche Steine erklommen werden. Die Steiganlagen am Winterstein weisen mehrere Leitern und Stufen mit Gittern auf. Das Ende der Wanderung verlĂ€uft ĂŒber die gut gesplittete und asphaltierte Zeughausstraße bzw. Zschandstraße.

Einkehrmöglichkeiten

Am Zeughaus gibt es eine kleine Imbissstelle, welche nur darauf wartet von euch besucht zu werden. Die Preisgestaltung kommt dabei auch Wanderern mit kleinem Geldbeutel entgegen.

Download der Routen

Wenn du ĂŒber ein GPS-GerĂ€t oder eine App auf deinem Smartphone besitzt, kannst du dir die Route herunterladen und uns bei der Wanderung unterstĂŒtzen. Je mehr Wanderer die Route besitzen, um so eher können die Fotografen unter uns sich die Zeit fĂŒr ein perfektes Foto nehmen.

“Sachsen_H1-22A.gpx”
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“Sachsen_H1-22B.gpx”
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Download der Routenbeschreibung

Du möchtest einmal unabhĂ€ngig von uns diese Wanderung unternehmen ? Kein Problem, lade dir dazu einfach die Routenbeschreibung herunter, welche den obigen Text, sowie die Daten zu Parkmöglichkeiten, Dauer und LĂ€nge der Wanderung enthĂ€lt.

“Sachsen_H1-22.pdf”
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Hinweis: Wenn du die Route bzw. Routenbeschreibung auf deinen Computer herunterladen möchtest, so klicke einfach mit der rechten Maustaste auf den Link und wĂ€hle “VerknĂŒpfte Datei laden” bzw. einen vergleichbaren Eintrag aus.

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Über Martin

NatĂŒrlich. Nackt. Frei. Seit Sommer 2015 haben diese drei Worte einen neuen Lebensweg fĂŒr mich geprĂ€gt. Ich war es leid, immer wieder die richtigen Klamotten in Schuh- oder BekleidungsgeschĂ€ften zu finden, nur um sie nach meiner nĂ€chsten Wanderung in die Waschmaschine werfen zu können. Der Bibel zufolge wurde der Mann nackt von Gott erschaffen - wir sehen dies sogar heute bei jeder Geburt, dass niemand mit einer MĂŒtze geboren wird. Aber warum sollten wir Kleidung wĂ€hrend einer Wanderung tragen ? Schließlich sind wir ein Teil der Natur und je mehr wir den Kontakt mit dieser erfahren, um so eher sind wir gewillt diese zu schĂŒtzen. FĂŒr mich ist es daher wichtig, dass ich nicht nur meinen eigenen Körper der Natur aussetze, sondern dass meine Umwelt um mich herum geschĂŒtzt wird 


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