Liebe Wanderfreunde,

als Teil einer kleinen Serie, möchten wir euch in die Geschichte entfĂŒhren, als noch Raubritter, Banditen und Wegelagerer die SĂ€chsische Schweiz fĂŒr sich beanspruchten. WĂ€hrend dieser Wanderung werden wir dem einstigen herrschaftlichen Sitz der Berken von DubĂĄ auf dem Neuen Wildenstein einen Besuch abstatten und herausfinden, wie der Kuhstall zu seinem Namen gelangte â€Š

Sammelparkplatz

Der Parkplatz am, Beuthenfall bietet reichlich Platz fĂŒr uns, wenn ihr wollt, können wir uns aber auch auf dem Parkplatz vor dem Eingang des Waldcampingplatzes in Pirna-Copitz an der Äußeren Pillnitzer Straße 18 in 01796 Pirna treffen.

TreffpunktParkplatz am Beuthenfall
KoordinatenN50.926551° E14.236947°
 N50° 55.593061′ E14° 14.216833′
 N50° 55′ 35.5836″ E14° 14′ 13.0099″
AdresseKirnitzschtalstraße, 01855 Sebnitz
‌5:30‌9,41 km‌281 m‌281 m

Verlauf der Wanderung

Der Parkplatz am Beuthenfall ist Ausgangspunkt zahlreicher Wanderungen in die Hintere SĂ€chsische Schweiz, speziell in das Gebiet rund um die Affensteine, aber auch wĂ€hrend dieser Wanderung werden wir von jenem Parkplatz starten und so fĂŒhrt unser Weg vom Parkplatz in den Dietrichsgrund. Nach etwa 180 Metern folgen wir der ersten Abzweigung zur Linken und begeben uns ĂŒber den gut ausgebauten RĂ€umichtweg in Richtung des Hinteren Kuhstallweges. WĂ€hrend dieser 1,3 Kilometer werden wir etwa 60 Höhenmeter ĂŒberwinden.

Am Hinteren Kuhstallweg angekommen, begleitet uns dieser fĂŒr 340 Meter, bis wir die Kreuzung Kuhstall / SĂŒdaufstieg erreichen – hier werden wir noch einmal gute 60 Höhenmeter bewĂ€ltigen. Der Aufstieg zum Kuhstall ist von nun an geprĂ€gt durch eine Leiter, gefolgt von zahllosen Stufen, welche uns entlang des schmalen Pfads zwischen dem Neuen Wildenstein und der nahen Kuhstallscheibe fĂŒhren. Die letzte Stufe hinter uns liegend, haben wir auch schon den Kuhstall, das zugehörige Gasthaus und die beeindruckende Aussicht erreicht.

Doch wie gelangte der Kuhstall nun zu seinem Namen ?

Es gibt zwei mögliche Ursachen: Zum einen versteckte die Bevölkerung der umliegenden Orte wĂ€hrend des DreißigjĂ€hrigen Kriegs ihr Vieh vor den marodierenden schwedischen Soldaten, andererseits wird auch vermutet, dass bereits die Bewohner der mittelalterlichen Burg – gebaut von den Berken von DubĂĄ – hier ihr Vieh unterbrachten.

Heute ist der Kuhstall eine wichtige Station entlang des Malerweges. August von Goethe besuchte im Jahre 1819 den Felsen, samt seiner Bergwirtschaft und berichtete:

Eine freundliche Bewirthung mit Bier, Erdbeeren, Limonade u. Rum machten diesen Punct auch zu einem Erholungsplatz fĂŒr den hungrigen und ermĂŒdeten Körper.

Von der Aussichtsterrasse sind die Kletterfelsen der Hinteren SĂ€chsischen Schweiz in einem weiten Panorama sichtbar. Durch eine kleine Höhle gelangen wir in Richtung der Himmelsleiter, die uns hinauf zu den Resten der frĂŒheren Burganlage fĂŒhrt â€Š

Vom herrschaftlichen Besitz der Berken und der – spĂ€ter – zur Raubritterburg verkommenen Anlage ist heute nicht mehr viel zu sehen, um so mehr können wir die Aussicht genießen, alten Geschichten lauschen und die Zeit fĂŒr eine kleine StĂ€rkung nutzen.

Die Burg Wildenstein gehörte einst dem böhmischen Adelsgeschlecht der Berka von der DubĂĄ und wurde 1409 von Hinko II. von DubĂĄ errichtet. Durch Erbteilung ĂŒbergab er im Jahre 1410 die Herrschaft an seinen zweiten Sohn Heinrich von der DubĂĄ. Als Mittelpunkt seiner Herrschaft, wurde die Felsenfeste weiter ausgebaut. Neben den StĂ€dten Neustadt und Sebnitz gehörten 18 weitere Dörfer mit insgesamt 233 zinspflichtigen MĂ€nnern zu dieser Herrschaft.

Im Laufe der Zeit, sowie durch Fehden, Misswirtschaft, Zersplitterung des Besitzes und dem allgemeinen Niedergang des Ritterstands sank das Geschlecht der Berka in das Raubrittertum ab. Die Raubritter machten dabei auch nicht vor Übergriffen auf sĂ€chsisches und bischöflich-meißnerisches Gebiet, sowie den Handelswegen des Oberlausitzer SechsstĂ€dtebundes halt, weshalb sie am Ende zielgerichtet bekĂ€mpft wurden. 1425 wurde die Burg Wildenstein erstmals vom KurfĂŒrstentum Sachsen und dem SechsstĂ€dtebund belagert. Bei einer erneuten Belagerung im Jahre 1435 wurde die Burg schließlich eingenommen.

Nach einer Vermittlung durch Kaiser Sigismund zogen die Sachsen 1436 ab. Auf Grundlage dieses Friedensabkommens kam es 1436 zur WaffenbrĂŒderschaft mit dem KurfĂŒrstentum Sachsen, um die Raubritterfeste Burg Arnstein zu belagern, doch bereits 1437 brachen die Berken wieder zu RaubzĂŒgen auf, sodass die Burg in den Jahren 1439/40 erneut erobert wurde. Das anschließende Friedensversprechen wurde von den Berken erneut gebrochen – ihre Herrschaft endete am 8. April 1451, als die Herrschaft Wildenstein an die Wettiner ĂŒberging.

Doch genug der alten Geschichten, denn unser Weg fĂŒhrt uns die Stufen auf der Westseite des Neuen Wildensteins zurĂŒck in Richtung des Schneiderlochs. Das Schneiderloch selbst, ist eine kleine Höhle und kann in einer schmalen Höhle und einige Eisen im Stein erreicht werden.

Vom Schneiderloch zurĂŒck, fĂŒhrt unser Weg vorbei am Biergarten des Gasthauses in Richtung der Kuhstallstraße. Nach etwa 180 Metern folgen wir der Alten Straße, um ĂŒber rund 1,1 Kilometer etwa 125 Meter hinab in Richtung des FlĂ¶ĂŸersteigs zu gelangen. Am FlĂ¶ĂŸersteig, bietet es sich an, die Schuhe in den Rucksack zu packen, denn von nun an verlĂ€uft unser Weg ĂŒber Waldboden, stets in der NĂ€he zur Kirnitzsch. Im Verlauf des FlĂ¶ĂŸersteigs erreichen wir auch die Reste einer alten MĂŒhle – GebĂ€ude sind zwar keine mehr vorzufinden, doch findet sich eine wunderschöne große Badestelle im einst geschĂ€ftigen Bereich wieder.

An der FelsenmĂŒhle angelangt, endet auch schon wieder der barfuß-freundliche Weg und so folgen wir dem Kleinen Zschand fĂŒr gut 1,2 Kilometer in stetem Auf und Ab, bis wir uns den Quenenwiesen nĂ€hern – der ungewöhnliche Name entstammt vermutlich dem mittelhochdeutschen “quinen”, was so viel bedeutet, wie “dahinschwinden”, da hier weitgehend viele WasserlĂ€ufe verschwindenden. Möglicherweise leitet sich der Name aber auch von dem mittelhochdeutschen “kinen” fĂŒr “sich spalten” ab, da das Tal hier verzweigt ist â€Š

An der Kreuzung vor den Quenenwiesen angekommen, biegen wir rechts ab, um auf die Zeughausstraße zu gelangen. Alternativ können wir die Wiesen auch fĂŒr eine kurze Sonnenpause nutzen.

Unser Weg ĂŒber die Zeughausstraße steigt zu Beginn etwas an, so dass wir noch einmal knapp 50 Höhenmeter bewĂ€ltigen mĂŒssen, bevor es den restlichen Teil der Wanderung bergab geht. Nach insgesamt 2,3 Kilometern gelangen wir wieder in den Dietrichsgrund, welcher uns zum Parkplatz zurĂŒckfĂŒhrt.

Besonderheiten

Am Ende der Wanderung, sowie auf einem Teil des FlĂ¶ĂŸersteigs haben wir die Möglichkeit, uns in der Kirnitzsch abzukĂŒhlen. Das Ufer der Kirnitzsch in der NĂ€he zum Parkplatz ist geprĂ€gt von einem kleinen Sandstrand, wĂ€hrend am FlĂ¶ĂŸersteig eine 50 Zentimeter hohe Mauer ( die Überreste einer alten MĂŒhle ) das Ufer der Kirnitzsch markiert. In beiden FĂ€llen befinden sich im Gebirgsfluss einige Steine.

Beschaffenheit der Wege

Die gesamte Route ist fĂŒr Barfuß-Wanderer eher ungeeignet. Wir werden uns auf zahllosen befestigten und gesplitteten Wegen begeben, lediglich der rund 1,6 Kilometer lange Teil des FlĂ¶ĂŸersteigs verlĂ€uft ĂŒber Waldboden. Auf dem Weg zum Kuhstall befindet sich eine Leiter. Wenn ihr den Neuen Wildenstein erklimmen wollt, so erwartet euch mit der Himmelsleiter eine schmale Treppe zwischen den Steinen, die hinauf zum Plateau fĂŒhrt.

Einkehrmöglichkeiten

Zu FĂŒĂŸen des Neuen Wildensteins befindet sich das Gasthaus “Am Kuhstall”, wo wir bei guter regionaler KĂŒche eine kurze Rast einlegen können. Die Preise schonen dabei auch kleinere Geldbeutel.

Download der Routen

Wenn du ĂŒber ein GPS-GerĂ€t oder eine App auf deinem Smartphone besitzt, kannst du dir die Route herunterladen und uns bei der Wanderung unterstĂŒtzen. Je mehr Wanderer die Route besitzen, um so eher können die Fotografen unter uns sich die Zeit fĂŒr ein perfektes Foto nehmen.

“Sachsen_H1-21.gpx”
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Download der Routenbeschreibung

Du möchtest einmal unabhĂ€ngig von uns diese Wanderung unternehmen ? Kein Problem, lade dir dazu einfach die Routenbeschreibung herunter, welche den obigen Text, sowie die Daten zu Parkmöglichkeiten, Dauer und LĂ€nge der Wanderung enthĂ€lt.

“Sachsen_H1-21.pdf”
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Hinweis: Wenn du die Route bzw. Routenbeschreibung auf deinen Computer herunterladen möchtest, so klicke einfach mit der rechten Maustaste auf den Link und wĂ€hle “VerknĂŒpfte Datei laden” bzw. einen vergleichbaren Eintrag aus.

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Über Martin

NatĂŒrlich. Nackt. Frei. Seit Sommer 2015 haben diese drei Worte einen neuen Lebensweg fĂŒr mich geprĂ€gt. Ich war es leid, immer wieder die richtigen Klamotten in Schuh- oder BekleidungsgeschĂ€ften zu finden, nur um sie nach meiner nĂ€chsten Wanderung in die Waschmaschine werfen zu können. Der Bibel zufolge wurde der Mann nackt von Gott erschaffen - wir sehen dies sogar heute bei jeder Geburt, dass niemand mit einer MĂŒtze geboren wird. Aber warum sollten wir Kleidung wĂ€hrend einer Wanderung tragen ? Schließlich sind wir ein Teil der Natur und je mehr wir den Kontakt mit dieser erfahren, um so eher sind wir gewillt diese zu schĂŒtzen. FĂŒr mich ist es daher wichtig, dass ich nicht nur meinen eigenen Körper der Natur aussetze, sondern dass meine Umwelt um mich herum geschĂŒtzt wird 


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